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Estnische Sprache – Wikipedia

Estnische Sprache

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
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Estnisch (eesti keel)

Gesprochen in

Estland
Sprecher 1.100.000
Linguistische
Klassifikation

Uralische Sprachen

Finno-ugrische Sprachen
Finno-permische Sprachen
Wolgafinnische Sprachen
Finno-samische Sprachen
Ostseefinnische Sprachen
  • Estnisch
Offizieller Status
Amtssprache von EstlandEstland Estland
Europaische UnionEuropĂ€ische Union EuropĂ€ische Union
Sprachcodes
ISO 639-1:

et

ISO 639-2:

est

ISO 639-3:

est

Estnisch (Eigenbezeichnung: eesti keel) ist eine flektierend-agglutinierende Sprache und gehört zum ostseefinnischen Zweig der Gruppe der finno-ugrischen Sprachen. Das Estnische ist eng mit dem Finnischen und dem nahezu ausgestorbenen Livischen verwandt. Eine entfernte Verwandtschaft besteht zum Ungarischen. In der Republik Estland als einzige Amtssprache geltend wird Estnisch hier von 950.000 Menschen gesprochen. Durch die historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts gibt es auch im Ausland estnische Gemeinden, welche etwa 150.000 Sprecher zÀhlen. Die Gesamtzahl der Sprecher des Estnischen als Muttersprache liegt bei rund 1.100.000. Der Sprachcode ist et bzw. est (nach ISO 639).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Alphabet

Das estnische Alphabet verwendet die folgenden Buchstaben:

a, b, c, d, e, f, g, h, i, j, k, l, m, n, o, p, q, r, s, ĆĄ, z, ĆŸ, t, u, v, w, Ă”, Ă€, ö, ĂŒ, x, y

Hierbei kommen die Buchstaben c, f, ĆĄ, z, ĆŸ, q, w, x und y nur selten, entweder in Fremdwörtern oder fremden Namensgebungen, vor. Die Vokale a, e, i, o, u, ĂŒ, Ă€, ö und Ă” können alle in der ersten Silbe des Wortes vorkommen, in der zweiten sind aber nur noch die Vokale a, e, i und u möglich. Wörter, die mit den Konsonanten g, b oder d beginnen, sind Fremdwörter.

[Bearbeiten] Phonologie

[Bearbeiten] Vokale

Das Estnische besitzt 9 Monophthonge, welche in drei QuantitĂ€tsstufen (kurz vs. lang vs. ĂŒberlang) auftreten können. Die QuantitĂ€t gilt hierbei als distinktives, also bedeutungsunterscheidendes Merkmal. Weiterhin gelten Lippenrundung (gerundet vs. ungerundet) und Zungenstellung (vorne vs. hinten) als distinktive Merkmale estnischer Vokale. Es gilt hierbei zu beachten, dass der fĂŒr das Deutsche typische Einfluss der QuantitĂ€t auf die QualitĂ€t entfĂ€llt. WĂ€hrend im Deutschen ein langer E-Laut [eː] in seiner kurzen Artikulation zu einem [ɛ] wĂŒrde, bleibt im Estnischen die QualitĂ€t, also die Gespanntheit, erhalten, sodass [e] zu artikulieren ist.

Monophthonge des Estnischen (in IPA-Lautschrift)[1]
  vorne hinten
ungerundet gerundet ungerundet gerundet
ĂŒberlang lang kurz ĂŒberlang lang kurz ĂŒberlang lang kurz ĂŒberlang lang kurz
geschlossen iː iˑ i yː yˑ y   uː uˑ u
mittel eː eˑ e Þː þˑ Ăž ɀː ɀˑ É€ oː oˑ o
offen Êː éˑ ĂŠ   ɑː ɑˑ ɑ  

Der Laut [É€], graphematisch durch das Zeichen <Ă”> dargestellt, ist ein dem russischen <ы> Ă€hnlicher Laut, welcher jedoch im Gegensatz zu diesem als Hinterzungenvokal zur charakterisieren ist.

Je nach ZĂ€hlweise umfasst das Estnische zwischen 19 und 36 Diphthonge. Die Differenzen ergeben sich aus der Frage, ob es sich bei den Lautverbindungen um verbundene oder verschmolzene Einzellaute handelt.

