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Joseph Schumpeter – Wikipedia

Joseph Schumpeter

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Joseph Alois Schumpeter (* 8. Februar 1883 in Triesch, MĂ€hren, österreichische ReichshĂ€lfte von Österreich-Ungarn; † 8. Januar 1950 in Taconic, Connecticut, USA) war österreichischer Ökonom und Politiker. Er nahm 1925 die deutsche und 1939 die US-StaatsbĂŒrgerschaft an.

In seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1911) stellt er sich dem Problem, die wirtschaftliche Entwicklung des Kapitalismus zu erklĂ€ren.[1] In Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942) ging er auch auf gesellschaftspolitische Implikationen ein. Mit seinen umfangreichen Werken gilt er als einer der herausragenden Ökonomen des 20. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Joseph Alois Schumpeter wurde als einziges Kind des katholischen, deutschmĂ€hrischen Tuchfabrikanten Josef Schumpeter und dessen Frau Johanna, geb. GrĂŒner in Triesch (MĂ€hren) geboren, das damals zur westlichen ReichshĂ€lfte der österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte. Nach dem frĂŒhen Tod des Vaters zog der 5-JĂ€hrige mit seiner erst 27-jĂ€hrigen Mutter 1888 nach Graz. Hier geriet er unter die Fittiche des deutsch-ungarischen Feldmarschallleutnants der k.u.k. Armee, Sigismund von KĂ©lersden, der die 32 Jahre jĂŒngere Johanna spĂ€ter heiratete.

Die Familie zog 1893 nach Wien und Schumpeter wurde in das Theresianum aufgenommen. 1901 verließ er das Theresianum mit sehr gutem Abschluss und begann sofort, an der UniversitĂ€t Wien Ökonomik zu studieren, was damals aber nur im Rahmen eines Rechtsstudiums möglich war. Schumpeter studierte bei Friedrich von Wieser und bei Eugen von Philippovich sowie ab 1904 bei Eugen Böhm von Bawerk. Er fand auch Kontakt zu Ludwig von Mises, Emil Lederer, Felix Somary, Otto Bauer und Rudolf Hilferding. In dieser Weise wurde er nicht nur mit dem Methodenstreit zwischen Carl Menger und Gustav Schmoller vertraut, sondern auch mit der Böhm-Bawerk/Hilferding-Kontroverse ĂŒber die marxsche Wert- und Verteilungstheorie.

Im Sommer 1905 legte Schumpeter das juristische, Anfang 1906 das rechtshistorische und staatswissenschaftliche Rigorosum ab und promovierte im Februar 1906 zum Doktor der Rechte. Darauf besuchte er Schmollers Seminar in Berlin sowie ein Jahr lang als Forschungsstudent die London School of Economics und die UniversitĂ€ten in Oxford und Cambridge. Ende 1907 heiratete er Gladys Ricarde Seaver, Tochter eines hohen WĂŒrdentrĂ€gers der Anglikanischen Kirche. Das Paar lebte allerdings laut Biograf Svedberg nach wenigen Monaten bestenfalls nebeneinander statt miteinander.

1907 praktizierte Schumpeter am Internationalen Gerichtshof in Kairo. Dort schrieb er sein methodologisches Werk Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie, das 1908 herauskam. Er legte es im Oktober der Staatswissenschaftlichen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Wien als Habilitationsschrift vor und wurde 1909 zum Privatdozenten ernannt. Im darauffolgenden Herbst wurde er außerordentlicher Professor an der UniversitĂ€t von Czernowitz, damals Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Bukowina. Dort verfasste er Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung.

1911 kehrte er nach Graz zurĂŒck, und zwar als Ordinarius fĂŒr Politische Ökonomie an der Karl-Franzens-UniversitĂ€t; er wurde damit jĂŒngster UniversitĂ€tsprofessor der Monarchie. Die Berufung nach Graz erfolgte gegen den erbitterten Widerstand von Richard Hildebrand (Sohn des bekannteren Bruno Hildebrand), der sich als Vertreter des Historismus gegen jedwede ökonomische Theorie wandte. Bereits zwei Jahre nach seiner Berufung ging Schumpeter fĂŒr ein Jahr als Austauschprofessor an die Columbia-UniversitĂ€t in New York. Dort lernte er Irving Fisher, Frank W. Taussig und Wesley Clair Mitchell persönlich kennen. Seine Frau weigerte sich, mit ihm nach Graz zurĂŒckzukehren, woraufhin Schumpeter diese Ehe faktisch als beendet ansah. Im Studienjahr 1916 / 1917 wurde er Dekan der Juristischen FakultĂ€t in Graz.

