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Physik – Wikipedia

Physik

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
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Dieser Artikel beschreibt die Naturwissenschaft Physik; zum gleichnamigen Werk von Aristoteles siehe Physik (Aristoteles).
Verschiedene Beispiele physikalischer PhÀnomene

Die Physik (ĂŒber lateinisch physica ‚Naturlehre‘ aus griechisch φυσÎčÎșÎź physikē ‚wissenschaftliche Erforschung der Naturerscheinungen‘, ‚Naturforschung‘)[1][2] untersucht die grundlegenden PhĂ€nomene in der Natur. In der Absicht, deren Eigenschaften und Verhalten anhand von quantitativen Modellen und GesetzmĂ€ĂŸigkeiten zu erklĂ€ren, befasst sie sich insbesondere mit Materie und Energie und deren Wechselwirkungen in Raum und Zeit.

Die Arbeitsweise der Physik besteht im Allgemeinen in einem Zusammenspiel experimenteller Methoden und theoretischer Modellbildung, welche weitgehend mathematische Methoden verwendet. Physikalische Theorien bewĂ€hren sich in der Anwendbarkeit auf Systeme der Natur, indem sie bei Kenntnis von AnfangszustĂ€nden derselben möglichst genaue Vorhersagen ĂŒber resultierende EndzustĂ€nde erlauben. Physikalische Fortschritte bestehen in der Bereitstellung von Theorien und Hilfsmitteln, die auf zusĂ€tzliche Systeme anwendbar sind, genauere Beschreibungen ermöglichen, eine Vereinfachung des theoretischen Apparats erlauben oder praktische Anwendungen ermöglichen und erleichtern.

In unterschiedlichem Maße nutzen auch die anderen Naturwissenschaften und angewandte Wissenschaften wie die Medizin oder die Ingenieurswissenschaft Modelle und Erkenntnisse aus der Physik. Die rationale Rekonstruktion der Arbeitsweise der Physik gehört in den Gegenstandsbereich der Wissenschaftstheorie; Analysen ĂŒber die Aussagereichweite naturwissenschaftlicher Erkenntnis im Allgemeinen diskutiert die sich mit ersterer ĂŒberschneidende Epistemologie; die Interpretation physikalischer Theorien dahingehend, welcherart Strukturbeschreibungen der RealitĂ€t sie zulassen, ist Gegenstand ontologischer Überlegungen der modernen Philosophie der Physik. Die Physik und insbesondere die Mikrophysik wird von vielen Wissenschaftstheoretikern als Grundlagenwissenschaft der Naturwissenschaften in dem Sinne verstanden, dass Objekte und Gesetze sonstiger naturwissenschaftlicher Theorien, etwa der Biologie, Chemie, Geologie, prinzipiell reduzierbar seien auf (mikro)physikalische Objekte und Gesetze.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte von Begriff und Disziplin der Physik

→ Hauptartikel: Geschichte der Physik

Die Disziplin der Physik hat ihre UrsprĂŒnge in den Theorien und Einzelstudien antiker Wissenschaftlicher. Zwar wird die Physik hier als ein Teilgebiet der Philosophie verstanden; sie hat aber, etwa in der maßgeblichen Systematik und DurchfĂŒhrung bei Aristoteles, einen eigenstĂ€ndigen Erkenntnisbereich und eine methodische SelbstĂ€ndigkeit. Mitte des 13. und im Laufe des 14. Jahrhunderts plĂ€dieren mehrere Philosophen und Naturforscher – meist in Personalunion – fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere EigenstĂ€ndigkeit der Naturerkenntnis; – eine Entwicklung, die sich in der Tat nicht aufhalten ließ und, in Aufnahme dieser Tendenzen, im 16. und 17. Jahrhundert in die Entwicklung einer Methodologie der physikalischen Erkenntnis mĂŒndet, die modernen Kriterien an experimentelle Standards nahe kommt, namentlich mit Galileo Galilei und Isaac Newton.

Damit etabliert sich die Physik endgĂŒltig als eigenstĂ€ndige Disziplin hinsichtlich ihrer Methode, ihres Gegenstandsbereichs, ihrer wissenschaftssystematischen und institutionellen Verortung. Diese neue Methodik teilt die Physik im Wesentlichen in zwei große Gebiete auf. Die theoretische Physik beschĂ€ftigt sich vorwiegend mit formellen Beschreibungen und den Naturgesetzen. Sie abstrahiert VorgĂ€nge und Erscheinungen in der wirklichen Natur in Form eines Systems von Modellen, allgemeingĂŒltigen Theorien und Naturgesetzen sowie intuitiv gewĂ€hlter Hypothesen. Bei der Formulierung von Theorien und Gesetzen bedient sie sich vielfach der Methoden der Mathematik und der Logik. Ziel dieser Betrachtung ist die Vorhersage des Verhaltens eines Systems sowie die experimentelle PrĂŒfung der GĂŒltigkeit und Vorhersagekraft der gewĂ€hlten Hypothesen durch Vergleich des vorhergesagten Verhaltens mit den VorgĂ€ngen und Erscheinungen in der wirklichen Natur. Diese ÜberprĂŒfung in Form reproduzierbarer Messungen oder durch Beobachtung natĂŒrlicher PhĂ€nomene macht das Teilgebiet der Experimentalphysik aus.

Die Physik steht in enger Verbindung zu den Ingenieurwissenschaften und den meisten Naturwissenschaften von der Astronomie und Chemie bis zur Biologie und den Geowissenschaften. Die Abgrenzung zu diesen Wissenschaften ergibt sich historisch aus dem Ursprung der Physik in der Philosophie. Insbesondere mit dem Aufkommen neuer Wissenschaftsdisziplinen wird eine inhaltliche Abgrenzung der Physik zu diesen anderen Feldern jedoch erschwert. Die Physik wird hĂ€ufig als grundlegende oder fundamentale Naturwissenschaft aufgefasst, die sich stĂ€rker als die anderen Naturwissenschaften mit den Grundprinzipien befasst, die die natĂŒrlichen VorgĂ€nge bestimmen.

