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Tonband – Wikipedia

Tonband

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
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Ein Tonband (Magnettonband) ist ein Stahl-, Papier- oder Kunststoffband, das mit magnetischen Stoffen, speziellen Metalloxiden (z. B. Eisen(III)-oxid) oder Reineisenpulver beschichtet ist. Es dient in entsprechenden Audiorekordern als magnetisches Speichermedium fĂŒr analoge oder digitale Audiosignale (Sprache, Musik, GerĂ€usche).

Ähnliche Medien und Formate werden auch zur Videoaufzeichnung, als Massenspeicher fĂŒr digitale Informationen und als Magnetstreifen in Geld- und Kundenkarten verwendet. Siehe dazu auch Magnetband.

Zur magnetischen Tonaufzeichnung auf Filmen siehe Magnettonverfahren.

Der Begriff wird in der Umgangssprache auch als Kurzform fĂŒr AufnahmegerĂ€te (insbesondere SpulentonbandgerĂ€te) verwendet.

Tonbandspulen auf einem Telefunken Magnetophon 3000hifi TonbandgerÀt (1973)

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Tragbares TonbandgerĂ€t aus den frĂŒhen 60er Jahren von Grundig

Als TontrĂ€ger fĂŒr die magnetische Tonaufzeichnung diente zunĂ€chst Stahldraht. Das erste entsprechende GerĂ€t und damit gleichzeitig das Grundprinzip der magnetischen Tonaufzeichnung erfand der dĂ€nische Telegrafen-Ingenieur Valdemar Poulsen 1899 und nannte es Telegraphon. Es funktionierte in der ursprĂŒnglichen Bauweise mit einer auf eine Walze gewickelten Klaviersaite, diente zur Speicherung von Telefonaten und erregte großes Aufsehen auf der Weltausstellung 1900 in Paris. Auch frĂŒhe Flugschreiber funktionierten mit Draht, siehe dazu auch DrahttongerĂ€t.

Das Ur-Tonband war ein Stahlband auf Spulen, das bereits vor dem Ersten Weltkrieg von Poulsen als Verbesserung seines Telegraphon entwickelt wurde. Ein Ă€hnlicher TontrĂ€ger konnte auf der Marconi-Stahlbandmaschine bereits ĂŒber einen speziellen Wiedergabekopf (Hörkopf HK) wiedergegeben werden.

Um das Jahr 1928 erfand der Österreicher Fritz Pfleumer in Dresden das Papier-Tonband. 1935/36 entwickelte die Badische Anilin- und Soda-Fabrik (BASF) in Ludwigshafen das erste Kunststoff-Tonband, das L-Typ-Band.

Die Allgemeine ElektricitĂ€ts-Gesellschaft (AEG) stellte 1935 in Berlin auf der 12. Großen Deutschen Funk-Ausstellung das weltweit erste TonbandgerĂ€t Magnetophon K 1 der Öffentlichkeit vor.

Bei spĂ€teren TonbandgerĂ€ten fĂŒr Rundfunk- und Studioanwendung wurde das Band auf offenen Tellern oder auf Spulen (SpulentonbandgerĂ€te) aufgewickelt. FĂŒr Heimanwender wurden spĂ€ter KassettentonbandgerĂ€te entwickelt. Die grĂ¶ĂŸte Verbreitung hatte dabei das Compact-Cassette-System von Philips.

FĂŒr DiktiergerĂ€te und Anrufbeantworter wurden ĂŒberwiegend kleinere Kassetten benutzt.

Der Begriff „Tonband“ wird oft synonym zu „Spulentonband“ – im Gegensatz zur „Compact Cassette“ - verwendet. Durch die immer stĂ€rkere Verbreitung der Compact Cassette auch als bespielte Musikkassette verlor das Spulentonband ab Ende der 1970er Jahre im Heimbereich immer mehr an Bedeutung, da die Handhabung der Compact Cassette wesentlich einfacher war: Man musste nicht mehr umstĂ€ndlich das Band einfĂ€deln, sondern nur noch die Kassette in das AbspielgerĂ€t einlegen.

SpÀter wurde die magnetische Aufzeichnung zunÀchst in Anrufbeantwortern und DiktiergerÀten durch digitale Speicherung auf Microchips abgelöst. Ab Ende der 1990er-Jahre wurde mit der Verbreitung der CD-R die Compact Cassette wiederum von der Compact Disc (CD) als digitalem TontrÀger abgelöst. Ein anderer digitaler TontrÀger war die Minidisc. Mittlerweile können MP3-Player mittels interner Datenkomprimierung auch lÀngere Aufzeichnungen in hoher QualitÀt ohne besonderen TontrÀger speichern.

