Schallplattenspieler
Als Schallplattenspieler, auch kurz Plattenspieler (englisch Turntable oder record player) wird ein ĂŒblicherweise elektrisches GerĂ€t zum Abspielen von (analogen) Schallplatten bezeichnet.
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[Bearbeiten] Geschichte
Als Erfinder der Schallplatte gilt Emil Berliner, der das Patent im Jahre 1887 anmeldete. Von ihm stammt auch der Name Schallplatte. VorlĂ€ufer des Plattenspielers waren die um 1880 erfundenen mechanischen GerĂ€te Grammophon und Phonograph. WĂ€hrend des 1. Weltkrieges setzte sich die (bequemere) Schallplatte dann endgĂŒltig gegen den Zylinder durch. Anfang der 1920er-Jahre blieb der Antrieb noch mechanisch, es kamen aber die ersten elektrischen Aufnahmen und mit ihnen die elektrischen Tonabnehmer auf, deren Signal man jetzt in den sich ebenfalls verbreitenden Radios verstĂ€rken konnte, deshalb wurden die AbspielgerĂ€te in dieser Zeit auch âElektrisches Grammophonâ genannt. Zu Beginn der 1930er-Jahre verschwanden die Kurbelgrammophone nach und nach, denn auch der elektrische Antrieb des Tellers war selbstverstĂ€ndlich geworden, so wurde die Bezeichnung âElektrisches Grammophonâ mit der Zeit unĂŒblich und es etablierte sich der Ausdruck âPlattenspielerâ.
Es war die groĂe Zeit der Schelllackplatten, sie liefen mit 78 minâ1 (Umdrehungen pro Minute) und wurden in unvorstellbaren StĂŒckzahlen in der ganzen Welt ĂŒber 60 Jahre lang (von 1895-1957) hergestellt. Noch heute existieren Millionen von Schelllackplatten in Archiven und bei privaten Sammlern. Erst die Erfindung des Vinyls löste die schweren, zerbrechlichen Platten ab Mitte der 1950er-Jahre weltweit ab. Der neue Kunststoff machte die Schallplatten nicht nur leichter, man konnte jetzt dank seiner feinststrukturierten, extrem glatten OberflĂ€chenstruktur ein Stereo-Signal (ĂŒber h/v) zugleich an dieselbe Stelle in die Rille schreiben resp. pressen, eine groĂe Steigerung an TonqualitĂ€t erreichen, (EinfĂŒhrung der HiFi-Norm Anfang der 1960er Jahre) durch die FĂŒllschrift viel mehr Modulation unterbringen und das auch noch bei den wesentlich geringeren Geschwindigkeiten 33 â minâ1, bzw. 45 minâ1.
Von 1920 bis weit in die 1960er Jahre hatten die Schallplatte ein Quasi-Monopol als TontrÀger, das erst durch die Compact Cassette (CC) und spÀter durch die Compact Disc (CD) aufgebrochen wurde. Der Marktanteil der analogen Plattenspieler ist seit den 1990er Jahren nur noch gering, aber nicht ganz verschwunden. So betrug die Zahl der verkauften Plattenspieler im Jahr 2005 ungefÀhr 100.000, Tendenz steigend.[2] Im Jahr 2006 wurden etwa 170.000 nicht-tragbare CD-Spieler und 8,3 Millionen MP3-AbspielgerÀte verkauft.[3]
Es gibt Musikliebhaber, die den Klang der Schallplatte als besser einstufen als den der CD. AuĂerdem ist der Plattenspieler auch heute noch fĂŒr viele Disk Jockeys ein unverzichtbares Werkzeug. Durch den Kontakt mit der Platte ist schnelles und intuitives Mixen möglich. Dadurch sind auch TĂŒren zu weiteren KunststĂŒcken offen, wie z. B. Backspinning (das schnelle ZurĂŒckziehen der Platte) und Scratching (Erzeugen von neuen Tönen durch rhythmisches ZurĂŒck- und Vordrehen der Platte).
