MPEG-4
MPEG-4 ist ein MPEG-Standard (ISO/IEC-14496), der unter anderem Verfahren zur Video- und Audiodatenkompression beschreibt. UrsprĂŒnglich war das Ziel von MPEG-4, Systeme mit geringen Ressourcen oder schmalen Bandbreiten (Mobiltelefon, Video-Telefon, ...) bei relativ geringen QualitĂ€tseinbuĂen zu unterstĂŒtzen. Da H.263, ein Standard der ITU zur Videodekodierung und -kompression, die eben erwĂ€hnten Voraussetzungen bereits sehr gut verwirklicht hat, wurde er ohne gröĂere Ănderungen als Teil 2 in MPEG-4 integriert.
ZusĂ€tzlich zur Videodekodierung wurden auch noch einige Audiostandards, wie das bereits in MPEG-2 standardisierte Advanced Audio Coding (AAC) sowie die UnterstĂŒtzung fĂŒr Digital Rights Management, welches unter der Bezeichnung IPMP (Intellectual Property Management and Protection) lĂ€uft, in den Standard aufgenommen.
Das offizielle Containerformat von MPEG-4 ist MP4.
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[Bearbeiten] MPEG-4-Teile
MPEG-4 besteht aus mehreren Standards, die âTeileâ (engl. âpartsâ) genannt werden, einschlieĂlich der folgenden:
- Teil 1 (ISO/IEC 14496-1): Systems
- Teil 2 (ISO/IEC 14496-2): Visual. Hierzu zÀhlen die bekannten MPEG-4 Codecs DivX und Xvid. Eines der vielen Profile in Part 2 ist das Advanced Simple Profile (ASP).
- Teil 3 (ISO/IEC 14496-3): Audio. EnthĂ€lt die Beschreibungen von Advanced Audio Coding (einschlieĂlich HE-AAC), Audio Lossless Coding, Scalable to Lossless, Direct Stream Transfer, CELP, HVXC und TwinVQ.
- Teil 4 (ISO/IEC 14496-4): Conformance
- Teil 5 (ISO/IEC 14496-5): Reference Software
- Teil 6 (ISO/IEC 14496-6): Delivery Multimedia Integration Framework (DMIF).
- Teil 7 (ISO/IEC 14496-7): Optimized Reference Software
- Teil 8 (ISO/IEC 14496-8): Carriage on IP networks
- Teil 9 (ISO/IEC 14496-9): Reference Hardware
- Teil 10 (ISO/IEC 14496-10): Advanced Video Coding (AVC). Ein Codec fĂŒr Videosignale, der technisch identisch zum H.264-Standard der ITU-T ist.
- Teil 11 (ISO/IEC 14496-11): Scene description (BIFS) and Application engine (MPEG-J)
- Teil 12 (ISO/IEC 14496-12): ISO Base Media File Format. EnthÀlt die Beschreibung des Quicktime Containerformats.
- Teil 13 (ISO/IEC 14496-13): Intellectual Property Management and Protection (IPMP) Extensions
- Teil 14 (ISO/IEC 14496-14): MPEG-4 File Format (MP4). Containerformat fĂŒr MPEG-4-Inhalt, basierend auf Part 12.
- Teil 15 (ISO/IEC 14496-15): AVC File Format. Containerformat fĂŒr Part 10-Videos, basierend auf Part 12
- Teil 16 (ISO/IEC 14496-16): Animation Framework eXtension (AFX)
- Teil 17 (ISO/IEC 14496-17): Timed Text subtitle format
- Teil 18 (ISO/IEC 14496-18): Font Compression and Streaming (for OpenType fonts)
- Teil 19 (ISO/IEC 14496-19): Synthesized Texture Stream
- Teil 20 (ISO/IEC 14496-20): Lightweight Scene Representation (LASeR)
- Teil 21 (ISO/IEC 14496-21): MPEG-J Graphical Framework eXtension (GFX)
- Teil 22 (ISO/IEC 14496-22): Open Font Format Specification (OFFS) basierend auf OpenType
- Teil 23 (ISO/IEC 14496-23): Symbolic Music Representation (SMR)
- Teil 24 (ISO/IEC 14496-24): Audio and systems interaction
- Teil 25 (ISO/IEC 14496-25): 3D Graphics Compression Model (noch nicht fertig)
(Stand 12/2008).
Profile werden auch innerhalb der âTeileâ definiert, weshalb die Implementierung eines Teils gewöhnlich keine Implementierung des ganzen Teils ist.
[Bearbeiten] Videodekodierung
FĂŒr das Simple Profile (SP) kann der Dekoder-Teil fĂŒr die globale Bewegungskompensation einfach weggelassen werden.
[Bearbeiten] Variable LĂ€ngendekodierung
Die variable LĂ€ngendekodierung (VLC) basiert auf dem Verfahren nach Huffman zur Redundanzreduktion. Die Codewörter werden mit Hilfe von Tabellen, sogenannten âlook-up-tablesâ, dekodiert.