Von 1916 an startete Schumpeter verschiedene politische Initiativen, den Weltkrieg zu beenden, unter anderem trat er an Kaiser Karl I. heran. Er warnte vor der Zollunion mit Deutschland und setzte sich vielmehr fĂŒr die Aufrechterhaltung der multinationalen Monarchie ein, gerichtet gegen das Aufkommen der einzelnen Nationalismen. Im Winter 1918 / 1919 wurde Schumpeter auf Vorschlag von Hilferding und Lederer in die von der deutschen Regierung eingerichtete Sozialisierungskommission berufen. Unter der Leitung von Karl Kautsky wurde vor allem die Frage beraten, ob die deutsche Kohlenindustrie als erster Industriezweig sozialisiert werden sollte. Der auch von Schumpeter mitgetragene Ergebnisbericht vom Februar 1919 sprach sich dafĂŒr aus. Seine Studie Die Krise des Steuerstaates (1918) beschĂ€ftigte sich mit der Sanierung der Staatsfinanzen angesichts der Kriegsschulden.

Am 15. MĂ€rz 1919 wurde er, obwohl parteipolitisch ungebunden, StaatssekretĂ€r der Finanzen in der Staatsregierung Renner II. Er geriet schnell in Streit mit beiden Koalitionsparteien, den Sozialdemokraten und den Christlichsozialen, aber auch mit seinem frĂŒheren Studienkollegen Otto Bauer, nunmehr StaatssekretĂ€r des Äußern, vor allem ĂŒber die Frage des Anschlusses an Deutschland oder den Verkauf der Alpine Montan AG an Fiat. Am 17. Oktober 1919 wurde die Regierung auf Entscheidung der Nationalversammlung vom Kabinett Renner III abgelöst, dem Schumpeter nicht mehr angehörte.

1921 beantragte Schumpeter in Graz die Enthebung vom Lehramt und wurde PrĂ€sident der Biedermann & Co. Bankaktiengesellschaft. Er nahm Kredite auf und legte die Gelder an und zeigte in Wien einen aufwĂ€ndigen, mondĂ€nen Lebensstil. Die Wirtschaftskrise 1924 setzte dem jedoch ein jĂ€hes Ende; er verlor sein Vermögen sowie seinen Posten. In dieser desaströsen Lage gelang es Arthur Spiethoff, mittlerweile Professor an der UniversitĂ€t Bonn, Schumpeter im Oktober 1925 auf den dortigen Lehrstuhl fĂŒr wirtschaftliche Staatswissenschaft zu holen. 1925 heiratete er die zwanzig Jahre jĂŒngere Anna Josefina Reisinger, Tochter des Hausmeisters im Hause seiner Mutter. Am 3. August 1926 starb sie bei der Geburt ihres ersten Kindes; auch das Kind ĂŒberlebte die Geburt nicht. Von diesem Schicksalsschlag sollte sich Schumpeter nicht wieder ganz erholen. Er stĂŒrzte sich in die wissenschaftliche Arbeit und brachte 1926 eine zweite, ĂŒberarbeitete Fassung der Theorie heraus. Seine revidierte Position machte er auch im Aufsatz The Instability of Capitalism deutlich (Economic Journal, 1928). Der Wettbewerbskapitalismus mit der Gestalt des Unternehmers werde immer mehr durch einen vertrusteten Kapitalismus ersetzt. In der Presidential Address vor der American Economic Association 1949 spricht er von einem „Marsch in den Sozialismus“. Im Gegensatz zu der bekannten marxschen Prognose versteht er darunter jedoch eher einen schleichenden Prozess, den er politisch mitnichten begrĂŒĂŸt.[2] Das geplante Werk ĂŒber Geldtheorie vollendete er nicht mehr, nachdem Keynes 1930 den Treatise on Money veröffentlicht hatte. Vom Herbst 1927 bis FrĂŒhjahr 1928 und gegen Ende 1930 war er Gastprofessor am Department of Economics der Harvard University. Zusammen mit Ragnar Frisch wurde er zum MitbegrĂŒnder der Econometric Society; er gehörte mehrere Jahre lang deren Vorstand an und war 1940-41 deren PrĂ€sident. Auf der RĂŒckreise nach Deutschland hielt er in Japan mehrere VortrĂ€ge. Nach der RĂŒckkehr interessierte sich Schumpeter fĂŒr einen Lehrstuhl in Berlin in Nachfolge von Werner Sombart, er wurde aber ĂŒbergangen.