In der heutigen Physik ist vor allem die Grenze zur Chemie, der Übergang von der Physik der Atom- und MolekĂŒlphysik, zur Quantenchemie, fließend. Allerdings konzentriert sich die Chemie hĂ€ufig auf komplexere Strukturen (MolekĂŒle), wĂ€hrend die Physik meist die grundlegende Materie erforscht. Zur Abgrenzung gegenĂŒber der Biologie wird die Physik oftmals als die Wissenschaft von der unbelebten Natur bezeichnet, womit jedoch eine BeschrĂ€nkung impliziert wird, die so in der Physik nicht existiert. Die Ingenieurwissenschaften werden durch ihren Bezug zur praktischen Anwendung von der Physik abgegrenzt, da in der Physik das VerstĂ€ndnis der grundlegenden Mechanismen gegenĂŒber der Anwendung im Vordergrund steht. Die Astronomie hat keine Möglichkeit Laborexperimente durchzufĂŒhren und ist daher allein auf Naturbeobachtung angewiesen, was zur Abgrenzung gegen die Physik herangezogen wird.

[Bearbeiten] Methodik

Der Prozess der Erkenntnisgewinnung in der Physik verlÀuft in enger Verzahnung von Experiment und Theorie, besteht also aus empirischer Datengewinnung und -auswertung und gleichzeitig dem Erstellen theoretischer Modelle zu ihrer ErklÀrung. Dennoch haben sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts Spezialisierungen herausgebildet, die insbesondere die professionell betriebene Physik heute prÀgen. Demnach lassen sich grob Experimentalphysik und theoretische Physik voneinander unterscheiden.

[Bearbeiten] Experimentalphysik

Multimeter fĂŒr elektrische Messungen
→ Hauptartikel: Experimentalphysik

WĂ€hrend manche Naturwissenschaften wie etwa die Astronomie und die Meteorologie sich methodisch weitgehend auf die Beobachtungen ihres Untersuchungsgegenstandes beschrĂ€nken mĂŒssen, steht in der Physik das Experiment im Vordergrund. Dabei versucht die Experimentalphysik durch Entwurf, Aufbau, DurchfĂŒhrung und Auswertung von Experimenten GesetzmĂ€ĂŸigkeiten in der Natur aufzuspĂŒren und mittels empirischer Modelle zu beschreiben. Sie versucht einerseits physikalisches Neuland zu betreten, andererseits ĂŒberprĂŒft sie von der theoretischen Physik gemachte Vorhersagen.

Grundlage eines physikalischen Experimentes ist es, die Eigenschaften eines zuvor prĂ€parierten physikalischen Systems, zum Beispiel eines Teilchenbeschleunigers, einer Vakuumkammer mit Detektoren oder eines geworfenen Steins durch Messung in Zahlenform auszudrĂŒcken, etwa als LĂ€nge einer Teilchenspur, Impulshöhe eines elektrischen Spannungspulses oder als Aufprallgeschwindigkeit.

Konkret werden entweder nur die zeitunabhĂ€ngigen (statischen) Eigenschaften eines Objektes gemessen oder es wird die zeitliche Entwicklung (Dynamik) des Systems untersucht, etwa indem Anfangs- und Endwerte einer MessgrĂ¶ĂŸe vor und nach dem Ablauf eines Vorgangs bestimmt werden oder indem kontinuierliche Zwischenwerte festgestellt werden.

[Bearbeiten] Theoretische Physik

Die Lichtuhr, ein bekanntes Gedankenexperiment
WÀhrend bei der Veröffentlichung der Allgemeinen RelativitÀtstheorie 1916 nur die Periheldrehung des Merkurs einen Hinweis auf die Richtigkeit gab, gehört die Zeitdilatation bei GPS-Satelliten heute zum Alltag.

Die Aufgabe der theoretischen Physik wiederum besteht darin, die empirischen Modelle der Experimentalphysik mathematisch auf bekannte Grundlagentheorien zurĂŒckzufĂŒhren oder, falls dies nicht möglich ist, Hypothesen fĂŒr eine neue Theorie zu entwickeln, die dann experimentell ĂŒberprĂŒft werden können. Sie leitet weiterhin aus bereits bekannten Theorien empirisch ĂŒberprĂŒfbare Voraussagen ab.

Bei der Entwicklung eines Modells wird grundsĂ€tzlich die Wirklichkeit idealisiert; man konzentriert sich zunĂ€chst nur auf ein vereinfachtes Bild, um dessen Aspekte zu ĂŒberblicken und zu erforschen; nachdem das Modell fĂŒr diese Bedingungen ausgereift ist, wird es weiter verallgemeinert.

Zur theoretischen Beschreibung eines physikalischen Systems benutzt man die Sprache der Mathematik. Seine Bestandteile werden dazu durch mathematische Objekte wie zum Beispiel Skalare oder Vektoren reprĂ€sentiert, die in durch Gleichungen festgelegten Beziehungen zueinander stehen. Der Zweck des Modells ist es, aus bekannten GrĂ¶ĂŸen unbekannte zu errechnen und damit zum Beispiel das Ergebnis einer experimentellen Messung vorherzusagen. Diese auf QuantitĂ€ten konzentrierte Sichtweise unterscheidet die Physik maßgeblich von der Philosophie und hat zur Folge, dass nicht quantifizierbare Modelle, wie das Bewusstsein nicht als Teil der Physik betrachtet werden.

Das fundamentale Maß fĂŒr den Erfolg einer Theorie ist, wie in vielen Naturwissenschaften auch, die Übereinstimmung mit reproduzierbaren Experimenten. Durch den Vergleich mit dem Experiment lassen sich der GĂŒltigkeitsbereich und die Genauigkeit einer Theorie ermitteln, allerdings lĂ€sst sie sich niemals „beweisen“. Um eine Theorie zu widerlegen, bzw. um die Grenzen ihres GĂŒltigkeitsbereiches zu demonstrieren, genĂŒgt im Prinzip ein einziges Experiment, sofern es reproduzierbar ist.

