Vorname
Der Vorname einer Person ist der Teil des Namens, der nicht die Zugehörigkeit zu einer Familie ausdrĂŒckt, sondern diese innerhalb der Familie identifiziert.
Die Vornamen eines Menschen werden nach seiner Geburt von seinen Eltern bestimmt. In manchen LÀndern (wie z. B. Deutschland) gibt es Reglementierungen, die die Freiheit der Wahl des Vornamens einschrÀnken.
Im Deutschen und in den meisten anderen europÀischen Sprachen stehen die Vornamen (als individuelle Namen) vor dem Familiennamen (von regionalen Ausnahmen abgesehen), wÀhrend beispielsweise im Ungarischen, Vietnamesischen, Chinesischen, Japanischen oder Koreanischen der von den Eltern bestimmte individuelle Name hinter dem Familiennamen steht. Im deutschen Sprachraum bezeichnet man als Rufnamen den- oder diejenigen Vornamen, unter denen eine Person angesprochen wird.
Im anglo-amerikanischen Sprachraum sind Zwischennamen gebrĂ€uchlich, die auch Mittelnamen (middle names) genannt und meistens mit dem Anfangsbuchstaben abgekĂŒrzt werden (middle initials). Auch im Ostfriesischen gibt es Zwischennamen. Im Russischen steht der Vatersname zwischen dem Vor- und dem Familiennamen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Funktion
In westlichen Kulturen dient der Vorname innerhalb einer Familie zur Unterscheidung zwischen den Familienmitgliedern (im Unterschied zum Familiennamen, der die Zugehörigkeit zu einer Familie ausdrĂŒckt).
Es gab Gegenden in Deutschland (zum Beispiel in ThĂŒringen), in denen es durchaus möglich war, zwei oder mehrere, ja alle gleichzeitig lebenden Kinder derselben Familie mit demselben Vornamen taufen zu lassen. Man unterschied dann zwischen âGroĂ-Hansâ und âKlein-Hansâ usw. Manchmal ist die Gleichnamigkeit nur sekundĂ€r oder scheinbar, wenn etwa bei einem Doppelnamen wie âJohann Christophâ ein Namensteil im praktischen Gebrauch ausfiel oder vergessen wurde und nicht selten bei der Heirat oder beim Tode dieser Person dann ein neuer Doppelname erfunden wurde. Genealogische Nachforschungen werden dadurch erschwert (siehe auch Toter Punkt).
Im ostfriesischen Raum war es bis in die 1970er-Jahre ĂŒblich, dem erstgeborenen Sohn den Namen des GroĂvaters vĂ€terlicherseits zu geben. Dem GroĂvater seinerseits wurde dann der als ehrenvoll empfundene Zusatz â-Ohmâ gegeben. Beispiel: GroĂvater: Hinrich, Vater: Harm, Sohn: Hinrich. Aus dem GroĂvater wurde somit âHinnerk-Ohmâ. Bei weiblichen Namen galt das gleiche, nur wurde hier dem MĂ€dchen der Name der GroĂmutter gegeben, die Ahnin selbst wurde angesprochen durch den Zusatz â-möhâ. Beispiel: GroĂmutter: Gertje, Mutter: Jantje, Tochter: Gertje. Aus der GroĂmutter wurde dann âGerthe-Möhâ. Diese Regelung wird aber kaum noch praktiziert.
Soziologisch gesehen gibt es einen Ablauf der Namensgebung, der sich in Wellenform immer wiederholt: Die soziale Oberschicht gibt ihren Kindern Vornamen, die besonders erwĂ€hlt sind und sie vom einfachen Volk unterscheiden sollen. In den folgenden Jahrzehnten gibt die Unterschicht ihren Kindern auch diese Namen. Dadurch werden diese Namen âgewöhnlichâ, und die Oberschicht sieht sich veranlasst, neue Vornamen zu geben oder auf sehr alte und ungebrĂ€uchlich gewordene Namen zurĂŒckzugreifen oder Doppelnamen zu bilden. Um 1600 begann auf diese Weise die Bildung von Doppel-Vornamen. Als schlieĂlich alle Kinder mehrere Vornamen hatten, begann die Oberschicht wieder, nur einen einzigen Vornamen zu vergeben. So folgt seit Jahrhunderten Modewelle auf Modewelle.