Im Mai 1932 nahm er einen Ruf nach Harvard an, wo er im Hause von Taussig wohnte, bis er Sommer 1937 Elizabeth Boody Firuski heiratete. Seinen Erfolg als Lehrer begrĂŒndeten SchĂŒler wie Paul A. Samuelson, James Tobin, Richard Musgrave, Abram Bergson, Richard Goodwin, Paul Sweezy und John Kenneth Galbraith. Auf seine Anregung hin wurde eine Vorlesung in „Mathematischer Wirtschaftstheorie“ eingefĂŒhrt, die er selber hielt, bis sie von Wassily Leontief ĂŒbernommen wurde. Der neuerliche Ruhm, den Keynes nach Veröffentlichung von The General Theory of Employment, Interest and Money 1936 auch in Harvard einheimste, wurde von Schumpeter ĂŒberhaupt nicht geteilt, was in seiner missgĂŒnstigen Rezension offen zum Ausdruck kam.

1939 legte er die zweibĂ€ndige Analyse der Business Cycles vor, worin Schumpeter seine Auffassung des kapitalistischen Wirtschaftsprozesses neu darlegte, insbesondere das Zusammenspiel der sich ĂŒberlagernden Zyklen. Letztere Auffassung wurde von Simon Kuznets 1940 einer starken Kritik unterworfen. Daraufhin ĂŒberlegte er, nach Yale zu gehen, aber wurde schließlich zum Bleiben an der Harvard bewogen. Kernpunkt seiner 1942 publizierten Arbeit Capitalism, Socialism and Democracy ist eine Theorie der Demokratie, die ökonomische Denkmuster bei der Analyse des politischen Prozesses verwendet. Diese Idee wird spĂ€ter in der „Neuen politischen Ökonomie“ bzw. „Ökonomischen Theorie der Politik“ (Anthony Downs) weitergefĂŒhrt.

WĂ€hrend der Kriegsjahre verschlechterte sich Schumpeters Gesundheitszustand; er wurde zunehmend pflegebedĂŒrftig. Es hĂ€uften sich von seiner Seite ausfĂ€llige Bemerkungen gegen Keynes oder rassistische Äußerungen. Dennoch wurde er 1948 PrĂ€sident der American Economic Association und begann noch ein monumentales Werk, seine Geschichte der ökonomischen Analyse, die unvollendet geblieben ist und nach seinem Tode von seiner Witwe erst 1954 herausgegeben werden konnte. Schumpeter starb am 8. Januar 1950 an einem Gehirnschlag.

[Bearbeiten] Werke

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[Bearbeiten] Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie

Mit diesem 1908 erschienenen, als Habilitationsschrift eingereichten Werk schuf sich Schumpeter schlagartig einen Namen in der deutschsprachigen Wirtschaftswissenschaft.[3] Einige der darin vertretenen Thesen finden sich bereits in dem 1906 erschienenen Aufsatz „Über die mathematische Methode der theoretischen Ökonomie“. Er spricht sich in Anlehnung an Jevons (Theory of Political Economy) und LĂ©on Walras fĂŒr eine „reine Ökonomie“ aus, die als eine exakte Wissenschaft ihre Urteile in Form von mathematischen Gleichungen darstelle. Im Anschluss an den Methodenstreit zwischen Carl Menger und Schmoller plĂ€diert Schumpeter fĂŒr ein Sowohl-Als auch. FĂŒr die reine Theorie hĂ€lt er jedoch einen „methodologischen Individualismus“ fĂŒr unverzichtbar, was er instrumentalistisch begrĂŒndet. Ein VorlĂ€ufer in beiden AnsĂ€tzen war schon Heinrich Dietzel. Die reine Theorie mĂŒsse nur solche Annahmen einfĂŒhren, die fĂŒr ihre Ziele unumgĂ€nglich seien. Psychologische oder soziologische Annahmen gehörten nicht dazu, womit die Autonomie der reinen Theorie gewĂ€hrleistet sei.