Experimentalphysik und theoretische Physik stehen also in steter Wechselbeziehung zueinander. Es kann allerdings vorkommen, dass Ergebnisse der einen Disziplin der anderen vorauseilen: So sind derzeit viele Voraussagen der Stringtheorie nicht experimentell ĂŒberprĂŒfbar; andererseits sind viele teilweise extrem genau gemessene Werte aus dem Gebiet der Kernphysik zum heutigen Zeitpunkt (2009) durch die zugehörige Theorie, die Quantenchromodynamik, nicht berechenbar.

[Bearbeiten] Weitere Aspekte

ZusĂ€tzlich zu dieser grundlegenden Teilung der Physik unterscheidet man manchmal noch weitere methodische Unterdisziplinen, vor allem die mathematische Physik und die angewandte Physik. Auch die Arbeit mit Computersimulationen hat innerhalb der letzten Jahre ZĂŒge eines eigenen Bereiches der Physik angenommen.

[Bearbeiten] Mathematische Physik

→ Hauptartikel: Mathematische Physik

Die mathematische Physik wird gelegentlich als Teilgebiet der theoretischen Physik betrachtet, unterscheidet sich von dieser jedoch darin, dass ihr Studienobjekt nicht konkrete physikalische PhĂ€nomene sind, sondern die Ergebnisse der theoretischen Physik selbst. Sie abstrahiert damit von jedweder Anwendung und interessiert sich stattdessen fĂŒr die mathematischen Eigenschaften eines Modells, insbesondere seine tiefer liegenden Symmetrien. Auf diese Weise entwickelt sie Verallgemeinerungen und neue mathematische Formulierungen bereits bekannter Theorien, die dann wiederum als Arbeitsmaterial der theoretischen Physiker in der Modellierung empirischer VorgĂ€nge Einsatz finden können.

[Bearbeiten] Angewandte Physik

→ Hauptartikel: Angewandte Physik

Die angewandte Physik steht dagegen in (unscharfer) Abgrenzung zur Experimentalphysik, teilweise auch zur theoretischen Physik. Ihr wesentliches Kennzeichen ist, dass sie ein gegebenes physikalisches PhÀnomen nicht um seiner selbst willen erforscht, sondern um die aus der Untersuchung hervorgegangenen Erkenntnisse zur Lösung eines (in der Regel) nicht-physikalischen Problems einzusetzen. Ihre Anwendungen liegen auf dem Gebiet der Technik oder Elektronik aber auch in den Wirtschaftswissenschaften, wo im Risikomanagement Methoden der theoretischen Festkörperphysik zum Einsatz kommen. Auch gibt es die interdisziplinÀren Bereiche der Medizinphysik, physikalischen Chemie, Astrophysik und Biophysik.

[Bearbeiten] Simulation und Computerphysik

→ Hauptartikel: Computerphysik

Mit der fortschreitenden Entwicklung der Rechensysteme hat sich in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, beschleunigt seit etwa 1990, die Computersimulation als neue Methodik innerhalb der Physik entwickelt. Computersimulationen werden hĂ€ufig als Bindeglied zwischen Theorie und Experiment verwendet, um Vorhersagen aus einer Theorie zu gewinnen, andererseits können Simulationen auch in Form einer effektiven Theorie, die ein experimentelles Ergebnis nachmodelliert, einen Impuls an die theoretische Physik zurĂŒckgeben. NaturgemĂ€ĂŸ hat dieser Bereich der Physik zahlreiche AnknĂŒpfungspunkte an die Informatik.

[Bearbeiten] TheoriengebÀude

Das TheoriengebĂ€ude der Physik beruht in seinem Ursprung auf der klassischen Mechanik. Diese wurde im 19. Jahrhundert um weitere Theorien ergĂ€nzt, insbesondere den Elektromagnetismus und die Thermodynamik. Die moderne Physik beruht auf zwei Erweiterungen aus dem 20. Jahrhundert, der RelativitĂ€tstheorie und der Quantenphysik, die Grundprinzipien der klassischen Mechanik verallgemeinert haben. Beide Theorien enthalten die klassische Mechanik ĂŒber das sogenannte Korrespondenzprinzip als Grenzfall und haben daher einen grĂ¶ĂŸeren GĂŒltigkeitsbereich als diese. WĂ€hrend die RelativitĂ€tstheorie teilweise auf denselben konzeptionellen Grundlagen basiert wie die klassische Mechanik, löst sich die Quantenphysik deutlich davon.

[Bearbeiten] Klassische Mechanik

→ Hauptartikel: Klassische Mechanik

Die klassische Mechanik wurde im 16. und 17. Jahrhundert maßgeblich von Galileo Galilei und Isaac Newton begrĂŒndet. Aufgrund der zu dieser Zeit noch recht begrenzten technischen Möglichkeiten sind die VorgĂ€nge, die die klassische Mechanik beschreibt, weitgehend ohne komplizierte Hilfsmittel beobachtbar, was sie anschaulich erscheinen lĂ€sst. Die klassische Mechanik behandelt Systeme mit wenigen massiven Körpern, was sie von der Elektrodynamik und der Thermodynamik unterscheidet. Raum und Zeit sind dabei nicht Teil der Dynamik, sondern ein unbewegter Hintergrund, vor dem physikalische Prozesse ablaufen und Körper sich bewegen. FĂŒr sehr kleine Objekte tritt die Quantenphysik an die Stelle der klassischen Mechanik, wĂ€hrend die RelativitĂ€tstheorie zur Beschreibung von Körpern mit sehr großen Massen und Energien geeignet ist.

Die mathematische Behandlung der klassischen Mechanik wurde im spĂ€ten 18. und frĂŒhen 19. Jahrhundert in Form des Lagrange-Formalismus und des Hamilton-Formalismus entscheidend vereinheitlicht. Diese Formalismen sind auch mit der RelativitĂ€tstheorie anwendbar und sind daher ein bedeutender Teil der klassischen Mechanik. Obwohl die klassische Mechanik nur fĂŒr mittelgroße, anschauliche Systeme gĂŒltig ist, ist die mathematische Behandlung komplexer Systeme bereits im Rahmen dieser Theorie mathematisch sehr anspruchsvoll. Die Chaostheorie befasst sich in großen Teilen mit solchen komplexen Systemen der klassischen Mechanik und ist derzeit (2009) ein aktives Forschungsgebiet.

