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Bairische Dialekte – Wikipedia

Bairische Dialekte

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
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Bairisch

Gesprochen in

DeutschlandDeutschland Deutschland (Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, sĂŒdliches Vogtland)
OsterreichÖsterreich Ă–sterreich (außer Vorarlberg)
SchweizSchweiz Schweiz (Samnaun, GraubĂŒnden)
ItalienItalien Italien (SĂŒdtirol)
UngarnUngarn Ungarn (Ödenburg)
TschechienTschechien Tschechien (Böhmerwald)
Sprecher etwa 13,3 Millionen[1]
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von —
Sprachcodes
ISO 639-1:

—

ISO 639-2:

gem (sonstige Germanische Sprachen)

ISO 639-3:

bar

Die bairischen Mundarten:
  • ï»żNordbairisch
  • ï»żMittel- oder Donaubairisch
  • ï»żSĂŒdbairisch
Das oberdeutsche Sprachgebiet 1937

Als Bairisch fasst man in der germanistischen Linguistik einen Dialektverbund (Großgruppe) nichtstandardisierter VarietĂ€ten im SĂŒdosten des oberdeutschen Sprachgebietes zusammen, die Teil des kontinentalwestgermanischen Dialektkontinuums sind und zum deutschen Sprachraum gezĂ€hlt werden.

Innerhalb des Bairischen wird zwischen Nordbairisch, Mittelbairisch und SĂŒdbairisch unterschieden.

Die bairischen Mundarten werden im Osten des oberdeutschen Sprachraums gesprochen – man bezeichnet sie daher auch als Ostoberdeutsch.

Der bairische Sprachraum umfasst die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz im Freistaat Bayern, das Staatsgebiet Österreichs mit Ausnahme Vorarlbergs, SĂŒdtirol, die zimbernisch-karnischen Sprachinseln in Oberitalien und das sĂŒdliche Vogtland im Freistaat Sachsen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Der Name der Baiern

[Bearbeiten] Etymologie

Das Wort „Bairisch“ ist ein dialektologischer Begriff, der sich aus der Bezeichnung der ersten „deutschsprachigen“ Besiedler und ihrer Stammesdialekte in althochdeutscher Zeit ableitet. Es ist zu trennen von dem Wort „bayerisch“, einem geographisch-politischen Begriff, der sich auf den Freistaat Bayern bezieht, wo auch nichtbairische Dialekte verbreitet sind.

Der bairische bzw. bajuwarische Name leitet sich vermutlich von der keltisch-germanischen Bezeichnung baio-wariƍz ab und bedeutet etwa Leute aus Böhmen bzw. MĂ€nner aus Böhmen. Das Bestimmungswort geht auf das Gebiet Böhmens zurĂŒck, das seinen Namen dem keltischen Volk der Boier verdankt. Das Grundwort -war- existiert heute nur noch als Vorderglied in den Zusammensetzungen Werwolf und Wergeld. Es handelt sich dabei um eine alte, noch aus indogermanischer Zeit stammende Bezeichnung fĂŒr Mann (vergleiche z. B. lateinisch vir oder das islĂ€ndische Suffix -verji wie in BĂŠverji, Baier).

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Andere Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass sich der Begriff der Baiern direkt vom keltischen Volk der Boier herleitet, da die lautliche Übereinstimmung frappierend ist. Es wird angenommen, dass sich das keltische Volk der Boier mit der römischen Restbevölkerung und den germanischen Einwanderern vermischte und der Name auf das gesamte neu entstandene Volk ĂŒberging. Der Ă€lteste Schriftfund auf deutschem Boden ist eine Tonscherbe mit der Inschrift „Baios“ oder „Boios“ und wurde im keltischen Oppidum von Manching (bei Ingolstadt an der Donau) gefunden. Dieser Fund kann auch ein schriftlicher Beweis fĂŒr die Wanderungsbewegung der Boier nach Altbayern sein. Die lautlichen Übereinstimmungen sind offensichtlich, werden jedoch von manchen Wissenschaftlern abgelehnt.

[Bearbeiten] Bairisch und Bayern

In der Sprachwissenschaft wird die Schreibweise Bairisch verwendet und bairisches Sprachgebiet. Im Unterschied dazu bezeichnet das Wort Bayerisch keine Sprachdialekte, sondern bezieht sich ausschließlich auf ein politisches Territorium, den Freistaat Bayern. Die unterschiedlichen Schreibweisen wurden eingefĂŒhrt, weil einerseits in Bayern außer den bairischen (in Altbayern) auch frĂ€nkische und schwĂ€bisch-alemannische (in Franken und Bayerisch-Schwaben) Mundarten gesprochen werden, andererseits die bairischen Dialekte sich nicht auf Bayern beschrĂ€nken, sondern auch in Österreich, SĂŒdtirol und in einigen isolierten Sprachinseln der Schweiz gesprochen werden. Die historische Schreibweise Baiern fĂŒr das gewachsene bayerische Staatsgebilde wurde mit Anordnung vom 20. Oktober 1825 durch den philhellenischen König Ludwig I. durch die Schreibweise Bayern, also mit dem Buchstaben y, ersetzt.[2]

[Bearbeiten] Ausbreitung und Abgrenzung

Das Bairische verbreitete sich im Zuge von Wanderungsbewegungen der Menschen ĂŒber das heutige SĂŒdbayern östlich des Lechs hinaus und im Laufe des Mittelalters ĂŒber das heutige Österreich östlich des Arlbergs, SĂŒdtirols und einigen Gebieten in Westungarn (heutiges Burgenland), Italiens, sowie Teile des heutigen Sloweniens und Tschechiens. In dieser Zeit vermischten sich auch Teile des Bairischen (im heutigen SĂŒd- und Ostösterreich) mit slawischen und rĂ€toromanischen Sprachelementen. Anschaulich wird dies bei bestimmten Ortsnamen und in einigen DialektausdrĂŒcken.

Die bairischen Dialektgebiete sind Teil eines Dialektkontinuums, die sich durch geographische Isolation und damit AusprĂ€gung der örtlichen Kommunikation entwickelt haben. Der sĂŒdbairische Dialektraum in Tirol umfasst die Gebiete der alten Grafschaft Tirol, zu der nicht das Tiroler Unterland und das Außerfern gehörten. KĂ€rnten wurde 976 von „Baiern“ abgetrennt (genauso wie 1180 die Steiermark) und von Kaiser Ludwig dem Bayern 1335 an Österreich angeschlossen. Mit den nordbairischen Dialekten verhĂ€lt es sich Ă€hnlich, weil sich auch die MachtverhĂ€ltnisse vor allem in der Oberpfalz im Laufe der Zeit Ă€nderten. Die Mischgebiete zwischen dem Mittel- und SĂŒdbairischen lassen sich durch die Zugehörigkeit zum Herzogtum Österreich (Tiroler Unterland zu Tirol und Steiermark zu Österreich) und durch Wanderbewegungen wie z. B. im damaligen Bistum Salzburg zurĂŒckfĂŒhren.

Mit mehr als 12 Millionen Sprechern bildet das Bairische das grĂ¶ĂŸte zusammenhĂ€ngende Dialektgebiet im deutschen Sprachraum. Der bairische Sprachraum umfasst insgesamt an die 150.000 kmÂČ.[2] Zum Bairischen gehören die Mundarten folgender Gebiete:

Im NĂŒrnberger Raum ist ein frĂ€nkisch-bairischer Übergangsdialekt beheimatet, der zwar ĂŒberwiegend ostfrĂ€nkische Merkmale aufweist, aber besonders im Wortschatz starke bairische EinflĂŒsse erkennen lĂ€sst. Viele davon gehen auf die zahlreichen oberpfĂ€lzischen Zuwanderer zurĂŒck, die wĂ€hrend der Zeit der Industrialisierung in dieser nordbayerischen Metropole eine neue Heimat gefunden hatten. NĂŒrnberg lag allerdings bereits im Mittelalter unmittelbar an der frĂ€nkisch-bairischen Sprachgrenze.

Das Bairische gehört zusammen mit dem Alemannischen und OstfrÀnkischen zu den oberdeutschen Dialekten des Hochdeutschen.

[Bearbeiten] Innere Untergliederung

Das Bairische kann anhand sprachlicher Merkmale in drei GroßrĂ€ume – Nord-, Mittel- und SĂŒdbairisch – eingeteilt werden. Zwischen diesen befinden sich jeweils ÜbergangsrĂ€ume, die als Nordmittelbairisch und SĂŒdmittelbairisch benannt sind.

[Bearbeiten] Nordbairisch

Nordbairisch wird im grĂ¶ĂŸten Teil der Oberpfalz, in den sĂŒdöstlichsten Teilen von Oberfranken (SechsĂ€mterland) und Mittelfranken, im nördlichsten Teil von Oberbayern und im sĂŒdlichsten Teil Sachsens (SĂŒdvogtland) gesprochen. In der sĂŒdöstlichen Oberpfalz und im nördlichsten Teil von Niederbayern werden Mischformen aus Nord- und Mittelbairisch – sprachwissenschaftlich Nordmittelbairisch genannt – gesprochen, wobei die Stadt Regensburg eine mittelbairische Sprachinsel innerhalb dieses Raums ist.

Die Dialekte des OberpfĂ€lzer und des Bayerischen Waldes nennt man dialektnah auch das „Waidlerische“. Sprachwissenschaftlich handelt es sich dabei um nordbairische, nordmittelbairische und mittelbairische Dialekte, wobei die nordbairischen Elemente nach Norden hin schrittweise zunehmen.

Das im sĂŒdlichen Burgenland gesprochene Hianzische oder Heanzische („Heinzisch“) geht mit auf das Nordbairische zurĂŒck, da die Region auch von Siedlern aus dem Fichtelgebirge und der nördlichen Oberpfalz bevölkert wurde. Dies ist noch heute am Wortschatz und lautlichen Übereinstimmungen leicht auszumachen. Es sind im Laufe der Zeit nordbairische, mittelbairische und sĂŒdbairische Anteile zu den charakteristischen Dialekten verschmolzen. Die SĂŒd- und Oststeirer sprechen den gleichen Dialekt, bezeichnen ihre Mundart aber lieber als „Steirisch“. Sie rĂŒckten im Laufe der Zeit vom Eigennamen „Heanzen“ ab.

Die ostfrĂ€nkischen Dialekte im östlichen Mittelfranken bis einschließlich NĂŒrnberg zeigen starken nordbairischen Einschlag und markieren damit ein bairisch-frĂ€nkisches Übergangsgebiet.

Das Nordbairische ist eine urtĂŒmliche Variante des Bairischen, die noch viele Archaismen bewahrt, die im zentralen mittelbairischen Sprachraum schon ausgestorben sind. Es hat viele lautliche Eigenheiten, die es teilweise mit den benachbarten ostfrĂ€nkischen Dialekten teilt. Im Folgenden werden die wichtigen lautlichen Merkmale des Nordbairischen aufgefĂŒhrt, durch die es sich vom Mittelbairischen unterscheidet.

Das Nordbairische zeichnet sich besonders durch die „gestĂŒrzten Diphthonge“ (voraus lagen mhd. uo, iĂ« und ĂŒe) und die diphthongierten mittelhochdeutschen Langvokale Ăą, ĂŽ, ĂȘ und Ɠ aus; beispielsweise entsprechen den standarddeutschen Wörtern Bruder, Brief und mĂŒde (monophthongierte Vokale) hier Brouda, Brejf und mejd (zuerst Monophthongierung, danach erneute Diphthongierung) anstatt Bruada, Briaf und miad (erhaltene Diphthonge) wie im Mittelbairischen sĂŒdlich der Donau. Weiterhin entspricht beispielsweise dem standarddeutschen Schaf hier SchĂČuf (mittelbair. SchĂČĂČf), rot hier rĂČut/rout (mittelbair. rot/rout), Schnee hier SchnĂšj (mittelbair. SchnÚÚ), oder böse hier bĂšjs (mittelbair. bÚÚs).

In den nördlicheren und den westlicheren nordbairischen Dialekten bleiben diese Diphthonge auch vor vokalisiertem r erhalten und bilden somit Triphthonge, beispielsweise in JĂČua, Òua, Schnoua, umkĂšjan, Beja, was sĂŒdlicherem und mittelbairischem JĂČĂČa/JÄÄr, Oor, Schnuua, umkeern, Biia und standarddeutschem Jahr, Ohr, Schnur, umkehren, Bier entspricht.

Bei den Dialekten im Westen und im Nordwesten des nordbairischen Sprachraums ist charakteristisch auch eine Hebung der Vokale e (und ö nach Entrundung) und o zu i und u zu verzeichnen, beispielsweise Vuugl und Viigl, im Gegensatz zu den sĂŒdlicheren Formen Voogl und Veegl fĂŒr standardsprachlich Vogel und Vögel. Diese Hebung gilt im Übrigen auch als charakteristisches (ost-)frĂ€nkisches Merkmal. Im Nordosten des Sprachraums werden diese Laute zu den Diphthongen ua und ia, also Vuagl und Viagl.

L nach Vokal wird anders als im Mittelbairischen (und Ă€hnlich wie in benachbarten frĂ€nkischen Dialekten) nicht bzw. nicht vollstĂ€ndig vokalisiert, sondern bleibt als Halbkonsonant/Halbvokal erhalten, wobei sich ein Teil der Vokale (besonders e und i) davor verĂ€ndert (z. B. entsprechen nordbairisch WĂČld, Göld, vĂŒl/vul, Hulz/Holz mittelbairisch WĂČid, GĂšid/Gööd, vui/vĂši/vĂŒĂŒ, Hoiz und standardsprachlich Wald, Geld, viel, Holz).

G wird (im Gegensatz zum Mittelbairischen und SĂŒdbairischen) in- und auslautend in bestimmter Lautumgebung zu ch erweicht (Spirantisierung). So lautet standarddeutsch Weg hier Weech, mager hier moocher, richtig hier richtich (sofern es nicht zu richte verschliffen wird). Diese Spirantisierung ist sprachgeschichtlich auf mitteldeutschen Einfluss zurĂŒckzufĂŒhren, ist jedoch nicht identisch mit den Laut- und VorkommensverhĂ€ltnissen in den heutigen mitteldeutschen Dialekten, wobei sie im Westen und im Norden des nordbairischen Raums stĂ€rker ausgeprĂ€gt ist als im SĂŒdosten.[3][4]

Verkleinerungs- und Koseformen enden in der Mehrzahl meist auf -(a)la, in der Einzahl auf -(a)l, beispielsweise Moidl = MĂ€dchen, d’ Moi(d)la = die MĂ€dchen.

Verben mit Doppelvokalen wie au oder ei enden im Nordbairischen konsequent auf -a: schaua, baua, schneia, gfreia, demgegenĂŒber mittelbairisch schaung, baun, schneim, gfrein (= schauen, bauen, schneien, freuen).

Die Endung -en nach k, ch und f ist in den nördlicheren nordbairischen Dialekten als Konsonant erhalten geblieben, beispielsweise hockn, stechn, hoffm, Soifm (= Seife). In den sĂŒdlicheren nordbairischen Dialekten ist sie wie in den mittelbairischen weiter im SĂŒden zu -a geworden, also hocka, stecha, hoffa, Soifa.

Die KonsonantenschwÀchung und die Nasalierung von Vokalen hat das Nordbairische mit dem Mittelbairischen gemeinsam. Diese Merkmale werden im nachfolgenden Abschnitt zum Mittelbairischen nÀher beschrieben.

Kennzeichnend ist auch die Form niat fĂŒr mittelbairisch net und die vielfĂ€ltigen Formen des Personalpronomens fĂŒr die 2. Person Plural: enk, enks, ees, Ăšts, deets, diits, diats u. a.

Vom speziellen Wortschatz her lĂ€sst sich das Nordbairische als Ganzes nicht vom Mittelbairischen abgrenzen, weil es unterschiedliche regionale Verteilungen Wort fĂŒr Wort gibt. Aus Sprachatlanten kann man jedoch ersehen, dass es zunehmende Gemeinsamkeiten (von lautlichen Feinheiten abgesehen) zwischen (ober-)ostfrĂ€nkischen und nordbairischen Dialekten im Westen und im Norden des nordbairischen Sprachraums gibt, wie Erdbirn statt ErdĂ„pfl (= Kartoffel), SchlĂČut statt Kamin, Hetscher statt SchnĂ ggler (= Schluckauf), GĂ l (=Gaul) statt Ross (= Pferd).

Im Nordosten auch Gemeinsamkeiten mit ostmitteldeutschen Dialekten, wie PfĂ (rd) (= Pferd) statt Ross. Duupf/Duapf (= Topf) statt Hofa/Hofm. Im SĂŒdosten Gemeinsamkeiten mit den „waidlerischen“ Dialekten, wie SchĂČrrinna statt Dochrinna, Kintl/RaufĂ„ng statt SchlĂČut/Kamin. Beispiele fĂŒr kleinregionale Varianten sind Ruutschan und RuutschagĂ l statt Hetschan und HetschagĂ l (= Kinderschaukel und Schaukelpferd) oder Schluuder/Schlooder statt Dopfa/Dopfm/DopfkĂ s (= Topfen/Quark) in der westlichsten Oberpfalz.

[Bearbeiten] Mittelbairisch

Mittelbairisch wird in Niederbayern, Oberbayern, im SĂŒden der Oberpfalz, im Flachgau, in Oberösterreich, Niederösterreich und Wien gesprochen. Das Tiroler Unterland, Salzburg (ohne den Flachgau), die Obersteiermark und das Burgenland bilden das sĂŒdmittelbairische Übergangsgebiet.

Es hat großen Einfluss auf seine Schwesterdialekte im Norden und SĂŒden, da fast alle grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte des bairischen Sprachgebiets im Donauraum liegen; dies hat auch zur Folge, dass Mittelbairisch ein höheres Prestige genießt und auch außerhalb seines Sprechergebiets weithin bekannt ist. Die regionalen Unterschiede entlang der Donautiefebene vom Lech bis zur Leitha sind im Allgemeinen geringer als die Unterschiede zwischen den verschiedenen AlpentĂ€lern des SĂŒdbairischen.

Allgemeines Kennzeichen dieser Mundarten ist, dass fortis-Laute wie p, t, k abgeschwĂ€cht werden zu den lenis-Lauten b, d, g. Beispiele: BĂšch, DĂ„g, Gnechd („Pech, Tag, Knecht“). Lediglich k- bleibt im Anlaut vor Vokal als fortis erhalten (zum Beispiel in KhuĂĄ „Kuh“). Außerdem kann auslautendes -n den vorhergehenden Vokal nasalieren und selbst abfallen, wie in kĂŽĂŽ („kann“, auch nicht nasaliert ko) oder MĂŽĂŽ („Mann“, auch nicht nasaliert Mo). Ob ein Nasalvokal auftritt, ist aber regional unterschiedlich.

Das Mittelbairische lĂ€sst sich noch untergliedern in Westmittelbairisch (auch „Altbairisch“ genannt) und Ostmittelbairisch. Die Grenze zwischen diesen verlĂ€uft durch Oberösterreich und verschiebt sich durch den starken Druck, der vom Wiener Dialekt ausgeht, allmĂ€hlich westwĂ€rts zur Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich hin.

In Oberösterreich (mit Ausnahme der stÀrker ausstrahlenden Stadtdialekte im Zentralraum), im Salzburger Flachgau sowie in sprachkonservativen Regionen des niederösterreichischen Wald- und Mostviertels ist, wie im benachbarten Bayern, die altbairische Stammesmundart beheimatet (westmittelbairisch); die ansÀssigen Dialekte bilden mit dem angrenzenden Niederbayerischen einen Sprachverband (Donaubairisch). Anders als das Ostmittelbairische entstand sie auf dem Boden des alten Stammesherzogtums.

Außerdem typisch fĂŒr das Westmittelbairische ist die alte Form fĂŒr „sind“: hand („Mir hand eam inna worn“ = „Wir sind dahintergekommen“. „Uns“ erscheint oft als „ins“ und „zu“ als „in“ („Da SchwĂ„ger is in’s Heig’n kema“ = „der Schwager kam zum Heu machen“. „Wenn“ wird mit „boi“ aufgelöst (= sobald): „Boi da Hiabscht umi is“ = „wenn der Herbst herum/vorbei ist“. Das alte germanische Temporaladverb „Äft“ wird neben „na“ im Sinne von „danach“, „hinterher“ verwendet. Die letztgenannten Formen sind heute auf den lĂ€ndlichen Raum beschrĂ€nkt.

In Oberösterreich bildet die Mundart des Innviertels mit dem angrenzenden Niederbayerischen eine historische Einheit – politisch wurde das Innviertel erst 1814 österreichisch. WĂ€hrend die Mundart des Innviertels gen Osten hin (in Richtung Hausruck) einen erkennbaren Lautwandel durchmacht (ui wird zu ĂŒ, z. B. „spuin“/„spĂŒn“, zunehmende Ă„-Verdunklung), sind die ÜbergĂ€nge weiter ostwĂ€rts entlang der Donau ĂŒber das Traunviertel zum Mostviertel hin fließend (Ostmittelbairisch). Zudem nimmt nach Osten hin der Einfluss des Wienerischen zu, der in den letzten Jahrzehnten zunehmend die bodenstĂ€ndigen Mundarten ĂŒberlagert hat. Am stĂ€rksten ist dieser Wiener Einschlag in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten und entlang der Hauptverkehrsstrecken zu bemerken.

Der ostösterreichische Zweig des Mittelbairischen geht auf die Mundart des im Gefolge der bairischen Ostsiedlung entstandenen babenbergischen Herrschaftsgebietes Ostarrichi zurĂŒck. Das östliche Ostmittelbairisch besitzt ein slawisches Substrat und ein frĂ€nkisches Superstrat, was sich im besonderen Wortschatz und einigen lautlichen Eigenheiten zeigt. Außerdem wurde das Ostmittelbairische wĂ€hrend der Habsburger Kaiserzeit mit vielen slawischen, jiddischen und ungarischen Fremdwörtern angereichert, wodurch es sich vom Westmittelbairischen merklich abhebt.

