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Romantik – Wikipedia

Romantik

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Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dauerte und sich insbesondere auf den Gebieten der bildenden Kunst (1790–1840), der Literatur (1795–1848) und der Musik (Kernphase 1820–1850, siehe auch Musik der Romantik) Ă€ußerte.

Im heutigen, allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Romantik mit dem Adjektiv romantisch die Eigenschaft einer Sache oder eines Ereignisses, Menschen mit Liebe und Sehnsucht zu erfĂŒllen, so etwa in den Wortverbindungen „romantische Liebe“, „romantische Musik“ oder „ein romantischer Brief“.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte des Romantikbegriffs

Der Begriff kommt etymologisch ursprĂŒnglich von „in lingua romana“ („in romanischer Sprache“), also von Schriften, die in der Volkssprache der romanischen LĂ€nder verfasst waren. Diese bildeten einen Gegensatz zu den zuvor ĂŒblichen, „in lingua latina“ (Latein) geschriebenen Texten. Aus „lingua romana“ entstand dann der Ausdruck „Roman“, der aus dem Französischen stammt. "Romantisch" bedeutete daher zunĂ€chst „romanhaft“, und so wurde der Begriff auch ursprĂŒnglich von Friedrich Schlegel verwendet, der den modernen Romantikbegriff prĂ€gen sollte.[1]

Ende 1797 hat der Begriff fĂŒr Schlegel aber schon sehr vielfĂ€ltige Facetten gewonnen, denn in einem Brief an seinen Bruder August Wilhelm schreibt er: „Meine ErklĂ€rung des Worts Romantisch kann ich Dir nicht gut schicken, weil sie − 125 Bogen lang ist.“[2]

1798 aber findet er folgende immer noch ausfĂŒhrliche Definition:

„ Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennte Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen, und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in BerĂŒhrung zu setzen. Sie will, und soll auch Poesie und Prosa, GenialitĂ€t und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig, und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen, den Witz poetisieren, und die Formen der Kunst mit gediegnem Bildungsstoff jeder Art anfĂŒllen und sĂ€ttigen, und durch die Schwingungen des Humors beseelen. Sie umfaßt alles, was nur poetisch ist, vom grĂ¶ĂŸten wieder mehre Systeme in sich enthaltenden Systeme der Kunst, bis zu dem Seufzer, dem Kuß, den das dichtende Kind aushaucht in kunstlosen Gesang. Sie kann sich so in das Dargestellte verlieren, daß man glauben möchte, poetische Individuen jeder Art zu charakterisieren, sei ihr Eins und Alles; und doch gibt es noch keine Form, die so dazu gemacht wĂ€re, den Geist des Autors vollstĂ€ndig auszudrĂŒcken: so daß manche KĂŒnstler, die nur auch einen Roman schreiben wollten, von ungefĂ€hr sich selbst dargestellt haben. Nur sie kann gleich dem Epos ein Spiegel der ganzen umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden. [
] Die romantische Poesie ist unter den KĂŒnsten was der Witz der Philosophie, und die Gesellschaft, Umgang, Freundschaft und Liebe im Leben ist. Andre Dichtarten sind fertig, und können nun vollstĂ€ndig zergliedert werden. Die romantische Dichtart ist noch im Werden; ja das ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann. Sie kann durch keine Theorie erschöpft werden 
 “

– Friedrich Schlegel - AthenĂ€ums-Fragment 116[3]

Romantik bedeutet in diesem Sinne Abwendung von der Antike und von klassischen Vorbildern. Das heißt, die mit dem Terminus Romantiker bezeichneten Autoren erschließen sich Themen aus ihrer eigenen Kultur und Geschichte und wenden sich ab von klassischen Formen, was aus der nachtrĂ€glichen und historischen Perspektive die Vorliebe fĂŒr eine fragmentarische Schreibweise in der Romantik erklĂ€rt. Die Hinwendung zur eigenen Kultur bedeutete zugleich eine stĂ€rkere Hinwendung zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters.

Die Vertreter der an der Antike orientierten Klassik fĂŒhlten sich durch die Zeitschriften der Romantiker z. T. massiv angegriffen und bezeichneten dann das Romantische als phantastisch oder auch als krankhaft – Letzteres allerdings vor allem im Hinblick auf die französische Romantik.