[Bearbeiten] Elektrodynamik

→ Hauptartikel: Elektrodynamik
Nach James Clerk Maxwell sind die bekannten Maxwell-Gleichungen des Elektromagnetismus benannt

In der Elektrodynamik werden PhĂ€nomene mit bewegten elektrischen Ladungen in Wechselwirkung mit zeitlich verĂ€nderlichen elektrischen und magnetischen Feldern beschrieben. Um die Entwicklung der Theorien der ElektrizitĂ€t und des Magnetismus im 18. und 19. Jahrhundert zusammenzufĂŒhren, wurde eine Erweiterung des TheoriengebĂ€udes der klassischen Mechanik notwendig. Ausgangspunkt war das von Michael Faraday entdeckte Induktionsgesetz und die nach Hendrik Antoon Lorentz benannte Lorentzkraft auf eine bewegte elektrische Ladung in einem Magnetfeld. Die Gesetze der Elektrodynamik wurden im 19. Jahrhundert von James Clerk Maxwell zusammengefasst und in Form der Maxwell-Gleichungen erstmals vollstĂ€ndig formuliert. GrundsĂ€tzlich wurden elektrodynamische Systeme mit den Methoden der klassischen Mechanik behandelt, allerdings ermöglichen die Maxwell-Gleichungen auch eine Wellenlösung, die elektromagnetische Wellen wie das Licht beschreiben. Diese Theorie brachte unter anderem in Form der Wellenoptik auch einen eigenen Formalismus hervor, der sich grundlegend von dem der klassischen Mechanik unterscheidet. Besonders die Symmetrien der Elektrodynamik sind mit denen der klassischen Mechanik unvereinbar. Dieser Widerspruch zwischen den beiden TheoriegebĂ€uden wurde durch die spezielle RelativitĂ€tstheorie gelöst. Die Wellenoptik ist in Form der nichtlinearen Optik noch heute (2011) ein aktives Forschungsgebiet.

[Bearbeiten] Thermodynamik

→ Hauptartikel: Thermodynamik

Etwa gleichzeitig mit der Elektrodynamik entwickelte sich mit der Thermodynamik ein weiterer Theorienkomplex, der sich grundlegend von der klassischen Mechanik unterscheidet. Im Gegensatz zur klassischen Mechanik stehen in der Thermodynamik nicht einzelne Körper im Vordergrund, sondern ein Ensemble aus vielen kleinsten Bausteinen, was zu einem radikal anderen Formalismus fĂŒhrt. Die Thermodynamik eignet sich damit zur Behandlung von Medien aller AggregatzustĂ€nde. Die Quantentheorie und die RelativitĂ€tstheorie lassen sich in den Formalismus der Thermodynamik einbetten, da sie nur die Dynamik der Bausteine des Ensembles betreffen, aber den Formalismus zur Beschreibung thermodynamischer Systeme nicht prinzipiell Ă€ndern.

Die Thermodynamik eignet sich beispielsweise zur Beschreibung von WÀrmekraftmaschinen aber auch zur ErklÀrung vieler moderner ForschungsgegenstÀnde wie Supraleitung oder SuprafluiditÀt. Besonders im Bereich der Festkörperphysik wird daher auch heute (2009) noch viel mit den Methoden der Thermodynamik gearbeitet.

[Bearbeiten] RelativitÀtstheorie

Briefmarke mit Albert Einstein und seiner berĂŒhmten Formel E=mcÂČ
→ Hauptartikel: RelativitĂ€tstheorie

Die von Albert Einstein begrĂŒndete RelativitĂ€tstheorie fĂŒhrt ein völlig neues VerstĂ€ndnis der PhĂ€nomene Raum und Zeit ein. Danach handelt es sich bei diesen nicht um universell gĂŒltige Ordnungsstrukturen, sondern rĂ€umliche und zeitliche AbstĂ€nde werden von verschiedenen Beobachtern unterschiedlich beurteilt. Raum und Zeit verschmelzen zu einer vierdimensionalen Raumzeit. Die Gravitation wird auf eine KrĂŒmmung dieser Raumzeit zurĂŒckgefĂŒhrt, die durch die Anwesenheit von Masse bzw. Energie hervorgerufen wird. In der RelativitĂ€tstheorie wird erstmals die Kosmologie zu einem naturwissenschaftlichen Thema. Die Formulierung der RelativitĂ€tstheorie gilt als der Beginn der modernen Physik, auch wenn sie hĂ€ufig als Vollendung der klassischen Physik bezeichnet wird.

[Bearbeiten] Quantenphysik

→ Hauptartikel: Quantenphysik

Die Quantenphysik beschreibt die Naturgesetze im atomaren und subatomaren Bereich und bricht noch radikaler mit klassischen Vorstellungen als die RelativitĂ€tstheorie. In der Quantenphysik sind auch physikalische GrĂ¶ĂŸen selbst Teil des Formalismus und keine bloßen KenngrĂ¶ĂŸen mehr, die ein System beschreiben. Der Formalismus unterscheidet also zwischen zwei Typen von Objekten, den Observablen, die die GrĂ¶ĂŸen beschreiben und den ZustĂ€nden, die das System beschreiben. Ebenso wird der Messprozess aktiv in die Theorie miteinbezogen. Dies fĂŒhrt in bestimmten Situationen zur Quantisierung der GrĂ¶ĂŸenwerte, das heißt die GrĂ¶ĂŸen nehmen stets nur bestimmte diskrete Werte an. In der Quantenfeldtheorie, der am weitesten entwickelten relativistischen Quantentheorie, tritt auch Materie nur in Portionen, den sogenannten Elementarteilchen oder Quanten, in Erscheinung.