DJs verwenden dazu in der Regel moderne Plattenspieler, wie z. B. den Technics SL-1210MK2, aber auch diverse mehr oder weniger verbesserte Nachbauten sind erhĂ€ltlich. LegendĂ€r wurde dieser direktgetriebene Plattenspieler durch einen patentierten quarzgesteuerten, innerhalb einer Viertelumdrehung auf Solldrehzahl beschleunigenden Direktantrieb. Auch mehr als 20 Jahre nach der EinfĂŒhrung der 1200/1210-Serie werden im DJ-Sektor sĂ€mtliche Plattenspieler an ihm gemessen: Technics bewarb den MK2 daher lapidar mit âZu besichtigen in ihrer Lieblings-Diskothekâ. Mit solchen Plattenspielern ist man in der Lage, die Drehgeschwindigkeit in einem gewissen Prozentbereich stufenlos zu verĂ€ndern. Beim Technics 1200 bzw. 1210MK2 ist das ±8 %, wobei auch Umbauten existieren, die diesen Bereich auf bis zu ±30 % erweitern. Die spĂ€ter eingefĂŒhrten AusfĂŒhrungen Ă la M5G erweitern den Bereich auf ±16 % . Hier kann der Pitchbereich entsprechend umgeschaltet werden. Dieser Pitchregler ermöglicht es, MusikstĂŒcke mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entsprechend anzugleichen, um einen Beat durchgĂ€ngig beizubehalten. Durch Manipulation der Abspielgeschwindigkeit verĂ€ndert sich allerdings zudem stets die Tonhöhe der abgespielten Musik. Darauf lĂ€sst sich die englische Bezeichnung Pitch zurĂŒckfĂŒhren, die ĂŒbersetzt Tonhöhe oder auch Tonlage bedeutet.
Seit einiger Zeit gibt es auch wieder einen Vinylrecorder, mit dem man Platten aufnehmen kann, ohne sie zu pressen â hier werden die Platten geschnitten. Vorfahren dieses GerĂ€tes waren die in den fĂŒnfziger Jahren herausgebrachten Heim-FolienschneidegerĂ€te mit 78 minâ»Âč., die sich jedoch aufgrund des hohen Nadelrauschens qualitativ nicht gegen die frĂŒhen Heim-TonbandgerĂ€te behaupten konnten.
Bekannte Hersteller, die gegenwÀrtig noch High-End-Plattenspieler herstellen, sind unter anderem Linn Products, Dual, Thorens, NAD, Transrotor, Clearaudio, Roksan, Pro-Ject und Rega.
Einen vollkommenen eigenen Weg geht die japanische Firma E.L.P. Corporation, die Laserplattenspieler entwickelt, bei der die Schallplatten berĂŒhrungslos mittels Laserlicht ausgelesen werden. Der Nachteil dieser Konstruktion besteht neben dem hohen Preis in der extremen Empfindlichkeit des NachfĂŒhrsystems, das in bestimmten Intervallen oder nach einem Standortwechsel neu kalibriert werden muss.
[Bearbeiten] Technik
Beim Plattenspieler tastet eine Metall-, Saphir- oder Diamantnadel oder seit den 1990er Jahren auch ein Laser (Laserplattenspieler) die Rille der Schallplatte ab. Der mechanische Tonabnehmer wandelt die geringfĂŒgigen Schwingungen der Nadel in schwache elektrische Ströme um, die entzerrt und verstĂ€rkt werden mĂŒssen, um ein Tonsignal wiedergeben zu können. Beim Abtasten mittels Laser wird das gewonnene Signal ebenfalls auf ausschlieĂlich analogem Weg verarbeitet.
Der Tonabnehmer hĂ€ngt wiederum am Tonarm, der auf unterschiedliche Weise ausbalanciert werden kann. Am gebrĂ€uchlichsten ist das Ausbalancieren mit einem Gegengewicht. Mechanisch aufwĂ€ndigere Konstruktionen werden mit einer einstellbaren Feder ausbalanciert. Die QualitĂ€t des Armes hĂ€ngt wesentlich von Faktoren, wie der AusfĂŒhrung der Lagerung des Armes ab, von seiner Masse, seiner Steifigkeit, der OberflĂ€che und in Summe dieser und anderer Faktoren von seiner Eigenresonanz. Es wird zwischen Radialtonarmen und Tangentialtonarmen unterschieden. Bei einem Tangentialtonarm bewegt sich der Tonkopf auf einer Schiene parallel zum Radius des Plattentellers.
In der Regel können Plattenspieler Schallplatten mit zwei Geschwindigkeiten abspielen: 33 â minâ1 (Umdrehungen pro Minute) und 45 minâ1 . Seltener ist auch ein Abspielen von Ă€lteren Platten mit 78 minâ1 oder 16 â minâ1 möglich.
[Bearbeiten] Antriebstechniken
Plattenspieler werden mit verschiedenen Antriebstechniken, also der Art wie der Plattenteller in Drehung versetzt wird, hergestellt. Diese unterschiedlichen Antriebsarten sind zum Teil historisch bedingt, zum Teil aber auch entwickelt worden, um verschiedene technische Anforderungen zu erfĂŒllen, z. B.:
- Schnelles Hochlaufen des Plattentellers
- Geringe Ăbertragung von Motorvibrationen auf den Plattenteller
- Exakte Regelbarkeit der Plattentellerdrehzahl
Verbreitet sind oder waren der Direktantrieb, der Riemenantrieb und der Reibradantrieb.