Generell mĂŒssen „Klassik“ und „Romantik“ auch als nachtrĂ€gliche Zuordnungen verstanden werden; die Vertreter der Klassik haben sich nicht als „Klassiker“ gesehen, fĂŒhlten sich aber klassischen Idealen bzw. Idealisierungen verpflichtet, genauso sahen die „Romantiker“ in der „romantischen Poesie“ ein Ziel, sich selbst aber nicht unbedingt als dessen Verwirklicher.[4]

[Bearbeiten] Unterepochen und Kreise der Romantik

Man unterscheidet zwischen FrĂŒhromantik (ca. 1795–1804), Hochromantik (ca. 1804–1815) und SpĂ€tromantik (ca. 1815–1848). In der Hochromantik unterscheidet man zwischen dem Heidelberger Kreis und dem Berliner Kreis.

Allerdings verliefen diese Phasen nicht in allen Kultursparten synchron; die SpÀtromantik in der Malerei reicht bis Ende des 19. Jahrhunderts, in der Musik zieht sie sich sogar bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts hin (Gustav Mahler, Richard Strauss).

[Bearbeiten] Hintergrund

Die Grundthemen der Romantik sind GefĂŒhl, Leidenschaft, IndividualitĂ€t und individuelles Erleben sowie Seele, vor allem die gequĂ€lte Seele. Romantik entstand als Reaktion auf das Monopol der vernunftgerichteten Philosophie der AufklĂ€rung und auf die Strenge des durch die Antike inspirierten Klassizismus. Im Vordergrund stehen Empfindungen wie Sehnsucht, Mysterium und Geheimnis. Dem in die Zukunft gerichteten Rationalismus und Optimismus der AufklĂ€rung wird ein RĂŒckgriff auf das Individuelle und Numinose gegenĂŒber gestellt. Diese Charakteristika sind bezeichnend fĂŒr die romantische Kunst und fĂŒr die entsprechende Lebenseinstellung.

Der Romantiker verortet einen Bruch, der die Welt gespalten habe in die Welt der Vernunft, der „Zahlen und Figuren“ (Novalis), und die Welt des GefĂŒhls und des Wunderbaren. Treibende Kraft der deutschen Romantik ist eine ins Unendliche gerichtete Sehnsucht nach Heilung der Welt, nach der ZusammenfĂŒhrung von GegensĂ€tzen zu einem harmonischen Ganzen. Symbolische Orte und Manifestationen dieser Sehnsucht sind nebelverhangene WaldtĂ€ler, mittelalterliche Kloster-Ruinen, alte Mythen und MĂ€rchen, die Natur etc. Zentrales Symbol fĂŒr diese Sehnsucht und deren Ziel ist die Blaue Blume, die wie kein anderes Motiv die romantische Suche nach innerer Einheit, Heilung und Unendlichkeit verkörpert.

„Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.“

– Ricarda Huch [5]

Im Gegensatz zur selbst gesetzten Aufgabe der Dichter der Weimarer Klassik sowie von Sturm und Drang und AufklĂ€rung, nĂ€mlich der Erziehung des Volkes durch Literatur, sahen die Dichter der Romantik ihre Aufgabe in der Heilung des Risses, der durch die Welt und damit durch die Individuen geht. Eine Möglichkeit dazu bot ihnen zufolge die Kunst, mystisch ĂŒberhöht im Begriff des „Dichterpriesters“, denn „die Welt hebt an zu singen / Triffst Du nur das Zauberwort“ (Eichendorff).

Die Romantiker suchten die verloren gegangene Welt in Werken aus der „Kindheit der Menschen“, also in MĂ€rchen und Sagen, in Volksliedern und im Mystizismus des Mittelalters und seiner als ideal verklĂ€rten stĂ€ndischen, auf Treue gegrĂŒndeten Ordnung. Auch in exotischen LĂ€ndern wurden AnstĂ¶ĂŸe gesucht. Das „Wahre“ wurde nicht im Intellektuellen gesehen, sondern in dem als natĂŒrlich und wahrhaftig angesehenen Verhalten des einfachen Volkes. In die Musik der Romantik flossen unter anderem auch VolkstĂ€nze ein, etwa bei Franz Schubert. Die BrĂŒder Grimm sammelten die Sagen und MĂ€rchen der mĂŒndlichen VolksĂŒberlieferung. Allerdings wurden auch Gefahren in dieser „anderen Welt“ gesehen. Die Nachtseite der Romantik, geprĂ€gt von Teufelspakten, Wahnsinn, Gespenstern, Schuld und Tod, findet sich besonders ausgeprĂ€gt bei E. T. A. Hoffmann.