Aber auch heute finden sich noch Tonbandmaschinen im professionellen Einsatz, so beispielsweise in Musikstudios und auf Filmsets. Tonbandmaschinen sind außerdem noch bei der Komposition und Interpretation von Werken der elektronischen Musik im Einsatz.

[Bearbeiten] Bandbreite und SpulengrĂ¶ĂŸe

Bandlauf eines TonbandgerÀtes
Freitragender Tonbandwickel auf einem Bobby (AEG-Wickelkern)

Die Breite des Bandes betrug bei den Pfleumerschen Versuchen anfĂ€nglich 16 mm (es wurden 16-mm-Filmspulen verwendet), spĂ€ter im Experiment ca. 10 mm, dann bei der AEG vor dem 2. Weltkrieg 6,5 mm. Nach Abtransport der deutschen AEG-GerĂ€te nach den USA wurde der 6,5-mm-Standard auf 1/4 Zoll (6,35 mm) geĂ€ndert. Weiterhin wurde die magnetisierbare Seite (Schichtseite) des Bandes von außen nach innen verlegt, man spricht von „Internationaler Schichtlage“. Beim deutschen Rundfunk wurde öfter mit der Schichtlage außen („Deutsche Schichtlage“) und nur mit freitragenden Spulenwickeln auf einem „Bobby“ (AEG-Wickelkern) gearbeitet. Bei der Compact Cassette ist die Magnetschicht aus technischen GrĂŒnden außen. Seit Kriegsende betrĂ€gt die Breite also 1/4" = 6,35 mm oder ein Vielfaches davon – bis hoch zu 2-Zoll-BĂ€ndern bzw. nur 0,15" (3,81 mm) bei der Compact Cassette. Das Magnetband wird auf Spulen mit einer LĂ€nge von bis zu weit ĂŒber 1000 Metern aufgewickelt.

Der Durchmesser der Spulen fĂŒr die TonbĂ€nder reicht von 6 cm ĂŒber 8, 10, 11, 13, 15, 18 und 22 bis 26,5 cm, in alten Rundfunkstudios und in den USA sogar bis 16" (etwa 41 cm). Der Ton wird auf einer oder auf mehreren Spuren gleichzeitig aufgezeichnet. Es gibt digitale 48-Spur-GerĂ€te und analoge mit sogar bis zu 64 Spuren.

[Bearbeiten] Bandgeschwindigkeit

Die Vorschub-Geschwindigkeit (Bandgeschwindigkeit) beim Betrieb beeinflusst die AufnahmequalitĂ€t. Bei geringerer Geschwindigkeit verĂ€ndert sich unter anderem der Frequenzgang, deshalb besitzen TonbandgerĂ€te fĂŒr jede Bandgeschwindigkeit eine individuelle Vorverzerrung bzw. Entzerrung. Die ursprĂŒngliche Bandlaufgeschwindigkeit betrug 77 cm/s. Bei einer BandlĂ€nge von 1.000 Metern ergaben sich damit knapp 22 Minuten Aufzeichnungszeit. Der von der AEG gewĂ€hlte Wert von 77 cm/s blieb fĂŒr viele Jahre die Standardgeschwindigkeit im Rundfunkbereich. Als nach Kriegsende AEG-Magnetophone in die USA gelangten, orientierte man sich dort bei den ersten eigenen Modellen weitgehend an den AEG-GerĂ€ten. Die Umstellung von 50-Hz- auf 60-Hz-Wechselstromnetz (andere Motordrehzahl) und von den metrischen Maßen der AEG auf die in den USA ĂŒblichen Zoll-Maße ergab jedoch eine geringfĂŒgig niedrigere Bandgeschwindigkeit von 76,2 cm/s (gleich 30 Zoll pro Sekunde). Durch Verbesserung von Bandmaterial und Elektronik konnten die Geschwindigkeiten reduziert werden, immer in halben Schritten. 76 cm/s werden nur noch fĂŒr professionelle, sehr hochwertige Aufnahmen (MasterbĂ€nder in Tonstudios) verwendet. Beim Rundfunk legte man sich auf 38 cm/s und 19 cm/s fest. Bei HeimspulengerĂ€ten sind 9,5 cm/s sehr gebrĂ€uchlich. Diese Geschwindigkeit ist fĂŒr die Aufzeichnung von Radiosendungen und Interviews ausreichend. Dabei haben die BĂ€nder eine Spielzeit von ein bis zwei Stunden. FĂŒr reine Sprachaufnahmen bieten solche GerĂ€te meistens auch 4,75 cm/s an. FĂŒr höherwertige Aufnahmen nimmt man 19 cm/s. Bei Compact Cassetten werden allgemein 4,75 cm/s verwendet. Weitere Geschwindigkeiten sind 2,38 cm/s (fĂŒr Flugfunk- und Sitzungsaufzeichnungen sowie Dokumentationszwecke, DiktiergerĂ€te), 1,2 cm/s bei Mikrokassetten fĂŒr Sprachaufnahmen.