Die Namensgebung spielte im deutschen Sprachraum lange auch eine politische Rolle: Zum einen wurden von den Kirchen christliche und hebrÀische Namen gefördert (so lieà Johannes Calvin zur Taufe nur biblische Namen zu), zum anderen nahm die Zahl der gebrÀuchlichen unterschiedlichen Vornamen mit der Zeit ab.
Funktion (erster Teil eines zusammengesetzten Namens) und Bedeutung (Unterscheidungsname zwischen Familienmitgliedern) fallen in westlichen Kulturen zusammen. In vielen asiatischen und afrikanischen Kulturen wird allerdings erst der Familienname und danach der Familienmitgliedsname genannt. Das ist auch im Ungarischen der Fall. Im sĂŒddeutschen Sprachraum ist es gĂ€ngige Praxis in der Umgangssprache. Beispiel: âder Köhlers Wernerâ oder auch âder Köhler Wernerâ. Obwohl der Familienmitgliedsname in diesen FĂ€llen nicht mehr vor dem Familiennamen steht, wird er trotzdem von Mitgliedern westlicher Kulturen Vorname genannt.
In einigen LÀndern gibt es zwischen Vornamen und Familiennamen noch den Vatersnamen, wie zum Beispiel in Russland. Als Rufnamen dienen dann oft Vor- und Vatersnamen gemeinsam, zum Beispiel Iwan Wassiljewitsch. Der Vatersname ist dabei vom Vornamen des Vaters abgeleitet. Aus einigen Vornamen haben sich im Lauf der Zeit auch Familiennamen entwickelt. Andererseits leiten sich auch viele heute als Vorname gebrÀuchliche Namen von Familiennamen ab. Die wissenschaftliche Disziplin der Namenforschung beschÀftigt sich mit der Bedeutung, Herkunft und Verbreitung von Namen.
[Bearbeiten] Motivation zur Namensgebung
Die Wahl des Vornamens hĂ€ngt natĂŒrlich vorerst vom Geschlecht und der Herkunft (NationalitĂ€t) des Kindes ab. Es gibt jedoch eine Anzahl weiterer Einflussfaktoren.
Bewusste Faktoren:
- Hinweis auf ein physisches oder charakteristisches Merkmal: z. B. Melanie fĂŒr ein schwarzhaariges MĂ€dchen, da griech. ΌΔλαΜÏÏ melanos, âschwarzâ bedeutet. (Dies war eher zu altgriechisch-römischen Zeiten Brauch.)
- Segnung und WĂŒnsche fĂŒr das Leben dieses Kindes, z. B. Linde: der (Linden)Baum als Symbol[1] ehelicher Liebe, der GĂŒte, der Gastfreundschaft und Bescheidenheit oder z. B. Mandy als Kurzform von Amanda, die Liebenswerte, die Liebende (lat. amare= dt. lieben)
- Hinweis auf die Abstammung/Tradition: Benennung nach Vorfahren, dem Taufpaten, Heiligen, oder biblischen Figuren, etc. â Diese Motivation gibt es heute eher selten, war aber frĂŒher oft gebrĂ€uchlich. â Heute geschieht auch das Gegenteil: Von AuslĂ€ndern kann ein Kind einen Namen erhalten, der in der deutschen Sprache gelĂ€ufig ist, auch wenn die Familie einen aus ihrer Sprache bevorzugen wĂŒrde. Das Motiv liegt im Wunsch, einer Ausgrenzung aufgrund der Ungewöhnlichkeit des Namens vorzubeugen.