[Bearbeiten] Direktantrieb
Beim Direktantrieb ist die Achse des Plattentellers gleichzeitig die Achse des Antriebsmotors. Bei einigen Modellen, z. B. Technics 1210, ist der Plattenteller Teil des Motors. Hier wirken die Elektromagnete des Motors direkt auf den Plattenteller, bzw. der Plattenteller liegt auf dem Rotor des Motors auf. Die Ănderung der Plattentellerdrehzahl wird direkt ĂŒber die DrehzahlĂ€nderung des Motors erreicht. Wird die Motordrehung ĂŒber ein Zahnrad auf die Plattentellerachse ĂŒbertragen, z. B. um einen Motor mit höherer Drehzahl einzusetzen, wird ebenfalls von Direktantrieb gesprochen.
Direkt angetriebene Plattenspieler sind vor allem im DJ-Bereich verbreitet. Sie können mit extrem kurzer Hochlaufzeit gebaut werden. Die verwendeten Motoren konnten bei einigen billigen Plattenspielern zur Ăbertragung eines Ruckelns fĂŒhren, wenn der LĂ€ufer des Motors sich im Anker zur nĂ€chsten Position bewegt. Hochwertige direktangetriebene Rundfunklaufwerke wie z.B. der Elektromesstechnik Wilhelm Franz ĂŒberboten die besten heute verfĂŒgbaren Laufwerke mit Riemenantrieb in allen relevanten Messdisziplinen. Ein Nachteil des Direktantriebes ist der sehr hohe Fertigungs- und Entwicklungsaufwand von Motor, Laufwerk und Steuerung mit PLL-Regelung. Bei den aktuell kleinen StĂŒckzahlen insbesondere des High-End-Sektors wĂ€re eine Entwicklung und Fertigung wirtschaftlich nur schwer darstellbar.
[Bearbeiten] Riemenantrieb
Beim Riemenantrieb wird die Drehung der Motorachse mit einem Gummiriemen oder -band auf den Plattenteller ĂŒbertragen. Diese Bauart ist weit verbreitet, da der Riemenantrieb eine mechanische Entkopplung zwischen Motor und Plattenteller zulĂ€sst, und somit unerwĂŒnschte Vibrationen im Plattenteller minimiert werden können.
Die Drehzahlsteuerung erfolgt beim Riemenantrieb entweder ĂŒber die Steuerung der Motordrehzahl oder durch die Verwendung unterschiedlicher Ăbersetzungen zwischen Motorachse und Plattenteller. Das wird mit unterschiedlich groĂen Laufscheiben auf der Motorachse erreicht. Der Antriebsriemen muss zum Wechseln der Geschwindigkeit von einer Scheibe auf die andere umgehĂ€ngt werden. Bei Dual-Plattenspielern mit Vario-Pulley erfolgt das Umlegen des Riemens automatisch, durch die segmentierte Antriebswelle verĂ€nderbaren Durchmessers ist sogar eine Drehzahlfeineinstellung (Pitch) möglich.
Vorteil des Riemenantriebs ist, dass auch mit geringem Entwicklungsaufwand Plattenspieler mit guten Laufeigenschaften konstruiert werden können. Nachteilig sind höhere Gleichlaufschwankungen, Geschwindigkeitsdrift aufgrund von Temperatur- oder Luftfeuchtigkeitsschwankungen, Geschwindigkeitsschwankungen durch die Modulation der Tonrille (laute Stellen werden wegen der Bremswirkung der Rille mit niedrigerer Tonhöhe abgespielt als leise) sowie Vibrationen durch den Schlupf des Riemens.
Diese Nachteile können konstruktiv gemindert werden, Masselaufwerke mit schweren Plattentellern gehen durch die MassentrĂ€gheit gegen kurzfristige Drehzahlschwankungen vor. Einige Konstruktionen wie z. B. Philips-Laufwerke der 1970er Jahre mit âdirect controlâ oder die Dual-Plattenspieler CS5000 und CS750 sowie deren Abkömmlinge haben eine Regelelektronik, welche die Drehzahl direkt am Plattenteller erfasst. Die Dual-Modelle haben dazu 200 in den Subteller eingefrĂ€ste ZĂ€hne, die durch eine Lichtschranke erfasst werden. Das daraus generierte Signal wird mit einer quarzbasierten Referenz verglichen und Drehzahlabweichungen sofort ausgeregelt. Auf diese Weise wird die sonst ĂŒbliche Drift von Riemenlaufwerken vermieden.
Nachteilig bei dieser Lösung ist die wegen der ElastizitÀt des Riemens notwendige hohe Zeitkonstante im Loop-Filter der PLL-Regelung. Im Gegensatz zum Direktantrieb kann die PLL-Regelung beim Riemenantrieb kurzzeitige Drehzahlschwankungen nicht ausgleichen.