/ae/; /ai/; /au/; /ea/; /ei/; /eu/; /iu/; /oe/; /oi/; /ou/; /ui/; /Ă”e/; /Ă”i/; /Ă”u/; /Ă€e/; /Ă€i/; /Ă€u/; /öi/; /ĂŒi/ (= graphematisch durch <ĂŒĂŒ> dargestellt)

Diese Diphthonge werden um folgende, als losere Lautverbindungen zu betrachtende, Diphthonge ergÀnzt:

/ie/; /öe/; /ao/; /eo/; /io/; /Ôo/; /Ào/; /oa/; /Ôa/; /öa/

Als schwierig erweist sich jedoch die Filterung standardsprachlicher Diphthonge von jenen, welche lediglich in dialektalen Varianten des Estnischen auftreten. Eine konsequente Betrachtung letztere Gruppe wĂŒrde dazu fĂŒhren, die zweite Liste der Diphthonge erweitern zu mĂŒssen.

[Bearbeiten] Konsonanten

Das Estnische hat 17 Konsonantenphoneme, die den Vokalen gleich in drei QuantitĂ€tsstufen (kurz vs. lang vs. ĂŒberlang) auftreten können. Auch bei den Konsonanten gilt die QuantitĂ€t als distinktiv und wird durch die Merkmale von artikulierendem Organ und Artikulationsstelle sowie der Artikulationsart ergĂ€nzt.

Konsonanten des Estnischen[2]
  bilabial labio-
dental
alveolar alveolar
palatalisiert
post-
alveolar
palatal velar uvular
Plosive p   t tÊČ     k  
Nasale m   n nÊČ   (Ƌ)    
Vibranten     r          
Frikative   f v s sÊČ Êƒ     h
Approximanten           j    
Laterale     l lÊČ        

Die Laute ʒ und ʃ kommen jedoch lediglich in Fremdwörtern vor.

AuffĂ€lligkeiten ergeben sich auch im Hinblick auf die Plosive, welche im Estnischen nicht aspiriert, also behaucht, werden. Diese gelten im Estnischen weiterhin als Varianten der Phoneme /p,t,k/.[3] DarĂŒber hinaus wird das Graphem <s> grundsĂ€tzlich stimmlos artikuliert.

[Bearbeiten] Akzentuierung

Im Estnischen liegt der Wortakzent grundsĂ€tzlich auf der ersten Silbe. Eine Ausnahme bildet hier jedoch aitĂ€h! (deutsch: danke!). Des Weiteren ist fĂŒr Lehn- und Fremdwörter charakteristisch, dass die Akzentuierung der Ausgangssprache zumeist beibehalten wurde. Bei estnischen Wörtern kann zudem ein Nebenakzent auf der dritten oder einer anderen ungeraden Silbe liegen, was vor allem im Falle der zahlreichen Komposita deutlich wird.

[Bearbeiten] Grammatik

Das Estnische kennt keine grammatischen Geschlechter. In der dritten Person Singular wird tema (Kurzform: ta) verwendet. Das heißt, dass zwischen Maskulinum und Femininum nicht unterschieden wird.

[Bearbeiten] Substantive

BezĂŒglich der grammatischen Kategorie des Kasus unterscheidet man im Estnischen 14 FĂ€lle. Bei der estnische Sprache handelt es sich um eine Akkusativsprache, doch ist der Akkusativ als solcher nicht mehr zu erkennen. Wie auch im Finnischen ist der historische Akkusativ im Laufe der Sprachentwicklung lautgesetzlich mit dem Genitiv zusammengefallen. In der Tat spielen die estnischen FĂ€lle, so viele es auch sind, fĂŒr die Auszeichnung von Agens und Patiens keinerlei Rolle, dieselbe wird nur durch die Wortstellung und die Verbform bewerkstelligt.

Transitiv gebrauchte transitive Verben bereiten naturgemĂ€ĂŸ die kleinsten Probleme, die Reihenfolge lautet hier: Agens Verb Patiens. Intransitiv gebrauchte transitive Verben werden in der Grundform elliptisch, also sich auf einen obliquen Patiens beziehend, verstanden. Um das involvierte Substantiv selbst zum Patiens zu machen, es sozusagen in den Absolutiv zu setzen, wird der Verbstamm um „-u“ erweitert. Dies wird am folgenden Beispiel deutlich: muutma (Ă€ndern): ta muudab (er/sie/es Ă€ndert (irgendetwas)), ta muutub (er/sie/es Ă€ndert (sich)).

