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Carl Theodor Albrecht – Wikipedia

Carl Theodor Albrecht

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Carl Theodor Albrecht

Carl Theodor Albrecht (* 30. August 1843 in Dresden; † 31. August 1915 in Potsdam) war ein deutscher GeodĂ€t, Astronom und langjĂ€hriger Chef der preußischen Erdmessung. Als solcher prĂ€gte er die beginnende internationale Kooperation der GeodĂ€sie und war MitgrĂŒnder des internationalen Breitendienstes, der heute unter der Bezeichnung Internationaler Dienst fĂŒr Erdrotation und Referenzsysteme (IERS; englisch: International Earth Rotation and Reference Systems Service ein weltweiter Dienst der Internationalen Union fĂŒr GeodĂ€sie und Geophysik (IUGG) ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Albrecht besuchte die Kreuzschule in Dresden. Schon als 17-JĂ€hriger studierte er ab 1860 Mathematik und Naturwissenschaften am Polytechnikum in Dresden. Hier grĂŒndete er 1861 zusammen mit Freiherr Carl von Wagner den "Verein zur Pflege der freien Rede Polyhymnia", aus dem die Freischlagende Verbindung Polyhymnia und anschließend das heutige Corps Altsachsen hervorging. Ab 1865 setzte er sein Studium der Physik und Astronomie an der UniversitĂ€t Berlin fort. Sein gleichermaßen technisches und himmelskundliches Interesse - Astronomie war damals noch vorwiegend Astrometrie, die Astrophysik erst im Entstehen - fĂŒhrte Albrecht zur GeodĂ€sie, wo er durch Organisationstalent und Zielstrebigkeit der bedeutendste deutsche „AstrogeodĂ€t“ der Jahrhundertwende wurde. Schon wĂ€hrend des Studiums wurde er am 1. Mai 1866 Assistent im ZentralbĂŒro der MitteleuropĂ€ischen Gradmessung. 1867 nahm Albrecht an einer telegraphischen LĂ€ngenbestimmung teil. Hier traf er auf das Arbeitsgebiet, das ihn nach eigenem Bekunden am meisten interessierte.

Das Königlich-Preußische GeodĂ€tische Institut wurde 1869 in Potsdam gegrĂŒndet, das die Arbeiten des ZentralbĂŒros ĂŒbernahm. So wechselte Albrecht in das Institut. Er arbeitete anfangs als Mitarbeiter bei verschiedenen astronomisch-geodĂ€tischen Arbeiten und Messungen der Schwerkraft. Nach dem RĂŒcktritt des Leiters der astronomischen Sektion des Instituts im Jahr 1873 wurde Albrecht von Johann Jacob Baeyer, dem Direktor des Instituts, mit der Leitung der astronomischen Arbeiten beauftragt. Als Sektionschef des Instituts machte er diese zentrale Dienststelle fĂŒr einige Jahrzehnte zum Weltzentrum der GeodĂ€sie. Es entwickelte sich spĂ€ter zum Zentralinstitut fĂŒr Physik der Erde (ZIPE) und beherbergt heute das fĂŒr die gesamtdeutsche Erdwissenschaft zustĂ€ndige GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ). 1895 wurde durch die Allgemeine Konferenz der Internationalen Erdmessung die EinfĂŒhrung eines Internationalen Breitendienstes beschlossen, den Albrecht zusammen mit seinen Kollegen Wilhelm Foerster und Friedrich Robert Helmert 1899 grĂŒndete. Dieser wurde spĂ€ter der Polar Motion Service (IPMS) und ist heute der International Earth Rotation Service.

Daran schloss sich seine Initiative, fĂŒr dieses Monitoring der Erdrotation und auch zur geophysikalischen Forschung ein weltweites Netz von Messstationen aufzubauen. FĂŒr Deutschland wird diese Aufgabe noch heute vom GFZ am Potsdamer Telegrafenberg und von der Satellitenstation Wettzell wahrgenommen.

Neben diesen Aufgaben war Albrecht auch selbst in der astrometrischen Praxis tĂ€tig: er bestimmte im Laufe seines Lebens die prĂ€zisen Sternörter von 39 Zirkumpolarsternen, sowie die astronomische Lotrichtung (vulgo "Ortsbestimmung") von rund 50 StĂ€dten, darunter Paris, Warschau, Greenwich und New York. Dabei kooperierte er mit anderen Zentren der Erd- und Himmelskunde. Albrecht war immer bemĂŒht, die Methoden der Beobachtungen zu verbessern und eine Erhöhung der Genauigkeit zu erreichen. Nach Aufkommen der drahtlosen Telegraphie wurden 1904 durch Albrecht umgehend Versuche zur Verwendung bei LĂ€ngenbestimmungen angestellt. Bereits bei der Bestimmung des LĂ€ngenunterschieds Brocken-Potsdam 1906 wurde die drahtlose Telegraphie eingesetzt. In Vorbereitung des Breitendienstes nahm Albrecht eine Auswahl der Beobachtungsstationen vor und entwickelte ein Beobachtungsprogramm. Durch die Verwendung einheitlicher Methoden und Instrumente konnte eine hohe Genauigkeit der Messungen realisiert werden.