Die Gesetze der Quantenphysik entziehen sich weitgehend der menschlichen Anschauung, und ĂŒber ihre Interpretation herrscht auch heute noch kein Konsens. Dennoch zĂ€hlt sie hinsichtlich ihres empirischen Erfolges zu dem am besten gesicherten Wissen der Menschheit ĂŒberhaupt.

[Bearbeiten] Themenbereiche der modernen Physik

Die Theorien der Physik kommen in verschiedenen Themenbereichen zum Einsatz. Die Einteilung der Physik in Unterthemen ist nicht eindeutig und die Abgrenzung der Unterthemen gegeneinander ist dabei Ă€hnlich schwierig wie die Abgrenzung der Physik zu anderen Wissenschaften. Es gibt dementsprechend viele Überschneidungen und gegenseitige Beziehungen der verschiedenen Bereiche zueinander. Hier wird eine Sammlung von Themengebieten nach betrachteter GrĂ¶ĂŸenordnung der Objekte dargestellt und im Zuge dessen auf Themengebiete verwiesen, die damit verwandt sind. Die aufgefĂŒhrten Themen lassen sich nicht eindeutig einer Theorie zuordnen, sondern bedienen sich je nach dem untersuchten Gegenstand verschiedener theoretischer Konzepte.

[Bearbeiten] Teilchenphysik

→ Hauptartikel: Elementarteilchenphysik

Die Teilchenphysik befasst sich mit Elementarteilchen und ihren Wechselwirkungen untereinander. Die moderne Physik kennt die folgenden vier GrundkrÀfte:

Diese Wechselwirkungen werden durch den Austausch sogenannter Eichbosonen beschrieben. Die Teilchenphysik klammert dabei die Gravitation derzeit (2009) aus, da es noch keine Theorie der Quantengravitation gibt, die die gravitativen Wechselwirkungen von Elementarteilchen vollstÀndig beschreiben kann. In der Teilchenphysik werden relativistische Quantentheorien zur Beschreibung der PhÀnomene verwendet.

Eines der Ziele der Teilchenphysik ist es, alle GrundkrĂ€fte in einem vereinheitlichten Gesamtkonzept zu beschreiben (Weltformel). Bisher ist es jedoch lediglich gelungen, die elektromagnetische Wechselwirkung als Vereinigung der elektrischen und der magnetischen Wechselwirkung darzustellen und ebenso die elektromagnetische Wechselwirkung und die schwache Wechselwirkung zu einer sogenannten elektroschwachen Wechselwirkung zu vereinigen. Zur Vereinigung der elektroschwachen und der starken Wechselwirkung wurde unter anderem die Theorie der Supersymmetrie erdacht, die bislang jedoch nicht experimentell bestĂ€tigt werden konnte. Die grĂ¶ĂŸten Schwierigkeiten treten wie bereits erwĂ€hnt im Bereich der Gravitationskraft auf, da noch keine Theorie der Quantengravitation vorliegt, aber Elementarteilchen nur im Rahmen der Quantentheorie beschrieben werden können.

Typische Experimente zur ÜberprĂŒfung der Theorien der Teilchenphysik werden an Teilchenbeschleunigern mit hohen Teilchenenergien durchgefĂŒhrt. Um hohe Kollisionsenergien zu erreichen, werden dabei vor allem Collider-Experimente eingesetzt, bei denen Teilchen gegeneinander und nicht auf ein festes Ziel geschossen werden. Daher wird der Begriff der Hochenergiephysik oft nahezu deckungsgleich mit dem Begriff der Teilchenphysik verwendet. Der Teilchenbeschleuniger mit der derzeit (2011) höchsten Kollisionsenergie ist der Large Hadron Collider. Neutrinodetektoren wie der Super-Kamiokande sind speziell zur Erforschung der Eigenschaften von Neutrinos konzipiert und stellen damit eine zwar spezielle, aber dennoch bedeutende Experimentklasse dar.

[Bearbeiten] Hadronen- und Atomkernphysik

→ Hauptartikel: Quantenchromodynamik und Kernphysik

Die Elementarteilchen, die der starken Wechselwirkung unterliegen, die sogenannten Quarks, kommen nicht einzeln, sondern immer nur in gebundenen ZustĂ€nden, den Hadronen, vor, zu denen unter anderem das Proton und das Neutron gehören. Die Hadronenphysik hat viele Überschneidungen mit der Elementarteilchenphysik, da viele PhĂ€nomene nur erklĂ€rt werden können, indem berĂŒcksichtigt wird, dass die Hadronen aus Quarks aufgebaut sind. Die Beschreibung der starken Wechselwirkung durch die Quantenchromodynamik, eine relativistische Quantenfeldtheorie, kann jedoch die Eigenschaften der Hadronen nicht vorhersagen, weshalb die Untersuchung dieser Eigenschaften als eigenstĂ€ndiges Forschungsgebiet aufgefasst wird. Es wird also eine Erweiterung der Theorie der starken Wechselwirkung fĂŒr kleine Energien angestrebt, bei denen sich die Hadronen bilden.

Atomkerne stellen gegenĂŒber Elementarteilchen die nĂ€chste KomplexitĂ€tsstufe dar. Sie bestehen aus mehreren Nukleonen, also Protonen und Neutronen, deren Wechselwirkungen untersucht werden. In Atomkernen herrschen die starke und die elektromagnetische Wechselwirkung vor. Forschungsgebiete der Atomkernphysik umfassen radioaktive ZerfĂ€lle und StabilitĂ€t von Atomkernen. Ziel ist dabei die Entwicklung von Kernmodellen, die diese PhĂ€nomene erklĂ€ren können. Dabei wird aber auf eine detaillierte Ausarbeitung der starken Wechselwirkung wie in der Hadronenphysik verzichtet.

Zur Erforschung der Eigenschaften von Hadronen werden Teilchenbeschleuniger eingesetzt, wobei hier der Schwerpunkt nicht so sehr wie in der Teilchenphysik auf hohen Kollisionsenergien liegt. Stattdessen kommen hĂ€ufig sogenannte Fixed-Target-Experimente zum Einsatz, die zwar geringere Kollisionsenergien aber sehr viel höhere Ereigniszahlen liefern. Allerdings werden auch Collider-Experimente mit Schwerionen vor allem eingesetzt, um Erkenntnisse ĂŒber Hadronen zu gewinnen. In der Kernphysik werden zur Erzeugung von Transuranen schwere Atome zur Kollision gebracht, und radioaktive Strahlung wird mit einer Vielzahl experimenteller Aufbauten untersucht.