Zur massenhaften Ausbreitung der Romantik kam es, als am Ende des 18. Jahrhunderts, nach einer Ära relativer Ruhe, in der viele Konflikte auf diplomatischem Wege geregelt worden waren, plötzlich die Französische Revolution und Napoleon den europĂ€ischen Kontinent mit Kriegen ĂŒberzogen. Es waren Helden gesucht – wie etwa Napoleon in Frankreich, Admiral Nelson in England, General Kutusow in Russland und Generalfeldmarschall BlĂŒcher in Preußen –, und romantische WĂŒnsche entfachten die Phantasie. Ein weiterer Faktor war die gestiegene Bildung der BĂŒrger, die den Boden fĂŒr Kunst und Literatur bereitete. Wirtschaftlicher Aufschwung und der damit verbundene höhere Wohlstand ermöglichten es den BĂŒrgern, sich mehr BĂŒcher, Musikinstrumente oder Theater- und Konzertkarten zu leisten.

Als Reaktion auf diese Entwicklung und Emanzipation verschloss sich die Aristokratie gegenĂŒber den neuen gesellschaftlichen Tendenzen und Formen. So findet man im 19. Jahrhundert kaum noch Adelige unter den Schriftstellern und Philosophen, einer DomĂ€ne der Aristokraten im 18. Jahrhundert.

[Bearbeiten] Historische UrsprĂŒnge

Friedrich von Schlegel (1790), BegrĂŒnder der Jenaer FrĂŒhromantik

Durch die Industrialisierung fanden große gesellschaftliche UmbrĂŒche statt, die neue Maschinenwelt fĂŒhrte zu VerstĂ€dterung und Landflucht, eine unterstellte vormalige Geborgenheit war fĂŒr die Romantiker in Auflösung begriffen. Die Karlsbader BeschlĂŒsse nahmen die Romantiker auf dem Hintergrund ihrer eher individualistischen Grundeinstellung zum Anlass, um in Melancholie und in phantastische, unwirkliche oder einfach biedermeierliche Welten zu fliehen und sich so eskapistisch aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend zurĂŒckzuziehen oder von ihm ab- und einer kleinstĂ€dtischen Idylle zuzuwenden.

Die Romantik kann zudem auf zwei seinerzeit populĂ€re literarische Richtungen zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Es handelt sich einerseits um die Schauerliteratur der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts – in England und Deutschland las man leidenschaftlich gerne Schauerromane. Andererseits handelt es sich um die Bewegung des Sturm und Drang, die Ende des 18. Jahrhunderts von einer Großzahl von Literaten getragen wurde. WĂ€hrend Schauerromane eher der Trivialliteratur zuzurechnen sind, befanden sich die Werke der Sturm-und-Drang-Bewegung, vertreten u. a. durch Johann Wolfgang Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werther und Friedrich Schillers Drama Die RĂ€uber, auf höherem literarischen Niveau. Die historisch rĂŒckwĂ€rts gewandte Schauerliteratur regte die Phantasie an (Motive waren oft Gespenster, Ritter, verwunschene und halbzerfallene Burgen), wĂ€hrend der Sturm und Drang getragen war von einer Aufbruchstimmung in eine ungewisse, aber bessere Zukunft.

[Bearbeiten] Stilmittel und Kennzeichen

[Bearbeiten] Psyche

Das Unbewusste der menschlichen Psyche wird in der Literatur ausgelebt und kommt zum Vorschein.

[Bearbeiten] Mischung der Gattungen

Weder Form noch Inhalt sind festgelegt. So werden Lieder, ErzÀhlungen, MÀrchen und Gedichte ineinander vermischt. Poesie, Wissenschaft und Philosophie werden miteinander verbunden.

