Muslim
Ein Muslim (auch Moslem, veraltet: Mohammedaner) ist ein Angehöriger des Islam. Die weibliche Form im Deutschen ist Moslemin oder Muslimin. In jĂŒngerer Zeit wird auch Muslima in Anlehnung an die arabische weibliche Form verwendet.
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[Bearbeiten] Bedeutung
Das Wort âMuslimâ (arabisch âÙ ŰłÙÙ â muslim) bedeutet âder sich (Gott) Unterwerfendeâ oder âsich (Gott) Hingebendeâ, analog zu âIslam â Hingabe (an Gott)â.
[Bearbeiten] SelbstverstÀndnis
Muslim ist, nach islamischem SelbstverstĂ€ndnis, ein Monotheist, der Mohammed als letzten Propheten Gottes (Allahs) anerkennt. Orthodoxe Muslime glauben daran, dass der Koran das offenbarte Wort Gottes ist, das Mohammed durch den Erzengel Gabriel ĂŒbermittelt wurde.
[Bearbeiten] Verbreitung
Die Zahl der Muslime weltweit wird auf 1,57 Milliarden geschĂ€tzt.[1] Damit sind sie nach den Christen die zweitgröĂte Religionsgemeinschaft.
Die Zahl der Muslime wird in Deutschland anhand der Herkunft und der Mitgliedschaft in islamischen Vereinen geschÀtzt, da der Islam nicht in öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften organisiert ist, in denen Muslime eingeschriebenes Mitglied sind. Der Islam kennt keinen mit der Kirchenmitgliedschaft vergleichbaren Status.
[Bearbeiten] IdentitÀt
Muslim ist, wer das islamische Glaubensbekenntnis (arabisch Schahada) im vollen Bewusstsein vor zwei volljĂ€hrigen muslimischen Zeugen spricht. Nach islamischem SelbstverstĂ€ndnis ist jedes Neugeborene ein Muslim (siehe Fitra) und wird ggfs. erst spĂ€ter durch Ă€uĂere EinflĂŒsse (z.B. Erziehung) vom islamischen Glauben abgebracht. Mit dem Eintritt in die Geschlechtsreife bekunden auch sie dies durch das Sprechen des Glaubensbekenntnisses (u.a. bei jedem Gebet).
Im Koran wird zwischen Muslimen, die sich rein formal zum Islam bekennen, und wirklichen GlÀubigen (mu'min) unterschieden:
âDie WĂŒstenaraber sagten: âWir glauben!â Sage ihnen: âIhr glaubt nicht. Sagt lieber: âWir haben uns nur scheinbar ergebenâ (den Islam angenommen). Der Glaube ist nicht in eure Herzen eingedrungen. Wenn ihr Gott und Seinem Gesandten gehorcht, belohnt Gott euch voll und ganz fĂŒr eure Werke.â Gott ist voller Vergebung und Barmherzigkeit.
Die wahrhaft GlĂ€ubigen (mu'min) sind die, die sich zu Gott und Seinem Gesandten bekannt haben und keinen Zweifel hegen und mit ihrem Vermögen und ihrem Leben auf Gottes Weg kĂ€mpfen. Das sind die Rechtschaffenen.ââ Koran 49:14-15
âWir haben den Islam angenommenâ (aslamnĂą), das Bekenntnis zum Islam, ist nur eine ĂuĂerung (qaul = âParoleâ), Glaube (iman) dagegen ist sowohl ĂuĂerung als auch Tat. Die Annahme des Islam durch verbale Bekundung wĂ€hrend Mohammeds Wirken war zunĂ€chst die Garantie dafĂŒr, dass die arabischen StĂ€mme der Arabischen Halbinsel von den Muslimen weiter nicht mehr bekĂ€mpft wurden. Damit stuft der Koran den Glauben höher ein als den bloĂ formalen Eintritt in den Islam. Die Exegese interpretiert an dieser Stelle das SchlĂŒsselwort aslamnĂą (âwir haben den Islam angenommenâ) nicht nur in dem sonst ĂŒblichen Sinne der Unterwerfung unter den (einzigen) Gott, sondern versteht die Worte der Beduinen im Sinne von âsich ergebenâ und âkapitulierenâ (istaslamnĂą) aus Furcht vor Gefangenschaft und weiterer kriegerischen Auseinandersetzung. Die Sufis unterscheiden ebenfalls zwischen einem Muslim und einem âGlĂ€ubigenâ. Nach ihrer Auffassung unterwirft sich ein Muslim lediglich Ă€uĂerlich den Geboten Gottes, ein GlĂ€ubiger glaubt jedoch auch unerschĂŒtterlich daran und ist sich dessen bewusst, dass er ununterbrochen âvor seinem Schöpfer stehtâ.