Im englischsprachigen Raum wird die Bandgeschwindigkeit oft in inch per second (ips, „Zoll pro Sekunde“) angegeben. 1 ips entspricht 2,54 cm pro Sekunde, also lĂ€uft beispielsweise ein typisches HeimspulengerĂ€t mit 3,75 ips.

Beim reinen Umspulen ohne Betrieb des Tonkopfes wird die Andruckrolle nicht an die Capstanwelle angedrĂŒckt, so dass das Band frei von einer Spule zur anderen laufen kann. Dabei werden wesentlich höhere Geschwindigkeiten erreicht.

Sowohl fĂŒr den Betrieb mit Tonkopf als auch beim Umspulen muss sich das Band problemlos von der Abwickelspule ablösen und vor allem sauber auf der Aufwickelspule ansammeln, ohne dass beispielsweise Wellungen auftreten (bei zu hohem Zug durch die Aufwickelspule). Dabei hilft bei professionellem Bandmaterial eine spezielle RĂŒckseitenbeschichtung der BĂ€nder („RĂŒckseitenmattierung“). Bei den RundfunkbĂ€ndern ist diese in einer Farbe gehalten (z. B. weiß), auf der man Schneidemarkierungen gut erkennen kann. So eine Beschichtung ist auch vorteilhaft bei den seltener eingesetzten Endloskassetten, wo es nur eine einzige Spule gibt, von der gleichzeitig abgewickelt wird – und zwar aus dem Wickelzentrum – und außen wieder aufgewickelt wird.

[Bearbeiten] Farbgebung bei VorspannbÀndern

FĂŒr den professionellen Einsatz werden die Geschwindigkeiten und Aufnahmemodi durch eine international genormte Farbgebung der VorspannbĂ€nder gekennzeichnet. In Tonstudios werden beispielsweise 7,5 Zoll bzw. 19 cm/s fĂŒr Stereoaufnahmen ohne Timecode mit blau-weißem Vorspannband gekennzeichnet. Nur blau wird fĂŒr Monoaufnahmen verwendet, im Rundfunk aber nur fĂŒr Sprachaufnahmen. Stereoaufnahmen mit 15 Zoll bzw. 38 cm/s werden mit rot-weißem und bei Timecode-Verwendung mit rot-weiß-schwarzem Vorspannband gekennzeichnet (Rundfunk-Standard). Daneben gibt es noch spezielle Farbgebungen, falls eine RauschunterdrĂŒckung wie z. B. TelCom C4 oder Dolby A bei der Aufnahme eingesetzt wurde, TransparentbĂ€nder fĂŒr die Lichtschrankenabschaltung und gelbe BĂ€nder als optische Trenner (etwa zwischen den Interviewsequenzen beim Rundfunk). Zoll ist hier die internationale Maßeinheit. BĂ€nder fĂŒr den Heimgebrauch tragen an einem Ende ein grĂŒnes („Anfang“) und am anderen ein rotes Vorspannband. Zwischen Vorspannband und eigentlichem Tonband kann ein Schaltband aus leitender Metallfolie eingefĂŒgt sein, um dafĂŒr vorgesehene GerĂ€te am Bandende automatisch zu stoppen.