UrsprĂŒnglich intransitive Verben werden „absolutiv“ verstanden, das dem Verb vorangehende Substantiv ist also der Patiens. Diese können indes „transitiviert“ werden, mit der Bedeutung, dass irgendetwas dazu veranlasst wird, eine bestimmte Handlung zu vollfĂŒhren und anschließend wieder elliptisch gebraucht werden. Diese „Transitivierung“ geschieht durch eine Erweiterung des Verbstammes um „-ta“, wodurch im Estnischen der Kausativ gebildet wird: langema ((im Krieg) fallen): ta langeb (er/sie/es fĂ€llt (im Krieg)), ta langetab (er/sie/es fĂ€llt oder senkt (irgendetwas, aber vermutlich einen Baum oder den Kopf)).

Schließlich besitzt das Estnische auch die Möglichkeit, mit Hilfe von -ise (selbst) reflexive Konstruktionen zu bilden: Ma kĂŒsin endalt. (Ich frage mich.)

Bei dieser quasireflexiven Konstruktion liegt indes der Verdacht nahe, dass es sich dabei um einen Germanismus handelt, denn die zuvor beschriebene Sprachkonzeption zur Auszeichnung von Agens und Patiens kommt offensichtlich ohne reflexive Konstruktionen und Passivformen aus und ist in diesem Sinne als „ergativ gedacht“ zu bezeichnen.

Kasus typische Endung (Sg./Pl.) Beispiel (Sg./Pl.) Übersetzung
Nominativ -/-d maja/majad; sÔber/sÔbrad (das) Haus/ (die) HÀuser; (der) Freund/ (die) Freunde
Genitiv Stammvokal/-de maja/majade; sÔbra/sÔprade des Hauses/der HÀuser; des Freundes/der Freunde
Partitiv -d; -t; Stammvokal/-sid; Pluralstammvokal maja/majasid (auch maju); sÔpra/sÔpru (auch sÔprasid) kontextabhÀngig
Illativ -sse; (Plural-)Stammvokal majja (auch majasse)/majadesse; sĂ”brasse (auch sĂ”pra)/sĂ”pradesse ins Lehrbuch/in die LehrbĂŒcher; unĂŒblich (ĂŒbertr. an die Freunde (z. B. glauben))
Inessiv -s majas/majades; sÔbras/sÔprades im Haus/in den HÀusern; in dem Freund/in den Freunden
Elativ -st majast/majadest; sĂ”brast/sĂ”pradest aus dem Haus/aus den HĂ€usern; unĂŒblich
Allativ -le majale/majadele; sĂ”brale/sĂ”pradele auf das Haus/auf die HĂ€user; unĂŒblich
Adessiv -l majal/majadel; sÔbral/sÔpradel auf dem Haus/auf den HÀusern; auf dem Freund/auf den Freunden
Ablativ -lt majalt/majadelt; sÔbralt/sÔpradelt vom Haus/von den HÀusern; vom Freund/von den Freunden
Translativ -ks majaks/majadeks; sÔbraks/sÔpradeks zum Haus/zu den HÀusern (werden); zum Freund/ zu Freunden (werden)
Terminativ -ni Ă”htu (Nom. Sg.) → Ă”htuni; piir (Nom. Sg.) → piirini bis zum Abend; bis zur Grenze
Essiv -na majana/majadena; sÔbrana/sÔpradena als Haus/als HÀuser; als Freund/als Freunde
Abessiv -ta majata/majadeta; sÔbrata/sÔpradeta ohne Haus/ohne HÀuser; ohne Freund/ohne Freunde
Komitativ -ga majaga/majadega; sÔbraga/sÔpradega mit dem Haus/mit den HÀusern; mit dem Freund/mit den Freunden

Anmerkungen: Die ersten drei Kasus (Nominativ, Genitiv, Partitiv) sind grammatische, alle weiteren jedoch semantische Kasus.