Trotz Dialektschwunds in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten des Donauraums gelten die Stadtmundarten von MĂŒnchen und Wien weiterhin gewissermaßen als „Paradedialekte“ fĂŒr West- und Ostmittelbairisch. Folgende Lautisoglossen charakterisieren das VerhĂ€ltnis des West- zum Ostmittelbairischen:

Isoglosse westliche Variante östliche Variante Standarddeutsch
ui vs. ĂŒĂŒ (< ahd. il): vui vĂŒĂŒ viel
Schbui, schbuin SchbĂŒĂŒ, schbĂŒĂŒn Spiel, spielen
i wui, mia woin i wĂŒĂŒ, mia wöön/woin ich will, wir wollen
Ä vs. oa (< ahd. ar): i fÄ, mia fÄma i foa, mia foan ich fahre, wir fahren
hÄt, heata hoat, heata hart, hÀrter
GfÄ, gfùli Gfoa, gfeali Gefahr, gefÀhrlich
o vs. Ă  (< ahd. au): i kĂ f, mia kĂ ffa(n) i kĂČf, mia kĂČffa(n) ich kaufe, wir kaufen
ungesetzmĂ€ĂŸig: i kimm, mia kemma(n) i kumm, mia kumma(n) ich komme, wir kommen

Die Tabelle ist dabei stark vereinfacht. In der westlichen Variante wird hĂ€ufig noch das „r“ gesprochen, das im Ostmittelbairischen und im Standarddeutschen gerne vokalisiert wird; also z. B. i fĂ„r, hart, hĂ„rt, hirt.

Außerdem wirkt sich der Wiener Einfluss dahingehend aus, dass im ostmittelbairischen Dialektgebiet in den letzten paar Jahrzehnten eine Tendenz besteht, das alte oa durch das Wiener Ăą zu ersetzen. Beispielsweise werden oans, zwoa, gloa, gleana, Stoa, hoaß, hoazn durch Ăąns, zwĂą, glĂą, glĂąna, StĂą, hñß und hĂązn ersetzt. Dieser Sprachwandel hat aber noch zu keiner eindeutigen Dialektgrenze gefĂŒhrt, da sich selbst im Ă€ußersten Osten Österreichs (Burgenland) das historische oa gegenĂŒber dem Wienerischen aa noch behauptet, ebenso wie in großen Teilen Niederösterreichs und in Oberösterreich. Dort ist auch die angestammte (altbairische) Wortendung -a anstelle von -n (mĂ„cha, lĂ„cha, schicka) gang und gĂ€be.

Am Ostrand des Mittelbairischen, im Weinviertel und im Burgenland findet man die „ui-Mundart“. Hier entspricht ein ui (Bruida, guit) dem im Mittelbairischen und SĂŒdbairischen allgemein verbreiteten ua (Bruada, guat). Insbesondere im niederösterreichischen Weinviertel sind diese Varianten allerdings auf dem RĂŒckzug. Dieses PhĂ€nomen geht auf eine alte donaubairische Form zurĂŒck, die teilweise noch viel weiter westlich beheimatet ist. So erscheint ia in konservativen Mundarten Altbayerns und Westösterreichs nördlich und sĂŒdlich der Donau oft als oi z. B. als „Floing“ statt „Fliang“ (Fliege), vergl. auch nordbair. „FlĂ€ing“. In donaubairischen (v. a. ostösterreichischen) Mundarten wird o hĂ€ufig als u aufgelöst (furt statt „fort“). In den ostösterreichischen Mundarten (Weinviertel, Marchfeld, Nordburgenland) haben sich auch einige frĂ€nkische Sprachelemente erhalten (z. B. „nodich“ = arm, „hailich“ = heilig).

Eine gewisse EigenstĂ€ndigkeit hat bzw. hatte das „Landlerische“, die Mundart, die im Hausruckviertel und im westlichen Traun- und MĂŒhlviertel gesprochen wird bzw. wurde. Hier tritt anstelle des ostmittelbairischen langen o (root, grooß, Broot = rot, groß, Brot) der Diphthong eo, bei dem die Betonung auf dem zweiten Teil des Zwielauts liegt. Das ergibt dann reot, greoß, Breot. Sowohl oo also auch eo werden sehr offen gesprochen und könnten genau so gut auch ÄÄ bzw. eĂ„ geschrieben werden. Im westlichen MĂŒhlviertel existieren auch Formen mit gestĂŒrztem Diphthong wie roet, groeß, Broet. Alle diese Formen sind allerdings heute nur mehr selten zu hören.

Ein typisches Unterscheidungskriterium zwischen dem Donaubairischen (Großteil Österreichs, Niederbayerns und der Oberpfalz) und der sĂŒdwestlichen Gruppe (Großteil Oberbayerns, Tirols, KĂ€rntens, große Teile Salzburgs und das steirische Oberennstal) ist die Auflösung von an- und auslautendem -an- und auslautendem -on. WĂ€hrend der Doppellaut im donaubairischen Raum ĂŒberwiegend wie ĂŁ ausgesprochen wird (MĂŁ, ĂŁfanga, schĂŁ = Mann, anfangen, schon), ist im SĂŒdwesten ein helles, teils nasales o beheimatet (Mo, ofanga, scho).

Das westliche Oberösterreich (Innviertel, Mondseeland), Teile des Salzburger Landes und das obere Ennstal gehören zum Westmittelbairischen. Hier verwendet man den in Altbayern verbreiteten Diphthong ui (i wui, schbuin). In Niederbayern (und in lĂ€ndlichen Gegenden Oberösterreichs) begegnet einem öfters öi statt ĂŒ (vöi = viel, schböin = spielen). In Teilen Oberbayerns und Niederbayerns ist außerdem auch ej weit verbreitet (vej, schbejn). Im westlichen Salzkammergut und im Salzburgischen wird die Form schbiin verwendet.

Lautlich stehen sich das (Kern-)Oberbayerische, Tirolerische und die oben erwĂ€hnte Übergangsmundart im Alpenraum sehr nahe. -An- erscheint als helles -o- (wer ko, der ko) und r plus Konsonant wird konsonantisch aufgelöst (schwĂ„rz/schwĂ„schz statt donaubairisch schwooz bzw. schwoaz). In Ă€hnlicher Weise heißt es auch in der bodenstĂ€ndigen Mundart des Hausruckgebiets und anderen abgelegenen und verkehrsabgewandten Gegenden Oberösterreichs schwĂ„chz oder Kechzn (Kerze), was aber in jĂŒngerer Zeit zugunsten von schwoaz oder Keazn mehr und mehr verschwindet.

Die Sprachgrenze zwischen dem grenzalpinen Oberbayerischen und dem „donaubairischen“ Niederbayerischen ist mit den Grenzen der beiden Regierungsbezirke nicht identisch, da Niederbayern einst viel grĂ¶ĂŸer war, als es heute ist. Daher spricht man zu beiden Seiten der Salzach, in Teilen des Inntals und in der westlichen Hallertau immer noch mit niederbayrischer Zunge.

Der Lech bildet die westliche Grenze des Bairischen und trennt es vom schwÀbischen Sprachraum. Dennoch spricht man in LechnÀhe (Pfaffenhofen, Schrobenhausen, Landsberg am Lech) bereits mit schwÀbischem Einschlag (I hÄb koa Luscht).

Zum Mittelbairischen gehören auch die im Aussterben begriffenen Mundarten in SĂŒdböhmen und SĂŒdmĂ€hren, die denen im jeweils angrenzenden Gebiet Ă€hnlich, in der Regel aber konservativer sind. Andererseits sind auch Neuerungen zu beobachten, z. B. langes a statt oa fĂŒr mhd. ei (wie in Wien und SĂŒdkĂ€rnten).

[Bearbeiten] SĂŒdbairisch

SĂŒdbairisch wird in Tirol, SĂŒdtirol, KĂ€rnten, in Teilen der Steiermark, vor allem in der Weststeiermark, und in den deutschen Sprachinseln in Karnien gesprochen. Die Obersteiermark, die Salzburger Alpengaue und das Tiroler Unterland gehören zum Übergangsgebiet zwischen SĂŒd- und Mittelbairisch. Auch das Zarzerische und das Gottscheerische waren sĂŒdbairisch.

Die in der hochdeutschen Lautverschiebung aus k entstandene Affrikate kχ ist sekundĂ€r auf das Gebiet des westlichen SĂŒdbairischen und des Hoch- und Höchstalemannischen zurĂŒckgegangen. Im Alemannischen ist in weiterer Folge das anlautende k geschwunden, so dass die Affrikate im Anlaut nunmehr ein typisches Kennzeichen vor allem des Tirolerischen ist.

Das SĂŒdbairische ist eine recht inhomogene Sprachlandschaft, es besitzt jedoch einige charakteristische Merkmale. Es gliedert sich in halbwegs geschlossene Sprachgebiete und zahlreiche Übergangsdialekte, deren genaue Abgrenzung schier unmöglich ist.

Die wohl bekannteste sĂŒdbairische Mundart ist das Tirolerische. Neben der starken Affrikatisierung ist dessen hervorstechendstes Merkmal die Aussprache von „st“ im Wortinneren als „scht“ („Bisch(t) no bei Troscht?“). Hier bleibt eine ursprĂŒngliche Unterscheidung erhalten, da der s-Laut, der aus dem Germanischen ererbt wurde, beispielsweise im Althochdeutschen nĂ€mlich sch-Ă€hnlich gesprochen wurde, im Unterschied zu dem s-Laut, der durch die Hochdeutsche Lautverschiebung aus germanischem *t entstanden ist. Diese sch-Ă€hnliche Aussprache bezeugen deutsche Lehnwörter in westslawischen Sprachen, z. B. polnisch ĆŒoƂd (Sold). Bis heute hat sich das beim st im Wortinneren noch im PfĂ€lzischen, Alemannischen, SchwĂ€bischen und Tirolerischen erhalten. Das sp wird auch im Mittelbairischen im Wortinneren als ĆĄp gesprochen, z. B. KaĆĄpal (Kasperl). Wie im Mittelbairischen heißt es erscht (erst), Durscht (Durst), da rs im Inlaut als rĆĄ in fast allen bairischen Mundarten ausgesprochen wird.

Verben enden im Infinitiv und im Plural wie im Schriftdeutschen grundsĂ€tzlich auf „n“. „ei“ erscheint als „oa“ („hoaß isch’s“ = es ist heiß). Das „Tirolerische” wird in Nordtirol (Österreich) im sog. Tiroler Mittel- und Oberland, in ganz SĂŒdtirol (Italien) und in einer Übergangsvariante in Osttirol (Österreich) gesprochen. Die Osttiroler Mundart geht nĂ€mlich allmĂ€hlich ins KĂ€rntnerische ĂŒber. Der Werdenfelser Dialekt rund um Garmisch und Mittenwald gehört ebenfalls zum Tirolerischen.

Im Tiroler Oberland um Landeck, im Arlberggebiet und den dahinter liegenden SeitentĂ€lern ist der alemannische Einschlag unĂŒberhörbar. Alle Infinitive und Plurale enden auf -a („verliera“, „stossa“ etc.). Der Großteil des Außerfern mit der Bezirksstadt Reutte spricht bereits einen alemannischen Dialekt, der zum SchwĂ€bischen zu zĂ€hlen ist („Tiroler SchwĂ€bisch“, mit Ähnlichkeiten zum Dialekt des benachbarten OstallgĂ€u).

Im Tiroler Unterland (KitzbĂŒhel, Kufstein, St. Johann, Kaisergebirge) spricht man nicht SĂŒd-, sondern Mittelbairisch („L“-Vokalisierung, „st“ im Wortinneren 
 mit Ausnahme der tendenziellen Affrikatisierung teilt es alle Merkmale mit dem Westmittelbairischen). In den Ohren „AuswĂ€rtiger“ klingt es wie eine hĂ€rtere Variante des Oberbayerischen, mit dem es ansonsten völlig ĂŒbereinstimmt. Die Infinitive enden nach n-, ng- und m- auf -a („singa“, „kema“ = kommen), sonst auf -n.

Gemeinsam mit den unter der Rubrik „Mittelbairisch“ vermerkten alpinen Übergangsdialekten teilt das „UnterlĂ€ndische“ auch einige lautliche Gemeinsamkeiten wie die ĂŒberall anzutreffenden, meist dezenten Affrikata. Die Mundarten der Salzburger Gebirgsgaue sind allesamt BrĂŒckendialekte. Die Pinzgauer Mundart verhĂ€lt sich weitgehend wie die des Tiroler Unterlandes, die Pongauer zeigt donaubairische und die Lungauer Mundart KĂ€rntner EinflĂŒsse.

Die andere große sĂŒdbairische Kernmundart ist das KĂ€rntnerische. Wie das Ostmittelbairische verfĂŒgt es ĂŒber ein kompaktes slawisches Substrat. KĂ€rnten wurde nĂ€mlich im frĂŒhen Mittelalter und darĂŒber hinaus von slawischen StĂ€mmen bewohnt; nach der bairischen Landnahme wurden die Slawen (die Winden oder „Windischen“) allmĂ€hlich assimiliert, dennoch hinterließen sie Spuren in der deutschen Mundart KĂ€rntens. So erinnert die weiche Sprachmelodie des KĂ€rntnerischen an das SĂŒdslawische, viele Eigennamen enden auf -ig (slow. -ik) und auch einige Mundartwörter korrespondieren mit dem Slawischen. Typische Merkmale der KĂ€rntner Mundart sind die andere Verteilung der VokalquantitĂ€t und die sanfte Affrikatisierung (wie stimmhaftes „gg“).

Außerdem kennzeichnet das KĂ€rnterische starke Lautverdunklung („a“ wird oft zu „o“ statt zu Ă„) und im SĂŒden Monophthongierung vom mhd. „ei“ zu „a“ (DĂ„s wās i nit = das weiß ich nicht)

Das SĂŒdbairische kennt keine r-Vokalisierung, sie ist aber besonders in Stadtmundarten am Vordringen. Nach Vokalen wird l hier nicht vokalisiert, als Vorstufe werden aber e und i vor l gerundet (MĂŒlch). In den StĂ€dten ist die l-Vokalisierung im VorrĂŒcken (sogar bei Eigennamen, z. B. Höga). Außerdem unterscheiden einige sĂŒdbairische Mundarten Stark- und Schwachlaute, wie in DĂ„ch neben TĂ„g, altes k ist in KĂ€rnten und in Teilen Tirols und Salzburgs lautverschoben zur Affrikate kch, wie in Kchlea (Klee). Diese Affrikate stellt ein Phonem dar (vgl. das Minimalpaar rukn 'der RĂŒcken' / rukchn 'rĂŒcken').

Ein Charakteristikum der KÀrntner Mundart ist die sogenannte KÀrntner Dehnung: aufgrund von Interferenz mit dem Slowenischen werden viele Selbstlaute entgegen der hochdeutschen Norm lang ausgesprochen, zum Beispiel lÄːs lei laːfm (lass es nur laufen). Diese Erscheinung hat zur Folge, dass zum Beispiel Ofen und offen lautlich zusammenfallen (oːfm), ebenso Wiesn und wissen zu [wi:zn].

Ein weiteres Merkmal des SĂŒdbairischen ist die Verwendung des Wörtchens „sein“ (1. Person) und „seint“ (3. Person) anstatt von schriftdeutsch „sind“ („Mir sein froh“ – „Wir sind froh“). Diese Form ist fĂŒr das Tirolerische und KĂ€rntnerische typisch. In den bereits mehrfach erwĂ€hnten Übergangsdialekten zum Mittelbairischen ist sie jedoch kaum anzutreffen. Stattdessen verwendet man das mittelbairische „san“, teilweise mit lautlichen Schattierungen („sĂ€n“ etc.).

Dialekte der West- und Ost-Steiermark zeichnen sich durch die Diphthongierung nahezu aller betonten Vokale aus, welche umgangssprachlich auch als "bellen" bezeichnet wird. In der Mundart wird vor allem das o zusammen mit u, sowie ö mit einem darauf folgendem ĂŒ verwendet („ould“ - „alt“, â€žĂ–ĂŒlfnban“ - „Elfenbein“)

Eine historische Variante des Bairischen ist das Zimbrische. Es hat sich schon in althochdeutscher Zeit abgesondert und wird heute noch mit lokalen Varianten in einigen oberitalienischen Sprachinseln der Zimbern gesprochen.

[Bearbeiten] Genauere Unterteilung

Das Bairische kann auch, abgesehen von den oben besprochenen historischen Isoglossen, in weitere Dialekte unterteilt werden, die sich vor allem an den Regionen orientieren. Eine Besonderheit ist das Wienerische, aber auch das MĂŒnchnerische. In Österreich existieren das Hianzische im Burgenland, die steirischen Mundarten, die KĂ€rntner Mundarten und die Tiroler Mundarten. Ein sehr eigener Dialekt in Oberösterreich ist die Mundart des Salzkammerguts, in Niederbayern die Waidlersprach. Dazu kommen das Zimbrische und das Egerdeutsche aus den Sprachinseln in Oberitalien und Böhmen.

[Bearbeiten] Phonologie (Lautlehre)

[Bearbeiten] Vokale

Das Bairische unterscheidet lange und kurze Vokale voneinander; dies wird jedoch nicht in der Schrift zum Ausdruck gebracht, sondern wie im Standarddeutschen durch die Anzahl der dem Vokal nachfolgenden Konsonanten: steht nur ein oder gar kein Konsonant nach dem Vokal, ist dieser in der Regel lang; folgen ihm zwei oder mehr, ist er kurz. Dabei gelten ch und sch jeweils wie ein Konsonant, da diese Buchstabenkombinationen nur einem Laut entsprechen.

Die Verteilung langer und kurzer Vokale fÀllt im Bairischen völlig anders aus als im Standarddeutschen, so dass es manchmal scheint, als wÀre jedes entsprechende standarddeutsche Wort mit Langvokal im Bairischen kurz und umgekehrt; dies stimmt jedoch nur bedingt.

Insgesamt unterscheidet das Bairische sieben Vokale in jeweils zwei QuantitÀtsstufen voneinander.

Vergleiche folgende GegenĂŒberstellungen:

Vokal langer Vokal standarddeutsch kurzer Vokal standarddeutsch
dunkles a wÄs wÄs?/i was was?/i WÄssa WÄssa?/i Wasser Wasser?/i
helles a Dràm Dràm?/i Traum Traum?/i dràmma dràmma?/i trÀumen trÀumen?/i
helles e és és?/i, Héndl Héndl?/i ihr ihr?/i, Huhn Huhn?/i wegga(d) wegga(d)?/i, dreggad dreggad?/i weg weg?/i, dreckig dreckig?/i
dunkles e Beda Beda?/i Peter Peter?/i bĂšdt! bedt!?/i bete! bete!?/i
i gwiß gwiß?/i gewiss gewiss?/i wissn wissn?/i wissen wissen?/i
o Ofa/Ofn Ofa?/i Ofen Ofen?/i offa/offn offa?/i offen offen?/i
u Zug Zug?/i Zug Zug?/i zrugg zrugg?/i zurĂŒck zurĂŒck?/i

Der Sprecher in o. g. Beispielen spricht Mittelbairisch und natĂŒrlich Deutsch als Muttersprache, allerdings mit einem bairischen Akzent.

In den mittelbairischen Mundarten Österreichs sowie in Teilen Salzburgs sind Vokale vor Schwachlauten und r, l, n in der Regel lang, vor Starklauten kurz. Zur Verteilung in KĂ€rnten s. KĂ€rntner Mundart.

[Bearbeiten] Dunkles vs. mittleres vs. helles a

Phonologisch unterscheiden die bairischen Dialekte zwischen bis zu drei a-QualititĂ€ten. Das heißt, es wird teilweise zwischen hellem Ă , mittlerem a und dunklem Ă„ unterschieden, wobei das helle Ă  aus dem mittelhochdeutschen Ă€, bzw. den Diphthongen ou/öu, im KĂ€rnterischen und Wienerischen auch aus dem Diphthong ei entstanden ist. So heißt es heute im Bairischen lĂ Ă r im Vergleich zu standarddeutsch leer, beides aus mhd. lĂŠre, i glĂ Ă b im Vergleich zu ich glaube, beides aus ich g(e)loube, kĂ€rntn./wien. hààß (ĂŒbriges Bairisch: hoaß) im Vergleich zu heiß, alle aus mhd. heiz. Die Vertretung eines mittelhochdeutschen a-Lautes ist hingegen fĂŒr gewöhnlich ein „verdunkelter“, d. h. ein weiter hinten im Mund und auch von der Zungenlage her höher gebildeter Laut. So erscheinen mittelhochdeutsch wazzer, hase, wĂąr beispielsweise als WĂ„sser, HÄÄs, wÄÄr/woa im Vergleich zu standarddeutsch Wasser, Hase und wahr. Regional kann es zudem Variationen zwischen dem dunklen Ă„ und dem mittleren a geben (siehe mia hĂ„mma/mia hamma), nicht jedoch zwischen einem dieser beiden a-Laute und dem hellen Ă . Vor allem bei der Diminutivbildung mit den Suffixen -l und -al tritt Umlaut ein, d. h. aus dunklem -Ă„- wird helles -Ă -.[5] Im Folgenden einige Beispiele fĂŒr die a-Laute, darunter einige deutliche Minimalpaare:

dunkles Ă„
wie in engl. to call oder hungarisches a [ɒ]: a lab [ɒ lɒb]
mittleres a
wie in hochdt. Kater
helles Ă 
wie in hochdt. Kasse oder noch offener
Ă„ (‘ab/an’) A8 (‘[Autobahn] A8‘) Ă  (‘nach‘), Ă Ă  (‘auch‘)
wĂ„hr (‘wahr‘) i wa(r) (‘ich war‘) i wĂ Ă r (‘ich wĂ€re‘)
mia hĂ„m (‘wir haben‘) mia ham (‘wir haben‘) mia hĂ n (‘wir sind‘)
StĂ„d (‘Stadt‘) Staad (‘Staat‘) stĂ Ă d (‘still‘), StĂ ddal (‘StĂ€dtchen‘)
SĂ„g (‘Sack/SĂ€ge‘) Saag (‘Sarg‘) SĂ ggal (‘SĂ€cklein‘)/SĂ Ă g(Ă )l (‘kleine SĂ€ge‘)
MĂ„ĂŸ (‘das Maß‘) Mass (‘die Mass [Bier]‘) MĂ ssl (‘GlĂŒck‘)

NB: Unbetonte a sind immer hell, und werden deshalb als solche nicht markiert. Dies gilt vor allem fĂŒr den unbestimmten Artikel, der ja stets unbetont ist, sowie fĂŒr alle unbetonten a in Flexionsendungen (z. B. im Plural der Substantive und bei der Steigerung der Adjektive).