- Euphonie (Wohlklang): Man sucht einen âschönenâ Namen. Manchmal werden Namen mit vielen Vokalen (besonders /a/ und /i/) bevorzugt. Stimmhafte Gleitlaute (/m/ und /l/) am Wortbeginn gelten als besonders schön. Auch kurze, wenn nicht sogar einsilbige Namen sind beliebt (wie z. B. Tim oder Paul). AuĂerdem soll oft der Vorname mit dem Familiennamen harmonieren.
- IndividualitÀt: Das Kind soll einen individuellen, besonderen Namen haben.
- Motivation durch Bewunderung eines/r Prominenten: Eltern benennen ihr Kind nach einem ihrer Sport-, Musik- oder anderer Idole. (Heute eher selten; aber auch politische EinflĂŒsse sind â auch umgekehrt als Vermeidung â möglich: So wurde der Name Adolf nach der Zeit des Nationalsozialismus bedeutend weniger oft zur Benennung herangezogen.)
- Aus beiden GrĂŒnden, IndividualitĂ€t und Bewunderung, bekommen deutsche Kinder (hĂ€ufiger als frĂŒher) fremdsprachige Namen.
Unbewusste Faktoren:
- Erfahrungen mit NamenstrĂ€gern â positiv oder negativ: Angenommen man sympathisiert ĂŒberhaupt nicht mit einer Person namens âKarinâ, wird man seinem Kind auch nicht jenen Namen geben, da man Schlechtes damit assoziiert.
- Erfahrungen mit dem eigenen Namen.
[Bearbeiten] Entwicklung in Deutschland
In Deutschland dominierten seit dem Mittelalter Vornamen christlicher und germanischer Herkunft.[2] Erst seit den 1950er-Jahren Ă€nderte sich dies massiv. Besonders englische und romanische Vornamen wie Jennifer, Kevin oder aber Natalie und Marco gewannen an Bedeutung. Obwohl in beiden Teilen Deutschlands verschiedene Namen die gröĂte Beliebtheit hatten (Peggy, Mandy und Cindy sind oft zitierte Beispiele fĂŒr die DDR Beleg fehlt), war die Tendenz in beiden Staaten gleich.
Vor allem folgende Faktoren sind fĂŒr diese Ănderungen verantwortlich:
- Das Aufgeben familieninterner Traditionen (zum Beispiel: Benennung des Ă€ltesten Sohnes nach dem Vater oder GroĂvater, Erbnamen; Benennung nach den Taufpaten).
- Das Streben nach IndividualitÀt: Die Einzigartigkeit der Kinder soll sich auch in einzigartigen Namen widerspiegeln.
- Das Vermeiden von Namen, die fĂŒr die Eltern- und GroĂelterngeneration typisch sind.
- Der Bedeutungsverlust des christlichen Glaubens in der Gesellschaft (somit auch unbewusste Verwendung von Namen mit christlichem Hintergrund).
- Der nach Holocaust und Zweitem Weltkrieg als problematisch empfundene RĂŒckgriff auf nationale deutsche Traditionen. Seit Mitte der 1980er-Jahre kamen jĂŒdische Namen in Mode (zunĂ€chst Daniel und Sara/Sarah, spĂ€ter u. a. Hannah, Lea oder Jan).
- Das hohe Prestige der westeuropÀischen und nordamerikanischen LÀnder in beiden Teilen Deutschlands.
- Erhöhter Konsum der Massenmedien, in denen Produktionen aus den USA, GroĂbritannien und Frankreich dominieren.
- VerstÀrkte Internationalisierung der Kultur.
- VerstĂ€rkte BerĂŒcksichtigung phonetischer Kriterien (möglichst vokalreiche Namen fĂŒr beide Geschlechter, weibliche Vornamen auf -a, ZurĂŒckhaltung gegenĂŒber den Phonemen /p/, /t/ und /k/).[3]
Einflussfaktoren, die ausgeschlossen werden können:
- Immigration nach Deutschland â Typische Vornamen der Immigrantengruppen blieben auf diese beschrĂ€nkt.
- Internationaler Tourismus â Sowohl Bundesrepublik als auch die DDR erlebten die Zunahme westlicher Vornamen, obwohl die Reiseziele verschieden waren.