Ortsangaben

Gewöhnlich liest man davon, dass der Inessiv im Gegensatz zum Adessiv dann gebraucht werde, wenn etwas sich nicht an einer Seite von etwas, sondern in seinem Inneren befindet. Der Inessiv Ă€hnelt jedoch sehr der Verwendung der PrĂ€position „in“ im Deutschen, und von der gilt das vorige im Gegensatz zur PrĂ€position „an“ auch keineswegs. Beispiel: „Ah, GĂŒnther ist wieder im Land.“ – was ja nicht heißt, dass GĂŒnther in der Erde steckte. Insbesondere fĂ€llt im Estnischen der Schnee ins und nicht aufs Land. Die Regel, soweit man davon sprechen kann, ist hier, dass Dinge, die nur in einem ĂŒbertragenen Sinn ein Inneres haben, mit dem Adessiv gebraucht werden, z. B. an der Arbeit sein, und Dinge, die n-dimensional ausgedehnt gedacht werden, den Inessiv fĂŒr ihr n-dimensional Inneres und den Adessiv fĂŒr ihren (n-1)-dimensionalen Rand nach sich ziehen, wobei n aus {1,2,3}.

Allerdings befolgt das Estnische diese Regel flĂ€chiger als das Deutsche, wie z. B. den Handschuh in die Hand zu ziehen, das Hemd in den RĂŒcken und die MĂŒtze in den Kopf.

[Bearbeiten] Verben

Verben unterliegen im Estnischen den grammatischen Kategorien Modus, Tempus, Genus verbi, Person und Numerus.

[Bearbeiten] Konjugation

Die folgende Tabelle zeigt die Konjugation estnischer Verben am Beispiel von kirjutama (schreiben) im PrÀsens:

Person Endung Beispielwort Übersetzung
1. Sg. -n (ma) kirjutan ich schreibe
2. Sg. -d (sa) kirjutad du schreibst
3. Sg. -b ta kirjutab er/sie schreibt
1. Pl. -me (me) kirjutame wir schreiben
2. Pl. -te (te) kirjutate ihr schreibt
3. Pl. -vad nad kirjutavad sie schreiben

[Bearbeiten] Verneinung

Die Verneinung ist im Estnischen der des Finnischen Ă€hnlich. Beide Sprachen haben sich jedoch aus gemeinsamen Wurzeln unterschiedlich entwickelt. WĂ€hrend die Verneinung im Finnischen mithilfe eines Verneinungsverbs gebildet wird, ist dieses zwar im Estnischen auch vorhanden, jedoch nicht konjugierbar, sodass in der einschlĂ€gigen Literatur hĂ€ufig auch von einer Verneinungspartikel, welche man als ein Äquivalent zum deutschen „nicht“ betrachten kann, gesprochen wird. Mit deren Hilfe erfolgt die Verneinung wie am Verb mĂ€ngima (deutsch: „spielen“) dargestellt:

PrÀsens: ei + PrÀsensstamm

  • mina ei mĂ€ngi
  • sina ei mĂ€ngi
  • tema ei mĂ€ngi
  • meie ei mĂ€ngi
  • teie ei mĂ€ngi
  • nemad ei mĂ€ngi

PrÀteritum: ei + nud-Partizip

  • mina ei mĂ€nginud
  • sina ei mĂ€nginud
  • tema ei mĂ€nginud
  • meie ei mĂ€nginud
  • teie ei mĂ€nginud
  • nemad ei mĂ€nginud

Perfekt: ei + PrÀsensstamm von olla + nud-Partizip

  • mina ei ole mĂ€nginud
  • sina ei ole mĂ€nginud
  • tema ei ole mĂ€nginud
  • meie ei ole mĂ€nginud
  • teie ei ole mĂ€nginud
  • nemad ei ole mĂ€nginud

Die Struktur ei ole wird im PrÀsens auch dazu genutzt, Aussagen bzw. deren Teile zu verneinen:

  • Must ei ole valge. (deutsch: „Schwarz ist nicht weiß.“, wörtlich: „Schwarz nicht sein weiß.“)
  • Allan ei ole kodus. (deutsch: „Allan ist nicht zu Hause.“, wörtlich: „Allan nicht sein zu Hause.“)

Ei ole wird im Estnischen auch oft in seiner Kurzform pole gebraucht:

  • Allan pole kodus.