[Bearbeiten] Atom- und MolekĂŒlphysik

→ Hauptartikel: Atomphysik und MolekĂŒlphysik

Atome bestehen aus dem Atomkern und meist mehreren Elektronen und stellen die nĂ€chste KomplexitĂ€tsstufe der Materie dar. Ziel der Atomphysik ist es unter anderem, die Linienspektren der Atome zu erklĂ€ren, wozu eine genaue quantenmechanische Beschreibung der Wechselwirkungen der Elektronen der Atome notwendig ist. Da MolekĂŒle aus mehreren Atomen aufgebaut sind, arbeitet die MolekĂŒlphysik mit Ă€hnlichen Methoden, allerdings stellen insbesondere große MolekĂŒle meist deutlich komplexere Systeme dar, was die Rechnungen sehr viel komplizierter und hĂ€ufig den Einsatz von Computersimulationen erforderlich macht.

Die Atom- und MolekĂŒlphysik stehen ĂŒber die Untersuchung der optischen Spektren von Atomen und MolekĂŒlen mit der Optik in enger Beziehung. So baut beispielsweise das Funktionsprinzip des Lasers, einer bedeutenden technischen Entwicklung, maßgeblich auf den Ergebnissen der Atomphysik auf. Da die MolekĂŒlphysik sich auch intensiv mit der Theorie der chemischen Bindungen befasst, sind in diesem Themengebiet Überschneidungen mit der Chemie vorhanden.

Ein wichtiger experimenteller Zugang besteht in der Einwirkung von Licht. So werden beispielsweise optische Spektren von Atomen und MolekĂŒlen mit ihren quantenmechanischen Eigenschaften in Verbindung gesetzt. Umgekehrt kann dann mit spektroskopischen Methoden die Zusammensetzung eines Stoffgemisches untersucht werden und anhand von Sternenlicht Aussagen ĂŒber die Elemente in der SternenatmosphĂ€re getroffen werden. Andere Untersuchungsmethoden betrachten das Verhalten unter dem Einfluss von elektrischen und magnetischen Feldern. Beispiele sind die Massenspektroskopie oder die Paulfalle.

[Bearbeiten] Kondensierte Materie und Fluiddynamik

→ Hauptartikel: Kondensierte Materie und Strömungslehre

Die Physik der kondensierten Materie und die Fluiddynamik sind in dieser Auflistung das Gebiet mit der grĂ¶ĂŸten thematischen Bandbreite, von der Festkörperphysik bis zur Plasmaphysik. All diesen Bereichen ist gemeinsam, dass sie sich mit makroskopischen Systemen aus sehr vielen Atomen, MolekĂŒlen oder Ionen befassen. Dementsprechend ist in allen Bereichen dieses Themengebiets die Thermodynamik ein wichtiger Teil des theoretischen Fundamentes. Je nach Problem kommen aber auch Quantentheorie und RelativitĂ€tstheorie zum Einsatz, um die Systeme zu beschreiben. Auch Computersimulationen sind ein fester Bestand der Forschung an solchen Vielteilchensystemen.

Aufgrund der thematischen Bandbreite existieren Überschneidungen mit nahezu allen anderen Gebieten der Physik, zum Beispiel mit der Optik in Form laseraktiver Medien oder nichtlinearer Optik, aber auch mit der Akustik, Atom-, Kern- und Teilchenphysik. Auch in der Astrophysik spielt die Fluiddynamik eine große Rolle bei der Erstellung von Modellen zur Entstehung und zum Aufbau von Sternen sowie bei der Modellierung vieler anderer Effekte. Viele Forschungsbereiche sind dabei sehr anwendungsorientiert, wie die Materialforschung, die Plasmaphysik oder die Erforschung der Hochtemperatursupraleiter.

Die Bandbreite der experimentellen Methoden in diesem Bereich der Physik ist sehr groß, sodass sich keine typischen Methoden fĂŒr das ganze Gebiet angeben lassen. Die quantenmechanischen Effekte wie Supraleitung und SuprafluiditĂ€t, die eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, werden der Tieftemperaturphysik zugerechnet, die mit typischen KĂŒhlungsmethoden einhergeht.

[Bearbeiten] Astrophysik und Kosmologie

→ Hauptartikel: Astrophysik und Kosmologie

Astrophysik und Kosmologie sind interdisziplinĂ€re Forschungsgebiete, die sich stark mit der Astronomie ĂŒberschneiden. Nahezu alle anderen Themenbereiche der Physik gehen in die astrophysikalischen Modelle ein, um Prozesse auf verschiedenen GrĂ¶ĂŸenskalen zu modellieren. Ziel dieser Modelle ist es, astronomische Beobachtungen auf der Grundlage der bisher bekannten Physik zu erklĂ€ren.

Die Kosmologie baut insbesondere auf den Grundlagen der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie auf, allerdings sind im Rahmen der Quantenkosmologie auch die Quantentheorien sehr bedeutsam um die Entwicklung des Universums in sehr viel frĂŒheren Phasen zu erklĂ€ren. Das derzeit (2009) am meisten vertretene kosmologische Standardmodell baut dabei maßgeblich auf den Theorien der Dunklen Materie und der Dunklen Energie auf. Weder dunkle Materie noch dunkle Energie konnte bisher direkt experimentell nachgewiesen werden, es existieren aber eine Vielzahl von Theorien, was genau diese Objekte sind.