[Bearbeiten] Progressive Universalpoesie

Friedrich Schlegel prĂ€gte als Literaturtheoretiker und -kritiker in der Romantik den Begriff der „progressiven Universalpoesie“ (AthenĂ€umsfragment 116). In der Literatur sollten nun nicht mehr wie in der Klassik bestimmte Schemata fĂŒr die Erschaffung eines literarischen Werkes vorgegeben sein, sondern man betrachtete den KĂŒnstler als frei schaffendes Genie. Die Regelpoetik und die Forderungen der drei aristotelischen Einheiten von Raum, Zeit und Handlung verloren an Bedeutung, vielmehr wurde der Roman zum subjektiven Spielfeld des Autors. Ziel war es – nach Schlegel – Philosophie, Prosa, Poesie, GenialitĂ€t und Kritik miteinander verbindend darzustellen. Aus diesen neuen Konstellationen ergab sich ein fragmentarischer Charakter mit unfertigen HandlungsstrĂ€ngen. Schlegel wollte damit den Werdensprozess der Dichtung betonen und meinte, dass der unvollendete Zustand einer Dichtung der WillkĂŒr und Freiheit des Dichters folge.

[Bearbeiten] Romantische Ironie

Der Autor steht ĂŒber seinem Werk. Er kann herbeigefĂŒhrte Stimmungen, Bilder oder Geschichten abrupt zerstören und ĂŒbermenschlich verĂ€ndern.

Ein Spezialfall romantischer Ironie sind Selbstreferenzen auf das Werk. Wenn z. B. in TheaterstĂŒcken der Held in eine ausweglose Situation gerĂ€t, aber sich sicher ist zu ĂŒberleben mit der BegrĂŒndung „Man stirbt nicht mitten im fĂŒnften Akt“, ist dies ein Fall von romantischer Ironie.

Gegenstand der romantischen Sehnsucht ist das Absolute, ein Zustand aufgehobener Entfremdung, den Rousseau zuvor als „Naturzustand“ (Ă©tat naturel) beschrieben hatte und dem ein unreflektiertes ‚naives‘ WeltverstĂ€ndnis und WeltverhĂ€ltnis entspricht. Dieser Zustand aber ist dem modernen Menschen unerreichbar geworden und kann auch durch die Kunst, die auf Reflexion beruht, nicht adĂ€quat dargestellt werden. Jeder Versuch ihn darzustellen, greift notwendigerweise zu kurz. Das romantische Kunstwerk, das seine eigene Kritik enthalten soll, kann dieser Einsicht nur gerecht werden, indem es sich selbst ironisch hintertreibt und seine eigene Scheinhaftigkeit zur Schau stellt. D. h. sein zentraler Darstellungsgegenstand ist eine Sehnsucht, deren Ziel unbekannt ist, und jeder Versuch, dieses Ziel anschaulich zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. Dieses Paradoxon muss die Kunst aushalten können, wenn sie ihrer Aufgabe gerecht werden möchte.

[Bearbeiten] Tradition und Mittelalter

In der Romantik entstehen erstmals Sammlungen so genannter Volkspoesie. Bekannteste Beispiele sind Grimms MĂ€rchen und die Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn. Doch bereits unmittelbar nach Erscheinen wurde die literarische Bearbeitung (Schönung) durch die Autoren kritisiert, die damit ihre Rolle als Chronisten weit hinter sich ließen. Diese Tatsache rĂŒckt die gesammelten Texte nĂ€her an die KunstmĂ€rchen und Lyrik ihrer Zeitgenossen als eigentlich beabsichtigt.

Das Mittelalter gilt als Ideal und wird verherrlicht. Kunst und Architektur dieser Epoche werden geschĂ€tzt, gepflegt und gesammelt. Übel und MissstĂ€nde dieser Zeit bleiben unbeachtet.

[Bearbeiten] Motive und Symbole der Romantik

In der Literatur der deutschen Romantik finden sich verschiedene charakteristische Motivkreise.

[Bearbeiten] Sehnsucht und Liebe

Als das zentrale Symbol der Romantik gilt die Blaue Blume. Der Dichter Novalis verwendet dieses Symbol der Sehnsucht und des Strebens nach dem Unendlichen sowie der Synergie, d.h. des Verschmelzens der Sinneswahrnehmungen und Erkenntnisebenen, in seinem fragmentarischen Roman Heinrich von Ofterdingen.