Der kĂŒrzeste Satz, welcher die drei „a“ enthĂ€lt, lautet: „Iatz is des A Ă Ă  Ă„.“ (Jetzt ist das A [= die A-Saite der Gitarre] auch ab [= gerissen] 
)

Aussprache von Ortsnamen

In beinahe allen bairischen Ortsnamen, die auf -ing enden, muss ggf. im Stamm vorhandenes -a- ĂŒbrigens hell ausgesprochen werden; also „PlĂ ttling“ (nicht *„PlĂ„ttling“) und „GĂ ching“ (statt *„GĂ„rching“), auch „GĂ misch“ (statt *„GĂ„misch“) und darĂŒber hinaus „GrĂ z“ (nicht *„GrĂ„z“ – die Stadt hieß im Mittelalter schließlich „GrĂ€tz“, und daraus hat sich das helle a entwickelt). Ausnahmen sind manche Ortsnamen mit -all- wie „BĂ„lling/BĂ„ing“ (Palling) oder „DĂ„lling“ (Thalling).

Abgrenzung gegen das o

Standarddeutschsprecher nehmen das helle Ă  des Bairischen als gewöhnliches a wahr, das dunkle Ă„ dagegen zumeist als offenes o, weshalb auch viele Baiern dazu tendieren, dunkles a als o zu schreiben (also mocha statt mĂ„cha fĂŒr „machen“). Diese Schreibweise fĂŒhrt jedoch zum Zusammenfall mit dem bairischen o, welches stets geschlossen gesprochen wird (also Richtung u). Die Wörter fĂŒr „Ofen“ und „offen“ unterscheiden sich also im Bairischen nicht durch die VokalqualitĂ€t, sondern nur durch die VokallĂ€nge, die wie im Standarddeutschen durch Konsonantenverdoppelung (auch Gemination genannt) ausgedrĂŒckt wird: Ofa (lang) vs. offa (kurz) bei gleichbleibender VokalqualitĂ€t.

[Bearbeiten] Geschlossenes vs. offenes e

Die noch im Mittelhochdeutschen vorhandene, scharfe Trennung zwischen dem offenen, aus dem Germanischen ererbten e-Laut und dem durch PrimĂ€rumlaut von a entstandenen, geschlossenen e-Laut ist in großen Teilen des Bairischen aufgegeben worden, sodass fast jedes betonte kurze e geschlossen ist (im Gegensatz zum Hochdeutschen: Hier sind alle diese offen), d. h. es klingt nĂ€her am i als das standarddeutsche e. Es gibt nur wenige Wörter mit kurzem offenem Ăš; als bestes Beispiel eignet sich folgendes Minimalpaar: Bettn („Betten“, mit geschlossenem e) vs. bĂštn („beten“, mit offenem Ăš). Im Standarddeutschen ist es an diesem Beispiel allerdings genau andersherum: das Wort „Bett“ hat ein offenes (weil kurzes), das Wort „beten“ ein geschlossenes (weil langes) e. Allerdings gibt es auch hiervon wieder Ausnahmen. Die Salzburger Gebirgsmundarten beispielsweise (aber auch andere) bewahren die alten VerhĂ€ltnisse in den meisten Positionen, sodass es dort Ăšssn statt essn, Wetta oder WĂšitta mit Diphthongierung fĂŒr „Wetter“ statt Weda, aber dennoch bessa „besser“, Est „Äste“ oder Gest „GĂ€ste“ heißt.

[Bearbeiten] Unbetontes i bzw. e

Neben dem unbetonten a gibt es auch einen weiteren unbetonten Vokal im Bairischen, der zwischen i und e steht, und je nach Mundart offener (Richtung e) oder geschlossener (Richtung i) gesprochen wird. Er entstand meist aus der Nebensilbe -el in Wörtern wie grĂ bbin („krabbeln“) oder Deifi („Teufel“), und wird im Folgenden als i geschrieben. Nicht zu verwechseln ist dieser Laut mit jenem, der nur im bestimmten Artikel der Maskulina (in den Formen im, in) vorkommt, der zwischen i und dumpfem ĂŒ liegt.

[Bearbeiten] Schwa-Laut

In den meisten bairischen Mundarten hat der Schwa-Laut, der dem unbetonten e des Standarddeutschen entspricht, keinen Phonemstatus. Regional tritt er in bestimmten Positionen als Allophon zu unbetontem a und i auf.

[Bearbeiten] Diphthonge

Ein weiteres Merkmal des Bairischen ist die Beibehaltung der mittelhochdeutschen Diphthonge ie, ĂŒe, uo als ia und ua, wie in liab, griassn, Bruada („lieb, grĂŒĂŸen, Bruder“), was es vom OstfrĂ€nkischen Bruda abgrenzt, das wie die Hochsprache einfache Langvokale benutzt. Gegen Westen hin grenzt sich das Bairische mit DĂ„g, WĂ„sser und dĂ d („Tag, Wasser“ und „tĂ€te“) gegen SchwĂ€bisch DĂ Ă g, WĂ sser und dÀÀt ab.

Zu diesen Diphthongen treten die neuen Diphthonge öi, oi, ui, die aus der Vokalisierung von l nach Vokal zu i entstanden sind. Insgesamt unterscheiden die meisten bairischen Dialekte 10 Diphthonge, nÀmlich:

Diphthong Beispiele standarddeutsch Diphthong Beispiele standarddeutsch
ea i hea (her) ich höre ei nei neu
oa i woaß ich weiß Ă„i, oi fĂ„in, foin fallen
ia d’Liab die Liebe öi, Ă€i schnöi, schnĂ€i schnell
ua i dua ich tue ui i fui ich fĂŒhle
au i schau ich schaue ou Doud Tod

[Bearbeiten] Historischer Exkurs: altes vs. junges ei

Ein besonderes Charakteristikum des Bairischen ist der Vokal oa (in Ostösterreich als a ausgesprochen), der aus dem Mittelhochdeutschen ei entstanden ist. Dieser Lautwandel betrifft jedoch nur das sogenannte Ă€ltere ei des Deutschen, nicht jedoch das jĂŒngere ei, das erst im Zuge der neuhochdeutschen Diphthongierung aus dem mittelhochdeutschen langen Ăź entstanden ist, und daher den Lautwandel nicht mehr mitgemacht hat. Deshalb heißt es auf Bairisch „oans, zwoa, drei“ – die ersten beiden Zahlwörter haben ein Ă€lteres ei als Stammvokal, das dritte Zahlwort ein jĂŒngeres ei, welches auf Mittelhochdeutsch noch drĂź lautete.

Allerdings gibt es im Bairischen ein drittes, noch jĂŒngeres ei, das durch die Entrundung des Diphthongs nhd. eu, Ă€u entstanden ist, der vom Langvokal mhd. iu ([yː]), bzw. mhd. öu abstammt. Allerdings lassen sich immer noch Reflexe eines Ă€lteren Lautstandes finden. So kann es in Tiroler Mundarten nui (neu), tuier (teuer) oder Tuifl heißen, wĂ€hrend in Salzburg beispielsweise noi (neu), toia (teuer) oder Toifi gehört werden kann. Eine kurze Übersicht:

Laut mittelhochdeutscher Lautstand bairischer Lautstand neuhochdeutscher Lautstand englischer Vergleich
altes ei ei oa, z. B. gloa, Goaß, Stoa, Loab, hoazn ei, z. B. klein, Geiß, Stein, Laib, heizen clean, goat, stone, loaf, heat
mittleres ei Ăź ei, z. B. weiß, dreim, reitn, Leiwi ei, z. B. weiß, treiben, reiten, Leib white, drive, ride, life
junges ei iu ei, z. B. nei/neig/neich, deia, Deifi, Greiz, Hei/Heing eu, z. B. neu, teuer, Teufel, Kreuz, Heu new, dear, devil, cross, hay

Im Nordbairischen erscheint oa (mittelhochdeutsch ei) je nach Dialekt und Lautumgebung als oa, oi oder ÄÄ (letzteres nur im Norden zum OstfrÀnkischen hin). So klingt a kloana Stoa in Teilen des Nordbairischen wie a kloina Stoi.

Anmerkungen

Um herauszufinden, welches deutsche ei im Bairischen zu oa wird, und welches nicht, hilft meistens ein Blick aufs Englische. Dort entspricht das Ă€ltere ei meist einem o oder ea, das jĂŒngere ist dagegen ein i und wird Ă€hnlich ausgesprochen wie im Standarddeutschen und Bairischen.

Geistliche Wörter

Es gibt allerdings Ausnahmen von der Lautwandelregel ei > oa, die vor allem Wörter betreffen, die durch ihren Gebrauch im Gottesdienst in ihrer alten Gestalt bewahrt wurden; dabei handelt es sich um Geist, Fleisch, heilig und den Monatsnamen Mai, die eigentlich Goast, Floasch, hoalig, und Moa lauten mĂŒssten, aber in dieser Lautgestalt im Bairischen nicht existieren.

Boa(r) oder Baier?

Den Baiern Boa(r) zu nennen kommt zwar vor, meist schreckt man aber davor zurĂŒck, weil sich dann auch die Silbenzahl Ă€ndern wĂŒrde, also heißt er Baier (der Plural des Wort ist ebenfalls zu meist Baiern, seltener Boa(r)n, sowie auch der Landesname, in jedem Fall Baiern). Eine „Bairin“ heißt jedoch stets Boarin, sonst könnte das Wort missverstanden und als Beirin, also als „BĂ€uerin“ interpretiert werden (siehe junges ei). Auch die Landessprache heißt Boarisch, allerdings setzt sich hier die standarddeutsche Form Bairisch immer mehr durch.

[Bearbeiten] Konsonanten

Das bairische Konsonantensystem umfasst ca. 20 Phoneme, deren Status teilweise umstritten ist:

Konsonanten des Bairischen
  bilabial labio-
dental
alveolar post-
alveolar
palatal velar glottal
Plosive b p   d t     g k ʔ
Affrikaten pf   ts tʃ   (kx)  
Nasale m   n     Ƌ  
Vibranten     r        
Frikative   f v s (z) ʃ (ç) (x) h
Approximanten         j1    
Laterale     l        

Dabei ist der Laut j ein Halbvokal. Eingeklammerte Konsonanten sind Allophone anderer Konsonanten; diese verteilen sich wie folgt:

  • h tritt nur im Anlaut auf, seine Allophone x und ç dagegen im In- oder Auslaut
  • z tritt als stimmhafte Variante von s in manchen Dialekten auf, v. a. intervokalisch; niemals jedoch im Anlaut, wie es im BĂŒhnendeutschen der Fall ist
  • Einige Mundarten, vor allem sĂŒdbairische Dialekte wie das Tirolerische, kennen die bei der hochdeutschen Lautverschiebung entstandene Affrikata kx.

Obwohl die Fortis-Verschlusslaute p und t mit ihren Lenis-Pendants b und d im Anlaut zusammengefallen sind, können sie nicht als zwei Allophone jeweils eines Phonems gelten, da sie in gewissen Positionen bedeutungsunterscheidend sind. Lediglich im Anlaut können sie als Varianten, deren Aussprache vom nachfolgenden Laut abhĂ€ngt, betrachtet werden – siehe dazu folgenden Absatz und den Glottisschlag weiter unten.

[Bearbeiten] Plosive oder Verschlusslaute

In den meisten bairischen Mundarten sind die fortis- und lenis-Verschlusslaute p, t, k und b, d, g im Anlaut und zwischen Vokalen zusammengefallen und werden daher nicht weiter unterschieden. Deshalb heißt der „Tag“ auf bairisch da DĂ„g, das „Kreuz“ heißt as Greiz, und die „Petersilie“ heißt da BĂȘdasui, und deshalb fallen Wörter wie „trinken“ und „dringen“ zu dringa zusammen. Als einziger fortis-Laut ist k- am Wortanfang erhalten, wenn ihm ein Vokal nachfolgt; vor r, l und n wird er ebenfalls zum g lenisiert.

Die Laute b, d und g werden jedoch am Wortanfang vor s, sch, f und h fortisiert; diese neuen fortis-Laute haben jedoch keinen Phonem-, sondern lediglich Allophon-Status, weil sie nur in bestimmter Umgebung auftreten, wo ihre lenis-Varianten nicht vorkommen, und daher sich zu diesen nicht bedeutungsunterscheidend verhalten können. Beispiele fĂŒr Fortisierung im Bairischen:

lenis fortis standarddeutsch
b+hiĂĄtn > phiĂĄtn behĂŒten
d+Hex > tHex die Hexe
g+hoitn > khoitn gehalten

[Bearbeiten] Frikative oder Gleitlaute

Das Bairische kennt fĂŒnf Frikative; f (stimmlos) und w (stimmhaft) bilden dabei ein Paar. Der Frikativ s ist außer vor n immer stimmlos, also im Gegensatz zum Deutschen auch am Wortanfang. Dazu kommen die mit Buchstabenkombinationen geschriebenen Laute ch und sch, wobei ch als Allophon [x] oder [ç] (nach -i- oder -e-) zu anlautendem h [h] im In- oder Auslaut auftritt. Der Laut ch kommt anders als im Deutschen nicht nach -n- vor, daher bair. Minga, mank, Menk vs. dt. MĂŒnchen, manch, Mönch,

[Bearbeiten] Sonoranten

Das Bairische besitzt das gleiche Sonoranteninventar wie das Standarddeutsche, nĂ€mlich die Nasallaute m, n und ng [Ƌ] sowie l, r und j. Das r wird in manchen Gegenden mit der Zungenspitze gerollt, in anderen Gegenden mit dem GaumenzĂ€pfchen (sog. uvulares r), ohne dass dies von Bairisch-Sprechern als Fehler empfunden wird.

[Bearbeiten] Morphologie (Formenlehre)

[Bearbeiten] Nominalflexion

Die gesamte bairische Nominalflexion richtet sich am Substantiv aus, dessen grammatisches Geschlecht oder Genus die Deklination der Nominalphrase konstituiert; d. h. sowohl Artikel als auch Adjektiv und andere Attribute mĂŒssen in Genus, Kasus und Numerus an das Substantiv, das sie begleiten, angeglichen werden. Es existieren drei Genera: maskulin, feminin und neutrum. Als paradigmatische Kategorien existieren die FĂ€lle oder Kasus Nominativ, Dativ und Akkusativ sowie die Numeri Singular und Plural. Adjektive können ferner gesteigert werden.

[Bearbeiten] Der Artikel

Im Bairischen werden Substantive anhand ihres grammatischen Geschlechts, des Genus, aufgeteilt; das Genus ist im Regelfall nicht am Substantiv selbst erkennbar, sondern an dessen begleitendem bestimmten Artikel:

maskulin feminin neutrum Plural
da Hund (der Hund) d’Ruam (die RĂŒbe) as/'s Kind (das Kind) de/d’Leid (die Leute)

Der bestimmte Artikel Singular der Feminina, d’, assimiliert oft an den Anlaut des zu begleitenden Substantivs: vor Frikativen (f, h, s, z) wird er zu t’ verhĂ€rtet, vor Labialen (b, m, p) zu b’ und vor Velaren (g, k) zu g’- assimiliert. Beispiele:

d’ > t’ d’ > b’ d’ > g’
t’Frau (die Frau) d’Bian (die Birne) g’GĂ„fi/GĂ„be (die Gabel)
t’Haud (die Haut) d’Muadda (die Mutter) g’Kua (die Kuh)
t’Sunn (die Sonne) d’PfĂ„nn (die Pfanne)

Vor f- kann er jedoch bei Allegro-Aussprache auch zu p’ werden: p’Frau (die Frau), p’Fiaß (die FĂŒĂŸe).

Der unbestimmte Artikel ist dagegen fĂŒr alle drei Genera im Nominativ identisch; im Gegensatz zum Standarddeutschen kennt das Bairische allerdings auch einen unbestimmten Artikel im Plural (vgl. Französisch des):

maskulin feminin neutrum
a MĂ„ (ein Mann) a Frau (eine Frau) a Kind (ein Kind)
oa MÄna (MÀnner) oa Frau(a)n (Frauen) oa Kinda (Kinder)

Im Basilekt wird a vor einem Vokal zu an. Im Niederbairischen tritt der unbestimmte Artikel im Plural teilweise in der Lautgestalt oi auf, im KĂ€rntnerischen als ane; der bestimmte Artikel behĂ€lt immer den auslautenden Vokal (de, nie d’).

Der Artikel wird im Bairischen flektiert, d. h. an ihm wird der Kasus deutlich gemacht. Weil die meisten Substantive im Bairischen alle Kasusendungen verloren haben, ist die Kasusanzeige weitgehend auf den Artikel konzentriert. Ein Überblick ĂŒber sein Paradigma:

best. maskulin feminin neutrum Plural
nom: da Hund d’Ruam as Kind/’s Kind de Leid/d’Leid
dat: im Hund da Ruam im Kind de Leid/d’Leid
akk: in Hund d’Ruam as Kind/’s Kind de Leid/d’Leid
unbest. maskulin feminin neutrum Plural
nom: a Hund a Ruam a Kind oa/oi Leid
dat: am Hund ana/oana Ruam am Kind ane/oane Leid
akk: an Hund a Ruam a Kind oa/oi Leid

[Bearbeiten] Das Substantiv

Das Substantiv gehört zu den flektierenden Wortarten des Bairischen; sein markantestes Kriterium ist – wie in anderen germanischen Sprachen – das Geschlecht (Genus), welches sich nur selten nach dem zu bezeichnenden Gegenstand orientiert und deshalb mit jedem Wort mitgelernt werden muss. Der Kenner der deutschen Sprache sollte damit jedoch kein Problem haben.

[Bearbeiten] Pluralbildung

Das Bairische hat drei der vier germanischen Kasus bewahrt: Nominativ, Dativ und Akkusativ. Letztere beiden fallen teilweise zusammen; Genetiv ist nur in erstarrten Redewendungen erhalten. Wie im Standarddeutschen wird das bairische Substantiv nur selten dekliniert, sondern drĂŒckt Kasus durch den begleitenden Artikel aus. Es gibt verschiedene Deklinationsklassen, die sich hauptsĂ€chlich in der Pluralbildung unterscheiden; als grobe Richtlinie wird zwischen der schwachen Deklination (sog. n-Klasse) und der starken Deklination (sog. a-Klasse) unterschieden.

Schwache Substantive

Schwache Substantive enden fĂŒr gewöhnlich auf -n im Plural. Viele schwache Feminina bilden bereits den Singular auf das Suffix -n, so dass sie im Plural entweder gleich lauten oder ein -a anfĂŒgen (in Analogie zu den stark flektierten Substantiven). Besonders die schwachen Maskulina haben im Singular eine Endung fĂŒr die obliquen Kasus, d. h. fĂŒr alle Kasus außer dem Nominativ, bewahrt. Sie lautet meistens auf -n.

Zur Klasse der schwachen Substantive (W1) zÀhlen Maskulina und Feminina auf -n im Plural sowie alle Feminina mit der Pluralendung -an (die meistens im Singular auf -ng auslauten; das -a- ist hierbei ein sog. Sprossvokal bzw. epenthetisch). Ferner lassen sich alle Maskulina und Neutra, die im Singular auf das Suffix -i enden, hier einordnen. Viele der verwandten Substantive des Hochdeutschen sind dort allerdings stark, daher der jeweils standarddeutsche Plural zum Vergleich:

W1: -n Singular Plural standarddeutsch Singular Plural standarddeutsch Singular Plural standarddeutsch
m: HÄs HÄsn Hase Busch Buschn Busch Deifi Deifin Teufel
f: -n Brugg Bruggn BrĂŒcke, BrĂŒcken Goaß Goaßn Ziege Nuss Nussn Nuss
f: -an Dàm Dàman Dame SchlÄng SchlÄngan Schlange Zeidung Zeidungan Zeitung
n: Oar Oarn Ohr Bleami Bleamin Blume Schdiggi Schdiggin StĂŒck

Starke Substantive

Bei den starken Deklinationsklassen gibt es keine Kasusendungen; die einzige VerÀnderung am Wort findet bei der Numerusflexion statt, also beim Wechsel von Singular zu Plural. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten, den Plural im Bairischen zu markieren. Starke Maskulina und Neutra nutzen die Endung -a, die meist aus der mittelhochdeutschen Endung -er entstanden und als solche im Neuhochdeutschen noch erhalten ist. Es gibt jedoch auch Wörter, die sich erst in neuer Zeit in diese Klasse eingereiht haben, also einen a-Plural bilden, ohne jemals einen er-Plural besessen zu haben. Feminina bilden ihren Plural oft mit der Endung -an, so wie es das Wort Endung selbst tut: oa Endung, zwoa Endungan.