Ein zweites Äquivalent zum deutschen „nicht“ ist das estnische Wort mitte. WĂ€hrend es einerseits, wie im ersten der folgenden BeispielsĂ€tze, den Charakter einer Konjunktion annehmen kann, um eine GegenĂŒberstellung auszudrĂŒcken, liegt eine hĂ€ufige Gebrauchsform auch in ImperativsĂ€tzen ohne PrĂ€dikat:

  • Allan on tööl, mitte kodus (deutsch: „Allan ist an der Arbeit, nicht zu Hause.“)
  • Mitte nii kĂ”vasti! (deutsch: „Nicht so hart!“)

[Bearbeiten] Wortschatz

Deutlich mehr als andere finno-ugrische Sprachen hat das Estnische durch den Einfluss des Deutschen Ordens im Baltikum Lehnworte aus dem Deutschen bzw. der sĂ€chsischen Sprache ĂŒbernommen, beispielsweise riik – Staat (vgl. finnisch valtakunta), mĂŒts – MĂŒtze (vgl. finnisch lakki), kÀÀrid – Schere (vgl. finnisch sakset), vĂŒrts – GewĂŒrz (vgl. finnisch mauste). Andere beliebte Entlehnungen aus dem Deutschen sind reisibĂŒroo und reklaamibĂŒroo. Die Zahl der Lehnwörter aus dem Deutschen wird auf 2.000 geschĂ€tzt. Auch gibt es etwa 350 aus dem Russischen entlehnte Wörter wie pirukad (vgl. russisch ĐżĐžŃ€ĐŸĐ¶ĐșĐž).

Ähnlich wie in einigen romanischen Sprachen (Spanisch, Französisch) ist fĂŒr das Estnische ein „st“ am Wortanfang untypisch, anstatt jedoch ein „e“ voran zu stellen oder das „s“ durch ein „e“ zu ersetzen, entfĂ€llt dieses „s“ im Estnischen (z. B. tool (ndd. Stohl), tikk (eng. stick), tudeng (Student), torm (ndd. Storm). Diese Erscheinung nimmt jedoch im Zulauf eines neueren fremdsprachlichen Wortschatzes ab: (z. B. staadion, staap usw).

In Bezug auf Fremd- und Lehnwörter ist auch anzumerken, dass die Grapheme „b“, „d“ und „g“ der Ausgangssprache am Wortanfang zu „p“, „t“ und „k“ werden: pruukima (ndd. bruken), pĂŒksid (ndd. BĂŒx), piljard (Billard), kips (Gips).

Außer diesen EinschrĂ€nkungen am Wortanfang wurde frĂŒher noch das „f“ in ein „hv“ (gesprochen: chw) umgewandelt. Zeugnis davon geben z. B. „krahv“ (Graf) und „kohv“ (eng. coffee). Beispielsweise wird die hv-Kombination aber gegenwĂ€rtig oft [f] ausgesprochen (was aber offiziell nicht akzeptiert wird).

Daneben gibt es auch noch „freiere“ Adaptionen, so z. B. „rand“ (Strand) und „sĂ€rk“ (eng. shirt).

[Bearbeiten] Dialekte

Trotz der geringen FlĂ€che Estlands von 45.227 kmÂČ weist die estnische Sprache acht Dialekte (est. murded) auf, welche insgesamt etwa 117 Mundarten vereinen. Durch Leibeigenschaft und Fronsystem waren die estnischen Bauern in ihren Kirchspielen isoliert. Ihnen war es unmöglich, sich frei im Land zu bewegen. Die Sprache entwickelte sich folglich regional isoliert und mit unterschiedlichsten Tendenzen. Die grĂ¶ĂŸte Konkurrenz bestand jedoch stets zwischen der nordestnischen Dialektgruppe, welche sich bei der Entwicklung der heutigen Standardsprache durchsetzte, und der Gruppe der sĂŒdestnischen Dialekte. WĂ€hrend erstere durch Tallinn als politisches Zentrum von Bedeutung war, erlangte letztere durch Tartu als erste UniversitĂ€tsstadt des Landes ebenfalls schriftsprachliche Bedeutung. Die starke AusprĂ€gung dieser Dialektgruppen lĂ€sst sich durch die einstige Teilung des heutigen Estlands in Nordestland und SĂŒdestland erklĂ€ren, wobei letzteres territorial dem frĂŒheren Livland angehörte.

