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Nachbild – Wikipedia

Nachbild

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
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Als Nachbild des Auges werden verschiedene Phantombilder bezeichnet, die man nach dem Blick auf helle FlĂ€chen empfindet. Am deutlichsten sind sie als helle Flecken nach einem Blick in die Sonne oder in eine GlĂŒhlampe. Sie erscheinen jedoch auch nach schwĂ€cheren LichteindrĂŒcken, wenn man danach die Augen schließt oder palmiert.

Fixiert man das Bild ca. 40 Sekunden, sieht man danach leicht die Deutsche Flagge schimmern

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Positive und negative Nachbilder

Die Wahrnehmungsphysiologie spricht von einem entoptischen Eindruck, der sich als Nachwirkung des Netzhautbildes ergibt, nachdem ein Reizmuster (Objekt) lĂ€ngere Zeit fixiert worden ist. In positiven Nachbildern (wenn man in eine helle Lichtquelle geblickt hat) entsprechen die Helligkeits- und Farbwerte denen des Reizmusters. Bei den negativen Nachbildern kehren sich diese Werte um: Hell wird zu dunkel, und die Farben des Reizmusters erscheinen in ihren KomplementĂ€rfarben. Diese Beobachtung fĂŒhrte zur Gegenfarbtheorie.

Negative Nachbilder entstehen auf Grund der „ErmĂŒdung“ der Fotorezeptoren der Netzhaut, der StĂ€bchen und Zapfen. Werden diese ĂŒber etwa 30 Sekunden und mehr dem gleichen Reiz ausgesetzt, ist ihr Potential bzw. ihr Chemismus erschöpft, sie "erblinden" vorĂŒbergehend und senden keine Signale mehr ans Gehirn.

Unter Alltagsbedingungen werden negative Nachbilder nur selten wahrgenommen. Durch hĂ€ufigen, auch unbewussten, Wechsel der Blickrichtung, verbunden mit einer meist kleinteilig strukturierten Umgebung, werden die einzelnen Rezeptoren stĂ€ndig sich Ă€ndernden Reizen ausgesetzt, was ihre ErmĂŒdung verhindert. ZusĂ€tzlich vibrieren die Augen mit hoher Frequenz in kleinsten und unbemerkten Bewegungen („Nystagmus“), was selbst bei lĂ€ngerem Betrachten eines Objekts den gleichen Effekt stĂ€ndigen Wechsel der Reize pro Rezeptor bedingt. Ein Nachbild ist daher umso deutlicher, je grĂ¶ĂŸer die homogenen FlĂ€chen des Objekts sind, je schĂ€rfer die Helligkeits- und/oder Farbkontraste an ihren Konturen sind, und je lĂ€nger und je starrer das Objekt fixiert worden ist, und das heißt: je mehr es gelungen ist, die „verwischende“ Wirkung der nie ganz auszuschaltenden nystagmischen Zitterbewegungen zu vermindern und so fĂŒr ein paar Sekunden die Reizung der einzelnen Rezeptoren nahezu konstant zu halten.

[Bearbeiten] Zwei einfache Tests

Am folgenden Bildpaar kann jedermann ein Hell-Dunkel-Nachbild erzeugen. Wenn man zunĂ€chst links den Punkt in der Mitte fĂŒr etwa 30 Sekunden fixiert und sofort danach den rechten Punkt, erscheint das schwarze Quadrat hell auf dunklem Grund, wĂ€hrend das kleine weiße Quadrat dunkel auf dem hellen Quadrat erscheint.

Nachbild, hell-dunkel

Negative Nachbilder von Sinnesrezeptoren machen nicht nur Helligkeits- und FarbverĂ€nderungen durch, sondern auch FormverĂ€nderungen - und zwar genau die gleichen wie die Sinnesperzepte selbst, wenn diese reiz- bzw. erregungsverstĂ€rkenden oder - vermindernden Bedingungen ausgesetzt sind. Diese VerĂ€nderungen sind als Aktualgenesen bzw. Aktuallysen bekannt. Eine Aktuallyse kann jedermann beispielsweise beim Nachbild des obigen Schwarz-Weiß-Musters erleben. Meist wird zunĂ€chst ein „scharfes“ Nachbild erlebt, das alle vier rechtwinklig aufeinander stoßenden Konturen enthĂ€lt. Dann löst sich allmĂ€hlich die Form des Binnenquadrats auf, das heißt: es verschwinden seine Rechtwinkligkeit, Geradheit und Konturen-Vierheit, sodass es nur noch als Kreisscheibe und damit als eine formlose „Figur in ihrem Umfeld“ erlebt wird. Dann wird auch das Perzept „Figur im Umfeld“ abgebaut, indem sich die bisher "scharfe" Grenze zwischen Figur und Umfeld allmĂ€hlich auflöst, und das Dunkle der Scheibe sich mit dem Hellen des großen Quadrats vermischt, und also schließlich der frĂŒhere große Helligkeitsunterschied zwischen der Figur „kleines Quadrat“ und ihrem/seinem Umfeld, dem großen Quadrat ganz verschwindet. Erst danach löst sich auch das große Quadrat auf, das selbst ebenfalls eine Figur in Bezug auf sein eigenes Umfeld ist: den Rahmen des Bildes.