Man kann Substantive anhand ihrer Pluralformen in verschiedene Klassen einteilen. Die hÀufigsten Möglichkeiten der Pluralbildung sind Umlaut oder Suffigierung; beide Möglichkeiten können auch kombiniert werden. Als Pluralendungen treten -n und -a auf; an Umlauten gibt es folgende Varianten:

S1: Umlaut (UL) Singular Plural standarddeutsch S2: UL + -a Singular Plural standarddeutsch
Ä > à NÄcht (f) Nàcht Nacht
Ä > e DÄg (m) Deg Tag LÄnd (n) Lenda Land
o > e Dochta (f) Dechta Tochter Loch (n) Lecha Loch
u > i Fuchs (m) Fichs Fuchs Mund (m) Minda Mund
au > ai Maus (f) Mais Maus Haus (n) Haisa Haus
ua > ia Bruada (m) Briada Bruder Buach (n) Biacha Buch
Äi, oi > Ài, öi FÄi (m) FÀi Fall Woid (m) Wöida Wald

Die hier angefĂŒhrten Beispiele bilden die Klassen 1 und 2 der starken Substantive, deren Kennzeichen ein Umlautplural ist. Die Klasse (S1) besitzt neben dem Umlaut kein weiteres Pluralkennzeichen, ist also endungslos; ihr gehören nur Maskulina und Feminina an. Zur Klasse S2, die sich durch Umlautplural plus Endung -a (die meist der standarddeutschen Endung -er entspricht) auszeichnet, gehören einige Maskulina und viele Neutra. Es gelten die gleichen Umlautregeln wie oben:

Zur Klasse S3 gehören alle Maskulina, Feminina und Neutra ohne Umlaut mit Pluralendung -a; dabei enden die meisten Feminina im Singular auf die ursprĂŒngliche Dativendung -n. Einige Maskulina, deren Stamm auf Vokal auslautet, haben die Endung -na:

S3: -a Singular Plural standard-deutsch Singular Plural standard-deutsch Singular Plural standard-deutsch
m: Bàm Bàm, Bàma Baum MÔ, MÄ MÄna Mann StÔa StÔa, Stoana Stein
f Ein Eina Eule Paradeis Paradeisa Tomate
n: Kind Kinda Kind Liacht Liachta Licht GschÚft GschÚfta GeschÀft

Als letzte starke Klasse (S4) gelten Substantive mit Nullplural, zum Beispiel ‚Fisch‘ (m) und ‚Schaf‘ (n). In manchen Dialekten drĂŒcken diese Substantive den Plural jedoch durch VokalkĂŒrzung oder -lĂ€ngung aus. Diese Klasse besteht eigentlich nur aus Maskulina und Neutra; alle Feminina auf -n, die historisch gesehen zu den schwachen Substantiven gehören, können jedoch auch hierhergezĂ€hlt werden, da ihr Plural ebenso unmarkiert ist: ‚Àntn – Àntn‘ „Ente“. Diese Feminina wechseln jedoch allmĂ€hlich zur Gruppe S3 und nehmen im Plural die Endung -a an (vgl. oben das Beispiel Ein „Eule“).

Ferner gibt es einige unregelmĂ€ĂŸige Pluralformen im Bairischen:

Singular Plural standarddeutsch
m: Boar, auch Baia Baian Baier
f: Beng Benk (Sitz-)Bank
n: Gscheng Gschenka Geschenk
Aug Aung Auge
FĂ ggi FĂ ggin/FĂ ggal Ferkel, Schwein
Kaiwi Kaiwin/Kaibla Kalb

Folgende Wörter existieren nur im Plural: Leid (Leute), Heana/Hiana (HĂŒhner), Fiacha (das Vieh, also zum Beispiel Rinder; nicht zu verwechseln mit Fiech, Fiecha, also zum Beispiel MĂŒcken).

[Bearbeiten] Kasusrelikte

Einige schwache Maskulina haben Kasusendungen in den obliquen FĂ€llen, also im Dativ und Akkusativ bewahrt, z. B. FĂ„da „Vater“ und Bua „Sohn; Knabe, Junge“:

best. Singular Plural best. Singular Plural
nom da FĂ„da t’FĂ„dan nom da Bua d’Buam(a)
dat am FÄdan di FÄdan dat am Buam di Buam(a)
akk an FĂ„dan t’FĂ„dan akk an Buam d’Buam(a)

Vielfach wird d/ ĂŒber die Wortgrenze hinweg assimiliert (Sandhi), so heißt es zumeist Nom./Akk. Pl. b FĂ„dan und b buam(a).

Ebenso wie FĂ„da flektieren Baua „Bauer“, Boi „Ball“, Breiss „Norddeutscher; Fremder“, Depp „Depp“, Buasch „Bursche, Bub, Junge“ [österr.], FrĂ„nk „Franke“, FrĂ„nzos „Franzose“, Hiasch „Hirsch“, HĂ„s „Hase“, Lef „Löwe“ und einige andere. Ähnlich wie Bua flektieren die Wörter RĂ„b „Rabe“ und SchwĂ„b „Schwabe“: alle Formen außer Nominativ Singular haben an Stelle von -b den Stammauslaut -m: RĂ„m, SchwĂ„m; die Pluralform RĂ„ma, SchwĂ„ma sind selten.

[Bearbeiten] Exkurs: Abweichendes Genus vom Standarddeutschen

Das grammatische Geschlecht eines Substantivs wird am Artikel markiert (vgl. oben). In den meisten FĂ€llen entspricht das Genus eines bairischen Wortes dem des entsprechenden Wortes im Standarddeutschen. Es gibt aber nicht wenige Ausnahmen:

Zu beachten ist, dass im Österreichischen Hochdeutsch der Gebrauch des Geschlechtes vom Bundesdeutschen abweicht und mit dem Sprachgebrauche des Bairischen ĂŒbereinstimmt.

standarddeutsch bairisch standarddeutsch bairisch
die Asche da Åschn (m) die Karre, (in Österreich auch) der Karren da KĂ„rn (m)
die Butter da Budda (m) der Teller as Della/Dölla, as Dala (n)
das Radio da Radio (m) der Kommentar auch: as Kommentar (n)
die Kartoffel da Kardoffe (m) die Schublade da Schublon (m)
die Zwiebel da Zwife (m) die Marmelade s’Mamalàd (n)
das Virus da Virus** (m) die Schokolade da TschoglĂ d (m)
die Scherbe da Scheam (m) die Socke, (in Österreich) der Socken da Socka (m)/as Segge (n)
die Zehe da ZĂȘcha (m) die Zacke da Zaggn (m)
die Petersilie da BĂšdasui/BĂšdasĂŒĂŒ (m) die Ratte da RĂ„tz (m)
die SchĂŒrze da Schurz (m) die Wespe da Weps (m)
das Vaterunser da Vadtaunsa* (m) die Zecke, (in Österreich auch) der Zeck da Zegg (m)
der Monat auch: s Monad*** (n) die Heuschrecke da Heischregg (m)
das Heu d’Heing (f) oder as Hai (n) die Schnecke, (in Österreich auch) der Schneck da Schnegg (m)
der Tunnel as Tunnöi/Tunnöö/Tunell[-'-] (n) die Spitze, (in Österreich) der Spitz da Schbiez (m)
der Sumpf d’Sumpfn (f) die Ecke, (in Österreich) das Eck s’Egg (n)
das Fett b’Feddn (f) das Masel, (in Österreich auch) die Masen d’Màsn
der Ketchup, (in Österreich) das Ketschup s’Ketchup (n) die Praline das PralinĂ© (n)

*Auch „der Paternoster“ (selten) ist im Bairischen mĂ€nnlich.
** Diese Abwandlung, angelehnt an die auf -us endenden lateinischen bzw. auf -er endenden deutschen Wörter, die fast stets Maskulina sind, teilt das Bairische mit der hochdeutschen Alltags- und Umgangssprache.
*** Besonders in den Wendungen „jeds Monat“ (jeden Monat), „nĂ€chsts Monat“ (nĂ€chsten Monat), „letzts Monat“ (letzten Monat) usf. – nie jedoch bei Monatsnamen: da Monad Mai usw.

[Bearbeiten] Pronomina

[Bearbeiten] Personalpronomina

Bei den Personalpronomina unterscheidet das Bairische teilweise, wie viele romanische und slawische Sprachen, zwischen betonten und unbetonten Formen im Dativ (nur 1., 2. Singular) und Akkusativ (nur 3. Singular und Plural); ferner gibt es ein eigenstĂ€ndiges Höflichkeitspronomen in der direkten Anrede, vergleichbar dem deutschen „Sie“:

1. Singular 2. Singular 3. Singular 1. Plural 2. Plural 3. Plural Höflichkeitspronomen
nom i du ea, se/de, des mia eß/Ă¶ĂŸ / ia* se Si
unbetont i -- -a, -'s, -'s -ma -'s -'s -'S
dat mia dia eam, eara/iara, dem uns enk / eich* ea, eana Eana
unbetont -ma -da
akk -mi -de eam, eara/iara, des uns enk / eich* ea, eana Eana
unbetont -'n, 
, -'s -'s Si

* Diese Formen gelten als „weniger“ bairisch, sind dafĂŒr aber typisch frĂ€nkisch.

Im Nordbairischen lautet der Nominativ der 2. Pl. dia, im SĂŒdbairischen der Dativ der 3. Pl. sen.

Bei der Kombination mehrerer unbetonter Personalpronomina, die auf -'s verkĂŒrzt sind, wird der Bindevokal -a- eingeschoben; bei der Reihenfolge der Anordnung gibt es, im Gegensatz zum Deutschen, verschiedene Varianten. Es kann auch zu Mehrdeutigkeit kommen – ein paar Beispiele:

unbetont *(ausgeschrieben) standarddeutsch
1.a) HĂ„m’s da’s scho zoagt? HĂ„m s(e) d(ia) (de)s scho zoagt? Haben sie es dir schon gezeigt?
oder: HÄm s d(ia) s(dia) scho zoagt? Haben sie sie dir schon gezeigt?
1.b) HĂ„m’sas da scho zoagt? HĂ„m s (de)s d(ia) scho zoagt? Haben sie es dir schon gezeigt?
oder: HÄm s(e) da d(ia) scho zoagt? Haben sie sie dir schon gezeigt?
2.a) HĂ„d a ma’n no ned gem? HĂ„d (e)a m(ia) (der)n no ned gem? Hat er ihn mir noch nicht gegeben?
2.b) HĂ„d a’n ma no ned gem? *HĂ„d (e)a d(ern) m(ia) no ned gem? Hat er ihn mir noch nicht gegeben?

Dabei kann in (1.a) und (1.b) ebenso wenig wie im Deutschen unterschieden werden, ob es sich bei erra „sie“ um die 3. Person Singular feminin oder um die 3. Person Plural handelt.

[Bearbeiten] Possessivpronomina

a) prÀdikativ:

maskulin feminin neutrum Plural
nom máșœi máșœi máșœi meine
dat meim meina meim meine
akk mein máșœi máșœi meine

b) attributiv:

maskulin feminin neutrum Plural
nom meina meine mei(n)s meine
dat meim meina meim meine
akk mein meine mei(n)s meine

Auch die Possessivpronomina deina und seina flektieren so. Das Possessivpronomen (Fem. Sg.) iara („ihrer“) ist aus der deutschen Hochsprache eingedrungen; ursprĂŒnglich verwendet das Bairische fĂŒr weibliche Besitzer ebenfalls das Pronomen seina. Oft wird auch das substantivierte Adjektiv der mei(nige) (der dei(nige), der sei(nige), im Plural: de meinign, de deinign 
) verwendet: „Wem ghead der?“ – „Des is da máșœi!“ (= des is da meinige!)

[Bearbeiten] Indefinit- und Fragepronomina

Ebenso wie die oben aufgefĂŒhrten Possessivpronomina flektieren die Indefinitpronomina koana „keiner“ sowie oana, das „einer“ auf Standarddeutsch heißt; man kann Letzterem wie im Deutschen das Wort iagad- („irgend-“) voranstellen.

Ferner gibt es das Indefinitpronomen ebba, ebbs „jemand, etwas“; es ist plurallos und flektiert wie folgt:

Person Sache
nom ebba ebbs
dat ebbam ebbam
akk ebban ebbs

Hier wird also nicht zwischen den Geschlechtern, sondern zwischen Personen und Sachen unterschieden.

Ähnliches gilt fĂŒr das Fragepronomen wea, wĂ„s „wer, was“:

Person Sache
nom wea wÄs
dat wem wem
akk wen wÄs

[Bearbeiten] Adjektive

Viele bairische Adjektive haben eine Kurzform und eine Langform. Erstere wird in prÀdikativer Stellung verwendet, also dann, wenn das Adjektiv mit dem Hilfsverb sei ein PrÀdikat bildet (zum Beispiel as Gwand is rosa). Die Langform kommt zum Einsatz, wenn das Adjektiv als Attribut eines Substantivs dient, (zum Beispiel des rosane Gwand), im Nominativ Neutrum Singular kann auch die Kurzform verwendet werden (a rosa(n)s Gwand). Kurzform und Langform unterscheiden sich (wie schon im Beispiel) oft durch einen Endkonsonanten, der der Kurzform fehlt (in diesem Fall -n), und nur in der Langform (des schene Haus, aber: sche) auftritt. Meistens handelt es sich bei diesen auslautenden Konsonanten um -n, -ch, -g.

[Bearbeiten] Deklination der Adjektive

Wie im Deutschen werden Adjektive in attributiver Stellung flektiert, d. h. sie erhalten verschiedene Endungen. Dabei muss unterschieden werden, ob sie ein Substantive mit bestimmtem Artikel begleiten (und daher selbst in bestimmter Form flektieren), oder eines mit unbestimmtem Artikel (und dann dementsprechend nach unbestimmtem Muster gebeugt werden). Werden Adjektive substantiviert gebraucht, also nur mit Artikel, richten sie sich ebenfalls nach diesem. Als Beispiel dient das Adjektiv sche (schön), dessen Stamm bei der Flexion um -n erweitert wird (außer beim Neutrum Singular).

„sche“ unbestimmt maskulin feminin neutrum Plural
nom: a schena Mo a schene Frau a schens Kind d’ schena Leid
dat: am schena Mo ana schenan Frau am schena Kind 'm schenan Leid
akk: an schena Mo a schene Frau a schens Kind d’ schena Leid
„sche“ bestimmt maskulin feminin neutrum Plural
nom: da schene Mo d’schene Frau as schene Kind d schena Leid
dat: (i)m schena Mo da schenan Frau am schena(n) Kind d schena Leid
akk: n schena Mo d’ schene Frau as schene Kind d schena Leid

In prĂ€dikativer Stellung dagegen werden Adjektive – wie im Deutschen – nicht flektiert, sondern nur in ihrer Nennform gebraucht:

prÀdikativ maskulin feminin neutrum Plural
unbestimmt: a Mo is sche a Frau is sche a Kind is sche d Leid sĂ n sche
bestimmt: da Mo is sche d’Frau is sche as/es Kind is sche d Leid sàn sche
[Bearbeiten] Steigerung der Adjektive

Im Bairischen dient das Suffix -a zur Bildung des Komparativs, der ersten Steigerungsform. Grundlage des Komparativs ist die oben beschriebene Langform; bei manchen Adjektiven kommt es zu Umlauten, bei anderen zu VerÀnderung in der VokallÀnge oder im konsonantischen Auslaut. Beispiele aus dem Westmittelbairischen:

Umlaut Positiv Komparativ Standarddeutsch
kein Umlaut: gscheid gscheida klug
nei neiga/neicha neu
liab liawa lieb
schiach schiacha hÀsslich
hoagli hoaglicha wÀhlerisch
mit VokalkĂŒrzung: diaf diaffa tief
Ä > e: lÄng lenga lang
Ä > à: wÄrm wàrma warm (Westmittelbairisch)
o > e: grob grewa grob
groß gressa groß
u > i: dumm dimma dumm
gsund gsinda gesund
jung jinga jung
oa > ea: broad breada breit
gloa gleana klein
hoaß heaßa heiß
woach weacha weich
woam weama warm (Ostmittelbairisch)
oa > öi: koid köida kalt
oid öida alt
ua > ia: kuaz kiaza kurz

FĂŒr den Superlativ wird je nach Landschaft, eine eigene Form auf (wie im Standarddeutschen) -st gebildet oder aber auch nicht. In letzterem Falle wird der Komparativ als Superlativersatz hergenommen. So kann der Satz „Max MĂŒller ist der grĂ¶ĂŸte der zwölf Knaben“ im Bairischen folgende Varianten produzieren: „Vo de zwöif Buam is dĂ  MĂŒller MĂ x am gressan (Komparativ)/am greßtn (Superlativ)/selten dĂ  greßte/dĂ  gressane.“ Es gibt auch suppletive Adjektivsteigerung, also Steigerung mit einem anderen Wortstamm (sog. starke Suppletion) oder einer Wortstammerweiterung (sog. schwache Suppletion):

Suppletion Positiv Komparativ Superlativ Standarddeutsch
stark: guad bessa am bessan gut
stĂąd leisa am leisan leise
schwach: deia (a deirigs 
) deiriga am deirigan teuer

[Bearbeiten] Numeralia (Zahlwörter)

Bairische Zahlwörter enden je nach Region unterschiedlich, aber meist auf -e, welches sie jedoch in attributiver Stellung oft abstoßen; sie sind unverĂ€nderlich, flektieren also nicht. Ausnahme davon ist das Zahlwort oans fĂŒr die Zahl 1.

Es folgt eine Auflistung der wichtigsten Numeralia; sie sind teilweise wegen ihrer ungewöhnlichen Konsonantenabfolgen fĂŒr Nichtmuttersprachler schwer auszusprechen:

1 oas/oans/àns 11 öif(e)/ööf 21 oana-/ànazwÄnzg(e)
2 zwoa/zwà* 12 zwöif(e)/zwööf 22 zwoara-/zwàrazwÄnzg(e) 200 zwoa-/zwàhundad
3 drei 13 dreizea/dreizen 23 dreiazwÄnzg(e) 300 dreihundad
4 fiar(e) 14 fiazea/fiazen 24 fiarazwÄnzg(e) 40 fiazg(e) 400 fiahundad
5 fimf(e) 15 fuchzea/fuchzen 25 fimfazwÄnzg(e) 50 fuchzg(e) 500 fimfhundad
6 seggs(e) 16 sechzea/sechzen 26 seggsazwÄnzg(e) 60 sechzg(e) 600 sechshundad
7 siem(e) 17 sibzea/sibzen 27 simmazwÄnzge 70 sibzg(e)/siwazg(e) 700 siemhundad
8 Ächt(e) 18 Ächzea/Ächzen 28 ÄchtazwÄnzge 80 Ächtzg(e) 800 Ächthundad
9 neine/nei 19 neizea/neizen 29 neinazwÄnzge 90 neinzg(e) 900 neihundad
10 zeene/zeah 20 zwĂ„nzg(e)e/zwoanzg(e) 30 dreißge 100 hundad 1000 dausnd
  • Das Westmittelbairische unterscheidet bei der Zahl „zwei“ regional noch in drei Geschlechter: „zwee“ (maskulin), „zwo“ (feminin) und „zwoa/zwà“ (neutrum), wobei diese Unterscheidung jedoch inzwischen veraltet bzw. veraltend ist und durch die sĂ€chlich Form „zwoa/zwà“ verdrĂ€ngt wurde.

BeispielsĂ€tze: „Sie hand ea zwee“ = „Es sind zwei (MĂ€nner, Jungen etc.)“, „Sie hand ea zwo“ = „Es sind zwei (Frauen, MĂ€dchen etc.)“.

Substantivierte Zahlen sind im Bairischen, wie im österreichischem Deutsch, Maskulina, in Deutschland dagegen Feminina:

Bairisch Standarddeutsch (D) Bairisch Standarddeutsch (D)
da Nulla die Null da Åchta die Acht
da Oasa/Oansa/Ànsa die Eins da Neina die Neun
da Zwoara/ZwĂ ra die Zwei da Zena die Zehn
da Dreia die Drei da Öifa/Ööfa die Elf
da Fiara die Vier da Zwöifa/Zwööfa die Zwölf
da Fimfa die FĂŒnf da Dreizena die Dreizehn
da Sechsa die Sechs da Dreißga die Dreißig
da Simma/Siema die Sieben da Hundada die Hundert

[Bearbeiten] Verbalsystem

Das Bairische kennt nur ein synthetisches Tempus, das PrĂ€sens. Alle anderen Tempora, namentlich Futur und Perfekt, werden seit dem Oberdeutschen PrĂ€teritumsschwund analytisch gebildet. Als Modus neben Indikativ und Imperativ besitzt das Bairische ferner einen synthetischen, d. h. ohne Hilfsverb gebildeten, Konjunktiv, welcher dem standarddeutschen Konjunktiv II (meist in Funktion des Irrealis, des Optativ oder als Höflichkeitsform) entspricht.

[Bearbeiten] Konjugation der schwachen Verben

Der Indikativ drĂŒckt wie im Deutschen die Wirklichkeit aus; er wird durch AnhĂ€ngen verschiedener Endungen an den Verbstamm gebildet, und ist im Allgemeinen dem Standarddeutschen relativ nahe. Vom Standarddeutschen abweichend sind teilweise die Pluralendungen. Im Folgenden das Beispielparadigma des schwachen Verbs mĂ„cha (machen) im Indikativ und Konjunktiv sowie im Imperativ und Optativ:

mÄcha Indikativ Imperativ Konjunktiv Optativ
1. Sg i mĂ„ch --- i mĂ„chad mĂ„chadi!
2. Sg du mĂ„chst mĂ„ch! du mĂ„chast mĂ„chast!
3. Sg er mĂ„cht er mĂ„ch! er mĂ„chad mĂ„chad!
1. Pl mia mĂ„chan* mĂ„chma! mia mĂ„chadn mĂ„chadma!
2. Pl eß mĂ„chts mĂ„chts! eß mĂ„chats mĂ„chats!
3. Pl se mĂ„chan(t)** mĂ„chan’S! se mĂ„chadn mĂ„chadn’S!

