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Alois Riehl – Wikipedia

Alois Riehl

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
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Dieser Artikel erlĂ€utert einen österreichischen Philosophen. FĂŒr den Ă€hnlich geschriebenen deutschen Politiker, siehe Alois Rhiel
Alois Riehl.

Alois (auch Aloys) Adolf Riehl (* 27. April 1844 auf dem Riehlhof bei Bozen; † 21. November 1924 in Neubabelsberg bei Potsdam) war ein österreichischer Philosoph und Vertreter des Neukantianismus.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biografie

Alois Riehl wurde als zweites von fĂŒnf Kindern des Gastwirten Josef Riehl und seiner Frau Marie auf dem Â»Riehlhof« bei Bozen in SĂŒdtirol geboren. Nach dem Besuch des Franziskanergymnasium in Bozen und der Matura studierte er Philosophie, Geographie und Geschichte an den UniversitĂ€ten Wien, MĂŒnchen, Innsbruck und Graz. 1866 legte er das Staatsexamen fĂŒr das Höhere Lehramt in Graz ab. 1868 promovierte er zum Dr. phil. an der UniversitĂ€t Innsbruck.

1870 habilitierte er sich an der UniversitĂ€t Graz, war dort zunĂ€chst Privatdozent und ab 1873 a.o. Professor fĂŒr Philosophie. 1878 wurde er zum ordentlichen Professor fĂŒr Philosophie berufen. 1882 erhielt er einen Ruf an die Albert-Ludwigs-UniversitĂ€t Freiburg als Nachfolger von Wilhelm Windelband. 1896 wurde er an die Christian-Albrechts-UniversitĂ€t Kiel berufen, 1898 an die UniversitĂ€t Halle. 1905 wurde Riehl Nachfolger Wilhelm Diltheys auf dem Lehrstuhl fĂŒr Philosophie an der Friedrich-Wilhelm-UniversitĂ€t Berlin.

Riehl betreute als Doktorvater u.a. die Dissertationen von Oswald Spengler zum Thema Der Metaphysische Grundgedanke der Heraklitischen Philosophie und von AdhĂ©mar Gelb (1910). Riehl gehörte am 5. MĂ€rz 1906 neben Max Sering und Max Lenz zu den PrĂŒfern des Rigorosums von Alice Salomon, das sie mit cum laude bestand. Alois Riehl war ein Korreferent von Carl Stumpf, der Robert Musil promovierte. Der Kandidat hatte am 31. Januar 1908 seine Dissertation zum Thema Beitrag zur Beurteilung der Lehren MachÂŽs eingereicht und die Note laudabile erhalten. [1]

1906 beauftragten Sofie und Alois Riehl den zwanzigjĂ€hrigen Mies van der Rohe mit der Planung ihres Wohnhauses, der „Villa ĂŒberm See“ (von den Riehls auch „Klösterli“ genannt) in der Spitzweggasse in der Villenkolonie Neubabelsberg bei Potsdam-Babelsberg.

1907 machte eine Gruppe deutscher UniversitĂ€tsprofessoren, darunter Riehl, Richard Oehler, Richard Heinze und Hans Vaihinger), den offiziellen Vorschlag, den Nobelpreis fĂŒr Literatur des Jahres 1908 an Elisabeth Förster-Nietzsche zu vergeben. [2]

Josef Riehl war ein Bruder von Alois Riehl. Seine Frau Sofie Riehl, geb. Reyer, war eine Tante von Frieda Gross, geb. Schloffer, der Ehefrau des österreichischen Arztes, Psychoanalytikers und RevolutionÀrs Otto Gross.

Alois Riehl wurde auf dem Alten Friedhof von Klein Glienicke beerdigt. Ein Grabmal − entworfen von Mies van der Rohe – zierte lange Zeit das Grab.

[Bearbeiten] Position

Innerhalb des Neukantianismus gelten Robert Reininger, der Arbeiten zum psychophysischen Problem und zur Wertphilosophie veröffentlichte, und Alois Riehl als Vertreter des Kritizismus: FĂŒr Riehl ist die Philosophie nicht eine Weltanschauungslehre, sondern vor allem Kritik der Erkenntnis. Riehl betont dabei eine Fortschreibung von Kant, indem neue Erkenntnisse der Naturwissenschaften und der Mathematik, (z. B. Nicht-euklidische Geometrie) einbezogen werden.

Eine Bestimmung der Position von Alois Riehl gelingt zusĂ€tzlich ĂŒber seinen SchĂŒler Richard Hönigswald: Die Grundprobleme des Gegebenen und des menschlichen Erkennens stehen sich gegenĂŒber. Philosophische Untersuchungen zum Ding an sich basieren auf denkpsychologischen Überlegungen, in denen ein Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Gegenstand beschrieben wird. Dabei ist Sprache notwendig fĂŒr das Bewusstsein und erst durch Sprache kann die ObjektivitĂ€t eines Gegenstandes hergestellt werden.[3]

[Bearbeiten] Ehrung

  • 1913: EhrendoktorwĂŒrde der University of Princeton.

[Bearbeiten] Publikationen

Werke
  • Realistische GrundzĂŒge. Eine philosophische Abhandlung der allgemeinen und nothwendigen Erfahrungsbegriffe. Leuschner u. Lubensky, Graz 1870.
  • Moral und Dogma. Gerold, Wien 1871.
  • Über Begriff und Form der Philosophie. Eine allgemeine Einleitung in das Studium der Philosophie. Duncker, Berlin 1872.
  • Der philosophische Kritizismus und seine Bedeutung fĂŒr die positive Wissenschaft. Geschichte und System. 3 BĂ€nde, Leipzig 1876-1887:
  • Friedrich Nietzsche. Der KĂŒnstler und der Denker. Ein Essay. Frommann, Stuttgart 1897 (Neuausgabe: Dr. Klaus Fischer Verlag, Schutterwald/Baden 2000)
  • FĂŒhrende Denker und Forscher. Quelle & Meyer, Leipzig 1922.
  • BeitrĂ€ge zur Logik. 3. Aufl. Reisland, Leipzig 1923.
  • Philosophische Studien aus vier Jahrzehnten. Quelle u. Meyer, Leipzig 1925.
Referate
  • Zur EinfĂŒhrung in die Philosophie der Gegenwart. Acht VortrĂ€ge. Teubner, Leipzig 1903.
  • Humanistische Ziele des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts. Vortrag gehalten in der Vereinigung der Freunde des humanistischen Gymnasiums in Berlin und der Provinz Brandenburg am 4. Dezember 1908. Weidmann, Berlin 1909.
  • Giordano Bruno. Zur Erinnerung an den 17. Februar 1600. 2. Aufl. Engelmann, Leipzig 1900.
  • Plato - Ein populĂ€r-wissenschaftlicher Vortrag. Niemeyer, Halle 1912.
  • Fichtes UniversitĂ€tsplan. Rede zur Feier des Geburtstages Seiner MajestĂ€t des Kaisers und Königs (Wilhelm II.) gehalten in der Aula der Königlichen Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t zu Berlin am 27. Januar 1910. UniversitĂ€tsbuchdruckerei, Berlin o.J. (1910).

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quelle

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ Karl Corino: Robert Musil. Reinbek 1989, S. 142.
  2. ↑ Heinz Frederick Peters: Zarathustras Schwester. Fritz und Lieschen Nietzsche – ein deutsches Trauerspiel. MĂŒnchen: Kindler 1983, S. 262
  3. ↑ Vgl. auch Georgi Schischkoff: Philosophisches Wörterbuch. Lemma Riehl.

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