Die instrumentalistische Behandlung irrealer Modell- bzw. Verhaltensannahmen sowie die Abschottung der reinen Theorie von anderen Sozialwissenschaften sind zwar heftig kritisiert worden, haben aber nichtsdestoweniger zahlreiche Nachfolger gefunden.

[Bearbeiten] Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung

1911 erschien dieses Werk, mit einer zweiten stark ĂŒberarbeiteten Neuauflage 1926. Übersetzungen ins Italienische, Englische, Französische, Japanische und Spanische folgten.[4] Die Kreislaufbetrachtung der Wirtschaft beginnt er damit, dass er Ă€hnlich wie schon Quesnay und Karl Marx vorerst eine stationĂ€re Ökonomie unterstellt, die er aber im Sinne der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts von Walras analysiert. Hier gebe es indessen keinen Gewinn (und keine „Unternehmer“), sondern nur Löhne und Grundrenten. Seine Aufgabe sieht Schumpeter nun darin, von dieser stationĂ€ren Betrachtung ausgehend eine Theorie der wirtschaftlichen Dynamik aufzustellen, die Ă€hnlich wie zuvor Marx' Akkumulations- und Zusammenbruchstheorie wirtschaftliche Entwicklung zu erklĂ€ren in der Lage sei. Schumpeter unterlĂ€sst hier jedoch, einen ausfĂŒhrlichen Theorievergleich vorzunehmen.

Schumpeter begrĂŒndete in seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1911) Pionierleistungen nicht vorwiegend mit ökonomischem Eigennutz, sondern mit psychologischen Motiven, zu denen auch die „Freude am Gestalten“[5] gehört. Schumpeter zufolge stellt sich jeder innovative Unternehmer zunĂ€chst als Monopolist dar. Erst wenn Nachahmer auftreten, verblasst die Stellung der schöpferischen Unternehmer. Schumpeter erkannte damit das Wechselspiel aus Innovation und Imitation als Triebkraft des Wettbewerbs. Es bildet die Grundlage fĂŒr eine Reihe von Konjunkturmodellen.[6]

[Bearbeiten] Epochen der Dogmen- und Methodengeschichte

Der gerade 30-jĂ€hrige wurde 1914 von Max Weber dazu eingeladen, diesen Beitrag zum Grundriss der Sozialökonomik zu schreiben. Die Entwicklung der Sozialökonomik zur Wissenschaft beginnt er mit den antiken Autoren ĂŒber die Scholastik bis zum Merkantilismus. Wie Marx sieht er den maßgeblichen Einfluss von Quesnay und William Petty und verwendet den Begriff "VulgĂ€rökonomie", allerdings bezogen auf einige Autoren des Merkantilismus. Adam Smith reduziert er jedoch auf einen Systematisierer von Ideen, die andere schon vor ihm gehabt hĂ€tten. In Gegensatz zur Darstellung Alfred Marshalls ist fĂŒr Schumpeter die klassische Nationalökonomie ein eigenstĂ€ndiger Theorieansatz, die in David Ricardo kulminiere, und nicht bloß ein grobschlĂ€chtiger VorlĂ€ufer der neoklassischen Theorie.