Partizip II dieses Verbs ist gmĂ„cht – siehe dazu genauer unter Vergangenheit.

* Vgl. aber den nÀchsten Absatz.
**Zur 3. Person Plural ist anzumerken, dass in manchen Gegenden (zum Beispiel in KÀrnten) das Endungs-t aus dem Althochdeutschen bewahrt ist, welches sich im SchwÀbischen als generelle Pluralendung durchgesetzt hat (mia, ia, si machet).

In der 1. Person Plural wurde nur eine Form aufgefĂŒhrt. TatsĂ€chlich gibt es aber außer der obigen (Ă€lteren) Kurzform auch noch eine (jĂŒngere) Langform, die (außer im untergeordneten Satz, wo sie in den meisten Regionen ungrammatisch ist) die hĂ€ufiger verwendete ist. Sie wird gebildet, indem man die Endung -an durch die Endung -ma ersetzt, also: mĂ„chma. Wie diese entstanden ist, steht in diesem Historischem Exkurs weiter unten.

[Bearbeiten] Verben mit Auslautwechsel

Es gibt jedoch Verben, die von diesem Endungsschema abweichen, weil ihr Stamm auf -g oder -b auslautet, und dadurch mit der ursprĂŒnglichen Infinitivendung -n zu -ng bzw. -m verschmilzt. Außerdem wird Stammauslaut -b vor vokalischer Endung in der Regel zu -w- frikativisiert. Dadurch entsteht sog. Auslautwechsel bei der Flexion; als Beispiele seien sĂ„ng (sagen) und lem (leben) angefĂŒhrt:

sÄng Indikativ Imperativ Konjunktiv Optativ
1. Sg i sĂ„g --- i sĂ„gad sĂ„gadi!
2. Sg du sĂ„gst sĂ„g! du sĂ„gast sĂ„gast!
3. Sg er sĂ„gt --- er sĂ„gad sĂ„gad!
1. Pl mia sĂ„ng sĂ„ngma! mia sĂ„gadn sĂ„gadma!
2. Pl eß sĂ„gts sĂ„gts! eß sĂ„gats sĂ„gats!
3. Pl se sĂ„ng(t) sĂ„ng'S! se sĂ„gadn sĂ„gadn’S!

Das Partizip II lautet gsÄgt; Partizip I ist nicht gebrÀuchlich.

lem Indikativ Imperativ Konjunktiv Optativ
1. Sg i leb --- i lewad lewadi!
2. Sg du lebst leb! du lewast lewast!
3. Sg er lebt --- er lewad lewad!
1. Pl mia lem lema! mia lewadn lewadma!
2. Pl eß lebts lebts! eß lewats lewats!
3. Pl se lem(t) lem'S! se lewadn lewadn’S!

Das Partizip I lautet lewad „lebend“, das Partizip II glebt.

[Bearbeiten] Verben mit Themasuffix -a- oder -i-

Eine weitere Gruppe von Verben, deren Infinitiv auf -an oder -in endet, zeigt in der 1. Person Singular die Endung -d; der Themavokal -a- bzw. -i- bleibt im gesamten Indikativparadigma erhalten. Diese Verben entsprechen oft den deutschen Verben auf -ern (> -an) bzw. -eln (> -in); als Beispiel zunĂ€chst zidan (zittern), welches im Konjunktiv einerseits wieder (-a- >) r-haltige Formen zeigen, andererseits auf Verdopplung der Silbe -ad- zurĂŒckgreifen kann:

zidan Indikativ Imperativ r-Konjunktiv dupl. Konjunktiv
1. Sg i zidad --- i zidrad i zidadad
2. Sg du zidast zidad! du zidrast du zidadast
3. Sg er zidad --- er zidrad er zidadad
1. Pl mia zidan zidama! mia zidradn/zidradma mia zidadn/zidadma
2. Pl eß zidats zidats! eß zidrats eß zidadats
3. Pl se zidan(t) zidan’S! se zidradn se zidadn

Anders als obiges Verb weist das nĂ€chste Verb kĂ mpin (kĂ€mmen) neben dem ĂŒberall möglichen periphrastischen Konjunktiv (mittels Konjunktiv des Hilfsverbs doa) nur eine Möglichkeit des Konjunktivs auf, nĂ€mlich Stammmodulation i > l; eine Silbenverdopplung wie oben ist nicht möglich:

kĂ mpin Indikativ Imperativ l-Konjunktiv
1. Person i kĂ mpid --- i kĂ mplad
2. Person du kĂ mpist kĂ mpid! du kĂ mplast
3. Person er kĂ mpid --- er kĂ mplad
1. Person mia kĂ mpin kĂ mpima! mia kĂ mpladn
2. Person eß kĂ mpits kĂ mpits! eß kĂ mplats
3. Person se kĂ mpin(t) kĂ mpin’S! se kĂ mpladn

[Bearbeiten] Konjugation der starken Verben

Starke Verben bilden ihren Konjunktiv teilweise mit Ablaut anstelle des ad-Suffixes, sie können aber auch beides kombinieren (diese Formen sind eingeklammert). Bei starken Verben mit Stammvokal -e- (siehe Beispiele oben) tritt zudem im Indikativ und Imperativ Singular Wechselflexion auf, d. h. ein Vokalwechsel von -e- zu -i- findet statt, jedoch im Gegensatz zum Standarddeutschen auch in der 1. Person Singular. Die Umlautung (standarddeutsch: er schlĂ€gt) wird dagegen nicht durchgefĂŒhrt: er schlagt.

kema Indikativ Imperativ Konj. + Ablaut Konj. + Ablaut + ad
1. Sg i kim --- i kĂąm i kĂąmad
2. Sg du kimst kimm! du kĂąmst du kĂąmast
3. Sg er kimt --- er kĂąm er kĂąmad
1. Pl mia keman kemma! mia kĂąman/kĂąma mia kĂąmadn/kĂąmadma
2. Pl eß kemts kemts! eß kĂąmts eß kĂąmats
3. Pl se keman(t) keman’S! se kĂąman se kĂąmadn

Partizip II dieses Verbs ist kema – siehe dazu genauer unter Vergangenheit.

Auch starke Verben können Auslautwechsel -b-/-w-/-m- zeigen; Beispiel gem „geben“:

gem Indikativ Imperativ Konj. + Ablaut Konj. + Ablaut + ad
1. Sg i gib --- i gĂąb i gĂąwad
2. Sg du gibst gib! du gĂąbst du gĂąwast
3. Sg er gibt --- er gĂąb er gĂąwad
1. Pl mia gem gema! mia gĂąm/gĂąma mia gĂąwadn/gĂąwadma
2. Pl eß gebts gĂšbts! eß gĂąbts eß gĂąwats
3. Pl se gem(t) gem ’S! se gĂąm gĂąwadn

Partizip II dieses Verbs ist gem.

Als Beispiel zum -g-/-ng-Wechsel dient sùng „sehen“; es gibt hier jedoch auch Formen ohne -e-/-i-Wechsel:

sĂšng Indikativ Imperativ Konj. + Ablaut Konj. + Ablaut + ad
1. Sg i sig/sĂšg --- i sĂąg i sĂągad
2. Sg du sigst/sĂšgst sig/sĂšg! du sĂągst du sĂągast
3. Sg er sigt/sĂšgt --- er sĂąg er sĂągad
1. Pl mia sĂšng sĂšngma! mia sĂąng/sĂąngma mia sĂągadn/sĂągadma
2. Pl eß sĂšgts sĂšgts! eß sĂągts eß sĂągats
3. Pl se sĂšng(t) sĂšng ’S! se sĂąng sĂągadn

Partizip I dieses Verbs ist sùgad „sehend“, Partizip II gsùng.

[Bearbeiten] Imperativ und Optativ

Das Bairische kennt Imperativformen fĂŒr die 2. Person Singular wie auch Plural sowie fĂŒr die 1. Person Plural, ferner fĂŒr die höfliche Anrede. Es gelten folgende Regeln zur Bildung:

  • fĂŒr die 2. Person Singular nehme man den Wortstamm ohne Endung; bei starken Verben wird dabei ggf. Stammvokal -e- zu -i-; dies fĂŒhrt in der Regel zu Gleichheit mit der Form der 1. Person Sg. Ind. – das Personalpronomen du wird fĂŒr gewöhnlich nicht benutzt (außer in der Emphase): mĂ„ch!, fĂ„r!, kimm!, gib! usw.
  • fĂŒr die 2. Person Plural nehme man den Wortstamm plus Endung -ts, also die Indikativform; das betonte Personalpronomen darf wahlweise dazu benutzt werden: mĂ„chts!, fĂ„rts!, kemts!, gebts! usw.
  • fĂŒr die 1. Person Plural, den sog. Hortativ, nehme man die sog. Langform des Indikativs, die stets auf -(m)a endet (das ist das ehemals klitisierte Personalpronomen, siehe Historischer Exkurs zur Klitisierung); das betonte Personalpronomen mia darf wahlweise dazu benutzt werden: mĂ„chma!, fĂ„rma!, kemma!, gema! usw.
  • in der höflichen Anrede verwendet man den Imperativ der 3. Plural, das ist der Wortstamm plus Endung -(a)n; dabei muss die unbetonte Form des Höflichkeitspronomens -S klitisiert werden: mĂ„chan’S!, fĂ„rn’S!, keman’S!, gem’S! usw.

Der Konjunktiv kann auch als Optativ verwendet werden, wobei hier in der 1. Person Sg./Pl. jeweils das klitisierte Personalpronomen -i bzw. -ma obligatorisch ist. Die Formen auf -ma entsprechen den Langformen des Konjunktiv, die die 1. Person Plural analog zu den Langformen des Indikativs aufweist.

[Bearbeiten] Konjugation der Hilfsverben

Bei einigen oft gebrauchten Verben treten selten VerĂ€nderungen bei der Konjugation auf, darum sind diese hier aufgefĂŒhrt. Außerdem zeigen sie viele regionale Sonderformen. Dazu gehören in erster Reihe die Hilfsverben sei (sein), hĂ„m (haben) und doa/dea/duan (tun).

sei Indikativ Imperativ Konjunktiv Optativ
1. Sg i bi --- i wĂąr/wĂąrad* wĂąri/wĂąradi!
2. Sg du bist bi! du wĂąst/wĂąrast* wĂąst/wĂąrast!
3. Sg er is --- er wĂąr/wĂ rad* wĂąr/wĂąrad!
1. Pl mia sĂ n/hĂ n sĂ mma/hĂ mma! mia wĂąn/wĂąradn wĂąma/wĂąradma!
2. Pl eß sĂ ts/hĂ ts sĂ ts/hĂ ts! eß wĂąts/wĂąrats* wĂąts/wĂąrats!
3. Pl se/Se sĂ n(t)/hĂ n(t) sĂ n’S! se wĂąn(t)/wĂąradn* wĂąn’S/wĂąradn’S!

Dabei können, wie bei allen Verben, die Imperativformen auch als lange Indikativformen im ĂŒbergeordneten Satz auftreten; selbiges gilt fĂŒr die Optativformen als lange Konjunktivformen. Das Partizip II lautet gwen, seltener gwesn.

hÄm Indikativ Imperativ Konjunktiv Optativ
1. Sg i hĂ„(n) --- i hedd/hĂȘd heddi/hĂȘdi!
2. Sg du hĂ„st --- du hest/hĂȘst hest/hĂȘst!
3. Sg er hĂ„d --- er hedd/hĂȘd hedd/hĂȘd!
1. Pl mia hĂ„m/hĂ„mma --- mia heddn/hĂȘdn heddma/hĂȘdma!
2. Pl eß hĂ„bts --- eß hets/hĂȘts hets/hĂȘts!
3. Pl se/Se hĂ„m(t) --- se heddn(t)hĂȘdn(t) heddn’S/hĂȘdn’S!

Das Partizip II lautet ghÄbt, regional auch ghÄd.

Das wichtigste Modalverb im Bairischen ist doa(n), welches in vielen regionalen Formen auftritt, die unmöglich hier alle aufgelistet werden können. Der Stammvokal kann -oa- mit Pluralumlaut -ea- sein (meist Westmittelbairisch), -ua- ohne Umlaut (eher Ostmittelbairisch) und -ua- mit Pluralumlaut -ia- (v. a. Tirolerisch). Jedoch gibt es in allen Dialekten sog. Allegroformen fĂŒr den Indikativ Plural, die statt Diphthongs den kurzen Stammvokal -Ă - zeigen. Außerdem wird von Gegend zu Gegend ein -n an den Infinitiv gefĂŒgt, oder auch nicht.

Hier das westmittelbairische Paradigma mit Umlaut im Indikativ Plural:

doa(n) Indikativ Imperativ Konjunktiv Optativ
1. Sg i dua --- i dĂąd/dĂądad* dĂądi!
2. Sg du duast doa! du dĂąst/dĂądast* dĂąst!
3. Sg er duad --- er dĂąd/dĂ dad* dĂąd!
1. Pl mia dean/dĂ n deama/dĂ mma! mia dĂądn/dĂądadn* dĂądma!
2. Pl eß deads/dĂ ts deats/dĂ ts! eß dĂądats/dĂąrats dĂądats/dĂąrats!
3. Pl se/Se dean(t)/dĂ n(t) dean’S/dĂ n’S! se dĂądn(t)/dĂądadn* dĂądn’S!

Das Partizip II lautet dÄ(n).

* Diese Formen sind hier recht selten; sie treten auch mit -r- an Stelle von -d- auf: i dĂ rad etc. (siehe auch 2. Pl im Paradigma). In der zweiten Person Plural ist die Langform mit d- oder r-Einschub dagegen obligatorisch, da die zu erwartende Form dĂ ts in mit der Allegroform des Indikativs gleichlauten wĂŒrde.

[Bearbeiten] Modalverben

Die meisten Modalverben sind im Bairischen wie auch im Standarddeutschen sogenannte PrÀterito-PrÀsentia. Diese haben oft einen Vokalwechsel in der Indikativflexion, Nullendung in der 3. Person Singular sowie ein starkes Partizip II (welches immer mit dem Infinitiv gleichlautet und deshalb nicht extra angegeben wird). Im Folgenden sind die Paradigmen der wichtigsten Modalverben wiedergegeben:

deaffa (dĂŒrfen)

Indikativ Singular Plural Konjunktiv Singular Plural
1. Person i deaf mia deaffan/deafma 1. Person i deaffad mia deaffadn
2. Person du deafst eß deafts 2. Person du deaffaast eß deaffats
3. Person er deaf se deaffan(t) 3. Person er deaffad se deaffadn

kina (können)

Indikativ Singular Plural Konjunktiv Singular Plural
1. Person i kĂ„/i ko mia kinan/kenan/kimma/kemma 1. Person i kĂ nt/kunt mia kĂ ntn/kuntn
2. Person du kĂ„st eß kints/kents 2. Person du kĂ nst/kunst eß kĂ nts/kunts
3. Person er kĂ„ se kinan(t)/kenan 3. Person er kĂ nt/kunt se kĂ ntn/kuntn*

Daneben gibt es auch den regulĂ€ren Konjunktiv i kinad. Die Langformen der 1. Person Plural im Konjunktiv lauten mia kĂ ntma bzw. mia kuntma; im Indikativ Plural existieren auch Formen mit Stammvokal -e statt -i-, die allerdings zum Zusammenfall mit dem Pluralparadigma des Verbs kena (kennen) fĂŒhren, und deshalb nur regional gebraucht werden.

meng (mögen; in nicht-modaler Verwendung auch lieben)

Indikativ Singular Plural Konjunktiv Singular Plural
1. Person i mĂ„g mia meng(ma) 1. Person i mĂȘchad mia mĂȘchadn
2. Person du mĂ„gst eß megts 2. Person du mĂȘchast eß mĂȘchats
3. Person er mĂ„g se meng(t) 3. Person er mĂȘchad se mĂȘchadn

miaßn (mĂŒssen)

Indikativ Singular Plural Konjunktiv Singular Plural
1. Person i mua(ß) mia miaßn/miaßma 1. Person i miassad mia miassadn
2. Person du muaßt eß miaßts 2. Person du miassast eß miassats
3. Person er mua(ß) se miaßn(t) 3. Person er miassad se miassadn

woin (wollen)

Indikativ Singular Plural Konjunktiv Singular Plural
1. Person i wui/woi mia wuin/wuima
woin/woima
1. Person i wuiad/woiad mia wuiadn/woiadn
2. Person du wuist/woist eß wuits/woits 2. Person du wuiast/woiast eß wuiats/woiats
3. Person er wui/woi se wuin(t)/woin(t) 3. Person er wuiad/woiad se wuiadn/woiadn

Ebenso flektiert das Modalverb soin/suin (sollen).

[Bearbeiten] UnregelmĂ€ĂŸige Verben

Als letztes PrÀterito-PrÀsentium existiert im Bairischen wissn (wissen), welches zwar kein Modalverb ist, aber Àhnlich wie diese flektiert wird:

Indikativ Singular Plural Konjunktiv Singular Plural
1. Person i woaß mia wissn/wissma 1. Person i wissad mia wissadn
2. Person du woaßt eß wissts 2. Person du wissast eß wissats
3. Person er woaß se wissn(t) 3. Person er wissad se wissadn*

Das Partizip II dieses Verbs wird allerdings schwach gebildet: gwisst, seltener gwusst.

Weitere unregelmĂ€ĂŸige Verben sind im Folgenden aufgefĂŒhrt:

gĂȘ (gehen)

Indikativ Singular Plural Konjunktiv Singular Plural
1. Person i gĂȘ mia gĂšngan/gĂšmma 1. Person i gĂ ng(ad) mia gĂ nga(d)n
2. Person du gĂȘst eß gĂšts 2. Person du gĂ ng(a)st eß gĂ ng(a)ts
3. Person er gĂȘd se gĂšngan(t) 3. Person er gĂ ng(ad) se gĂ nga(d)n

Das Verb gĂȘ ist ein besonderer Fall: Zum einen lautet die Langform der ersten Person Plural gĂšmma, zum andern ist der Konjunktiv „i gĂ ng(ad)“ eine bairische Eigenbildung. Bairische SchĂŒler sind deshalb beim Erlernen des standarddeutschen Konjunktivs II oft der Meinung, zu „gehen“ laute dieser „gĂ€nge“ anstatt „ginge“.

Von diesem beeinflusst wurde das Paradigma des folgenden Verbs:

stĂȘ (stehen)

Indikativ Singular Plural Konjunktiv Singular Plural
1. Person i stĂȘ mia stĂšngan/stĂšmma 1. Person i stĂ nd mia stĂ ndn/stĂ ndma
2. Person du stĂȘst eß stĂš(g)ts 2. Person du stĂ ndst eß stĂ nts
3. Person er stĂȘd se stĂšngan(t) 3. Person er stĂ nd se stĂ ndn

[Bearbeiten] Vergangenheit

Das Imperfekt, die synthetische Vergangenheitsform des Standarddeutschen und prinzipiell auch des Bairischen, existiert nur bei zwei Wörtern: sei (mit wĂ„r) und woin (mit woit), wobei auch dies nicht unumstritten autochthone Formen sind; es könnte sich um Lehngut aus der Hochsprache handeln. Bei diesen wird es zur Beschreibung von ZustĂ€nden hergenommen, wohingegen bei Ereignissen auch hier das Perfekt ĂŒberwiegt. NĂ€heres dazu siehe Oberdeutscher PrĂ€teritumsschwund.

Zum Ausdruck der Vergangenheit wird das Perfekt verwendet; es wird analytisch mit einem der beiden Hilfsverben ham oder sei plus Partizip II gebildet (dazu siehe weiter unten). Dabei werden anhand der Bildungsweise des Partizips II starke und schwache Verben unterschieden; dieses wird mit dem PrĂ€fix g- und den Suffixen -n oder -a (starke Verben) bzw. -t (schwache Verben) gebildet. Dabei kann das PrĂ€fix bei den Stammanlauten g, b, t, d, k, p, z verschwinden (außer im SĂŒdbairischen) und so das Partizip II mit dem Infinitiv zusammenfallen. Eine Auflistung aller starken Verben des Bairischen finden Sie hier.

[Bearbeiten] Partizip I

Das Partizip der Gleichzeitigkeit, auch Partizip I oder Partizip PrĂ€sens genannt, wird mit dem Suffix -ad (in Österreich eher -ert) gebildet, zum Beispiel:

  • drenzad „weinend“
  • drĂ„gad „tragend“
  • (g)schiaglad „schielend; flunkernd“
  • (g)spinnad „spinnend“
  • stingad „stinkend“
  • brennad „brennend“
  • blearad „plĂ€rrend“
  • bliarad „blĂŒhend“

Diese Partizipien werden als Adjektive oder adverbiell verwendet – in attributiver Stellung, als Teil eines NominalprĂ€dikats oder halbsententiell. Zur Bildung von Tempora, wie es im Englischen der Fall ist, werden sie in der Regel nicht eingesetzt (vgl. aber nĂ€chsten Abschnitt).