[Bearbeiten] Vormagnetisierung

Die Magnetisierbarkeit ferromagnetischer Substanzen ist von ihrem Vorzustand abhĂ€ngig (Hysterese). Daher wird das Band vor der Aufnahme zunĂ€chst gelöscht (d. h. entmagnetisiert). Zur Magnetisierung der Partikel in der Schicht muss die FeldstĂ€rke eine gewisse Schwelle (KoerzitivfeldstĂ€rke) ĂŒberschreiten. Dazu wird durch den Aufnahmekopf (Sprechkopf SK) neben dem Audiosignal (Sprechstrom) ein hochfrequenter Wechselstrom – die sogenannte Vormagnetisierung (engl. Bias) – geschickt. Die WellenlĂ€nge der Vormagnetisierungsfrequenz (ca. 70 kHz) ist klein gegenĂŒber der GrĂ¶ĂŸe der magnetischen Partikel des Bandes bzw. der Breite des Luftspaltes des Aufnahmekopfes. Die Vormagnetisierung sorgt dafĂŒr, dass die Hysteresekurve der vor dem Spalt befindlichen Schichtpartikel durchlaufen wird. Wenn die Partikel ĂŒber die Spaltkante gelangen, nimmt die FeldstĂ€rke schnell ab, so dass der (aus Sicht der Schichtpartikel quasistationĂ€re) Sprechstrom die endgĂŒltige Magnetisierung eines jeden Partikels in der Schicht bestimmt.

Der Löschkopf als InduktivitĂ€t ist Teil des Hochfrequenzoszillators, der auch fĂŒr die Vormagnetisierung benutzt wird.

Bei Radiorekordern kann bei Aufnahme einer Rundfunksendung im Mittelwellenbereich ein störendes Pfeifen auftreten, falls Harmonische der Frequenz des Löschgenerators nahe an der Frequenz des empfangenen Senders oder des EmpfĂ€ngeroszillators liegen. Um das zu vermeiden, verfĂŒgen solche GerĂ€te ĂŒber eine oft mit FU (Frequenzumschaltung) oder Beat Cut bezeichnete Taste, welche die Löschfrequenz geringfĂŒgig Ă€ndert. Das gleiche Problem tritt auch mit dem 19 kHz-HilfstrĂ€ger (Pilotton) des UKW-Stereorundfunks auf. Dieser wird sowohl im UKW-Teil des Radios, wie auch eingangsseitig im TonbandgerĂ€t so weit abgesenkt, dass eventuelle Störungen unterhalb der Hörschwelle bleiben. Gleiches gilt fĂŒr den 19 kHz-Pilotton, aus dem der HilfstrĂ€ger im EmpfĂ€nger regeneriert wird.

Alternativ kann die Löschung und Vormagnetisierung auch mit Gleichfeldern vorgenommen werden. Bis auf den Preis ist das jedoch nur mit Nachteilen verbunden. Insbesondere können derartig mit einem Gleichfeld magnetisierte BĂ€nder beim Abspielen leichter die Bauteile anderer (auch höherwertiger) Kassetten- bzw. TonbandgerĂ€te magnetisieren, die anschließend dann abgespielte Aufnahmen anlöschen. (Anlöschen bedeutet, dass die QualitĂ€t der Aufnahmen nachlĂ€sst. Insbesondere treten ein Höhenverlust und ein verminderter Rauschabstand auf.) FrĂŒher war diese Technik praktisch nur in Anwendungen wie etwa Anrufbeantwortern oder DiktiergerĂ€ten anzutreffen. Obwohl die Kosten einer Hochfrequenz-Vormagnetisierungs- und -Lösch-Einrichtung in der Serienfertigung heute sehr gering sind, ist die Gleichfeldtechnik zum Beispiel bei tragbaren KassettengerĂ€ten und GerĂ€tekombinationen (Radiorekorder) wieder auf dem Vormarsch – leicht erkennbar an einem Dauermagnet-Löschkopf, der bei Wiedergabe wegklappt bzw. in einer Ruheposition verharrt.

[Bearbeiten] Frischband und Löschband

Als Frischband bezeichnet man im Hörfunk und in der Tonstudiotechnik ein fabrikneues, im Jargon auch "jungfrÀuliches" Tonband.
Ein bereits bespieltes Band, das gelöscht wieder neu bespielt werden kann, bezeichnet man als Löschband.

[Bearbeiten] Archivierung

Zum Archivieren werden TonbĂ€nder in speziellen klimatisierten RĂ€umen aufbewahrt, sie waren anfĂ€nglich (und sind immer noch) empfindlich fĂŒr Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit. Mit der Weiterentwicklung von Acetyl-Cellulose, ĂŒber PVC hin zum Polyester-TrĂ€germaterial wurde dieses Problem fast gelöst. Eine QualitĂ€tsminderung der Aufnahmen kann durch unbeabsichtigte Magnetisierung wie etwa magnetisierte Wiedergabeköpfe oder die Aufbewahrung in der NĂ€he von nicht ausreichend abgeschirmten Lautsprechern etc. entstehen.

[Bearbeiten] Bedeutende Hersteller von Bandmaterial

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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