[Bearbeiten] Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie

Schumpeter hat folgende zentrale BeitrÀge geliefert:

  • NeuprĂ€gung der Begriffe Innovation, Innovator und Ausarbeitung ihres Stellenwertes fĂŒr lange Wellen in der ökonomischen Entwicklung, denen er die Bezeichnung Kondratjew-Zyklus gab.
  • Gedanken zum Wesen und zur Motivationsgrundlage des Unternehmers: er unterscheidet Arbitrage-Unternehmer oder „Wirte“ von „schöpferischen Unternehmern“.
  • Intensive Auseinandersetzung mit den Themen Kapitalismus und Sozialismus. Schumpeter hielt den Kapitalismus nicht fĂŒr ĂŒberlebensfĂ€hig.[7] Er sah ihn aber – im Gegensatz zu Karl Marx – nicht primĂ€r durch seine Widersacher, das Proletariat, gefĂ€hrdet, sondern durch die auf ihn selbst zurĂŒckwirkenden Konsequenzen seines Erfolgs, insbesondere durch das Veralten der Unternehmerfunktion, die Zerstörung der ihn schĂŒtzenden gesellschaftlichen Schichten und die wachsende Ablehnung der Intellektuellen gegenĂŒber dem Kapitalismus.
  • Eine wichtige These Schumpeters war die Unterscheidung zwischen Kapitalist und Unternehmer (Entrepreneurs). Unternehmer zeichnen sich seiner Meinung nach dadurch aus, dass sie ihre wirtschaftliche Position stĂ€ndig durch Innovationen verbessern wollen. Demnach ist es der Unternehmergeist, welcher Innovationen erzeugt und damit Wirtschaftswachstum und sozialen Wandel vorantreibt. Der Zusammenhang zwischen InnovationstĂ€tigkeit und Diffusion der Innovationen bleibt aber bei Schumpeter ungeklĂ€rt.

[Bearbeiten] Geschichte der ökonomischen Analyse

Schumpeters unabgeschlossen hinterlassene, von seiner Witwe posthum herausgegebene Theoriegeschichte gilt heute als wichtiges Referenzwerk.

[Bearbeiten] Rezeption

Namentlich durch das schon in der amerikanischen Emigration wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges erschienene berĂŒhmte Werk Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie wirkte Schumpeter weit in die Politikwissenschaft (Demokratietheorie) und die Soziologie hinein, dort frĂŒh auch besonders auf die Finanzsoziologie.

In seinem Beitrag zur Imperialismus-Diskussion verstand er in Gegensatz zu Lenin den Imperialismus nicht als aggressive Suche der Industrie- und Bankmonopole nach neuen MĂ€rkten, sondern als Ausdruck von letztlich irrationalem, meist innenpolitisch motiviertem und benutztem Chauvinismus der Oberschichten.

Es wird angenommen, dass John Kenneth Galbraith in seiner Arbeit The New Industrial State von Schumpeters Sichtweisen der Kooperation beeinflusst wurde. Ferner wird ein Einfluss Schumpeters auf den Entwicklungsökonomen Ragnar Nurkse diskutiert.[8]

Im spÀten 20. Jahrhundert wurden Schumpeters Ideen in unterschiedlichen Wachstumstheorien wieder aufgegriffen (Neo-Schumpeterianer).

Auch die besondere Beachtung der Start-up-Unternehmen fĂŒr den wirtschaftlichen Strukturwandel hat Schumpetersche Wurzeln.[9]

[Bearbeiten] Ehrungen

Ihm zu Ehren benannte die VolkswagenStiftung ein Programm zur Forschungsförderung Schumpeter-Fellowship.[10] Das österreichische Bundesministerium fĂŒr Wissenschaft und Forschung vergibt ein Schumpeter-Stipendium. An der Bergischen UniversitĂ€t Wuppertal hat der Fachbereich Wirtschaftswissenschaft zum Wintersemester 2008/2009 seinen Namen um den Zusatz Schumpeter School of Business and Economics erweitert.[11]

In Linz gibt es seit 1965 eine nach ihm benannte Schumpeterstraße. Im Jahr 1994 wurde in Wien Floridsdorf (21. Bezirk) der Schumpeterweg nach ihm benannt. Auch in Deutschland gibt es mehrere Orte, die Schumpeter mit einer Straßennamenbenennung ehren: Berlin: Schumpeterstraße, Bonn: Joseph-Schumpeter-Allee, Dortmund: Schumpeterweg.

An der Karl Franzens UniversitĂ€t Graz, wo Schumpeter von 1911 bis 1921 lehrte, wurde 2005 das Graz Schumpeter Centre (GSC) gegrĂŒndet, um sich zeitgenössischen sozio-ökonomischen Analysen und Entwicklungen zu widmen.