[Bearbeiten] Partizip II

Alle Klassen schwacher Verben bilden ihr Partizip II auf das Suffix -t oder -d; sie mĂŒssen daher nicht weiter unterschieden werden. Das PrĂ€fix g- verschwindet ebenso wie bei den starken Verben vor Plosiven (g, b, d, t, k, p) und wird vor Frikativen (s, sch, h 
) zu k- verhĂ€rtet. Stammwechsel tritt selten auf:

Verben mit frikativem Stammauslaut -f-, -s-, -z- oder -ch- benutzen das Fortissuffix -t-:

  • bĂ ssn, bĂ sst – passen, gepasst
  • brotzn, brotzt – prahlen, geprahlt
  • browsn, browst – browsen, gebrowst
  • butzn, butzt – putzen, geputzt
  • dĂ„nzn, dĂ„nzt – tanzen, getanzt
  • drĂ tzn, drĂ tzt – piesacken, gepiesackt
  • gugazn, gugazt – husten, gehustet
  • hoffa, ghofft – hoffen, gehofft
  • kocha, kocht – kochen, gekocht
  • lĂ„cha, glĂ„cht – lachen, gelacht
  • mĂ„cha, gmĂ„cht – machen, gemacht
  • rĂ ffa, grĂ ft – raufen, gerauft
  • schwĂ nzn, gschwĂ nzt – schwĂ€nzen, geschwĂ€nzt
  • sĂźmsn, gsĂźmst – SMSen, geSMSt
  • soacha, gsoacht – pissen, gepisst
  • stĂšssn, gstĂšsst – stoßen, gestoßen

Ebenso Verben mit Stammauslaut -gg- oder -bb-:

  • bĂ„bba, bĂ„bbt – kleben, geklebt
  • bigga, biggt – kleben, geklebt
  • brogga, broggt – pflĂŒcken, gepflĂŒckt
  • jobba/jobbn, jobbt – jobben, gejobbt
  • jogga/joggn, joggt – joggen, gejoggt
  • jugga, gjuggt – jucken, gejuckt
  • schigga, gschiggt – schicken, geschickt
  • stegga, gesteggt – stecken, gesteckt
  • stobba, gstobbt – stoppen, gestoppt

Bei Verben mit nasalem Stammauslaut -m-, -n- oder -ng- tritt die Lenisvariante -d- auf:

  • drĂ mma, drĂ md – trĂ€umen, getrĂ€umt
  • fĂ„nga, gfĂ„ngd – fangen, gefangen
  • (g)lĂ„nga, glĂ„ngd – reichen, gereicht
  • leana, gleant – lernen, gelernt
  • mĂ„cha, gmĂ„cht – machen, gemacht
  • scheina, gscheind – scheinen, geschienen
  • woana, gwoand – weinen, geweint
  • wona, gwond – wohnen, gewohnt

Kurzverben:

  • drĂąn, drĂąd – drehen, gedreht
  • mĂąn, gmĂąd – mĂ€hen, gemĂ€ht
  • nĂąn, gnĂąd – nĂ€hen, genĂ€ht
  • sĂąn, gsĂąd – sĂ€en, gesĂ€t
  • rean, gread – weinen, geweint
  • spöin/spuin, gspöid/gspuid – spielen, gespielt
  • wĂąn, gwĂąd – wehen, geweht
  • wöin, gwöid – wĂ€hlen, gewĂ€hlt
  • zoin, zoid – zahlen, gezahlt/bezahlen, bezahlt
  • zöin, zöid – zĂ€hlen, gezĂ€hlt

Kurzverben mit verstÀrktem Dentalsuffix -dt-:

  • bĂ„n, bĂ„dt – baden, gebadet
  • bĂšn, bĂšdt – beten, gebetet

Verben mit Stammauslaut -l- oder unbetontes -i-/-a-:

  • biesln, biesld – pissen, gepisst
  • driggin, driggid – trocknen, getrocknet
  • gĂ tln, gĂ tld – gĂ€rtnern, gegĂ€rtnert
  • grĂ xln, grĂ xld – klettern, geklettert
  • kĂ mpin, kĂ mpid – kĂ€mmen, gekĂ€mmt
  • kĂ tln, kĂ tld – Karten spielen, Karten gespielt
  • schnĂ xln, gschnĂ xld – bumsen, gebumst
  • wĂ„ggin, gwĂ„ggid – wackeln, gewackelt
  • ziedan, ziedad – zittern, gezittert
  • zöitln, zöitld – zelten, gezeltet

RĂŒckumlaut ist im Bairischen, anders als im Deutschen, auch bei folgenden Verben abgebaut:

  • brena, brend – brennen, gebrannt
  • kena, kend – kennen, gekannt
  • rena, grend – rennen, gerannt

Nur bei einem Verb ist er noch vorhanden:

  • bringa, brĂ„cht – bringen, gebracht

Bei manchen Verben wird der Stammauslaut fortisiert:

  • denga, denkt – denken, gedacht
  • schenga, gschenkt – schenken, geschenkt

Außerdem gilt Auslautwechsel bei g- und b-StĂ€mmen:

  • frĂ„ng, gfrĂ„gt – fragen, gefragt
  • lem, glebt – leben, gelebt
  • leng, glegt – legen, gelegt
  • sĂ„ng, gsĂ„gt – sagen, gesagt

Ohne Dentalsuffix erscheinen Verben mit Stammauslaut -t-:

  • Ă„watn, gĂ„wat – arbeiten, gearbeitet

Im SĂŒdbairischen gelten zum Teil andere Regeln. Das PrĂ€fix ge- ist erhalten (vor Sonoranten als g-). Vor Frikativen wird das PrĂ€fix zu k- (ksegn, khĂ„p), vor Plosiven bleibt auch das e erhalten, vor r wird es zu kh- (khred, khrĂ„tn).

Eine besondere VerĂ€nderung kann bei hĂ„m (haben) auftreten: Neben ghĂ„bt (sĂŒdb. khĂ„p) bildet es auch ghĂ„d.

Die Vergangenheit wird schließlich analytisch, also mit den flektierten Formen eines der beiden Hilfsverben hĂ„m oder sei gebildet, wobei der Anteil von Verben, die sei verlangen, gegenĂŒber dem Hoch- und vor allem Norddeutschen höher ist (dazu bald mehr).

[Bearbeiten] Aspekt

Wie in den meisten germanischen Sprachen und Dialekten ist die Kategorie Aspekt im Bairischen nicht explizit ausgeprĂ€gt. Es gibt jedoch Möglichkeiten, incohative Handlungen auszudrĂŒcken, indem das Partizip I in Verbindung mit dem Verb wern („werden“) eingesetzt wird:

  • as Haus is brennad worn „das Haus begann zu brennen“
  • di BĂ m sĂ n bliarad worn „die BĂ€ume fingen an zu blĂŒhen“

In anderen ZusammenhĂ€ngen, vor allem bei Wettererscheinungen, wird IncohativitĂ€t mit kema zum + Infinitiv ausgedrĂŒckt:

  • as kimt zum Wedan „es wird bald ein Gewitter geben“
  • as kimt zum Schneim „es wird bald schneien“

[Bearbeiten] Morphosyntax

Im Bairischen ist der Übergang von der Wortbeugung zum Satzbau (Syntax) oft fließend, weshalb viele Bereiche der Grammatik von der Morphosyntax am besten erfasst werden.

[Bearbeiten] PrÀpositionen

PrĂ€positionen können im Bairischen, ebenso wie im Deutschen, mit dem bestimmten Artikel zu einem Wort verschmelzen (vgl. dt. bei dem = beim, an dem = am, unter den = untern usw.). Allerdings sind im Bairischen weit mehr PrĂ€positionen von diesem Vorgang betroffen als im Deutschen; eine Übersicht:

PrÀposition Dat. Sg. m./n. (-m) Dat. Sg. f. (-da) Dat. Pl. (-di) Akk. Sg. m. (-n) Akk. Sg. f., Akk. Pl. (-d) Akk. Sg. n. (-s) Standarddeutsch
Än Äm Ända Ändi Än Änd Äns, Äs an
af afm afda afdi afn afd afs auf
fia, foa fiam, foam fiada, foada fiadi, foadi fian, foan fiad, foad fias, foas vor
hinta hintam hintada hintadi hintan hintad hintas hinter
in, a im inda, ada indi, adi in, an ind, ad ins, as in
iwa iwam iwada iwadi iwan iwad iwas ĂŒber
unta untam untada untadi untan untad untas unter
nema, newa nemam, newam nemada, newada nemadi, newadi neman, newan nemad, newad nemas, newas neben
bei beim beida beidi --- --- --- bei
wenga, wega wengam, wegam wengada, wegada wengadi, wegadi --- --- --- wegen
zu zum, zun zuda zudi --- --- --- zu
fia --- --- --- fian fiad fias fĂŒr
genga, gega --- --- --- gengan, gegan gengad, gegad gengas, gegas gegen
um --- --- --- umman umd ums um

Da PrÀpositionen die Betonung auf das nachfolgende Satzelement lenken, können ihnen nur betonte, niemals unbetonte Personalpronomina folgen.

[Bearbeiten] PrÀpositionsgebrauch

Im Bairischen werden fĂŒr Ortschaften und StĂ€dte erst seit dem Einfluss des Hochdeutschen die PrĂ€positionen „nach“ und „in“ gebraucht; traditionell sagt man jedoch a oder af/auf (= nach) und z’ (= in); so fĂ€hrt man z. B. a Daha, wenn man nach Dachau fĂ€hrt und a Minga statt „nach MĂŒnchen“; anschließend ist man dann z’Minga, nicht „in MĂŒnchen“. Ebenso ist man auch z’Wea („in Wien“), z’StrĂąwing („in Straubing“) oder z’GrĂąz („in Graz“), gleich wie schwierig die KonsonantenbĂŒndelung am Wortanfang auch wird. Daher auch der Scherz, dass alle bairischen Ortsnamen mit z- beginnen! Bei Feiertagen findet sich je nach Landschaft entweder ebenfalls z’: z’Ostan, z’Weihnachtn; oder auf: auf Ostern, auf Weihnachten; oder unter dem Einfluss der Standardsprache an; niemals wĂŒrde ein Baier diese Wörter jedoch (wie im nördlichen Standarddeutsch möglich) ohne PrĂ€position zur Zeitangabe verwenden.

[Bearbeiten] Konjunktionen

Eine regionale Besonderheit ist die temporale Konjunktion Ă„ft, die in großen Teilen des bairischen Sprachgebietes verwendet wird, allerdings tendenziell eher im lĂ€ndlichen Raum. Sie entspricht etymologisch dem englischen after und bedeutet „nachher, danach“.

[Bearbeiten] PrÀpositionslose Lokalkodierung

In sĂŒdbairischen Dialekten treten prĂ€positionslose Orts- und Richtungsangaben (Adverbialien) auf. Man geht dementsprechend nicht „in die Kirche“ oder „auf den Markt“, sondern ma gĂȘd Kiacha/Moakt, also ohne Gebrauch irgendeiner PrĂ€position. Die Lokalbedeutung wird durch das Ausbleiben des Artikels markiert, der sonst bei jedem Substantiv obligatorisch ist. Weitere Beispiele: i wohn Knittelfeld, i wĂ„r Schul, er geht erste Klasse Schul (vgl. auch lat. Romae in Rom, Romam nach Rom; Hindi DillĂź calnĂą nach Delhi fahren, statt DillĂź ko calnĂą).

[Bearbeiten] Orts- und Richtungsadverbialien

Das Bairische hat ein komplexes System von Richtungsadverbialien, welche Bezug zur Sprecherperspektive nehmen; ebenso wie im Deutschen muss, je nach dem, ob die Bewegung vom Sprecher weg oder zum Sprecher hin vollzogen wird, die Affixe -hin- (z. B. ein-hin, mundartl. „eini“) bzw. -her- (z. B. ab-her, mundartl. „Äwa“ oder „owa“) an das Adverb angefĂŒgt werden (im Wienerischen wird das jedoch nicht unterschieden, z. B. auffi und auffa sind zu auffe zusammengefallen). Im Deutschen, wie auch im westlichen Bairischen werden diese Affixe jedoch als PrĂ€fixe hin- bzw. her- gebraucht, also dem Adverb vorangestellt. Im östlichen Bairischen ist das Gegenteil der Fall: die Affixe werden als Suffixe eingesetzt, d. h. dem Adverb hinten angefĂŒgt. Dabei wird das Suffix -hin zu -i, regional -e abgeschwĂ€cht, das Suffix -her zu -a. Eine vergleichende Übersicht:

PrÀposition vom Sprecher (-i) Standarddeutsch (hin-) zum Sprecher (-a) Standarddeutsch (her-)
Ä, Äb Äwi hinab, hinunter Äwa herab, herunter
Ä, Än Äni *hinan Äna heran
auf/af auffi/affi hinauf auffa/affa herauf
aus aussi hinaus aussa heraus
dÄ- dÄni hintan (zur Seite) dÄna *hertan (von der Seite weg)
durch duachi hindurch duacha [selten] *herdurch
fia fiari (nach vorne) fiara hervor
hinta hintari/hinddre (nach hinten) hintara/hinddra (nach hinten)
zua zuari/zu(a)wi hinzu zuara/zu(a)wa (herbei)
um ummi hinĂŒber umma herĂŒber

Vor allem im nord- und sĂŒdbairischen Sprachraum gibt es formale und lautliche Abwandlungen dieser Worttypen, so wird in der nordbairischen Oberpfalz auch die Form iwri/a neben ummi/a im Sinne von „hinĂŒber“/„herĂŒber“ verwendet, Ă„wi/a und eini/a erscheinen vielerorts als eichi/a oder oichi/a. Im sĂŒdbairischen Mundartgebiet werden oftmals die Konsonanten in den Richtungsadverbien fallengelassen.

Im Großteil des bairischen Sprachgebiets werden Richtungsadverbien in der oben beschriebenen Form unter Zuhilfenahme von Suffixen gebildet. Lediglich im westlichen Oberbayern sind die auch im schwĂ€bischen und frĂ€nkischen Sprachraum ĂŒblichen VerkĂŒrzungsformen der hochdeutschen Richtungsadverbien ĂŒblich (’nei und ’rei im Sinne von „hinein, herein“ oder ’nĂŒber und ’rĂŒber im Sinne von „hinĂŒber“ und „herĂŒber“). Diese Variante wird westlich einer gedachten Linie verwendet, die etwa von Kelheim ĂŒber Freising und Dachau nach Starnberg und weiter sĂŒdwestwĂ€rts in Richtung Benediktbeuern und Ettal verlĂ€uft. MĂŒnchen liegt in einem Übergangsgebiet, in dem beide Formen parallel verwendet werden.

[Bearbeiten] Klitisierung der Personalpronomina im Bairischen

Im Bairischen hat ein Prozess stattgefunden, der in der Sprachwissenschaft Klitisierung heißt. Speziell fĂŒr das Bairische ist hier die AnfĂŒgung eines oder mehrerer Personalpronomina unter anderem an das konjugierte Verb gemeint. Diese AnfĂŒgung ergibt, wenn eine Pronominalform hinter dem Verb steht. Beispielsweise rĂŒckt, wie im Standarddeutschen, im Fragesatz das Subjekt hinter das PrĂ€dikat:

normaler Satzbau inverser Satzbau
wir tun tun wir?
mia dean dean mia?

Dabei wird das Personalpronomen im Regelfall abgeschwĂ€cht, da es nicht betont ist. Das bedeutet, es wird lautlich reduziert. So ergibt eben genanntes mia „wir“ -ma, aber auch dia „dir“ -da, sie oftmals -s, eß „ihr“ ebenfalls -s, und so weiter. Von der AbschwĂ€chung mia zu -ma in diesem Beispiel ist es nur ein kleiner Schritt zur Kontraktion von Verbendung -n und Anlaut des Personalpronomens m-:

betontes Subjekt unbetonte Subjekt
dean mia? dean ma? > deama?

Dies ist auch der Grund, weshalb das Pronomen der 1. Person Plural im Bairischen auf m- anlautet: die mittelhochdeutsche Verbendung -n und der Anlaut des Personalpronomens wir sind zum m verschmolzen (ebenso im SchwĂ€bischen). Dieses m wurde anschließend von den Sprechern nicht lĂ€nger als Verbendung, sondern als Anlaut des Personalpronomens analysiert, daher heißt der Wahlspruch der Niederbayern: „mia hĂ mma mia!“ und nicht „wir sind wir!“. Allerdings ist das auf m- anlautende Personalpronomen fĂŒr die 1. Plural fast allen hochdeutschen Dialekten gemein und insofern keine bairische Besonderheit; es tritt auch im Alemannischen, im FrĂ€nkischen, im PfĂ€lzischen und im ThĂŒringischen auf.

Das obige Beispiel erlÀutert das PhÀnomen anhand der 1. Person Plural im Nominativ. Allerdings werden auch andere Personen und Kasus klitisiert. Die folgenden Beispiele sollen dies illustrieren.

Hochdeutsch Bairisch
Ich mag sie. I mÄg-s.
Dann hört er sie. DÄnn heat-a-s.
Dann gibt er es mir.
od.: Dann gibt er mir es.
DÄnn gibt-a-ma-s.

Anmerkung: Die klitisierten Personalpronomen wurden durch Bindestriche getrennt.

Im ersten Beispiel wird das direkte Objekt (Akkusativobjekt) klitisiert, wĂ€hrend im zweiten Subjekt und Akkusativobjekt an das Verb angefĂŒgt werden. Im dritten Beispiel schließlich gehen sogar Subjekt, Akkusativ- und Dativobjekt eine Verbindung mit dem Verb ein. Dabei ist zu beachten, dass die Abfolge von klitisiertem Dativ- und Akkusativobjekt im Bairischen mitunter von der Abfolge der Pronomina im Standarddeutschen[6] abweichen kann.

Aber nicht nur Verben können als Element dienen, an das die abgeschwĂ€chten Personalpronomina angefĂŒgt werden. Dies ist auch bei Nebensatzeinleitern möglich. So heißt es zum Beispiel:

Hochdeutsch Bairisch
Ob sie geht? Ob-s geht?
Weil sie ihn mag. Wai-s-n mÄg.
Dass er ihn dir gibt. Dass-a-da-n gibt.

Wichtig ist zudem, wenn ein Personalpronomen klitisiert wurde, dann darf die Vollform desselben nicht mehr im gleichen (Teil-)Satz vorkommen. Ein standardsprachlicher Satz wie Sie schlÀft kann nur Sie schlÄft, als Fragesatz SchlÄft-s? realisiert werden, niemals aber *Sie schlÄft-s. Letztgenannte Form ist ungrammatisch.

Einen Sonderfall und eine Ausnahme zu gerade ErwĂ€hntem bilden die Nominativ-Formen der 2. Person Singular, in einem großen Teil des Bairischen auch der 2. Person Plural,[7] sowie in Teilen Bayerns, in SĂŒdböhmen und in Teilen KĂ€rntens auch der 1. Person Plural.[8] Hier liegt nicht mehr nur reine Klitisierung vor, sondern die ehemaligen Klitika haben bereits den Status einer Flexionsendung.

Das du der 2. Person Singular wurde schon im Althochdeutschen durch inverse Satzstellung an die ursprĂŒngliche Endung -s angefĂŒgt, woraus sich die heute auch standardsprachliche Endung -st ergab.[9]

normaler Satzbau (ahd.) inverser Satzbau (ahd.) Übersetzung
du nimis (> du nimist) nimis du > nimist du Du nimmst.

Ähnliches gilt fĂŒr die 2. Person Plural, wo das Pronomen eß an die ursprĂŒngliche Endung -t beim Verb trat und so die Endung -ts bildete, die heute bei allen Verben in der 2. Person Plural in großen Teilen des bairischen Dialektraumes[7] obligatorisch ist.

normaler Satzbau inverser Satzbau
ihr tut tut ihr?
eß deat (> eß deats) deat eß? > deats?

Dieser Vorgang trifft auch auf die 1. Person Plural zu, wenngleich hier das -ma nicht in allen Dialekten des Bairischen zu einer Flexionsendung wurde. Zudem gibt es in manchen Dialekten, wo dies der Fall ist, zusÀtzliche BeschrÀnkungen (siehe dazu auch unten).

Der Sonderfall, von dem zuvor die Rede war, ist nun, dass in FĂ€llen, wo die Pronomina der 2. Person Singular und Plural, sowie (eingeschrĂ€nkt) der 1. Person Plural im Nominativ bereits „klitisiert“ wurden, die volltonigen Formen im gleichen (Teil-)Satz auftreten dĂŒrfen (aber nicht mĂŒssen).

Beispielsatz Übersetzung
2. Person Singular Du schlÄfst haid. Du schlÀfst heute.
2. Person Plural Eß schlĂ„fts haid Ăą no. Ihr schlaft heute auch noch.
1. Person Singular Mia schlÄfma. Wir schlafen.

Mit inversem Satzbau:

Beispielsatz Übersetzung
2. Person Singular Gehst (du) haid essn? Gehst du heute essen?
2. Person Plural Gehts (eß) haid essn? Geht ihr heute essen?
1. Person Singular Gemma (mia) haid essn? Gehen wir heute essen?

Eben Gesagtes gilt natĂŒrlich auch fĂŒr die Nebensatzeinleiter.

Beispielsatz Standarddeutsch
2. Person Singular I frag di, obst du heid nu epps duast. Ich frage dich, ob du heute noch was unternimmst.
2. Person Singular I frag enk, obs/obts eß heid ñ nu epps deats. Ich frage euch, ob ihr heute auch noch was unternehmt.
1. Person Plural Mia wissma ned, obma mia heid nu epps dean. Wir wissen nicht, ob wir heute noch was unternehmen.

Hinweis: Der Dialekt, aus dem das Beispiel zur 1. Person Plural stammt, illustriert die oben kurz angesprochene Problematik, dass das -ma in Dialekten, wo es ĂŒblicherweise als Flexionsendung auftritt, auch noch Ausnahmen haben kann (dean, nicht deamma im Nebensatz). In Teilen KĂ€rntens, wo das PhĂ€nomen des flexivischen -ma auch zu finden ist, wĂ€re der Beispielsatz u. U. auch grammatisch, wĂŒrde statt dean deamma im Nebensatz stehen.[8]

[Bearbeiten] Syntax

[Bearbeiten] Wortstellung

In folgenden Konstruktionen unterscheidet sich die Wortstellung von der in der Standardsprache:

  • das direkte Objekt folgt auf das indirekte, zum Beispiel sag mirs;
  • nachgestellte Adjektive (bei Betonung, zum Beispiel Hund, vĂ reckdĂ !; da MĂ„nn, da Ă„lte);
  • Initialstellung der Verben (Emphase oder Antwort, zum Beispiel kumm i glei als Antwort auf wann kummst z’uns);
  • Perfekt der Modalverben (nur im Basilekt, zum Beispiel er hĂ„t miassn aufstehn).

