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Sander (Name) – Wikipedia

Sander (Name)

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
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Der Vor- und spÀtere Familienname Sander ist eine im 12./13. Jahrhundert im deutschen, niederlÀndischen und englischen Sprachraum entstandene und hÀufig benutzte Kurzform von Alexander, genau so wie heute noch Hans als Kurzform von Johannes allgemein bekannt ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Sander als Vorname

Als Vorname war Sander in Deutschland noch bis in das 17. Jahrhundert gebrĂ€uchlich, verschwand dann aber aus dem Sprachgebrauch, wĂ€hrend er im NiederlĂ€ndischen heute noch als solcher verwendet wird. Ebenso wurden frĂŒher in England die heute nicht mehr ĂŒblichen Vornamen Sander und Saunder benutzt. Die Variante Saunder verweist auf den zunĂ€chst französisch ausgesprochenen Namen Alexandre, und lĂ€sst die Wanderung des Namens vom Kontinent auf die Insel erkennen. Analog dazu sind heute noch die Rufnamen Sandro (von Alessandro) in Italien und SĂĄndor in Ungarn im Gebrauch.

[Bearbeiten] Sander als Familienname

Als Familienname hat sich Sander ĂŒberwiegend patronymisch aus dem Vornamen entwickelt und im deutschen Namenschatz erhalten. Daneben werden Bewohner von Höfen mit Hofnamen Sander, welcher sich meist vom Erstbesiedler herleitete und unabhĂ€ngig vom Namen spĂ€terer Besitzer bestehen blieb, diesen WohnstĂ€ttennamen als Familiennamen ĂŒbernommen haben.

Der Name ist im Norden und in der Mitte Deutschlands hĂ€ufig verbreitet, insbesondere in Niedersachsen und Westfalen. Der Verbreitungsschwerpunkt, gemessen am prozentualen Anteil der NamenstrĂ€ger an der Gesamtbevölkerung, befindet sich im Raum rund um den Teutoburger Wald, das Wiehengebirge und das westliche Harzvorland. Auch in den benachbarten Regionen von Hessen, Sachsen-Anhalt, ThĂŒringen (z. B. im Dorf Heyda wo etwa 50 von 500 Einwohnern diesen Namen tragen) ist der Familienname noch relativ hĂ€ufig, im Westen Deutschlands, mit Ausnahme des Saarlandes, aber schon weniger anzutreffen. In SĂŒddeutschland, Österreich und der Schweiz ist der Name Sander selten. Bei den heute dort lebenden NamenstrĂ€gern handelt es sich wohl vor allem um Nachkommen von Zuwanderern aus dem Norden. Es leben heute schĂ€tzungsweise 30.000 NamenstrĂ€ger Sander und Sanders in Deutschland. Im Ausland hat sich nur auf der britischen Insel in nennenswerter Anzahl der Vorname zum Nachnamen entwickelt. Aufgrund der betrĂ€chtlichen Auswanderung von Deutschen und EnglĂ€ndern in die USA ist der Nachname auch dort heute gelĂ€ufig. Weshalb sich im NiederlĂ€ndischen, Italienischen und Ungarischen die dort bekannten Vornamen (Sander, Sandro, Sandor) nicht zum Familiennamen weiterentwickelt haben, bedarf noch der Untersuchung.

[Bearbeiten] Herkunft und Entwicklung des Namens

Sander, bzw. Alexander ist die eingedeutschte Form des griechischen Namens AlĂ©xandros (so viel wie: Der die [fremden] MĂ€nner abwehrt, im ĂŒbertragenen Sinn: Der BeschĂŒtzer). Der Name ist bereits um 1280 v. Chr. durch den bronzezeitlichen König Alaksandu von Wilusa bezeugt. Aufnahme in die deutsche Namenwelt fand er weniger durch den kirchlichen Namen (vgl. Papst Alexander III.), sondern seit etwa 1140 durch die mittelalterlichen Alexanderlieder und Alexanderromane, die Alexander den Großen preisen und im Mittelalter nach der Bibel zu den am meisten verbreiteten Schriften gehörten. Dieser antike Orienteroberer war mit den KreuzzĂŒgen gen Osten seit 1096 wieder in das Blickfeld des Abendlandes gerĂŒckt, und sein Name wurde zuerst in den des Lesens mĂ€chtigen Adelskreisen beliebt. Die Kurzform Sander hat sich viel hĂ€ufiger als Alexander oder auch Alex als Familienname manifestiert. Dies liegt darin begrĂŒndet, dass im Deutschen AlexĂĄnder ([a.lɛk.ˈzan.dɐ]) anders als im Griechischen auf der dritten Silbe betont wird, was die Loslösung vom Original und die Neuschöpfung der (sprachlich sinnentleerten) Kurzform begĂŒnstigte. Daraus lĂ€sst sich schließen, dass Sander als Vorname bereits im Hochmittelalter weit gebrĂ€uchlicher als die ursprĂŒngliche Form war, wie etwa bei dem 1285 in Rostock genannten Sander Swarenpenning. Die polnische Schreibweise Aleksander lĂ€sst im ĂŒbrigen noch die Silbengrenze erkennen, ebenso wie der im Jahr 1229 bezeugte Alexsander (!), Schultheiß von Breslau.