Da in der Astrophysik nur in sehr beschrĂ€nktem Ausmaß Experimente möglich sind, ist dieses Teilgebiet der Physik sehr stark auf die Beobachtung unbeeinflussbarer PhĂ€nomene angewiesen. Dabei kommen auch Erkenntnisse der Atomphysik und der Teilchenphysik und typische Messmethoden dieser Fachgebiete zur Anwendung, um RĂŒckschlĂŒsse auf astrophysikalische oder kosmologische ZusammenhĂ€nge zu ziehen. Beispielsweise geben die Spektren von Sternenlicht Auskunft ĂŒber die Elementverteilung der SternenatmosphĂ€re, die Untersuchung der Höhenstrahlung erlaubt RĂŒckschlĂŒsse auf die kosmische Strahlung und Neutrinodetektoren messen nach einer Supernova einen erhöhten Neutrinostrom, der gleichzeitig mit dem Licht der Supernova beobachtet wird.

[Bearbeiten] InterdisziplinÀre Themenbereiche

Methoden der Physik finden in vielen Themengebieten Anwendung, die nicht zum Kernthemenbereich der Physik gehören. Einige dieser Anwendungen sind in den vorigen Kapiteln bereits angesprochen worden. Die folgende AufzĂ€hlung gibt einen kurzen Überblick ĂŒber die wichtigsten interdisziplinĂ€ren Themenbereiche.

  • Die Astrophysik wendet physikalische Methoden auf das Studium astronomischer PhĂ€nomene an.
  • In der Biophysik werden die physikalischen GesetzmĂ€ĂŸigkeiten untersucht, denen Lebewesen und ihre Wechselwirkung mit der Natur unterliegen.
  • Bei der physikalischen Chemie werden Methoden der Physik auf die Anschauungsobjekte der Chemie angewendet.
  • Die Geophysik nutzt physikalische Modelle und Methoden zur ErklĂ€rung geowissenschaftlicher VorgĂ€nge und Fragestellungen.
  • Die Technische Physik befasst sich mit den technischen Anwendungen physikalischen Wissens. Wichtige Teilbereiche sind die Quantenelektronik und die Theorie der Quantencomputer.
  • Die Umweltphysik beschĂ€ftigt sich in ihrer Forschung vor allem mit den Bereichen Energie und Klima.
  • Soziophysik und Ökonophysik wenden physikalische und statistische Methoden auf gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle und politische PhĂ€nomene an.

[Bearbeiten] Grenzen der physikalischen Erkenntnis

Der derzeitige Stand der Physik ist nach wie vor mit noch ungelösten Problemen konfrontiert. Zum einen handelt es sich dabei um den weniger grundsĂ€tzlichen Fall von Problemen, deren Lösung prinzipiell möglich, aber mit den derzeitigen mathematischen Möglichkeiten bestenfalls annĂ€herbar ist. Zum anderen gibt es eine Reihe von Problemen, fĂŒr die noch unklar ist, ob eine Lösung im Begriffsrahmen der heutigen Theorien ĂŒberhaupt möglich sein wird. So ist es bislang nicht gelungen, eine vereinheitlichte Theorie zu formulieren, welche sowohl PhĂ€nomene beschreibt, die der elektroschwachen wie der starken Wechselwirkung unterliegen, wie auch solche, welche der Gravitation unterliegen. Erst bei einer solchen Vereinigung von Quantentheorie und Gravitationstheorie (allgemeiner RelativitĂ€tstheorie) könnten alle vier GrundkrĂ€fte einheitlich behandelt werden, sodass eine vereinheitlichte Theorie der Elementarteilchen resultierte.

Die bisherigen Kandidaten von Quantengravitationstheorien, Supersymmetrie und Supergravitations-, String- und M-Theorien versuchen, eine solche Vereinheitlichung zu erreichen. Überhaupt ist es ein praktisch leitendes Ziel heutiger Physiker, sĂ€mtliche VorgĂ€nge der Natur durch eine möglichst geringe Anzahl von möglichst einfachen Naturgesetzen zu beschreiben. Diese sollen das Verhalten möglichst grundlegender Eigenschaften und Objekte (etwa Elementarteilchen) beschreiben, sodass höherstufige (emergente) Prozesse und Objekte auf diese Beschreibungsebene reduzierbar sind.

Ob dieses Ziel prinzipiell oder praktisch erreichbar ist, ist eigentlich nicht mehr Gegenstand der einzelwissenschaftlichen physikalischen ErkenntnisbemĂŒhung, ebenso wenig, wie es allgemeine Fragen darĂŒber sind, welchen Gewissheitsgrad physikalische Erkenntnisse grundsĂ€tzlich erreichen können oder faktisch erreicht haben. Derartige Fragen sind Gegenstand der Epistemologie und Wissenschaftstheorie. Dabei werden ganz unterschiedliche Positionen verteidigt. Relativ unbestritten ist, dass naturwissenschaftliche Theoriebildungen in dem Sinne nur Hypothesen sind, dass man nicht mit Gewissheit wissen kann, ob es sich dabei um wahre und gerechtfertigte Auffassungen handelt. Man kann hier noch in spezifischerer Weise vorsichtig sein, indem man sich auf die Theorie- und Begriffsvermitteltheit aller empirischen Erkenntnisse beruft oder auf die Tatsache, dass der Mensch als erkennendes Subjekt ja unter den Gegenstandsbereich physikalischer Theorien fĂ€llt, aber nur als wirklich Außenstehender sicheres Wissen haben könnte. Denn fĂŒr Beobachter, die mit ihrem Erkenntnisobjekt interagieren, bestehen prinzipielle Grenzen der Prognostizierbarkeit im Sinne einer Ununterscheidbarkeit des vorliegenden Zustandes – eine Grenze, die auch dann gelten wĂŒrde,[3] wenn der Mensch alle Naturgesetze kennen wĂŒrde und die Welt deterministisch wĂ€re. Diese Grenze hat praktische Bedeutung bei deterministischen Prozessen, fĂŒr welche geringe Änderungen des Anfangszustands zu großen Abweichungen in FolgezustĂ€nden fĂŒhren – Prozesse, wie sie durch die Chaostheorie beschrieben werden. Aber nicht nur eine praktische Voraussagbarkeit ist in vielen FĂ€llen nur begrenzt möglich, auch wird von einigen Wissenschaftstheoretikern eine AussagefĂ€higkeit physikalischer Modelle ĂŒber die RealitĂ€t ĂŒberhaupt bestritten. Dies gilt in verschiedenen Ausarbeitungen eines sogenannten wissenschaftstheoretischen Antirealismus in unterschiedlichem Ausmaß: fĂŒr unterschiedliche Typen physikalischer Begriffe wird eine reale Referenz bestritten oder fĂŒr unwissbar gehalten.[4] Auch eine prinzipielle oder wahrscheinliche ZusammenfĂŒhrbarkeit einzelner Theorien wird von einigen Wissenschaftstheoretikern bestritten.[5]