Regional können auch andere Abweichungen vorkommen.

In NebensÀtzen mit Modalverben kommen oft nichtprojektive Dependenzen vor, wodurch die meisten bairischen Mundarten nicht mit einer kontextfreien Grammatik beschrieben werden können.

[Bearbeiten] Verbrektion

Manche Verben des Bairischen erfordern eine andere Rektion als im Standarddeutschen, z. B. diaschtn („dĂŒrsten“), drĂ mma („trĂ€umen“) und rein („bereuen“). Sie werden mit dem logischen Subjekt im Dativ oder Akkusativ benutzt (sog. Quirky Case); ein formales Subjekt ist oft nicht vorhanden:

mi diascht ich habe Durst
di dràmt schlecht du trÀumst schlecht
des reid eam das bereut er

[Bearbeiten] PrÀdikative Attribute

Im Bairischen werden, anders als im Standarddeutschen, Adjektive in attributiver Stellung markiert; dazu dient das invariable Suffix -a bzw. -e; es handelt sich dabei um erstarrte Nom. Sg.-Formen (maskulin bzw. feminin). Solcherlei Attribute können auf Subjekt wie auch Objekt bezogen sein. Beispiele:

Des schmeggt koida (koid'e') bessa. – Das schmeckt kalt besser.
Fast hĂšttn’s’n lewada (lewad'e') eigrĂ„m. – Fast hĂ€tten sie ihn lebendig eingegraben.

[Bearbeiten] Ersatzformen

Im Dialekt werden gewisse Infinitivkonstruktionen (Subjekts- und ObjektssÀtze, AcI) vermieden und durch NebensÀtze mit einem finiten Verb ersetzt, zum Beispiel:

  • schwar iss, dĂ„ss ma heit a Årbeit fint (es ist schwer, heute Arbeit zu finden)
  • bin ned gwohnt, dass i friah aufstĂ€h (ich bin es nicht gewöhnt, frĂŒh aufzustehen)

Ähnlich werden auch attributive Partizipialphrasen vermieden, zum Beispiel:

  • de Kinder, de wĂ„s/wo laffa (die laufenden Kinder)

EingeschrÀnkt werden Partizipien adverbiell verwendet, zum Beispiel:

  • sitzndĂ  bin i eingschlĂ„fm

[Bearbeiten] Verneinung

Ein Bereich, in dem das Bairische sehr kreativ ist, ist die Verneinung, da es die sogenannte doppelte Verneinung gibt, welche mitnichten eine Litotes darstellt.

Beispiel: In da StĂ„d huift koana neamdm nĂȘda; dĂ„ĂŸ a-r-eam amoi a bißl wĂ„s z’eßn gĂąbat, wenn dear amoi koa Göid nĂȘd hĂ„t, Ă„ba nĂą: DĂ„ gibt’s koane freindlichn Menschn nimma, dĂ„ gibt nia koana nix. (In der Stadt hilft keiner; er könnte ihm doch einmal ein wenig zu essen geben, wenn derjenige einmal kein Geld hat, aber nein: Da gibt es keine freundlichen Menschen mehr, da gibt nie jemand etwas. wörtlich: In der Stadt hilft keiner niemandem nicht; dass er ihm einmal ein bisschen was zu essen gĂ€be, wenn der einmal kein Geld nicht hat, aber nein: Da gibt es keine freundlichen Menschen nicht mehr, da gibt nie keiner nichts.)

Dieser Satz, obwohl zugegebenermaßen konstruiert, könnte also durchaus so ausgesprochen werden. Jedoch kann man genauso gut auch folgenden bairischen Satz aussprechen: In da StĂ„d huift koana; dĂ„ĂŸ a-r-eppam amoi a bißl wĂ„s z’eßn gĂąbat, wenn dear amoi koa Göid hĂ„t, Ă„ba nĂą: Freindliche Menschen gibt’s dĂ„ nimmer, dĂ„ gibt nia oana wĂ„s. (gleichbedeutend).

Festzuhalten bleibt bloß: Ein Baier kann einen Satz einmal oder mehrmals verneinen, der Sinn bleibt im allgemeinen der gleiche (Ausnahmen weiter unten).

Folgende Wörter werden zur Verneinung verwendet:

bairisch standarddeutsch Verwendung
ned, neda nicht allgemeines Verneinungswort
nia nie(mals) verneint Zeitangaben
nimma, neama nicht mehr, nicht: *nimmer drĂŒckt VerĂ€nderung aus
nix, nixe nichts verneint Sachen
niangdwo, niagadwo nirgendwo verneint Ortsangaben
niagads, nindaschd nirgends verneint Ortsangaben
koa [flektiert] kein verneint Substantive
koana (nur im Nom.!) keiner verneint Personen
neamad(s), neamde, neamd niemand verneint Personen
(Dat. neamdm*, Akk. neamdn*)

* neamdm und neamdn sind von der Aussprache her nicht zu unterscheiden ([nΔam’m]).

[Bearbeiten] Ausfall von 'es' in unpersönlichen SÀtzen

Das formale Subjekt es wird oft elidiert, z. B. er is da grĂ¶ĂŸte Docker, wo gib(t). Vor allem im gemischtsprachigen KĂ€rntner Unterland gibt es unter slowenischem Einfluss das formale Subjekt gar nicht, z. B. Regnet (Es regnet).

[Bearbeiten] Höflichkeit

Das Bairische verfĂŒgt ĂŒber deutlich mehr Ausdrucksmittel zur Differenzierung von Höflichkeit, als es das Hochdeutsche bietet. So existieren fĂŒr viele Modalpartikeln, die in der alltĂ€glichen Sprache eine wichtige Rolle spielen, je zwei Versionen – eine fĂŒr Leute, die man duzt, und eine fĂŒr solche, die man siezt (wobei man sich auf dem Dorf oft ohnehin duzt, gesiezt wird vor allem in den StĂ€dten). Eine kurze Übersicht ĂŒber die wichtigsten Partikeln:

familiÀre Form (Duzform) distinkte Form (Siezform) Entsprechung im Standarddeutschen
hĂ ? hĂ ns? wie bitte?
gÀi, göi? gÀns, göns? nicht wahr?
biddsche! biddschen, biddschens! bitte schön!
mÀrci! / dangsche! dangschen, dangschens, Gaids god! danke schön!

Auch die nachfolgenden Grußformeln, die zur Lexik gehören, sind Ausdruck dieses vielschichtigen Höflichkeitssystems.

[Bearbeiten] Lexik

Ein Überblick ĂŒber die wichtigsten Wortfelder und Möglichkeiten der Wortbildung:

[Bearbeiten] Grußformeln

Das wichtigste Kapitel beim Erlernen einer Sprache sind natĂŒrlich Gruß- und Anredeformen. Ein Überblick ĂŒber die wichtigsten:

Bairisch (Verwendung) Entsprechung im Standarddeutschen wörtlicher Übertrag
servus! (familiĂ€r; BegrĂŒĂŸung/Verabschiedung) hallo/grĂŒĂŸ Dich (stets duzend) „servus!“ (auch in Standarddeutsch ĂŒblich, aus dem Lateinischen servus=(Ihr) Diener, Sklave)
(hawe-)dere! (familiĂ€r bis intim; BegrĂŒĂŸung/Verabschiedung; veraltet auch: formal; BegrĂŒĂŸung) keine (stets duzend) „(Ich) habe die Ehre!“
griaß di (God)! (familiĂ€r; BegrĂŒĂŸung) grĂŒĂŸ dich! „(Es) segne dich (Gott)!“
griaß enk/eich (God)! (familiĂ€r; BegrĂŒĂŸung) grĂŒĂŸ euch! „(Es) segne euch (Gott)!“
griaß Eana (God)! (formal; BegrĂŒĂŸung) guten Tag!, GrĂŒĂŸ Gott „(Es) segne Sie (Gott)!“
griaß God! (formal; BegrĂŒĂŸung) guten Tag!, GrĂŒĂŸ Gott „(Es) segne (Sie) Gott!“
pfiaddi (God)! (familiĂ€r; Verabschiedung) auf Wiedersehen! „(Es) behĂŒte dich (Gott)!“
pfiat enk/eich (God)! (familiĂ€r; Verabschiedung) auf Wiedersehen! (zu mehr als einer Person) „(Es) behĂŒte euch (Gott)!“
pfiat Eana (God)! (formal; Verabschiedung) auf Wiedersehen! „(Es) behĂŒte Sie (Gott)!“
pfia God! (formal; Verabschiedung) auf Wiedersehen! „(Es) behĂŒte (Sie) Gott!“
(af) Widaschaung! (formal; Verabschiedung) auf Wiedersehen! „Auf Wiederschaun!“
bĂ -bĂ ! – mit Betonung auf der 2. Silbe (herzlich-familiĂ€r; Verabschiedung) auf Wiedersehen! (zu einer oder mehreren Personen) (mehr in Österreich gebrĂ€uchlich) vgl. engl. bye-bye!
gua(d) Moang! (formal; FrĂŒhstĂŒcksgruß) guten Morgen! dto.
Moang!/Moing! (familiĂ€r; FrĂŒhstĂŒcksgruß) (guten) Morgen! dto.
guan’Åmd! (formal; Abendgruß) guten Abend! dto.
guade NĂ„cht/guad’ Nacht! (familiĂ€r und formal; Verabschiedung zur Nacht) gute Nacht (zu einer Person) dto.
guad enk/eich NĂ„cht! (familiĂ€r; Verabschiedung zur Nacht) gute Nacht! (zu mehr als einer Person) „gut euch Nacht!“
an Guadn! (familiĂ€r und formal; Mahlzeitgruß) guten Appetit! „einen Guten (Appetit)!“
Moizeid! (familiĂ€r und formal, BegrĂŒĂŸung, kein Mahlzeitgruß) guten Mittag! „Mahlzeit!“

Entgegen vielen Vorurteilen ĂŒber die bairische Frömmigkeit zeigt der reiche Fundus an Grußformeln, dass es in Baiern durchaus möglich ist, das Wort God „Gott“ im Umgang mit anderen Zeitgenossen zu vermeiden, wenn es dem eigenen Glauben zuwiderlĂ€uft.

Anmerkung: Es kann Ihnen auch heutzutage noch geschehen, dass Sie als Einzelperson von wildfremden Menschen mit „Enk“ tituliert werden. Bitte verstehen Sie es diesem Fall als ein großgeschriebenes „Euch“, also „Sie“.

[Bearbeiten] Spezifisches Vokabular

Um den regionalen Unterschieden gerecht zu werden, werden manche Wörter gesondert gekennzeichnet:
A Österreichischer Wortschatz (vor allem Donau-Österreich)
B Altbairischer Wortschatz (Ober- und Niederbayern, evtl. Oberpfalz)
H BurgenlÀndischer Wortschatz (Heanzisch)
K KĂ€rntner Wortschatz
S Steirischer Wortschatz
T Tiroler Wortschatz
W Wiener Wortschatz

[Bearbeiten] Substantive

Viele Berufsbezeichnungen teilt das Bairische mit anderen sĂŒddeutschen Dialekten, z. B. Metzger (in Österreich Metzker „Fleischer“, Schreiner „Tischler“, SpĂ ngler „Schlosser“ – einige davon gehen stark zurĂŒck, so wird z. B. der bairische Beck oft durch das norddt. „BĂ€cker“ ersetzt; andere Berufsbezeichnungen wie der Zeidler, standarddeutsch „Imker“, und der Hafner, standarddeutsch „Töpfer“, verschwinden mit dem Handwerk selbst immer mehr. Speziell österreichische AusdrĂŒcke wie SĂ ndler fĂŒr „Obdachloser“ oder Striezi fĂŒr „ZuhĂ€lter“ halten sich besser.

Die bairische Umgangssprache zeichnet sich oft durch eine Vielfalt an Begriffen fĂŒr ein- und dasselbe Bezeichnete im Standarddeutschen aus; dabei wird dieser Reichtum von Nicht-Baiern oft als derb wahrgenommen, und nicht so sehr als poetisch – der „Mund“ kann beispielsweise als Mund (neutral), Mei (= Maul, umgs., aber nicht negativ), Goschn (frech) oder Goschal (liebevoll), BĂ bbn (ebenso frech), LĂȘtschn (abwertend) oder Fotzn (beleidigend) bezeichnet werden.

Spezieller Kleidungswortschatz betrifft die Joppn („Jacke“) und das Pfoidl oder Pfoadl („Hemd“, aber auch Hemad) u. v. m.; „Kleidung“ generell wird als Gwand bezeichnet, was Deutschsprechern sehr mittelalterlich vorkommt. Das Wort Dirndl bezeichnet nicht nur das entsprechende KleidungsstĂŒck, sondern ist auch zur Bezeichnung fĂŒr „MĂ€dchen“ in Altbaiern ĂŒblich, wĂ€hrend in Österreich hier das Wort MĂądl ĂŒberwiegt. Jungen heißen allgemein Buam (Sg. Bua), in Österreich auch Burschn, Beaschn, in KĂ€rnten und der Steiermark auch Ledda (Sg. Lodda).

Auch im Bereich der Fauna gibt es speziell bairische Wörter, z. B. Giggal (m) fĂŒr „Hahn“, Bibbal (n) auch Ziwarl (n) fĂŒr „KĂŒken“, Heiß(al) oder Heinß(al) fĂŒr „junges Pferd, Fohlen“, Goaß fĂŒr „Ziege“, Hebbal fĂŒr „junge Ziege“, FĂ„r(n) fĂŒr „Jungstier, Stierkalb“, Böichn (f, ahd. belihha) fĂŒr „BlĂ€sshuhn“, Imp (m) oder Impn (f) fĂŒr „Biene“, OachkĂ tzl fĂŒr „Eichhörnchen“, Brotz (m; lat. Lehnwort) fĂŒr „Kröte“, HĂ„tz fĂŒr „EichelhĂ€her“ usw.

Zum speziellen Vokabular im Bereich Lebensmittel siehe Bairisch-Österreichischer KĂŒchenwortschatz.

[Bearbeiten] Verben

Bairisch Standarddeutsch Bairisch Standarddeutsch
si Äwiduan sich grÀmen kean kehren, fegen
odln jauchen (dĂŒngen mit Jauche) kewin, kebbln kebbeln, keifen
leitn (stV: glittn) schellen, lÀuten
loana lehnen
Ă„daun anstoßen loatn lenken, steuern
Ă„glĂ„nga anfassen, berĂŒhren lusn horchen, zuhören
Äzipfna nerven, belÀstigen luang schauen, spÀhen
bÄbba kleben meamin meckern, murren
si bùzn sich aalen mosan nörgeln, meckern
bùn rösten [Brot] mugazn W leise/heimlich schimpfen
bĂ„tzn kleckern papriziern A mit Paprika wĂŒrzen
baun pflĂŒgen pfigazn W pfeifen
beaschn raufen pfugazn W kichern
benzn flehen; schelten pressiern eilen
biesln pinkeln rùtschn schwÀtzen, plaudern
bigga kleben raunzn nörgeln, jammern
blĂ„nga + Akk + af gelĂŒsten + Akk + nach rean weinen, heulen
recha harken
böiffan ausschelten roasn reisen
brogga pflĂŒcken sĂ ndln herumlungern, nichts tun
brunzn pissen sĂąbln, sĂąwin rennen
dabÄgga aushalten, verkraften schÄffa + Dat anordnen, befehlen
schaun(g) gucken
daduan umbringen scheim schieben, stoßen, kegeln
daugn gefallen, wohltun schepfn A arbeiten
dĂ chin klauen schiagln, schiang schielen; petzen, flunkern
deftn niedermachen, demĂŒtigen pariern gehorchen
dinkn + Akk scheinen + Dat schliaffa (stV: gschloffa) wetzen, schleichen
drĂąn drehen schloaffa schleppen
dràtzn Àrgern, belÀstigen schmàtzn reden, plaudern
dreim (stV: driem) tun, machen schmutzn lÀcheln
drenzn weinen schnaufa atmen
driggin trocknen schnàxln B vögeln
si dummin sich beeilen schneim (stV: gschniem) schneien
si eiweimberln sich einschmeicheln schnoatn schnippeln, kleinschneiden
eiwoagga einweichen schoasn furzen
faschiern A durch den Fleischwolf drehen schupfa sanft werfen, schubsen
feanzn verspotten, verhöhnen sekkiern A nerven, belÀstigen
fein faulen, verrotten sempan nörgeln, klagen
fexn ernten siedn (stV: gsottn) brĂŒhen, kochen [Kaffee]
fechtln betteln soacha pissen
(si) fein fehlen, falschlaufen söicha rÀuchern
fiesln abnagen spÄna begreifen
flùdan A klauen speachn S spÀhen
si frettn sich abmĂŒhen speanzln liebĂ€ugeln, flirten
friasn, froisn frieren speim (stV: gspiem) kotzen
fuxn klauen; nicht glattgehen sprĂągln spalten
gein loben, prahlen stùssn (swV: gstùsst) stoßen
si gfrein sich freuen stigga reizen, interessieren
gleschn Ohrfeige verpassen strĂąn streuen
gletzln schaben, kratzen strawĂ nzn vagabundieren
gliam, gloim (stV: glom) spalten, hacken [Holz] stroaffa (stV: gstroffa) streifen
gneißn bemerken; begreifen sudan A meckern, jammern
gnotzn lungern, lĂŒmmeln; tief schlafen tachiniern A faulenzen; blaumachen, schwĂ€nzn
grain kratzen tschentschn meckern, nörgeln
grĂ mpfen stehlen
grĂ„sn jĂ€ten ĂșrĂ„ssn verschwenden, –geuden
gràttln umstÀndlich herumtun wùchin, wàchln flattern; fÀcheln
grĂąwin schimmeln wĂątschn ohrfeigen
grĂ xln klettern weizn spuken
griang bekommen woing walzen
gugazn W husten, hĂŒsteln wualn wimmeln
hĂ ckln A arbeiten zĂąn zehren; zerren
hĂ tschn hinken; trotten zĂ xln ziehen, zerren
hudln hasten, hetzen zumpan drÀngeln
hupfa springen zuzln saugen
hunzn Àrgern, nerven zwigga kneifen; Fahrschein entwerten

[Bearbeiten] Adjektive

Das produktivste Suffix zur Bildung von Adjektiven ist -ad; es geht entweder auf das Suffix -ert zurĂŒck, oder auf das Suffix -end, welches eigentlich zur Bildung des Partizip PrĂ€sens verwendet wird (siehe dort; beide Suffixe sind im Bairischen lautlich zusammengefallen). Stammendungen in Klammern (meist -g oder -ch) werden nur gesprochen, wenn das Adjektiv flektiert wird und dadurch eine vokalische Endung erhĂ€lt.