Bei der Ăbernahme fremder Namen war von jeher eine lautliche Anpassung zu beobachten. Zuerst wurden Namen adaptiert, die an traditionelle phonetische Gewohnheiten anschlussfĂ€hig waren. So wurde im Mittelalter aus Johannes Hans, aus Christian Christen und aus Marcus zunĂ€chst Marx. Manche Namen wurden auch in ihrer geschriebenen Form ĂŒbernommen, obwohl die Aussprache in den Herkunftsgebieten eine andere war: So wurde span. Xavier als Xaver ĂŒbernommen und nicht als Schabier und norweg. Harald als Harald und nicht als Harall.
[Bearbeiten] Vornamenswahl nach Bevölkerungsschichten
Eine Einteilung von Namensvergebung in einzelne âBevölkerungsschichtenâ bleibt schwierig, jedoch haben Studien eine Tendenz festgestellt. Demnach richtet sich die sogenannte âOberschichtâ, also die wohlhabende Bevölkerung mit einem Bruttogehalt von etwa 4000 Euro im Monat, vor allem nach religiösen Namen wie Michael, (E-)Manuel oder Maria und Anna. Ebenso werden hier hĂ€ufiger âklassischeâ Namen wie Caspar, Christian, Katharina und Elisabeth vergeben. Die sogenannte âMittelschichtâ mit einem Einkommen von ĂŒber 3000 Euro bevorzugt demnach exotische Namen und solche, die auch von Prominenten vergeben werden. Eltern der sogenannten finanziellen âUnterschichtâ (Menschen mit unter 2000 Euro brutto Einkommen monatlich) lieĂen sich eher von englischen Namen inspirieren. So sind dort Lee und Robbie als mĂ€nnliche oder Cassidy und Sky als weibliche Vornamen populĂ€r. Aus diesen Namenstrends wurden die Begriffe Kevinismus und Chantalismus entwickelt.[4][5][6]
So könnte die Namensgebung auch RĂŒckschlĂŒsse auf die soziale und kulturelle Herkunft zulassen.[7] In der Wissenschaft wird teilweise vermutet, dass Vornamen manchmal grob der sozialen Herkunft âzuzuordnenâ seien oder zumindest gesellschaftlich in einer bestimmten Weise angesehen werden. So wĂŒrden fĂŒr manche Firmenleiter Namen wie Heiko und Kerstin, die besonders in den 60er Jahren populĂ€r waren, eher auf eine Herkunft aus der âUnterschichtâ hindeuten. Ebenso könne dies spĂ€ter auf Kevins oder Chantals zutreffen. Durch diese These bekannt wurde der Chemnitzer Professor Udo Rudolph.[8][9][10] Nach einer Studie von Astrid Kaiser an der UniversitĂ€t Oldenburg aus dem Jahr 2009 neigen Lehrer an Grundschulen dazu, bestimmte Vorannahmen ĂŒber LeistungsstĂ€rke, Persönlichkeitsmerkmale und VerhaltensauffĂ€lligkeit mit Vornamen zu verbinden.[11]
[Bearbeiten] Vornamenswahl nach Region
Das Vorkommen von speziellen Vornamen in verschiedenen Regionen von Deutschland deutet auf regionale VornamensprĂ€ferenzen hin. Die Verteilung in Deutschland nach dem Telefonverzeichnis von 1998[12] zeigt auf, dass sich die mĂ€nnlichen Vornamen Hauke und Carsten besonders in Norddeutschland finden, wĂ€hrend sich Katharina und Maria vor allem in Bayern und in der Eifel finden. Gerold und Jan sind typisch fĂŒr Ostfriesland, wĂ€hrend Anton und Xaver nur in SĂŒddeutschland vorkommen. Stefan und Alexander findet sich vor allem im Westen und Frank und Kerstin sind hauptsĂ€chlich im Osten populĂ€r.