Das Motiv der Sehnsucht wird sowohl in vielen Texten als auch in der Malerei etwa eines Caspar David Friedrich ausgedrĂŒckt. Aus ihm ergeben sich auch das Wander- und Reisemotiv sowie die Motive des Fernwehs und des MĂŒĂŸiggangs, verwendet etwa im Roman Aus dem Leben eines Taugenichts oder in Ahnung und Gegenwart[6] des Schriftstellers Joseph von Eichendorff.

Auch das Motiv der Nacht war in der Romantik beliebt, verkörperte es doch die von den Romantikern propagierte Verschmelzung von SinneseindrĂŒcken besonders gut, siehe z.B. das berĂŒhmte Gedicht Mondnacht von Eichendorff[7] oder das Gedicht Ritt im Mondschein von Achim von Arnim, wo sich das Motiv der Nacht außerdem passenderweise mit dem der Liebe verbindet.[8]

In diesen Motivkreis gehören auch die Motive der Verbundenheit mit der Natur (allerdings in idealisierter Form), vgl. das Gedicht Nacht und Winter von Adelbert von Chamisso, in dem das Ich seine Stimmungen in der Natur gespiegelt sieht.[9]

[Bearbeiten] Das Unheimliche

Das Spiegelmotiv gehört gleichzeitig zu einem weiteren typischen Motivkreis der Epoche, nĂ€mlich dem des Unheimlichen und Numinosen. Vor allem E.T.A. Hoffmann nahm sich dieses Themenkreises an. Auch die Sammlungen von VolksmĂ€rchen und Sagen etwa durch die GebrĂŒder Grimm siedeln sich hier an, vgl. Schneewittchen. E.T.A. Hoffmann z.B. verwendete das ebenfalls beliebte Motiv des DoppelgĂ€ngers (in Elixiere des Teufels, 1815).

SchauplĂ€tze in der Romantik sind hĂ€ufig Friedhöfe, Ruinen (Schauerromantik bzw. Schwarze Romantik) oder alte Burgen, dunkle WĂ€lder, ein Berginneres oder Höhlen und Naturlandschaften. Das Dargestellte ist oft entweder naturmagischen Charakters, ĂŒbernatĂŒrlich, oder mĂ€rchenhaft.

[Bearbeiten] Politische Motive: Weltflucht, Nationalismus und Gesellschaftskritik

Eigentlich typisch fĂŒr die Romantiker war eher eine Abwendung vom gegenwĂ€rtigen Geschehen, welche sich in einer Weltflucht, Flucht ins Private und Hinwendung zur Vergangenheit Ă€ußerte.

Andererseits waren aber die Romantiker auch beeinflusst von gleichzeitig aufkommenden nationalistischen Strömungen. Beides verband sich in der Verehrung und Idealisierung des deutschen Mittelalters[10]

Heinrich Heine nimmt in der deutschen Romantik eine Sonderstellung ein. Was sich bei anderen nur vage andeutete, verschÀrfte er zur expliziten Kritik an deutschen VerhÀltnissen, besonders etwa in Deutschland ein WintermÀrchen[11].

[Bearbeiten] Klassik und Romantik im Vergleich

Klassik

  • Streben nach Vollendung, Ruhe, fester Ordnung, Klarheit, Maß und Harmonie
  • Streben nach ObjektivitĂ€t, Typisierung, Gesetz, Vernunft, Gleichgewicht, nach gĂŒltiger und geschlossener Form; genaue Unterscheidung zwischen Lyrik, Epik und Dramatik; fordert Entsagung, SelbstbeschrĂ€nkung, sittliche WillensstĂ€rke; lehnt Phantastisches, Verworrenes, Unklares ab; bemĂŒht sich um Harmonie zwischen GefĂŒhl und Verstand; verlangt genaue Grenzensetzung – Es ist genug, das Erforschbare zu erforschen, das Unerforschliche aber auf sich beruhen zu lassen.