Die acht Hauptdialekte werden in zwei Dialektgruppen eingeteilt (Nord- und SĂŒd-Estnisch), wobei der Dialekt der NordostkĂŒste sowie auch der Dialekt der Inseln im Westen des Landes diesen Gruppen nicht zugeordnet werden können:

Nordestnisch

  • West-Dialekt (est. lÀÀnemurre)
  • Zentral-Dialekt (est. keskmurre)
  • Ost-Dialekt (est. idamurre)

SĂŒdestnisch (sĂŒdlich von Tartu und PĂ”ltsamaa)

KĂŒstenestnisch (östlich von Tallinn entlang der KĂŒste bis zur Grenzstadt Narva)

  • NordostkĂŒsten-Dialekt (est. rannikumurre)

Inselestnisch

  • Insel-Dialekt (est. saarte murre)

[Bearbeiten] Sprachpolitik im 20. und 21. Jahrhundert

Als prĂ€gend fĂŒr die Sprachpolitik Estlands im 20. und 21. Jahrhundert sollte sich die Geschichte erweisen, in der das Land von DĂ€nen, Schweden, Deutschen und Russen besetzt war. Vor allem die von 1721 bis 1918 wĂ€hrende Zeit Estlands als Teil der Ostseeprovinz des Russischen Reiches hinterließ ihre Spuren. So kam es wĂ€hrend dieser Zeit zu einer ausgeprĂ€gten Russifizierung, die Nationalbewusstsein und Bestrebungen nach kultureller Autonomie unterbinden sollte.

Als das Land 1918 seine UnabhĂ€ngigkeit erlangte, folgte in sprachpolitischer Hinsicht ein bedeutender Wandel. Nachdem der bis 1920 andauernde UnabhĂ€ngigkeitskrieg durch den Frieden von Tartu beendet wurde, erlangte zunĂ€chst jeder Einwohner die StaatsbĂŒrgerschaft der Republik Estland.[4] WĂ€hrend dieser Zeit erlaubten es neu verabschiedete Gesetze ethnischen Minderheiten, ihre Kultur zu bewahren und auszuleben.

Ein erneuter Wandel der Situation ging mit dem Zweiten Weltkrieg einher. Nachdem dieser beendet und Estland in die Sowjetunion eingegliedert war, sollte die Sprachpolitik erneut durch die sowjetische Besatzung bestimmt werden. So folgte eine EinfĂŒhrung eines nahezu selbststĂ€ndigen und vom estnischen unabhĂ€ngigen russischen Schulsystems und eine erneute Politik der Russifizierung. Letztere beinhaltete die Deportation mehrerer Zehntausend Esten und die Ansiedlung ethnischer Russen. So sank die Zahl der Esten von 88 % vor Kriegsbeginn auf 61,5 % im Jahre 1989, wĂ€hrend die Zahl der BĂŒrger mit ostslavischen Muttersprachen im gleichen Zeitraum von 8,2 % auf 35,2 % stieg.[5]

