Paul Albrecht (Mediziner)
Karl Martin Paul Albrecht (* 6. MĂ€rz 1851 in Hamburg; â 15. September 1894 ebenda) war ein deutscher Mediziner und Philologe. Sein unvollendet gebliebenes Werk âLeszingâs Plagiateâ[1] gilt als Beispiel philologischer Exzentrik.
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[Bearbeiten] Werdegang
Bis zum Ende seines 14. Lebensjahres besuchte Albrecht eine hamburgische Privatschule. Nach drei Jahren als Kaufmann in Manchester kehrte er nach Hamburg zurĂŒck und besuchte bis Ostern 1871 die Gelehrtenschule des Johanneums. Es folgte ein Medizinstudium in Jena, Berlin, Wien und Kiel. 1875 wurde er zum Dr. med. und 1876 zum Dr. phil. promoviert.
Seit 1874 war er chirurgischer Assistent und bis 1877 Privatdozent der Anatomie in Kiel. Danach ging er als Prosektor und Privatdozent nach Königsberg. Dort wurde er 1882 Mitglied des Corps Hansea.[2] 1884 wurde er zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewĂ€hlt. Nachdem er das PrĂ€dikat Professor erhalten hatte, gab er seine Stellung auf und zog als Privatgelehrter zunĂ€chst nach BrĂŒssel und kurz darauf wieder in seine Heimatstadt. Geistig umnachtet, unternahm Albrecht einen Selbstmordversuch, dem er am 15. September 1894 erlag.
Albrecht veröffentlichte an die 200 Arbeiten ĂŒber medizinische GegenstĂ€nde (Anatomie, vergleichende Anatomie, Embryologie, Chirurgie). In seinen letzten Lebensjahren beschĂ€ftigte er sich mit nichtmedizinischen Arbeiten. BerĂŒchtigt ist sein auf mehrere BĂ€nde angelegtes, aber unvollendet gebliebenes Werk Leszingâs Plagiate. Die sechs fertiggestellten BĂ€nde erschienen 1890 und 1891 im Selbstverlag und werden von der Forschung als aus dem Ruder gelaufene Exzentrik gewertet:
- Wundersam ist ferner jener Paul Albrecht: âDas Lebenselement Lessingâs ist eben â und dies ist bis jetzt nicht erkannt worden â der literarische Diebstahlâ; nicht weniger als 1277 Plagiate wies Albrecht nach, nicht einmal im Gesamtwerk, sondern, wie Hans Peter Woes[s]ner amĂŒsant berichtet, nur in einem Teil desselben, weil er ĂŒber der Drucklegung seiner Detektivstory, einer Arbeit, die ihn âvöllig verzehrt haben muĂ, verstarb.â[3]
[Bearbeiten] Werke
- BeitrÀge zur Torsionstheorie des Humerus und zur morphologischen Stellung der Patella in der Reihe der Wirbelthiere. Diss. med. Kiel 1875.
- Beitrag zur Morphologie des M. omo-hyoides und der ventralen inneren Interbranchialmusculatur in der Reihe der Wirbelthiere. Diss. phil. Kiel 1876.
- Leszingâs Plagiate. 6 BĂ€nde. Hamburg; Leipzig: Paul Albrechtâs Selbstverlag 1890/91.
[Bearbeiten] Literatur
- Wilhelm HeĂ: Albrecht, Karl Martin Paul. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 45, Duncker & Humblot, Leipzig 1900, S. 742.
- Karl Bobrzynski: Zur literarischen Plagiatfrage. Krakau: Selbstverlag 1898.
- Philipp Theisohn: Plagiat. Eine unoriginelle Literaturgeschichte. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag 2009. Vor allem S. 387â399.
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und ĂŒber Paul Albrecht (Mediziner) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag im âBiographischen Lexikon hervorragender Ărzte des neunzehnten Jahrhundertsâ von Julius Pagel (1901)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- â Zur Schreibung âLeszingâ: âBy the unwarranted spelling âLeszingâ Albrecht wants to denigrate his target yet further by attributing Slav origins to him.â â Ritchie Robertson: Mock-Epic Poetry from Pope to Heine. Oxford University Press 2009. S. 8. (bei Google Books)
- â Kösener Corpslisten 1960, 85, 86
- â Manfred Lauermann: Lessing â ein erster âweiĂer Jude?â? Eine Rede. In: Ingrid Lohmann; Wolfram WeiĂe (Hg.): Dialog zwischen den Kulturen. Erziehungshistorische und religionspĂ€dagogische Gesichtspunkte interkultureller Bildung. MĂŒnster; New York: Waxmann 1994. S. 109â116, hier S. 110f. (bei Google Books)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Albrecht, Paul |
| ALTERNATIVNAMEN | Albrecht, Karl Martin Paul (vollstÀndiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mediziner und Philologe |
| GEBURTSDATUM | 6. MĂ€rz 1851 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | 15. September 1894 |
| STERBEORT | Hamburg |