In der ehemaligen DDR gab es Tendenzen innerhalb der Bevölkerung, anhand von Vornamen eine Ausrichtung zur InternationalitÀt zu zeigen. Mehr als im damaligen Westdeutschland wurden beispielsweise französisch klingende Namen vergeben.
[Bearbeiten] Vornamenswahl nach Religion und Konfession
Die Religionszugehörigkeit der Eltern hat Einfluss auf die Vornamenswahl. WĂ€hrend die Religionszugehörigkeit in vergangenen Jahrhunderten sehr entscheidend bei der Namenswahl war, ging dieser Einfluss im 20. und 21. Jahrhundert sehr zurĂŒck und ist heute kaum noch messbar.
In Deutschland setzten sich nach der Christianisierung nur sehr langsam die christlichen Namen durch. Erst im SpÀtmittelalter trug die Mehrheit der Bevölkerung christliche Vornamen.[13] Ab der Reformation wurden bei Katholiken und Protestanten unterschiedliche Namen bevorzugt. Die katholische Bevölkerung orientierte sich sehr lange an den Namen verschiedener Heiliger oder den Namenstagen.
Die evangelische Bevölkerung verwendete nach der Reformation die bislang unĂŒblichen Namen aus dem Alten Testament[14], um damit ihrer Ablehnung gegenĂŒber der Heiligenverehrung Ausdruck zu verleihen. Dadurch kommen im 16. Jahrhundert Namen wie Elias, Samuel, David und Salome in Mode. Auch werden Namen, die die Silbe "Christ" enthalten (Christian, Christina), wieder verstĂ€rkt vergeben.[15] Durchgehend wird unter Protestanten die Sitte, Jungen den Vornamen Maria beizugeben, abgelehnt. Im 18. Jahrhundert kamen durch den Pietismus gĂ€nzlich neue Namen unter den Protestanten auf. Dazu zĂ€hlen die Namen FĂŒrchtegott, Gottlieb, Gotthilf, Gottlob, Gotthold und Christlieb.[16]
Bei einigen Namen, wie beispielsweise Josef, wirkt sich die Verteilung der Konfessionen in der jeweiligen Region bis heute stark auf die NamenshÀufigkeit aus.
[Bearbeiten] Vornamen in anderen Sprachen
[Bearbeiten] Italien
Die zehn beliebtesten Namen fĂŒr Neugeborene im Jahr 2007 waren bei MĂ€dchen Giulia, Sofia, Martina, Sara, Chiara, Aurora, Giorgia, Alessia, Francesca, Alice, und bei Jungen Alessandro, Andrea, Matteo, Lorenzo, Gabriele, Mattia, Luca, Davide und Riccardo.[17]
Aufgrund des hohen Bevölkerungsanteils von Katholiken sind viele Vornamen an den Namen von Heiligen und der Jungfrau Maria orientiert.
In einigen italienischen Regionen ist es Tradition, den ersten Sohn nach dem GroĂvater vĂ€terlicherseits, den zweiten Sohn nach dem GroĂvater mĂŒtterlicherseits, die erste Tochter nach der GroĂmutter vĂ€terlicherseits und die zweite Tochter nach der GroĂmutter mĂŒtterlicherseits zu benennen. Dies fĂŒhrt zu einer starken Verbreitung von traditionellen Vornamen.
[Bearbeiten] Ostasien
In China, Korea, Vietnam und anderen ostasiatischen Staaten haben Vornamen eine andere Funktion. Sie identifizieren ihren TrÀger mehr als in Europa, was notwendig ist, da in diesen LÀndern die Bevölkerung sich nur wenige Familiennamen teilt. Der Vorname kann beliebig aus einem oder zwei Morphemen der Sprache gebildet werden, die klassisch jeweils als chinesische Schriftzeichen geschrieben werden. Es besteht also eine fast unbeschrÀnkte Anzahl an zulÀssigen Eigennamen. In vielen Familien wird ein Morphem des Vornamens identisch an alle Nachkommen derselben Generation vergeben (Generationenname).