[Bearbeiten] Reibradantrieb
Beim Reibradantrieb wird die Ăbertragung der Drehung durch ein Gummirad erreicht. Der Motor treibt das Reibrad an, das wiederum die Drehung auf die Innenseite des Plattentellers ĂŒbertrĂ€gt. Dadurch kann eine sehr gute Ăbertragung des Drehmoments auf den Plattenteller, und damit ein schnelles Hochdrehen des Tellers erreicht werden. Nachteilig ist jedoch die Gefahr, Vibrationen des Motors ĂŒber die relativ starre Kopplung zwischen Motorachse und Plattenteller in den Teller einzukoppeln.
Die Drehzahlsteuerung erfolgt hier mittels unterschiedlicher Ăbersetzungen zwischen Motorachse (auch Stufenachse genannt) und dem Reibrad.
Reibradantrieb wird heute nur noch von wenigen Herstellern angeboten, und das nur bei Billiglaufwerken. In den 1950er- und 1960er-Jahren gebaute Klassiker sind z. B. EMT 927 und 930, Garrard 301 und 401 sowie der Thorens TD-124. Letzterer arbeitet mit einer Kombination aus Reibrad- und Riemenantrieb. Der Motor treibt ĂŒber einen kurzen Riemen das den Plattenteller treibende Reibrad an. So wird eine Entkoppelung des Motors vom Plattenteller erreicht. Nahezu alle Hersteller wie z. B. Braun, Perpetuum Ebner (PE), Elac, Bang & Olufsen, Lenco und vor allem Dual bedienten sich in den 1950er- und 1960er-Jahren dieses Antriebskonzeptes.
[Bearbeiten] Tonabnehmer und -arm
- Siehe Hauptartikel Tonabnehmer und Tonarm
[Bearbeiten] Sonstiges
Plattenspieler mit sogenannten Plattenwechslern boten die Möglichkeit, mehrere Platten gleichzeitig einzulegen und diese nacheinander abspielen zu lassen. Hierzu wurden die Platten auf eine verlĂ€ngerte Mittelachse aufgesteckt und mit einem Mechanismus festgehalten. War eine Platte fertig gespielt, wurde die nĂ€chste auf den Plattenteller fallengelassen. Manche Modelle verfĂŒgten ĂŒber eine Abtastfunktion, die den Durchmesser der Platten ermittelte und es somit ermöglichte, auch Platten unterschiedlicher GröĂe nacheinander abzuspielen. Nachteile waren jedoch, dass die Platten nicht umgedreht werden konnten, und damit nur eine Seite pro Platte abgespielt werden konnte. AuĂerdem konnte die Abspielgeschwindigkeit nicht erfasst werden, weshalb man nur Platten mit derselbem Geschwindigkeit einlegen konnte. Auch lagen die Platten aufeinander und wurden etwas unsanft von der Mittelachse fallen gelassen, wodurch eventuell leichte BeschĂ€digungen und Kratzer auftreten konnten.
In den 1960er Jahren kamen tragbare Plattenspieler auf, z. B. von Loewe. Es handelte sich anfangs um handliche GerĂ€te, die lediglich Platz fĂŒr 7"-Singles boten, spĂ€ter meistens um baulich besonders groĂe Radiorecorder, bei denen die Platte von vorn durch eine Klappe oder von oben durch einen Schlitz eingeschoben wurde. Möglich wurde das durch die Tangentialtechnik. AuĂerdem gab es noch Plattenspieler, die fĂŒr den Einbau ins Auto gedacht waren.
Ziel dieser GerĂ€te war, die eigene Plattensammlung unterwegs nutzen zu können, ohne die Vinylplatten auf BĂ€nder ĂŒberspielen zu mĂŒssen. Der hohe Preis (damals weit ĂŒber 1000 DM) sowie das Gewicht verhinderten jedoch einen Markterfolg, dazu kam die Konkurrenz durch immer kleinere tragbare Cassettenspieler, wie den Walkman.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- Informationen zu Plattenspieler im BAM-Portal
- HiFi-Wiki.de GerĂ€tedatenbank fĂŒr Hifi-Produkte
- Turntable Modding
- Tonarm justieren
- Klassische Plattenspieler
- Geschichte und Technik des Plattenspielers auf Bonedo.de
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- â Spiegel Online: Ende eines Kult-Plattenspielers
- â Die Plattenspielerindustrie ist gut aufgelegt in Frankfurter Allgemeine Zeitung fĂŒr Deutschlands Schulen, Aufgerufen am 29. Juni 2011
- â Mark-Werner Dreisörner: FĂŒr die Schallplatte gut aufgelegt. In: Die Rheinpfalz, 6. Dezember 2006