Romantik

  • Drang nach Unendlichkeit, Leidenschaftlich-Bewegtem, Dunklem, maß- und regellosem Sprengenwollen aller Grenzen
  • Zerbricht die klassischen Grenzen; will Herrschaft der frei schöpferischen Phantasie, die wichtiger ist als „edle“ Form und hochgeistiger Inhalt; will Grenzen sprengen: Grenzen des Verstandes, Grenzen zwischen Wissenschaft und Poesie und zwischen den einzelnen Dichtungsgattungen – Streben nach einer „Universalpoesie“, die gleichzeitig Wissenschaft, Religion und Dichtung und lyrisch, episch, dramatisch und musikalisch ist; will Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit niederreißen; will die ganze Welt „romantisieren“ und fordert völlige SubjektivitĂ€t, Individualisierung, Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit und eine weltoffene, ewig unfertige Dichtungsform; Vorliebe fĂŒr das Traumhafte, Wunderbare, Unbewusste, Übersinnliche.

[Bearbeiten] Romantische Literatur in Europa und Nordamerika

Die Romantik wurde zur europĂ€ischen Geistesbewegung und erfasste, von Deutschland ausgehend, alle LĂ€nder Europas. Sie beeinflusste Philosophie, Dichtung, KĂŒnste, Religion, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] England

[Bearbeiten] Frankreich

[Bearbeiten] Amerika

[Bearbeiten] Italien

[Bearbeiten] Ungarn

[Bearbeiten] Polen

[Bearbeiten] Tschechien

[Bearbeiten] Ukraine

[Bearbeiten] Russland

[Bearbeiten] EinflĂŒsse und Auswirkungen der Romantik

[Bearbeiten] Neuromantik und Symbolismus

Beeinflusst durch die Romantik sind die Jugendbewegung und der Symbolismus, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Diese Literatur- und Kunstepoche wird nicht ohne Grund auch als Neuromantik bezeichnet.

[Bearbeiten] Nationalsozialismus

Viktor Klemperer, Georg Lukacs, Sibylle Tönnies und andere Wissenschaftler der unterschiedlichsten Fachgebiete beschreiben den geistesgeschichtlichen Zusammenhang zwischen Nationalsozialismus und der deutschen Romantik.

Im politischen und kulturgeschichtlichen Sinn wird Romantik als Gegenströmung zur AufklÀrung und zum Rationalismus eingeordnet. So kann die Romantik als Wegbereiter des Nationalsozialismus verstanden werden.