Anders als bei europĂ€ischen Vornamen gibt es keine festgelegte Zuordnung von Eigennamen zum Geschlecht des TrĂ€gers (bis auf Modewellen, die gewisse Eigennamen gehĂ€uft auftreten lassen und manchmal ein bestimmtes Geschlecht des TrĂ€gers vermuten lassen). Die Bezeichnung "Vorname" fĂŒr die ostasiatischen Eigennamen ist irrefĂŒhrend, da sie in Ostasien durchweg hinter den Familiennamen gestellt werden. Auch die Bezeichnung "Rufname" ist unpassend, da der Eigenname in Ostasien auĂer im engsten Familienkreis fast nie zur Anrede verwendet wird. Zur formalen Anrede wird entweder der vollstĂ€ndige Name gebraucht oder der Familienname, ggf. ergĂ€nzend mit einer Funktionsbezeichnung (zum Beispiel "Kollege"). Im Freundeskreis werden meistens der Familienname mit dem Zusatz "ehrwĂŒrdiger/junger" oder Spitznamen zur Anrede verwendet, und unter Verwandten ist die Anrede mit dem Verwandtschaftsgrad ĂŒblich, wofĂŒr es sprachlich differenziertere Begriffe als in Europa gibt (zum Beispiel mĂšimĂši = "jĂŒngere Schwester", dĂ bĂł = "Ă€lterer Bruder des Vaters" etc.).
[Bearbeiten] Griechenland
In Griechenland werden oft biblische Vornamen vergeben. FrĂŒher wurde bei MĂ€dchen immer der Vorname der GroĂmutter vĂ€terlicherseits und bei Jungen der Vorname des GroĂvaters vĂ€terlicherseits vergeben.
[Bearbeiten] Rechtliche Situation
[Bearbeiten] Deutschland
Nach der Geburt eines Kindes wird dessen Vorname von den Eltern (oder dem allein Sorgeberechtigten) bestimmt. Das Recht der Vornamensgebung ist nicht gesetzlich geregelt. Es handelt sich um reines Gewohnheits- und um Richterrecht. Ausnahmen bestehen bei VornamensÀnderungen im Rahmen einer Adoption (§ 1757 Abs. 4 BGB) sowie im Rahmen des Transsexuellengesetzes (§ 1 TSG).
[Bearbeiten] Ăsterreich
Eine Person darf mehrere Vornamen tragen. FĂŒr die Namenswahl gelten diese EinschrĂ€nkungen:[18]
- Nicht als Vorname gebrĂ€uchliche Bezeichnungen dĂŒrfen nicht verwendet werden
- Bezeichnungen, die dem Wohl des Kindes abtrÀglich sind, sind ebenfalls verboten
- Zumindest der erste Vorname muss dem Geschlecht des Kindes entsprechen
Zur Wahl des Vornamens eines Kindes sind die Eltern berechtigt, bei unehelicher Geburt ist es das Recht der Mutter. Beim zustĂ€ndigen Standesamt muss dafĂŒr schriftlich die ErklĂ€rung des Vornamens eingereicht werden; sie ist Voraussetzung fĂŒr die Ausstellung der Geburtsurkunde. Wird die ErklĂ€rung nicht gleich bei der Anzeige der Geburt abgegeben, muss sie spĂ€testens innerhalb eines Monats nach der Geburt beim Standesamt erfolgen. Können sich die Eltern eines ehelich geboren Kindes nicht auf den oder die Vornamen einigen, oder geben sie keinen oder unzulĂ€ssige Vornamen an, wird das Pflegschaftsgericht verstĂ€ndigt.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Kategorie:Vorname â Wikipedia-Verzeichnis der Vornamen
- Hamburger Sie
- Namensrecht
[Bearbeiten] Literatur
- Namenkunde allgemein
- JĂŒrgen Gerhards: Die Moderne und ihre Vornamen. Eine Einladung in die Kultursoziologie. Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2003, ISBN 3-531-13887-1.