[Bearbeiten] âMohammedanerâ
Die gelegentlich umgangssprachlich gebrauchte, veraltete Bezeichnung âMohammedanerâ wird von Muslimen im deutschen Sprachraum im Allgemeinen abgelehnt, da Mohammed zwar verehrt, aber nicht angebetet wird und damit nicht den Stellenwert Jesu im Christentum einnimmt.[2]
Das arabische muhammadi / âÙ ŰÙ ŰŻÙâ / muáž„ammadÄ« /âmohammedanisch, Mohammedanerâ hingegen findet sich nach wie vor auch in anderen islamischen Literatursprachen wie Persisch[3][4], (Osmanisch-) TĂŒrkisch[5] oder Urdu[6].
Die Vergöttlichung Muhammads ist einzelnen Strömungen des Islam jedoch nicht gĂ€nzlich fremd: So galt der Muhammadiyya (âDie Mohammedanerâ) im Irak des 8. und 9. Jhdts. Muhammad sowohl als der unbekannte Gott, der sich dem Menschen nicht erschlieĂt, als auch als einzig wahre Manifestation Gottes auf Erden.[7] Auch im Sufismus setzt ab etwa 1100 eine nicht unumstrittene Mohammedmystik ein, fĂŒr die Mohammed Logos oder universelles Geistwesen ist, das entsprechend verehrt wird.[8]
Im arabischsprachigen islamischen Schrifttum, z. B. in der Koranexegese von Ibn Kathir, benutzt man die AusdrĂŒcke wieâprophetische Gesetzgebungâ als Synonym zur âmuhammadanischen Gesetzgebungâ. Die islamische Gemeinschaft bezeichnet Ibn Kathir auch als âmuhammadanische Ummaâ.[9] Ibn Hadschar al-'Asqalani spricht neben der Sunna des Propheten Mohammed auch von der âmuhammadanischen Sunnaâ, bzw. von der âmuhammadanischen Botschaftâ.[10]
[Bearbeiten] Siehe auch
Artikel zur Situation in verschiedenen Regionen und LĂ€ndern:
- Islam in Bulgarien
- Islam in Deutschland
- Islam in Frankreich
- Islam in Italien
- Islam in Moldawien
- Islam in den Niederlanden
- Islam in Polen, Litauen und WeiĂrussland
- Islam in RumÀnien
- Islam in Russland
- Slawische Muslime
- Islam in Tschechien und der Slowakei
- Islam in der Ukraine
- Islam im Vereinigten Königreich
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- â Pew Research Center, Mapping the global Muslim Population, October 2009 [1]
- â Ralf Elger, Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. MĂŒnchen: Beck 2001. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung 2002. [2]
- â Francis Joseph Steingass: A Comprehensive Persian-English Dictionary. London 1892. [3]
- â Sulayman Hayyim: New Persian-English Dictionary. Teheran 1936â-1938. [4]
- â V. Bahadır Alkım u.A. (Hg.): New Redhouse Turkish-English Dictionary. Istanbul 1991. Muhammedi explizit als âMuhammadan, Muslimâ.
- â John T. Platts: A dictionary of Urdu, classical Hindi, and English. London 1884. [5]
- â E. Kohlberg: Muáž„ammadiyya. In: Encyclopedia of Islam. Leiden 203. S. VII:459a.
- â Fritz Meier: Zwei Abhandlungen ĂŒber die NaqĆĄbandiyya. Istanbul 1994. S. 232.
- â Ibn Kathir: Die Koranexegese. Tafsir al-Qur'an. Dar al-fikr. Beirut. Bd. 1, S. S.556; Bd. 2, S. 60; 81;
- â Ibn Hadschar: Fath al-bari (Kommentar zu al-Buchari). Kairo. Bd. 2, S.81; Bd. 9, S.12; Bd. 13, S.334