Zimmermann, ein Kritiker dieser Position, glaubt, hier wĂŒrden neoromantische, jungkonservative und völkische Einlassungen wie diejenige von Moeller van den Bruck mit der Romantik verwechselt.[12] Zimmermann plĂ€diert deshalb fĂŒr eine Revision der Romantik.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Christian Baier: Romantiker. Edition Splitter, Wien 2006. ISBN 3-901190-99-6
  • Marianne Bernhard (Hg.): Deutsche Romantik. Handzeichnungen. Herrsching: Pawlak, o. J. [Band 1: Carl Blechen (1798–1840) bis Friedrich Olivier (1791–1859); Band 2: Friedrich Overbeck (1789–1869) bis Christian Xeller (1784–1872)]
  • Karl Heinz Bohrer: Die Kritik der Romantik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
  • Ders.: Der romantische Brief. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
  • Manfred Frank: EinfĂŒhrung in die frĂŒhromantische Ästhetik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
  • Ders.: Kaltes Herz. Unendliche Fahrt. Neue Mythologie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
  • Gerald Gillespie, Manfred Engel, Bernard Dieterle (Hg.): Romantic Prose Fiction. Amsterdam: John Benjamins 2008 (= A Comparative History of Literatures in European Languages, XXIII)
  • Rudolf Haym: (1821-1901): Die romantische Schule, ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Geistes (1870). 2. Auflage 1906. http://www.archive.org/stream/dieromantischesc00haym#page/n17/mode/2up
  • Peter Hacks: Zur Romantik, Hamburg: Konkret Literatur Verlag 2001
  • Heinrich Heine: Die romantische Schule. Entstanden 1832/35. Teildrucke in: L'Europe littĂ©raire (Paris), FrĂŒhjahr 1833, Erstdruck unter dem Titel Â»Zur Geschichte der neueren schönen Literatur in Deutschland«, Paris (Heideloff und Campe) 1833, erweitert und unter dem endgĂŒltigen Titel, Hamburg (Hoffmann und Campe) 1836. Online bei Zeno.org
  • Gerda Heinrich: Geschichtsphilosophische Positionen der deutschen FrĂŒhromantik. Kronberg/Ts.: Scriptor 1977
  • Hoffmann Axthelm, Inge: Geisterfamilie. Studien zur Geselligkeit der FrĂŒhromantik. Akademische Verlagsgesellschaft. 1973
  • Eckart Kleßmann: Die deutsche Romantik. Köln: DuMont 1979
  • Detlef Kremer: Romantik, Stuttgart: Metzler 2003
  • Eberhard Roters: Jenseits von Arkadien. Die romantische Landschaft. Köln: DuMont 1995
  • RĂŒdiger Safranski: Romantik. Eine deutsche AffĂ€re. Hanser, MĂŒnchen 2007. ISBN 3-446-20944-1.
  • RĂŒdiger Safranski (Hrsg.): Romantik – was sonst bei dem Sauwetter? Texte der Romantik. Hanser, MĂŒnchen 2007. ISBN 978-3-446-20886-5.
  • Helmut Schanze (Hrsg.): Romantik-Handbuch. Stuttgart: Kröner 1994
  • Carl Schmitt: Politische Romantik, Berlin: Duncker & Humblot 1919, 1925, 1968
  • Hans Steffen (Hrsg.): Die deutsche Romantik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1989
  • Hermann Timm: Die heilige Revolution. Das religiöse TotalitĂ€tskonzept der FrĂŒhromantik. Schleiermacher - Novalis - Friedrich Schlegel. Frankfurt am Main 1978
  • Silvio Vietta (Hrsg.): Die literarische FrĂŒhromantik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1983
  • Winfried Wehle/K. Maurer: Romantik – Aufbruch in die Moderne. Romanistisches Kolloquium V, MĂŒnchen 1991
  • Benno von Wiese: Romantik. FĂŒr die Gegenwart ausgewĂ€hlte Texte. Verlag Carl Ueberreuter, Wien-Heidelberg ISBN 3-8000-3007-1
  • Harm-Peer Zimmermann: Ästhetik der AufklĂ€rung: Zur Revision der Romantik in volkskundlicher Absicht Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2001
  • Theodore Ziolkowski: Das Amt der Poeten. Die deutsche Romantik und ihre Institutionen. MĂŒnchen: dtv 1994

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Romantik â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Romanticism â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Romantik â€“ Zitate

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ Z. B. bezogen auf Petrarca in Kritische Fragmente Nr. 119: „auch ist er romantisch, nicht lyrisch“, d. h. es handele sich eher um einen Roman in Sonetten.
  2. ↑ 125 Bogen entsprechen 2000 Seiten. Brief vom 1. Dezember 1797 in Ernts Behler u.a. (Hrsg.): Friedrich Schlegel. Kritische Ausgabe Bd. XXIV, S. 53
  3. ↑ Ernst Behler u. a. (Hrsg.): Friedrich Schlegel. Kritische Ausgabe. 1. Abt. Bd. II, S. 182f
  4. ↑ Vgl. Dieter Borchmeyer: Zur Typologie des Klassischen und Romantischen. In: Walter Hinderer (Hg.): Goethe und das Zeitalter der Romantik. WĂŒrzburg 2002 (Stiftung fĂŒr Romantikforschung; 21), S. 19-29, hier S. 19 f.
  5. ↑ Über die Romantik – Die blaue Blume, das Sinnbild der Romantik
  6. ↑ vgl. http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=5&xid=3410&kapitel=2&cHash=c34b22d982ahnu02#gb_found Zugriff: 22. August 2010
  7. ↑ z.B. http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=5&xid=524&kapitel=140&cHash=796aa7f40bmondnach#gb_found Zugriff: 22. August 2010
  8. ↑ Zugriff: 22. August 2010
  9. ↑ Zugriff: 22. August 2010
  10. ↑ vgl. etwa: http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=5&xid=310&kapitel=46&cHash=09052beb9dcham038#gb_found Zugriff: 22. August 2010
  11. ↑ vgl. http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=5&xid=1148&kapitel=1&cHash=d40dbdc7b4#gb_found Zugriff: 22. August 2010
  12. ↑ Zimmermann: Ästhetische AufklĂ€rung. Zur Revision der Romantik in volkskundlicher Absicht.Königshausen und Neumann, WĂŒrzburg 2001 S. 15
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