Albrechts Grab in Berlin

Eine seiner 1876 und 1883 verfassten Publikationen wurde ein teilweise bis heute benĂŒtztes Standardwerk: die von ihm auf- und zusammengestellten Formeln und Hilfstafeln fĂŒr geografische Ortsbestimmung. Erst um 1980 wurden seine Formeln und Reihenentwicklungen durch die EDV und neue Verfahren endgĂŒltig abgelöst, doch sind die Tabellen fĂŒr viele Zwecke bis heute nĂŒtzlich.

Noch mit 71 Jahren nahm er persönlich die Messung des LĂ€ngenunterschieds zwischen Borkum und New York auf der Zwischenstation Horta auf den Azoren vor. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs mussten die Arbeiten unterbrochen werden und Albrecht konnte nur unter Schwierigkeiten zurĂŒckkehren, wo er kurz darauf an einem Magenleiden starb.

Albrecht nahm an Konferenzen der Internationalen Erdmessung teil und legte 20 Berichte vor. Er gilt als einer der renommiertesten deutschen Erdmessungsastronomen des beginnenden 20. Jahrhunderts. 1882 wurde er zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewÀhlt.

Sein Grab befindet sich auf dem evangelischen Alten St.-MatthÀus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg.

[Bearbeiten] Ehrungen

Albrecht erhielt zahlreiche Ehrungen: er war korrespondierendes bzw. auswĂ€rtiges Mitglied mehrerer Akademien und gelehrter Gesellschaften, die Technischen Hochschule Stuttgart verlieh ihm die EhrendoktorwĂŒrde. Die Internationale Astronomische Union benannte ihm zu Ehren 2002 in Paris einen Asteroiden nach ihm, den Kleinplaneten 10656 (Albrecht).

Dauerhafte Wirkung hat auch der "Albrecht'sche LĂ€ngenausgleich" ganz Europas (um 1890). Aus ihm geht u.a. die heute benĂŒtzte internationale Umrechnung Ferro-Greenwich mit 17° 40' 00.00" hervor (siehe auch Hermannskogel und Rauenberg. Albrecht selbst hatte den Wert 17° 39' 46.02" ermittelt, der jedoch wegen der absoluten Lotabweichung, die sowohl bei Wien wie auch bei Berlin zufĂ€llig 13-14" betrĂ€gt, auf den o.e. runden Wert festgelegt wurde. Die zugrunde liegenden Berechnungen und Analysen gehen auf Karl Ledersteger (TH Wien) zurĂŒck, der in den 1940er Jahren die Albrecht'schen Dateien fĂŒr den Bereich Mitteleuropas einer grĂŒndlichen Untersuchung unterzog.

[Bearbeiten] Werke

  • Formeln und Hilfstafeln fĂŒr geographische Ortsbestimmungen, 1873
  • Bericht ĂŒber den Stand der Erforschung der Breitenvariation im December 1897, Berlin, Reimer, 1898
  • Bericht ĂŒber den Stand der Erforschung der Breitenvariation im December 1898, Berlin, Reimer, 1899
  • Bericht ĂŒber den Stand der Erforschung der Breitenvariation im December 1899, Berlin, Reimer, 1900
  • Anleitung zum Gebrauche des Zenitteleskops auf den internationalen Breitenstationen, Berlin, Reimer, 1902
  • Resultate des internationalen Breitendienstes, Bd. 1, Berlin, Reimer, 1903
  • Resultate des internationalen Breitendienstes, Bd. 2, Berlin, Reimer, 1906
  • Resultate des internationalen Breitendienstes, Bd. 3, Berlin, Reimer, 1909
  • Resultate des internationalen Breitendienstes, Bd. 4, Berlin, Reimer, 1911
  • Physikalisch-chemische Tabellen (Mitverfasser), Berlin, Springer, 1912
  • Ergebnisse der Breitenbeobachtungen auf dem Observatorium in Johannesburg vom MĂ€rz 1910 bis MĂ€rz 1913, Berlin, Reimer, 1915
  • Ergebnisse seiner Messungen wurden in 20 BĂ€nden der Astronomischen Gesellschaft veröffentlicht

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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