Bairisch Standarddeutsch Bairisch Standarddeutsch
Ägfressn beleidigt gschlÄmpad unordentlich
Äper schneefrei gschleggad schleimig [bei Personen]
ausgschàmmt unverschÀmt gschmeidi(g) A toll
ausgstocha wĂ€hlerisch gschmoaßn schlank
bÄbbad klebrig gschnÄbbad frech, schnippisch
bÄcha A kitschig; schwul gschodad unfrisiert, zerzaust
bÄmpad unwirsch, schroff gsöicht gerÀuchert
bÄtschad tollpatschig gspàssi(g) lustig
biggad klebrig gstingad stinkend
blÄddad glatzköpfig gstumpad stumpf, stummlig
aufblùd aufgedunsen; dick gumpad unruhig, nervös
bloßhĂ xad barfĂŒĂŸig gwĂ„mpad bauchig, beleibt
bumbalgsund kerngesund hai, hĂąl glatt [bei Eis]
dàmmisch verwirrt, benommen haudi(g) erschöpft
dĂ ntschi(g) niedlich, liebreizend hĂ nti(g) bitter [bei Kaffee]
dearisch A taub, schwerhörig hùtschad schwerfÀllig
dÚbbad dÀmlich hieni(g)(hie) kaputt; tot [ugs]
doarad B taub, schwerhörig hintafotzi(g) hinterhÀltig
doiggad tÀppisch hoaglad wÀhlerisch
hoibschĂąri(g) halbherzig
drĂąmhĂ bbad verschlafen kommĂłdt bequem
dreggad schmutzig leiwand W herrlich, großartig
drenzad weinerlich len weich
drutschad einfĂ€ltig, naiv lĂȘtschad lasch, schlaff
dusi(g) diesig, neblig liab sympathisch, nett
entrisch fremd, seltsam lind ungesalzen; von weicher bis flĂŒssiger Konsistenz
fabĂ ndlt liiert mĂ„(b) mĂŒrbe
fakuid, faköid erkĂ€ltet nĂ rrisch verrĂŒckt
fĂąd langweilig nei(g), nei(ch) neu
fesch hĂŒbsch neidi(g) neidisch oder geizig
gùch jÀh pfànzi(g) B anmutig
gĂ msi(g) lĂŒstern pfundi(g) B toll
gĂ mpri(g) lĂŒstern rĂ ss scharf; unfreundlich
gfleggad fleckig resch knusprig; sauer [bei Wein]
ghoazt/ghàzt A schwul roglad zappelig, nervös
glumpad unbrauchbar, nutzlos ruachad raffgierig
gnùtschi(g) niedergeschlagen sÄmft sacht
goschad vorlaut schiach hÀsslich
graubbad unansehnlich schleißi(g) schĂ€big; nachlĂ€ssig
grĂ nti(g) ĂŒbellaunig; wĂŒtend sekkant A nervig
greisli(ch) scheußlich siari(g) geizig
griabi(g) B angenehm soich unrein, trĂŒbe
grindi(g) eklig, ekelhaft stĂąd leise, still
großkopfad arrogant (g)wĂ„gglad wackelig
großgoschad großmĂ€ulig wĂšpsad unruhig, zappelig, hyperaktiv
gschĂ mmi(g) schĂŒchtern, verschĂ€mt wualad aufgeregt
gschead fies zùch zÀh, schwierig
gscheggad scheckig ziagad zĂ€hflĂŒssig
gscheid klug zimpfti(g) gemĂŒtlich
gschiaglad schielend; verlogen zwieda unsympathisch

[Bearbeiten] Adverbien

Vor allem im Bereich der Tageszeiten ergeben sich einige Unterschiede zum Standarddeutschen:

Bairisch Standarddeutsch Bairisch Standarddeutsch
af d’Nocht abends iatz(ad) jetzt
agrĂ t B ausgerechnet in da Frua morgens
bei da Nocht nachts iwahĂ ps ĂŒberhaupt
oreidig/oraidig hÀsslich, ekelhaft / seltsam, derb lei T K nur
bloß, nua, neta OÖ, aglei nur leicht etwa [Frageadverb]
dau hier oim/Älm T immer
eh, ĂȘ ohnehin; sicher oiwei immer
fert letztes Jahr pfeigrÄd unmittelbar, genau
fei Abtönungspartikel, mit der die Aussage dem GesprĂ€chspartner gegenĂŒber hervorhoben werden soll pfent rasch
gùch plötzlich, unerwartet pomùli W langsam
grod nur; soeben sauwa ziemlich
gscheid tĂŒchtig, ziemlich sĂ ggrisch verdammt
gschwind rasch söitn selten; bemerkenswert
heia dieses Jahr ĂșmbĂ ndi(g) außerordentlich
hait eben, wohl zmoast meistens

[Bearbeiten] Uhrzeit

Bei der Angabe der Uhrzeit gibt es einige GrÀben auf dem deutschen Sprachgebiet, die nicht unbedingt mit regionalen Dialekten zusammenfallen; dennoch lÀsst sich das Bairische (zusammen mit anderen oberdeutschen Dialekten) nach dem PrÀpositionsgebrauch bei Viertelstunden vom Nord- und Mitteldeutschen abgrenzen:

12:15 – bair.: Viertl noch zwöife; nordbair. vornehmlich: viertl oans; selten: „vial iwa zwĂ€ife“ (viertel ĂŒber zwölf)

12:30 – bair.: hoibe/a oans

12:45 – bair.: Standard: Dreiviertl oans/Viertl vor oans, selten: Viertl af oans

Vor allem bei vollen Stunden ist es notwendig, das -e bei den Zahlen ab vier nicht zu vergessen:

16:00 – bair.: viare

16:30 – bair.: hoibe/a fĂŒmfe

NatĂŒrlich gilt im ersten Beispiel fĂŒrs Ostmittelbairische, speziell fĂŒrs Wienerische, Ă ns statt oans, und fĂŒr einen Teil des Nordbairischen oins fĂŒr oans und vejatl fĂŒr viertl. Wie im engl. Sprachraum wird in Bayern das 12h-Format verwendet:

14:30 – hoibe drei (am Nammidog) bzw. im Nordbairischen halwer drei (am Nammitoch)

[Bearbeiten] Geldeinheiten

Zu Zeiten der D-Mark waren in Altbaiern folgende MĂŒnzbezeichnungen ĂŒblich:

  • Pfenning: 1 Pfennig
  • Zwoaring: 2 Pfennig
  • Fimfal, FĂŒmfal: 5 Pfennig
  • Zehnal, Groschn: 10 Pfennig
  • Fuchzgal, Fuggal: 50 Pfennig
  • MĂ gl, Iggl: 1 Mark
  • Zwiggl: 2 Mark
  • DĂ„la, Fimfa: 5 Mark

Die meisten dieser Bezeichnungen wurden auf die entsprechenden Euro-Einheiten ĂŒbertragen, wobei sich noch das „ZwĂ„nzgal“ (in Österreich „ZwĂ nzgal“) fĂŒr die 20-Cent-MĂŒnze dazugesellt hat. Diese Bezeichnung wurde schon zu D-Mark-Zeiten in der Schafkopf-Sprache fĂŒr den Basistarif 5/20 (Fimfal/ZwĂ„nzgal) verwendet.

Die Bezeichnung „DĂ„la“ (standarddeutsch: Taler) wird allerdings nicht fĂŒr die FĂŒnf-Euro-Note eingesetzt; auch der „Iggl“ kommt langsam aus der Mode, vom „MĂ gl“, einem Diminutiv der D-Mark, selbstredend ganz zu schweigen.

[Bearbeiten] Wochentage

Die bairischen Wochentagsnamen, welche vom Standarddeutschen etymologisch abweichen (also der Dienstag und der Donnerstag), stammen aus dem Einfluss des Gotischen. Sie sind jedoch stark auf dem RĂŒckzug und werden heute nur noch in lĂ€ndlichen Gebieten benutzt; vielen Baiern sind sie bereits vollkommen unbekannt:

Standarddeutsch Bairisch ErklÀrung
Montag MĂ„nda/MondĂ„g gleicher Wortstamm („Tag des Mondes“), mit bair. a fĂŒr o und Schwund des Auslauts -g
Dienstag Iadda/ErgedĂ„g/DiensdĂ„g/Diada von Ertag, das eine Kurzform von Ergetag ist, also „Tag des Ares“; vgl. dazu Donnerstag
Mittwoch Migga/MitchtÄg/Middwoch/Micha kontrahierte Form des standarddeutschen Wortes (mit der vereinzelten Lautentwicklung tw > gg)
Donnerstag Pfinzda/PfinsdĂ„g/DunnasdĂ„g von Pfinztag, eine Ableitung von griech. pente „fĂŒnf“, also der 5. Tag der Woche (vom Sonntag ausgehend, vgl. das Wort Pfingsten)
Freitag Freida/FreidÄg gleicher Wortstamm, von der germanischen Göttin Freyja abgeleitet
Samstag SÄmsta/SÄmstÄg gleicher Wortstamm, aus dem HebrÀischen (vgl. das Wort Sabbat)
Sonntag Sunda/SundĂ„g gleicher Wortstamm („Tag der Sonne“), mit bair. u fĂŒr o und Auslautschwund

[Bearbeiten] Namen

Siehe Bayrische Namen

[Bearbeiten] Wortbildung

[Bearbeiten] Verbale PrÀfixe

Es gibt zwei verbale PrÀfixe, die zwar im Standarddeutschen ein Pendant haben, die im Bairischen aber viel produktiver sind.

da-

da- (< der-) entspricht dem standarddeutschen er-, kommt aber auch mit Verben vor, die ein der Hochsprache dieses PrĂ€fix nicht haben können. Es bedeutet oft die knappe BewĂ€ltigung einer Handlung und wird auch fĂŒr verschiedene Tötungsarten gebraucht; daher sind Verben mit diesem PrĂ€fix stets perfektiv (siehe auch Verbalaspekt).
Beispiele:

  • dabĂ„gga (< der+packen) „schaffen; aushalten, verkraften“
  • si dabĂ„rma (< der+barmen) „sich erbarmen“ (gebrĂ€uchlicher als im Hdt.)
  • daduan (< der+tun) „umbringen“ (scherzhaft)
  • daseng (< der+sehen) „(gerade noch) sehen können“
  • (si) darenna (< der+rennen) „rennend (gerade noch) erreichen“; [refl.] „sich totfahren“
  • si dasĂ ffa (< der+saufen) „sich tottrinken“
  • daziang (< der+ziehen) „(gerade noch) ziehen können“

zsÄmm-

zsÄmm [com-] entspricht dem standarddeutschen zusammen-, es wird jedoch hÀufiger verwendet als dieses.
Beispiele:

  • zsĂ„mmbringa „schaffen“
  • zsĂ„mmkema „fertigwerden“
  • zsĂ„mmfĂ„rn „niederfĂŒhren; zu Schrott fahren“
  • zsĂ„mmdrĂąn „anstellen“
  • zsĂ„mmhaun „zerschlagen“
  • zsĂ„mmklaum „aufklauben“
  • si zsĂ„mmsaffa „austrinken“ („safts eich zsĂ„mm“)

[Bearbeiten] Kollektivsubstantive

Kollektivsubstantive werden mitunter mit dem Suffix -Ă ch gebildet, welches sich allerdings auf das SĂŒdbairische und das Mittelbairische an der Grenze zu Schwaben beschrĂ€nkt. Beispiele:

  • Erlch ErlengebĂŒsch
  • GschwistrĂ ch Geschwister
  • KindrĂ ch Kinder, Kinderschar
  • KreitlĂ ch Kraut
  • StandrĂ ch Gestein
  • StaudĂ ch Stauden, GebĂŒsch

[Bearbeiten] Der Diminutiv

Das Bairische besitzt regional verschiedene Diminutivsuffixe, von denen -l, -e und -al (< -erl) die verbreitetsten sind. Ersteres ist stark lexikalisiert, d. h. es wird oft nicht mehr als Diminutiv verstanden. Das Bairische weist also, Ă€hnlich wie das NiederlĂ€ndische und Alemannische, eine Reihe lexikalisierter Diminutive auf; Beispiele:

  • fĂŒr „Pferd“ verwendet man im Bairischen entweder Rooß oder Pfeadl, beide sind jedoch gleichwertig (d. h. Pfeadl gilt nicht mehr als Diminutiv). Um ein kleines Pferd zu bezeichnen, gebraucht man das Suffix -al: a Pfeaddal. Der Diminutiv Ressl zu Rooß wird eher fĂŒr die Figur des Springers im Schachspiel verwendet (vgl. dt. Rössel).
  • „Haus“ hat zwei verschiedene Diminutivformen: Haisl, mit dem oft, aber nicht immer der Abort (frĂŒher außer-, heute auch innerhalb des Hauses) bezeichnet wird („as Scheißhaisl“); Haisal ist dagegen unzweideutig ein kleines Haus.

Allerdings kann auch das Suffix -al seine Diminutivfunktion einbĂŒĂŸen:

  • a SĂ„chal ist keine kleine Sache, sondern ein kleines Anwesen.
  • a BlĂ tzal ist wie im Standarddeutschen ein PlĂ€tzchen oder ein Keks, kein kleiner Platz (Letzterer hieße im Bairischen Blatzl).
  • a Drimmal mag zwar ein kleines Trumm sein, es handelt sich im Standarddeutschen jedoch prĂ€ziser um einen Hundehaufen.

Bei der Diminutivbildung muss mit Umlauten gerechnet werden; dabei ist der Umlaut Ă„ > Ă  obligatorisch (und weiterhin produktiv); andere Umlaute treten nicht immer ein – Beispiele:

  • a Gloggn – a Gleggal („eine Glocke, ein Glöcklein“), aber: a Goschn – a Goschal („ein Mund“ (vulgĂ€r) – „ein MĂŒndchen“ (Kosewort))
  • a Kuacha – a Kiachal („ein Kuchen, ein KĂŒchlein“), aber: a Gurkn – a Gurkal („eine Gurke, ein GĂŒrkchen“)
  • a Drumm – a Drimmal („ein Trumm, ein TrĂŒmmlein“), aber der Verursacher des Letzteren: a Hund – a Huntal („ein Hund, ein HĂŒndchen“)

Manche Diminutivformen, die auf -al enden, treten auch in der Form -e (mit langem, geschlossenem „e“) auf:

  • a Bank – a BĂ nkal – a BĂ nge (eine Bank – eine kleine Bank)
  • a Kuacha – a Kiachal – Kiache (ein Kuchen – KĂŒchlein)

Endet der Wortstamm auf -n oder auf Nasalvokal, wird ein epenthetisches -d- vor das Diminutivsuffix eingeschoben; dabei wird nasaliertes -n restituiert:

  • a PfĂ„nn – a PfĂ ndl („eine Pfanne – ein PfĂ€nnchen“)
  • a Stoa – a Stoandl/Stoandal („ein Stein – ein Steinchen“)
  • a MĂ„ – a MĂ ndal (dabei bezeichnet der Diminutiv keinen kleinen Mann, sondern das MĂ€nnchen im biologischen Sinne, wie im Deutschen)

Einige Diminutive zeigen Umlaut e > Ă ; sie sind jedoch lexikalisiert, der Umlaut darf daher als unproduktiv gelten:

  • a Hefn – a HĂ fal („ein Topf – eine (große) Tasse“)
  • a Mensch – a MĂ nschgal („ein Mensch – eine Spielfigur“)
  • a Stempn – a StĂ mpal („ein Pflock – eine Portion Schnaps“)

Diminutive von Fremdwörtern auf vokalischen Auslaut tilgen diesen teilweise:

  • a Auto – a Autal („ein Auto – ein kleines bzw. niedliches Auto“)

Viele Diminutive ohne Grundwort beziehen sich oft auf Menschen, die in irgendeiner Weise bemitleidet werden; sie sind jedoch keine Schimpfwörter, sondern eher Mitleidsbezeugungen:

  • a WĂ sal („ein armer Mensch“; Grundwort evtl. Wesen oder Waise?)
  • a BĂ„tschal („ein unbeholfener, ungeschickter Mensch“)

Es gibt noch weitere Diminutive, deren Grundwörter nicht existieren:

  • a Biwal/Bibbal („ein KĂŒken“)
  • a Noagal („ein GetrĂ€nkerest“, meist im Plural gebraucht; etymologisch an „sich neigen“ anschließbar)

Im Berchtesgadener Land, Teilen des Salzburger Landes, Salzkammerguts und des Bayerischen Oberlandes sowie auch im Tiroler Unterland und im steirischen Tauerngebiet lautet das Diminutivsuffix meist nicht -(a)l, sondern -ei. Das HĂ€nschen wird beispielsweise so zum Hansei. Murmeltiere heißen in Berchtesgaden Mankei; andere Beispiele: Dirnei fĂŒr MĂ€dchen, Keschzai fĂŒr Kerzlein usw.

[Bearbeiten] Bairische Umschrift

Da das Bairische auch oft verschriftlicht wird (von Mundartdichtern, Musikern), hat sich eine Art Standard fĂŒr die bairische Umschrift etabliert.

Diese Umschrift wurde auch in diesem Artikel verwendet. In vielen FÀllen sieht sie dem standardisierten Deutsch Àhnlich, wo das Wort aber anders ausgesprochen wird. Hier einige Richtlinien zur Aussprache der im Artikel verwendeten Umschrift:

  • Das r nach Vokalen außer a wird vor Konsonant in der Regel zu hellem Ă . Es gibt jedoch auch Baiern, die nach o und u manchmal ein stark gerolltes r sprechen.
  • Das r nach a dagegen wird auch am Wortende und vor Konsonant oft ausgesprochen, und zwar stark gerollt, so stets – auch am Wortende – vor Vokal. Ausnahmen sind die Wörter hia(r), Bia(r) und Ă€hnliche.
  • unbetontes -er wird stets wie helles a, aber kĂŒrzer, ausgesprochen.
  • Zur Regelung des a und seiner Varianten siehe weiter oben unter Phonologie und in der Diskussion zu diesem Artikel.
  • Ă€ und ö werden wie e und ĂŒ wie i ausgesprochen.
  • Ă€i und öi werden ungefĂ€hr wie englisches ai in pain ausgesprochen.
  • ei dagegen ist ganz normales standarddeutsches ei. Wenn es nicht standarddeutschem eu entspricht, wird es manchmal leicht in Richtung Ă€i gesprochen.
  • g wird vor f, s und sch wie k ausgesprochen; gh wird stets wie k ausgesprochen: ghabt, ghĂ„itn usf. Dies gilt auch fĂŒr den Joghurt.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] WörterbĂŒcher

Der Wortschatz der bairischen Mundarten in Bayern wird erfasst und beschrieben:

Bairisch in Bayern:

  • Johann Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch. Oldenburg, Neuauflage 2002
    Der Klassiker der bairischen DialektwörterbĂŒcher. Schwierig zu lesen, da in Fraktur und in Schmellers eigentĂŒmlicher Alphabetisierung. Schließt Franken und Schwaben mit ein.
  • Ludwig Zehetner: Bairisches Deutsch. Heinrich Hugendubel Verlag/edition vulpes, Kreuzlingen/MĂŒnchen/Regensburg 2005, ISBN 3-9807028-7-1
    In der Schreibweise oft ans Standarddeutsche angelehnt.

Bairisch in Österreich:

  • Otto Hietsch: From „anbandeln“ to „Zwetschkenknödel“. An Austrian Lexical Cultural Guide. Tyrolia, 2000
    Wie der Untertitel andeutet, nur in begrenztem Maße als Wörterbuch geeignet. Dennoch sehr informativ. In Englisch geschrieben.
  • Otto Hietsch: Bavarian into English. 3 BĂ€nde. 1994–1997
  • Peter Wehle: Sprechen Sie Wienerisch?

[Bearbeiten] Nachschlagewerke zur Grammatik

Bairisch in Altbayern:

  • Cordula Maiwald: Das temporale System des Mittelbairischen. Heidelberg 2002
  • Ludwig Merkle: Bairische Grammatik. Heimeran Verlag, MĂŒnchen 1975
  • Johann Andreas Schmeller: Die Mundarten Bayerns grammatisch dargestellt. Hueber, MĂŒnchen 1821 (Neudruck: SĂ€ndig, Wiesbaden 1969)
  • Karl Weinhold: Bairische Grammatik. Berlin 1876.

[Bearbeiten] Phonologie

  • Robert Schikowski: Die Phonologie des Westmittelbairischen. (= MĂŒnchener BeitrĂ€ge zur Allgemeinen und Historischen Sprachwissenschaft; Bd. 1). Magisterarbeit, LMU MĂŒnchen 2009 (Volltext)

[Bearbeiten] Darstellungen der Dialekte

  • Gerald Huber: Lecker derbleckt. Eine kleine bairische Wortkunde SocietĂ€tsverlag, Frankfurt/Main 2008, ISBN 978-3-7973-1100-9
    populÀrwissenschaftliche Darstellung des Wortschatzes und der Etymologie des Bairischen
  • Ludwig Zehetner: Das bairische Dialektbuch. C. H. Beck, MĂŒnchen 1985, ISBN 3-406-30562-8
    ĂŒber die bairischen Dialekte in Altbayern/Bayern in allen Aspekten
  • Manfred Renn, Werner König: Kleiner Bayerischer Sprachatlas. Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-423-03328-2
    ĂŒber alle Dialekte in Bayern, nicht nur die bairischen; interessant auch in Bezug auf das Dialektkontinuum
  • Eberhard Wagner: Das frĂ€nkische Dialektbuch. C. H. Beck, MĂŒnchen 1987, ISBN 3-406-31800-2
    ĂŒber die frĂ€nkischen Dialekte in Franken/Bayern; interessant hier in Bezug auf das Nordbairische
  • Werner König: dtv-Atlas deutsche Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂŒnchen, 2004, ISBN 3-423-03025-9
    in Bezug auf die historische Bedeutung des Bairischen fĂŒr die deutsche Sprache insgesamt
  • Sprechen Sie Bayerisch? FĂŒr Bayern und solche, die es noch werden wollen. Illustriert von Judith Kroboth. Tosa, Wien 2006, ISBN 978-3-902478-38-2.
  • Ingo Reiffenstein: Salzburgische Dialektgeographie. Die sĂŒdmittelbairischen Mundarten zwischen Inn und Enns. Wilhelm Schmitz Verlag, Gießen, 1955.

[Bearbeiten] Mundartpflege

  • Wolfgang Lindner: Sprach-Kultur neben der Kultur-Sprache. Mundart-pflegerische Vereinigungen in Altbayern. Dissertation, UniversitĂ€t Regensburg 2006 (Volltext)

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. ↑ http://www.ethnologue.com/show_language.asp?code=bar Ethnologue: Languages of the World
  2. ↑ a b Ludwig Zehetner: Das bairische Dialektbuch. Verlag C. H. Beck, MĂŒnchen 1985, ISBN 3-406-30562-8, S. 16.
  3. ↑ Ludwig Zehetner: Das bairische Dialektbuch. C. H. Beck, MĂŒnchen 1985, ISBN 3-406-30562-8, S. 66 und 85.
  4. ↑ Ludwig Zehetner: Bairisches Deutsch. Heinrich Hugendubel Verlag/edition vulpes, Kreuzlingen/MĂŒnchen/Regensburg 2005, ISBN 3-9807028-7-1, Stichwort -ig.
  5. ↑ Mhd. Wortmaterial aus:
    Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. Mit NachtrÀgen von Ulrich Pretzel.
    38. Auflage. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1992.
  6. ↑ Vergleiche dazu:
    Duden. Die Grammatik. Unentbehrlich fĂŒr richtiges Deutsch.
    Dudenverlag, Mannheim [u. a.], 2005, 7. Auflage [= Duden Band 4], S. 885.
  7. ↑ a b Vergleiche dazu:
    Peter Wiesinger: Die Flexionsmorphologie des Verbums im Bairischen.
    Verlag der österr. Akademie der Wissenschaften, Wien 1989, S. 39–44.
  8. ↑ a b Vergleiche dazu:
    Peter Wiesinger: Die Flexionsmorphologie des Verbums im Bairischen.
    Verlag der österr. Akademie der Wissenschaften, Wien 1989, S. 36–39.
  9. ↑ Vergleiche dazu:
    Wilhelm Braune, Ingo Reiffenstein (Bearb.): Althochdeutsche Grammatik I. Laut- und Formenlehre.
    15. Auflage. Max Niemeyer Verlag, TĂŒbingen, 2004, §306b S. 261.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Bairische Sprache â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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Dieser Artikel wurde am 27. Dezember 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.

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