Die Namen Zander (vor allem in Nord- und Ostdeutschland, im Rhein-Ruhrgebiet und teilweise durch Einwanderung aus Mecklenburg-Vorpommern auch in SĂŒdschweden), Xander (selten, vgl. Brigitte Xander, eigentlich Ksander) und Tschander sind regionale Varianten und auf dieselbe Art und Weise entstanden. Im Gegensatz zu vielen anderen Familiennamen wurden Sander und Zander Ă€ußerst stabil durch die Jahrhunderte weitervererbt. Wechsel von Sander zu Zander bzw. umgekehrt sind nur wenige bekannt. Aufgrund der am Niederrhein (Krefeld/Viersen/Mönchengladbach) ĂŒblichen Verschiebung von -ande zu -ange herrschten dort die Varianten Zanger(s) und Sangers vor, von denen sich nur die Form Zanger erhalten hat. Eine seltene Variante ist die verschliffene Form Sanner. Die Namensformen Sanders, Zanders, Sandersen, Sanderson (englisch), Sandering (niederdeutsch) sind Patronyme und bedeuten so viel wie Sanders Sohn oder auch Sanders Knecht etc. Sanderling (vgl. Kurt Sanderling) ist eine Verkleinerungsform von Sander. Der seltene Name Santer (vgl. Jacques Santer) kann eine Variante von Sander sein, ist aber wohl eher dem lateinischen Begriff sanctus entlehnt.

In England haben sich ĂŒberwiegend die patronymen Formen Sanders und Saunders als Familiennamen herausgebildet.

[Bearbeiten] Andere Deutungsmöglichkeiten fĂŒr den Familiennamen

Der Familienname Sander kann auch als Herkunfts- oder WohnstĂ€ttenname gedeutet werden, der sich auf einen der vielen Orts- und Flurnamen Sand, auf dem Sande, o. Ă€. oder einer WohnstĂ€tte auf sandigem GelĂ€nde bezieht. Ein Sander ist demnach jemand, der an einem dieser Orte oder Flure ansĂ€ssig war. Dies ist jedoch weitaus weniger bedeutend fĂŒr die Namensbildung als der zuvor erörterte Personennamen gewesen, ablesbar auch an den im Vergleich zu Sander viel weniger hĂ€ufigen Nachnamen Sand(t) und Sande, welche sich direkt auf einen Ort dieses Namens beziehen. Von solch sandigem Terrain zeugen z. B. auch die ostfriesischen Ortsnamen Großsander, Kleinsander, Ostersander und Westersander, der Wald Sander Tannen oder das Sanderglacis in WĂŒrzburg. Der Name Sandner, in Österreich auch gelĂ€ufiger Übername fĂŒr einen Obdachlosen, leitet sich ebenfalls von den entsprechenden Ortsnamen ab.

Der Fisch Zander, bis ins frĂŒhe 20. Jahrhundert vorzugsweise Sander genannt, dĂŒrfte kaum zur Namensgebung im Sinne eines Übernamens fĂŒr einen Fischer, der vornehmlich diesen Fisch fĂ€ngt, beigetragen haben. Die Fischbezeichnungen Sander und Zander haben sich erst im 16. Jahrhundert eingebĂŒrgert, als die Formierung der Familiennamen im Wesentlichen abgeschlossen war. Eine Ableitung von Sandherr (Aufseher einer Sandgrube) oder gar Sangherr (Kantor) ist ebenfalls nur in EinzelfĂ€llen denkbar.

Die Landschaftsform Sander ist eine erst im 19. Jahrhundert entstandene Sprachschöpfung (von islĂ€nd. sandr) und kommt daher fĂŒr die Familiennamenbildung nicht in Betracht.