[Bearbeiten] Beziehung zu anderen Wissenschaften

Die Physik gilt als die grundlegende Naturwissenschaft, auf der alle anderen wie beispielsweise die Astronomie, die Chemie, die Geologie und die Biologie aufbauen. Physikalische Prinzipien und Modelle finden ihre Anwendung auch in anwendungsorientierten Disziplinen, besonders im technischen Bereich, wie in den Ingenieurwissenschaften, aber auch in den quantitativen Wirtschaftswissenschaften. Umgekehrt haben auch oft Erkenntnisse aus anderen Fachgebieten wie der Mathematik oder der Astronomie die physikalische Forschung bereichert und stimuliert.

Die Beziehungen zur Philosophie sind traditionell eng, hat sich doch die Physik aus der klassischen Philosophie entwickelt, ohne sich dabei jemals grundsĂ€tzlich in Gegensatz zu ihr zu stellen und waren nach heutigen Kategorien zahlreiche bedeutende Physiker zugleich wichtige Philosophen und umgekehrt. GemĂ€ĂŸ der heutigen philosophischen Disziplinenunterscheidung ist die Physik insbesondere auf die Ontologie bezogen, welche die Grundstrukturen der RealitĂ€t in möglichst allgemeinen Begriffen zu beschreiben versucht, darĂŒber hinaus auf die Erkenntnistheorie, welche die GĂŒtekriterien von Wissen ĂŒberhaupt zu erfassen versucht, spezifischer noch auf die Wissenschaftstheorie, welche die allgemeinen Methoden wissenschaftlicher Erkenntnis zu bestimmen versucht und natĂŒrlich auf die Naturphilosophie bzw. Philosophie der Physik, die oftmals als Unterdisziplin der Ontologie oder Wissenschaftstheorie behandelt wird, jedenfalls aber spezifischer gerade auf die Einzelerkenntnisse der Physik bezogen arbeitet, deren Begriffssystem analysiert und ontologische Interpretationen physikalischer Theorien diskutiert.

[Bearbeiten] Physik in der Gesellschaft

Logo vom Jahr der Physik 2005

Da die Physik als die grundlegende Naturwissenschaft gilt, werden physikalisches Wissen und Denken bereits in der Schule meist im Rahmen eines eigenen Schulfaches unterrichtet. Im Rahmen des Schulsystems wird Physik in der Regel als Nebenfach ab Klassenstufe 5-7 unterrichtet, und wird in der Oberstufe oft auch als Leistungskurs gefĂŒhrt. Siehe auch: Physikunterricht

[Bearbeiten] Literatur

LehrbĂŒcher
Philosophie der Physik
  • Historisch
    • James T. Cushing: Philosophical concepts in physics, the historical relation between philosophy and scientific theories, Cambridge : Cambridge Univ. Press 1998, ISBN 0-521-57823-X Analyse konzeptueller Grundlagen von Aristoteles bis John Stewart Bell
    • Roberto Torretti: The Philosophy of Physics, Cambridge: CUP 1999. Grundbegriffe von Galilei bis Dirac
  • Systematisch
    • Andreas Bartels: Grundprobleme der modernen Naturphilosophie, UTB, 1996, ISBN 3-8252-1951-8
    • Stefan Bauberger: Was ist die Welt, Stuttgart: Kohlhammer 2003. (Begleitmaterial)
    • Thomas Brody: The Philosophy Behind Physics, Springer 1993
    • Jeremy Butterfield, John Earman, Dov M. Gabbay, Paul Thagard, John Woods (Hgg): Handbook of the Philosophy of Physics, Elsevier 2007, ISBN 0-444-51560-7 Standardwerk
    • Michael Drieschner: Moderne Naturphilosophie. Eine EinfĂŒhrung. Mentis, Paderborn 2002, ISBN 3-89785-260-8
    • Michael Esfeld: EinfĂŒhrung in die Naturphilosophie. Darmstadt: WBG, 2002, ISBN 3-534-15461-4
    • M. Lange: An Introduction to the Philosophy of Physics, London: Blackwell 2002Besonders zu den Themen LokalitĂ€t, Felder, Energie, Masse; etwas spezieller, da nicht nur ĂŒberblicksweise Darstellung, sondern auch Argumentation fĂŒr eigene Position.
    • L. Sklar: Philosophy of Physics, Oxford: OUP 1992. Kurzer Abriss von Grundlagen zu Raumzeit, Wahrscheinlichkeit, Quanten

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Physik â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Physik â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks Wikibooks: Freie BĂŒcher zu physikalischen Themen â€“ Lern- und Lehrmaterialien
 Wikiquote: Physik â€“ Zitate
 Wikisource: Physik â€“ Quellen und Volltexte

 Portal:Physik – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Physik

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. MĂŒnchen/Wien 1965.
  2. ↑ Erich Pertsch: Langenscheidts Großes Schulwörterbuch Lateinisch-Deutsch. Langenscheidt, Berlin 1978, ISBN 3-468-07201-5
  3. ↑ Vgl. Esfeld, Naturphilosophie, 128
  4. ↑ Vgl. Eintrag In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy. (englisch, inklusive Literaturangaben)Vorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und weder Parameter 2 noch Parameter 3
  5. ↑ Vgl. Scientific Progress. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy. (englisch, inklusive Literaturangaben)Vorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und Parameter 2 und nicht Parameter 3 und The Unity of Science. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy. (englisch, inklusive Literaturangaben)Vorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und Parameter 2 und nicht Parameter 3; Esfeld, Naturphilosophie, 100-115.

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