Pleonasmus
Ein Pleonasmus (griech. ÏÎ»Î”ÎżÎœÎ±ÏÎŒĂłÏ pleonasmĂłs âĂberflussâ) ist eine rhetorische Erscheinung, bei der innerhalb einer Wortgruppe eine bestimmte Bedeutung mehrfach auf unterschiedliche Weise (oft mit verschiedenen Wortarten, etwa Adjektiv/Substantiv) zum Ausdruck gebracht wird oder bei der Ausdrucksmittel verwendet werden, die keine zusĂ€tzliche Information beisteuern (verbale Redundanz). Geschieht dies bewusst, kann es sich um eine epithetische rhetorische Figur handeln: Der Pleonasmus wird dann zur VerstĂ€rkung, Verdeutlichung oder besonderen Hervorhebung des Gesagten verwendet (âkaltes Eisâ; âmit meinen eigenen HĂ€nden angefasstâ). Feststehende Wendungen mit pleonastischem Charakter entstehen, wenn einer der Bestandteile (etwa ein ungebrĂ€uchliches Wort oder ein Fremdwort) seine ursprĂŒngliche Bedeutung verliert und der Ausdruck zur Verdeutlichung um ein bedeutungsgleiches Element ergĂ€nzt wird (âFuĂpedalâ; âBauchgefĂŒhlâ). Je weniger die ursprĂŒngliche Bedeutung dem Sprecher zugĂ€nglich ist, desto weniger kann der Gesamtausdruck als eigentlicher Pleonasmus angesehen werden. Pleonastische Wortschöpfungen ohne ausdrĂŒcklich beabsichtigten rhetorischen Hintergrund gelten als schlechter Sprachstil oder StilblĂŒten.
Das Gegenteil des Pleonasmus ist die Ellipse.[1] Pleonasmus und Tautologie werden hÀufig synonym verwendet.
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[Bearbeiten] Beispiele fĂŒr Pleonasmen
- aus rhetorischen GrĂŒnden
- runde Kugel, weibliche Bundeskanzlerin, alter Greis
- feststehende AusdrĂŒcke
- DĂŒsenjet (engl. âJetâ = DĂŒse, Strahl), Pulsschlag (lat. âpulsusâ = Schlag), RĂŒckantwort, La-Ola-Welle (span. âla olaâ = die Welle), Chiffrenummer (franz. âchiffreâ = Ziffer), klammheimlich (lat. âclamâ = heimlich), RĂŒckstau, Glasvitrine (Vitrine âglĂ€serner Schaukasten oder -schrankâ von lat. âvitrumâ = Glas), Cuttermesser (engl.âto cutâ = schneiden), auseinanderklaffen, vorprogrammieren, persönliche Anwesenheit, jĂŒdische Synagoge, FuĂpedal, runder Kreis, RĂŒckerinnerung, stillschweigend, schlussendlich.
- als Steigerung nicht mehr steigerbarer, absoluter Adjektive
- Ein Beispiel hierfĂŒr ist die Redewendung âam optimalsten wĂ€re âŠâ, obgleich das Wort optimal bereits das Bestmögliche unter den gegebenen Voraussetzungen bedeutet und folglich keine weitere Steigerung mehr möglich ist (Ă€hnlich bei ideal). Dieser Umstand ist auch hĂ€ufig beim Wort einzig anzutreffen (Sie ist die Einzigste, welche âŠ) sowie beim Wort kein (âin keinster Weiseâ statt âin keiner Weiseâ). Weitere Beispiele sind der hĂ€ufig in Arbeitszeugnissen verwendete Ausdruck âzu unserer vollsten Zufriedenheitâ oder die verbreitete Floskel âim wahrsten Sinne des Wortesâ.
- stilistisch auffÀllig
- tote Leiche, Einzelindividuum (Individuum âEinzelwesenâ), Haarfrisur, zusammenaddieren, Essensgericht, manuelle Handarbeit, Mitbeteiligung und offizielle Amtssprache (lat. officium âAmtâ). Daneben gibt es redundante Akronyme wie PIN- oder ISBN-Nummer, LCD-Display, HIV-Virus, SMS-Service, IT-Technik oder ABM-MaĂnahme.
- manchmal werden Formulierungen verwendet, die je nach Kontext Pleonasmen bilden können
- nasser Regen, alter Greis, groĂer Riese, kleiner Zwerg (bei einer Relation zu anderen Zwergen handelt es sich um keinen Pleonasmus), kleiner Obolus (Obolus [griech.] âkleine Geldspendeâ), politische Partei (sofern aus dem Kontext schon der politische Charakter der Partei offensichtlich ist), radioaktives Uran, seltene Ausnahmeerscheinung
- etymologisch, jedoch nicht mehr in der heutigen Bedeutung
- Ziffer Null (das arabische al cifr, von dem dieser Ausdruck stammt, bedeutet einfach nur âdie Nullâ), Volksdemokratie (demos [griech.] âVolkâ; jedoch ist eine Volksdemokratie etwas anderes als eine Demokratie), Guerilla-Krieg (guerra, guerrilla [span.] âKriegâ, âkleiner Kriegâ)
Das hĂ€ufig genannte Beispiel âweiĂer Schimmelâ wird manchmal als nicht treffend bezeichnet, da die als Schimmel bezeichneten Pferde nicht von Geburt an ein weiĂes Fell haben.
[Bearbeiten] Grammatischer Pleonasmus
In der Linguistik werden auch Partikeln als Pleonasmen bezeichnet, die keinen Bedeutungsinhalt haben und oft nur eine pragmatische Funktion erfĂŒllen:
- und lest ja wohl eigentlich auch zu viel (Zitat aus Arthur Schnitzler: Der Reigen; Hervorhebung nicht im Original)[2]
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- â Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur. 4. erw. Aufl. Kröner, Stuttgart 1964, S. 515
- â Arthur Schnitzler - Der Reigen - Der junge Herr und die junge Frau bei Spiegel-Online - Kultur