- JĂŒrgen Gerhards: Globalisierung der Alltagskultur zwischen Verwestlichung und Kreolisierung: Das Beispiel Vornamen. In: Soziale Welt. Zeitschrift fĂŒr sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis. Jg. 54, Heft 2, Bonn 2003.
- Deutsch, allgemein
- Michael Mitterauer: Ahnen und Heilige. MĂŒnchen 1993, ISBN 3-406-37643-6.
- Dieter Geuenich, Ingo Runde (Hrsg.): Name und Gesellschaft im FrĂŒhmittelalter. Personennamen als Indikatoren fĂŒr sprachliche, ethnische, soziale und kulturelle Gruppenzugehörigkeiten ihrer TrĂ€ger. (= Deutsche Namenforschung auf sprachgeschichtlicher Grundlage 2), Hildesheim / ZĂŒrich / New York 2006, ISBN 3-487-13106-4.
- Dieter Geuenich [u.a.] (Hrsg.): Nomen et gens. Zur historischen Aussagekraft frĂŒhmittelalterlicher Personennamen. Berlin u. New York 1997, ISBN 3-11-015809-4.
- JĂŒrgen Eichhoff, Wilfried Seibicke, Michael Wolffsohn, Duden-Redaktion, Gesellschaft fĂŒr deutsche Sprache (Hrsg.) Thema Deutsch, Band 2, Name und Gesellschaft: Soziale und historische Aspekte der Namengebung und Namenentwicklung. Bibliographisches Institut, Mannheim 2001, ISBN 3-411-70581-7.
- Vornamenlexika, deutsch
- Duden. Das groĂe Vornamenlexikon. Bearbeitet von Rosa und Volker Kohlheim. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2007, ISBN 978-3-411-06083-2.
- Margit Eberhard-Wabnitz, Horst Leisering: Knaurs Vornamen-Buch. Herkunft und Bedeutung. Lexikographisches Institut, MĂŒnchen 1984.
- Vornamenlexika, deutsch regional
- Reinhold Trautmann: Die altpreuĂischen Personennamen. 1925.
[Bearbeiten] Weblinks
- Vornamen mit Onogramm â wie Namen wahrgenommen werden
- Namenslexikon (englisch)
- Karten zur geographischen Verteilung jedes einzelnen Rufnamens (in Deutschland)
- Gesellschaft fĂŒr Deutsche Sprache (GfDs) â Beliebteste Vornamen und Vornamenberatung Kostenpflichtige AuskĂŒnfte
- Vornamenberatungsstelle
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- â http://zauber-pflanzen.de/tilia.htm
- â Beispiel der Namensgebung im 15. Jahrhundert in SĂŒddeutschland
- â http://www.uni-leipzig.de/~kuwi/forsch_C_02.html
- â "Was Kindernamen ĂŒber Papas Gehalt verraten" - ariva.de
- â http://www.welt.de/politik/article1727650/Wie_Namen_die_Zukunft_von_Kindern_beeinflussen.html
- â http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1602911,00.html
- â http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E15321DC9855A4AD384CAE256E8FA0A58~ATpl~Ecommon~Scontent.html
- â "Ein Vorname sagt mehr als 1.000 Worte" - TU Chemnitz
- â http://www.beliebte-vornamen.de/geschaeftsleben.htm
- â http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/2006/10.12-11.20.html
- â Ungleiche Bildungschancen schon durch Vornamen? Studie zu Vorurteilen und Vorannahmen von Lehrern Pressedienst der Uni Oldenburg
- â Verteilung in Deutschland nach dem Telefonverzeichnis von 1998
- â http://www.beliebte-vornamen.de/253-geschichte-2.htm
- â http://www.beliebte-vornamen.de/256-geschichte-3.htm
- â http://www.onomastik.com/namenberatung_vorname_christa.php
- â http://wiki-de.genealogy.net/Christlieb_%28Vorname%29
- â Vornamen 2007, ISTAT 2009
- â Namensrecht auf help.gv.at (abgerufen am 26. Mai 2008)
| Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten! |