[Bearbeiten] Von Sander abgeleitete Ortsnamen

Ortsnamen, welche den Personennamen Sander beinhalten, sind Sandersleben in Anhalt, Groß Santersleben und Klein Santersleben bei Magdeburg, Sandersdorf bei Bitterfeld, ein weiteres Sandersdorf in Franken, sowie Sandershausen bei Kassel. Sie entstanden wahrscheinlich aus Einzelgehöften, die auf einen Mann namens Sander oder eines Ă€hnlich klingenden Namens zurĂŒckzufĂŒhren sind. Sandersleben und die beiden Santersleben sind die Ă€ltesten dieser Ortschaften. Sie fĂŒgen sich aus Sanders und dem germanischen Wort leben (v. gotisch laiba = Erbe, Hinterlassenschaft, Besitz) zusammen. Sandersleben bedeutet demnach so viel wie Erbe des Sander oder Besitz des Sander. Aus dem Ort Klein Santersleben stammt das heute noch existierende Adelsgeschlecht von Sandersleben. Einer adeligen Familie von Sander in Schlesien, auch Sander von Sandershausen genannt, gehörte einstmals die Stadt Reichenbach in der Oberlausitz.

Das Alter dieser Orte offenbart jedoch eine Problematik, die im Widerspruch zur oben ausgefĂŒhrten Ableitung von Alexander steht und sprachgeschichtlich noch zu untersuchen ist. Sandersleben wurde erstmals 1046 und Santersleben erstmals 1013 als Groten Sanderslove erwĂ€hnt. Onomastisch ist die Entstehung dieser Namen aber bereits in das 2. bis 4. nachchristliche Jahrhundert zu datieren. Den Namen Sander (o.Ă€.) scheint es daher bereits vor der Christianisierung bei den Germanen gegeben zu haben. Bezeugt sind die hochaltertĂŒmlichen germanischen Personennamen Sandheri (friesisch), Sandrih, Sandmar, Sandebold, Sandolt, Sandarat, Sandebert und (prußisch) Sandar -er, -ir, mit den Kurzformen Sando, Sande, Santo, etc. (zu indogermanisch sanpas, altnordisch sannr, dĂ€nisch sand = "wahr, das Wahre, das Rechte“). Diese altgermanischen Namen kommen fĂŒr die direkte Familiennamenbildung Sander kaum in Betracht, da sie im Hochmittelalter, als Familiennamen erst entstanden, lĂ€ngst außer Gebrauch waren. FĂŒr die Bildung der genannten Ortsnamen lassen sie sich jedoch heranziehen und möglicherweise passte sich dieser erst nachtrĂ€glich dem gelĂ€ufigen spĂ€teren Namen Sander an. Dies trifft zumindest fĂŒr Sandershausen, 1167 erstmals als Sandrateshusen erwĂ€hnt, zu. Bei dem um 1150/60 gegrĂŒndeten Sandersdorf bei Bitterfeld ist hingegen von einer Ableitung des neuen Namens Sander auszugehen.

[Bearbeiten] Bekannte NamenstrÀger

[Bearbeiten] Familienname

[Bearbeiten] Vornamen

[Bearbeiten] Literatur

  • Adolf Bach: Deutsche Namenkunde. 5 Bde. (Die deutschen Personennamen I-II, Die deutschen Ortsnamen I-III), Heidelberg 1952–1956
  • Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon. MĂŒnchen 1980
  • Hans Bahlow: Schlesisches Namenbuch. Kitzingen/Main, 1953
  • Josef Brechenmacher: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Familiennamen. Limburg a.d. Lahn 1957
  • Max Gottschald: Deutsche Namenkunde. de Gruyter, Berlin/New York 2006, ISBN 978-3-11-018032-9
  • Albert Heintze, Paul Cascorbi: Die deutschen Familiennamen, geschichtlich, geographisch, sprachlich. 7. Aufl. Halle/S. 1933
  • Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23. Aufl. de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-017473-1
  • Konrad Kunze: dtv-Atlas Namenkunde. Deutscher Taschenbuch-Verlag, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-423-03266-9
  • P. H. Reaney: A Dictionary of British Surnames. London 1976
  • JĂŒrgen Udolph: Namenkundliche Studien zum Germanenproblem. de Gruyter, Berlin/New York 1994, ISBN 3-11-014138-8
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Dieser Artikel wurde am 9. August 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.

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