Fixiert man den linken Punkt im zweiten Bildpaar ebensolange und wechselt dann zum rechten, erscheint das Wort „ROT“ in blassroter Farbe. Die farbempfindlichen Zapfen reagieren Ă€hnlich wie die StĂ€bchen, wobei sich allerdings der Farbeindruck Ă€ndert. Nach lĂ€ngerem Fixieren eines z. B. blaugrĂŒnen Objekts sind die Zapfen fĂŒr die Blau- und GrĂŒnwahrnehmung im korrespondierenden Bereich der Netzhaut unempfindlicher geworden, die fĂŒr Rot nicht. Beim anschließenden Blick auf eine weiße FlĂ€che, die aus der additiven Farbmischung von Rot, Blau und GrĂŒn besteht, wird daher der betreffende Bereich als rot wahrgenommen.

Nachbild, farbig

[Bearbeiten] Besonderheiten

Der optokinetische Nystagmus infolge der Betrachtung eines bewegten Streifenmusters kann auch als eine Form des Nachbildes verstanden werden. Allerdings beruht hier der Effekt nicht auf einer Erschöpfung der Netzhaut, sondern hÀngt mit der Verarbeitung der visuellen Reize im Gehirn zusammen.

WĂ€hrend sich bei Tageslicht die Nachbilder laufend ĂŒberlagern und kaum bemerkt werden, können sie bei astronomischen Beobachtungen störend sein. Wenn man z.B. vom Fernrohr auf- und in eine Straßenlampe blickt, kann das Nachbild 10-20 Sekunden bestehen bleiben. Wandert der Blick ĂŒber helle Himmelskörper (Mond, große Planeten), so können ihre Konturen fĂŒr einige Sekunden als leichte Schatten nachwirken. Auch bei manchen Messungen in der GeodĂ€sie - etwa zu Stangensignalen oder KirchtĂŒrmen im Gegenlicht - ist eine kurzfristige Störung des Zielvorgangs möglich.

Im Zusammenhang mit hellen FlĂ€chen kann das Nachbild auch seine Helligkeit wechseln. So erscheint z.B. ein negatives (dunkles) Nachbild einer Leuchtstoffröhre, wenn man die Augen schließt. HĂ€lt man sich jedoch zusĂ€tzlich die Hand vor die Augen, wird es plötzlich positiv. Ähnliches tritt beim Umspringen von hellen Farben in ihre KomplementĂ€rfarben auf.

Einen verwandten Effekt durch Sonnenlicht kann man zur Entspannung der Augen nĂŒtzen. LĂ€sst man sich einige Zeit auf die geschlossenen Lider scheinen, entsteht durch die dĂŒnne Haut ein angenehm warmer, orange-roter Seheindruck. Deckt man nach etwa eine Minute die Augen mit den HandflĂ€chen ab ("Palmieren", engl. palm „HandflĂ€che“), so wandelt er sich bald in ein gleichmĂ€ĂŸiges Blau. Der Wechsel zwischen beiden ZustĂ€nden hat eine beruhigende Wirkung auf Augen und Stirn, der sich durch bewußtes Atmen noch verstĂ€rken lĂ€sst. Die Überlagerung der Nachbilder kann ferner unter intensiver Besonnung den Eindruck erwecken, dass sich die Netzhaut wie eine unruhige WasseroberflĂ€che bewegt.

[Bearbeiten] Nachbilder in der Augenheilkunde

In der Ophthalmologie gibt es zwei Bereiche, in denen man sich das PhĂ€nomen der Nachbilder zunutze macht. Zum einen dienen sie zur PrĂŒfung und Bestimmung der retinalen KorrespondenzverhĂ€ltnisse (siehe auch Binokularsehen), zum anderen finden sie Verwendung bei pleoptischen Schulungsmaßnahmen zur Behandlung einer Amblyopie.

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Nachbild â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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