[Bearbeiten] Inverses Abtasten
Aus der variablen LÀngendekodierung erhÀlt man ein eindimensionales Datenfeld QFS[n], dabei kann n Werte von 0 bis 63 annehmen. Diese Ausgabe wird an dieser Stelle in ein zweidimensionales Datenfeld konvertiert mit dem Bezeichner aus dem Blockschaltbild oben PQF[v][u]. Sowohl [v] als auch [u] reicht von 0 bis 7. In der folgenden Abbildung sind die drei definierten Muster zur Abtastung dargestellt.
[Bearbeiten] Inverse DC- und AC-PrÀdiktion
Diese anpassungsfÀhige Auswahl von DC- und AC-PrÀdiktionsrichtungen basiert auf einem Vergleich der horizontalen und vertikalen DC-Gradienten um den zu dekodierenden Block herum.
[Bearbeiten] Inverse Quantisierung
Der Quantisierungsprozess an sich ist reversibel und somit ein Redundanz reduzierendes Verfahren. Allerdings stehen bei der Rekonstruktion der DCT-Koeffizienten eine beschrĂ€nkte Anzahl von diskreten Werten zur VerfĂŒgung. Somit ist die inverse Quantisierung verlustbehaftet. Die beiden Vorteile des Quantisierungsprozesses sind:
- FĂŒr den Betrachter signifikante Koeffizienten, also jene, die maĂgeblich zum QualitĂ€tserhalt des Bildes beitragen, bleiben trotz geringfĂŒgiger Abweichung erhalten. Nicht signifikante Koeffizienten werden gestrichen. Typischerweise resultiert dies darin, dass der ĂŒberwiegende Anteil der 64 Koeffizienten in der 8x8-Matrix nach der inversen Quantisierung null ist.
- Eine dĂŒnn besetzte Matrix mit einer beschrĂ€nkten Anzahl von diskreten Werten kann effizient komprimiert werden.
[Bearbeiten] Inverse Diskrete Kosinustransformation
Die Inverse Diskrete Kosinustransformation (IDCT) ist ein Verfahren zur Irrelevanzreduktion.
[Bearbeiten] Bekannte Codec-Implementierungen (MPEG-4-Codecs)
- Video
- DivX
- Xvid
- HDX4
- 3ivx
- FFmpeg enthÀlt einen nativen MPEG-4 ASP Video Encoder und Decoder sowie einen H.264 Decoder
- x264 Open Source-Encoder fĂŒr H.264
- Nero Digital Video (ASP, H.264)
- Apple QuickTime (MPEG-4 Video, H.263, H.264)
- Audio
- Psytel AAC, der VorgÀnger von Nero AAC
- FAAC, ein AAC Encoder und FAAD2, ein Open Source Decoder
- FFmpeg unterstĂŒtzt das Decoden und - experimentell - das Encoden von AAC und enthĂ€lt einen ALS Decoder
- Systems (BIFS)
- GPAC Project on Advanced Content, BIFS-Player, -Encoder sowie Authoring-Werkzeuge fĂŒr interaktive MPEG-4-Inhalte
[Bearbeiten] Transport
Der Transport wird in MPEG-4-âDelivery Multimedia Integration Frameworkâ genannt. Die Funktion besteht darin, die eigentliche Quelle der multimedialen Datenströme zu verbergen, so dass der Player auf dem Terminal (evtl. PC) unabhĂ€ngig von dem Transportnetz ist. Als mögliche Szenarien sind standardisiert:
- lokal (beispielsweise auf der lokalen Festplatte)
- remote-interactive (Client-Server-Anwendung, wie Video On Demand)
- broadcast (unidirektionaler Empfang von Datenströmen).
FĂŒr den lokalen Fall ist das Dateiformat als âISO Base Media File Formatâ in MPEG-4 Teil 12 standardisiert. Das Unternehmen Apple stellte 1998 den ersten Quellcode zur VerfĂŒgung. Auf diesem wurde das MP4 Dateiformat im Teil 14 des Standards aufgebaut und entwickelt.
[Bearbeiten] Referenz-Software
- Implementation Modell 1 (IM1)
- IM1 - 2D
[Bearbeiten] Literatur
- Ian E. G. Richardson: H.264 and MPEG-4 Video Compression. ISBN 0-470-84837-5
- Fernando Pereira, Touradj Ebrahimi: The MPEG-4 Book. ISBN 0-130-61621-4
- Aaron E. Walsh, Mikael Bourges-Sevenier: MPEG-4 Jump-Start. ISBN 0-130-60036-9
- Klaus Diepold, Sebastian Moeritz: A Practical Guide to Mpeg 4: Technology and Business Insights. ISBN 0-240-80594-1
- Uwe KĂŒhhirt, Marco Rittermann: Interaktive audiovisuelle Medien. ISBN 3-446-40300-0
- W. Wunderlich: Digitales Fernsehen HDTV, HDV, AVCHD fĂŒr Ein-und Umsteiger. ISBN 978-3-00-023484-2
- Tilo Strutz: Bilddatenkompression. Grundlagen, Codierung, Wavelets, JPEG, MPEG, H.264 4. Auflage 2009, ISBN 978-3-8348-0472-3