Nach der Wiedererlangung der UnabhĂ€ngigkeit folgte 1991 eine neue Gesetzgebung, die – auch vor dem Hintergrund des Beitritts zur EuropĂ€ischen Union und als Reaktion auf die Russifizierung der vergangenen Jahrzehnte – mehrfach ĂŒberarbeitet wurde. Die StaatsbĂŒrgerschaft konnte nun nicht automatisch erlangt werden. Vielmehr bestand fĂŒr die Angehörigen vor allem der russischsprachigen Minderheit die Möglichkeit, entweder nach Russland zurĂŒckzukehren, die estnische StaatsbĂŒrgerschaft zu beantragen oder mit einer derzeit grundsĂ€tzlich ausgestellten unbeschrĂ€nkten Aufenthaltsgenehmigung als staatenlos im Land zu verweilen. Der Erwerb der StaatsbĂŒrgerschaft setzt Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 des Gemeinsamen EuropĂ€ischen Referenzrahmens fĂŒr Sprachen voraus sowie das erfolgreiche Bestehen eines Tests zum Grundgesetz des Landes. Vor allem die Bedingung der Sprachbeherrschung wird sowohl von Angehörigen der Minderheit, die um das Russische als zweite Amtssprache bemĂŒht sind, als auch von Amnesty International[6] als diskriminierend beschrieben – die Rolle der Sprache vor dem Hintergrund drohenden Kulturverlustes in der Geschichte vermutlich außer Acht lassend. Die Bestimmungen Estlands entsprechen jedoch denen der anderen EU-Staaten, welchen bei der Anwendung gleicher Gesetze keine Diskriminierung vorgeworfen wird. Mit dem Programm „Integration in der estnischen Gesellschaft 2000 – 2007“ (estnisch: Riiklik programm. Integratsioon Eesti ĂŒhiskonnas 2000 – 2007.) waren Ziele wie „sprachlich-kommunikative“, „rechtlich-politische“ und „sozialwirtschaftliche Integration“ angestrebt und verfolgt worden. Das Integrationshindernis Sprache sollte beseitigt werden. Mittlerweile muss an allen Schulen des Landes Estnisch unterrichtet werden, sodass bei Beendigung der Mittelstufe das Niveau B2 erreicht ist.[7] Ferner gibt es fĂŒr Erwachsene die Möglichkeit, kostenlose Sprachkurse zu belegen und ebenfalls kostenlos ihre Sprachkenntnisse zertifizieren zu lassen.

Ethnische Minderheiten genießen weiterhin weitreichende Rechte und russischsprachige Schulen, an denen Estnisch als erste Fremdsprache gelehrt wird, werden vom Staat gefördert.

Die Bestrebungen der Regierung, möglichst viele der 2007 noch 130.000 Staatenlosen[8] einzubĂŒrgern und die Kenntnis der estnischen Sprache zu verbreiten, fĂŒhren nur langsam zu Ergebnissen. Jedoch ist festzustellen, dass 1989 etwa 67 % der Bevölkerung Estnisch beherrschten, 2008 aber bereits 82 %.[4][9]

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ SAMPA fĂŒr Estnisch (englisch)Quelle
  2. ↑ Quelle: SAMPA fĂŒr Estnisch (englisch)
  3. ↑ Mati Hint: HÀÀlikutest sĂ”nadeni. AS Pakett TrĂŒkikoda, Tallinn 1998, S. 69
  4. ↑ a b EuropĂ€ische Kommission: Euromosaik: Produktion und Reproduktion der Minderheitensprachengemeinschaften in der EuropĂ€ischen Union. Estland. Martinus Nijhoff, Den Haag 2004
  5. ↑ Ralph Tuchtenhagen: Geschichte der baltischen LĂ€nder. C. H. Beck, MĂŒnchen 2005
  6. ↑ Amnesty International: Jahresbericht 2007. Estland. Online am 15. November 2009
  7. ↑ InternetprĂ€senz des estnischen Bildungsministeriums: Transition to Estonian-medium education. Legislation. Online am: 21. November 2009
  8. ↑ Siegfried Thielberg: Beispielhaftes Estland. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2007, Nr. 56, S. 1
  9. ↑ Triin Vihalemm: Keeleoskus ja hoiakud. In: Integratsiooni moonitorin 2008. Online am: 16. November 2009

[Bearbeiten] Literatur

  • Urmas Sutrop: Die estnische Sprache. Deutsch von Carsten Wilms. Eesti Instituut, Tallinn 2005, ISBN 9985-9341-9-9.
  • Arvo Laanest: EinfĂŒhrung in die ostseefinnischen Sprachen. Deutsch von Hans-Hermann Bartens. Buske-Verlag, Hamburg 1975, ISBN 3-87118-487-X.
  • Cornelius Hasselblatt: Grammatisches Wörterbuch des Estnischen. 3., durchges. Aufl., Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2008 (1. 1992), ISBN 978-3-447-05856-8.

[Bearbeiten] Weblinks

Wikibooks Wikibooks: Estnisch â€“ Lern- und Lehrmaterialien

Satellitentechnik, LNB, Digitalreciver  EDV Dienstleister, VPN  Free Counter, Besucherstatistik  Russisches Portal in Deutschland  Werbung im Internet  Onlineshop  PHP Sicherheit  Donaueschingen  

 

 

 

geburtstagsgeschenk-online.de