Das britische Magazin The Economist benannte eine seit September 2009 wöchentlich erscheinende Kolumne ĂŒber Wirtschaft und Innovation ihm zu Ehren Schumpeter und begrĂŒndete dies damit, dass er einer der wenigen Intellektuellen gewesen sei, die das Wesen des unternehmerischen Handelns tatsĂ€chlich verstanden hatten.[12]

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Werke

  • Wesen und Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie, 1908
  • Wie studiert man Sozialwissenschaft, 1910
  • Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 1911; 2., ĂŒberarbeitete Ausgabe 1926
  • Zur Soziologie der Imperialismen, 1919
  • Business Cycles, 1939; dt.: Konjunkturzyklen, 1961
  • Capitalism, Socialism, and Democracy, 1942; dt.: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, 1950
  • AufsĂ€tze zur Soziologie, 1953
  • History of Economic Analysis, 1954. Deutsch: Geschichte der ökonomischen Analyse. 2 BĂ€nde. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2. Aufl. 2007, ISBN 3-525-10526-6

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ Heinz D. Kurz: Joseph A. Schumpeter. Ein Sozialökonom zwischen Marx und Walras. Metropolis-Verlag, Marburg 2005, ISBN 3-89518-508-6. S. 11f
  2. ↑ Heinz D. Kurz: Joseph A. Schumpeter. Ein Sozialökonom zwischen Marx und Walras. Metropolis-Verlag, Marburg 2005, ISBN 3-89518-508-6. S. 24f; S. 11, Anm. 1
  3. ↑ Heinz D. Kurz: Joseph A. Schumpeter. Ein Sozialökonom zwischen Marx und Walras. Metropolis-Verlag, Marburg 2005, ISBN 3-89518-508-6. S. 33-41
  4. ↑ Heinz D. Kurz: Joseph A. Schumpeter. Ein Sozialökonom zwischen Marx und Walras. Metropolis-Verlag, Marburg 2005, ISBN 3-89518-508-6. S. 41-53
  5. ↑ Schumpeter: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 1997 (1911), S. 138
  6. ↑ Frank Schohl: Die markttheoretische ErklĂ€rung der Konjunktur. TĂŒbingen 1999; G. Haag, W. Weidlich, G. Mensch (1987): The Schumpeter Clock, in: D. Batten, J. Casti, B. Johansson (eds.): Economic Evolution and Structural Adjustment. Berlin S. 187–226.; Wolfgang Weidlich, GĂŒnter Haag: Concepts and Models of a Quantitative Sociology - The Dynamics of Interacting Populations. Berlin, Heidelberg, New York 1983. Chapter 5 „Non-Equilibrium Theory of Investment: ‚The Schumpeter Clock‘“
  7. ↑  Joseph Schumpeter: Capitalism, Socialism and Democracy. 1942 (Zitat:„Can capitalism survive? No. I do not think it can.“)., sowie: „
 capitalist order tends to destroy itself and 
 socialism is 
 a likely heir“, „My final conclusion therefore does not differ 
 from that of all Marxists.“ Zitiert bei Alfred MĂŒller: Die Marxsche Konjunkturtheorie - Eine ĂŒberakkumulationstheorietische Interpretation. PapyRossa Köln, 2009 (Dissertation 1983), S. 338.
  8. ↑ Hans-Heinrich Bass: Ragnar Nurkse's Development Theory: Influences and Perceptions, in: R. Kattel, J. A. Kregel, and E. S. Reinert (eds.): Ragnar Nurkse (1907–2007). Classical Development Economics and its Relevance for Today. London: Anthem Press, S. 183–202.
  9. ↑ Hans-Heinrich Bass: KMU in der deutschen Volkswirtschaft: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Berichte aus dem Weltwirtschaftlichen Colloquium der UniversitĂ€t Bremen, Nr. 101, Bremen 2006.
  10. ↑ Schumpeter-Fellowships. In: VolkswagenStiftung. Abgerufen am 8. September 2008.
  11. ↑ Schumpeter School of Business and Economics. Abgerufen am 4. Juni 2009.
  12. ↑ The Economist: Schumpeter - taking flight

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Joseph Schumpeter â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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