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Alanen – Wikipedia

Alanen

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
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Dieser Artikel beschreibt Das Volk; fĂŒr andere Bedeutungen siehe Alanen (BegriffsklĂ€rung).
Wohnsitze der Alanen im 1. Jahrhundert v. Chr., einschließlich Nachbarvölker

Die Alanen (griechisch Alanoi, lateinisch Alani, Halani; wahrscheinlich von Al ‚groß‘, ‚stark‘, ‚göttlich‘ und der iranischen Nachsilbe fĂŒr eine Abstammung an, eventuell auch von iran. Aryan) waren ein iranisches Volk, ein Teilstamm der Sarmaten, der insbesondere den Roxolanen nahestand.

Die Alanen existierten als Stammesverband aber viel lĂ€nger als die Sarmaten und nahmen in der spĂ€teren Zeit auch andere Kulturelemente auf. Sie siedelten ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. im nördlichen Kasachstan und im Nordosten des Kaspischen Meeres, zogen aber ab der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in die sĂŒdrussischen Steppen zwischen Wolga und Don. Die Alanen sind unmittelbare Vorfahren der heute im Kaukasus lebenden Osseten.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Alanien, 1060 n. Chr.
  • Um 44-35 v. Chr.: der flĂŒchtige Xiongnu-FĂŒrst Chih-chih ließ sich am TschĂŒi nieder und erhob Tribut bei den An-tsai (=Alanen) und anderen benachbarten Gruppen (Hu-chich, Imil, Ch'ien-k'u und sogar in Sogdien), bis er 35 v. Chr. von den Chinesen getötet wurde. Der stetige, westwĂ€rts gerichtete Druck aus der Steppe fĂŒhrt im 1. Jahrhundert zur Abwanderung eines Teils ins heutige SĂŒdrussland, ein anderer Teil unterwirft sich den in Sogdien benachbarten Kang-kĂŒ.
  • Im spĂ€ten 1. Jahrhundert n. Chr. auch nördlich des Kaukasus wohnhaft, unternahmen sie von dort und von ihren alten Sitzen an der Ostseite des Kaspischen Meeres RaubzĂŒge durch das Partherreich und nach Medien, Armenien und Kleinasien.
  • 137 drangen sie in die römische Provinz Kappadokien ein wurden jedoch vom dortigen Statthalter Flavius Arrianus besiegt.
  • In römischen Diensten kamen viele Alanen nach Gallien und Britannien, wo sie auch Siedlungen grĂŒndeten. Noch im FrĂŒhmittelalter waren viele französische und bretonische Adlige stolz auf ihre alanisch-römische Herkunft.
  • Gegen 374 wird ein Teil der Alanen von den einfallenden Hunnen besiegt und unterworfen.
  • In der Schlacht von Adrianopel 378 waren schwergepanzerte alanische Kataphraktoi am Sieg der Goten ĂŒber die Römer beteiligt
  • der grĂ¶ĂŸere Teil der Alanen zog nach Westen und schloss sich 406 den Vandalen auf dem Zug ĂŒber den Rhein (siehe RheinĂŒbergang von 406 und Respendial) und 409 Richtung Spanien an, wo sie sich in der römischen Provinz Lusitanien ansiedelten.
  • 429 schlossen sich die verbleibenden Alanen den Hasding-Vandalen auf dem Zug nach Nordafrika an. Seit dem Vandalenkönig Hunerich waren sie direkt den Vandalenkönigen zugehörig, die von nun an den Titel Rex Vandalorum et Alanorum fĂŒhrten.
  • Alanische Kavallerie stand als Söldner hĂ€ufig in byzantinischen Diensten, muslimische Alanen (Arsiyah) in khasarischen Diensten.
  • Bei der Entstehung der Kiewer Rus spielten die Alanen als Kriegerelite im SĂŒden des Reiches (um Kiew) wahrscheinlich eine wichtige Rolle.
  • Im 9. Jahrhundert entstand im Kuban-Gebiet und im Nordkaukasus der Staat Alanien, der wenige Jahrzehnte spĂ€ter von byzantinischen Missionaren christianisiert wurde. Mit dem Einfall der Mongolen im 13. Jahrhundert wurde dieses alanische Königreich zerschlagen.
  • Daraufhin wurden um 1237 einige tausend Alanen – zusammen mit ca. 40.000 Kyptschaken (auch Kumanen oder Kunen genannt, Vorfahren der heutigen Gagausen), mit denen sie verbĂŒndet waren – von den Mongolen nach Ungarn vertrieben. Dort – im Komitat JĂĄsz-Nagykun-Szolnok (Jaß-Großkumanien-Sollnock) mit dem Hauptort JĂĄszberĂ©ny – gingen sie in der dort schon lĂ€nger lebenden, noch heute existierenden sarmatisch-alanischen Volksgruppe der Jaszen (Jassen, Jazygen, Assen „ungarlĂ€ndische Alanen“) auf.
  • Vom 13 Jhdt. bis 1475 existierte auf der Krim das FĂŒrstentum Theodoro, das dem Umfeld des byzantinischen Reiches zuzurechnen war und sich neben anderen auch auf alanische Bevölkerungsanteile gestĂŒtzt haben soll.
  • Im Nordkaukasus leben bis heute direkte sprachliche, ethnische und kulturelle Nachfahren der Alanen: das Volk der Osseten. Dieser neue Volksname wurde im SpĂ€tmittelalter fĂŒr die alanische Bevölkerung im Kaukasus gebrĂ€uchlich.

[Bearbeiten] Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft

Die Alanen waren ein Reitervolk, das ursprĂŒnglich halbnomadisch als Viehhirten in den sĂŒdrussischen Steppen lebte, wo sie Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde hĂŒteten. Die Alanen lebten meist in Jurten und auf Wagen (siehe auch: Wagenburg) und zogen mit ihren Herden in andere Weidegebiete, sobald das Land abgefressen war. Die Alanen ernĂ€hrten sich hauptsĂ€chlich von Milchprodukten (KĂ€se, Joghurt/Kefir) und Fleisch. Im Zuge des Kontaktes mit dem Bosporanischen Reich, den Römern und im Laufe der Völkerwanderung wurden die Alanen zunehmend sesshaft, unter anderem am Kuban, im Kaukasus, in Anatolien, in Konstantinopel, um Kiew herum, in Ungarn, im HunsrĂŒck, in Norditalien, in der Bretagne, in Aquitanien, in England, in Katalonien, in Portugal und in Tunesien.

Typisch fĂŒr die alanische Kunst sind die verschlungenen Tiermuster des skythisch-sarmatischen Tierstils, der unter den Alanen die Kunst der germanischen Völkerwanderungszeit prĂ€gte, zuerst bei den Goten, dann bei den Vandalen und schließlich bei den merowingerzeitlichen Franken.

Alanische Krieger waren mit einem skythischen Reflexbogen, einem langen zweischneidigen Schwert (dem sog. sarmatischen Langschwert), einem Dolch, und einer Lanze (oft vom Contus-Typ) ausgestattet. Schwer gepanzerte Kataphrakte waren bei den Alanen nicht ganz so hÀufig anzutreffen wie bei den anderen sarmatischen StÀmmen, die Alanen kÀmpften hÀufiger als leichte Lanzenreiter. Eine typisch alanische Kampftaktik war die vorgetÀuschte Flucht und der Parthische Schuss. Im Gegensatz zu den Sarmaten (siehe auch: Amazonen) gibt es bei den Alanen keine Hinweise darauf, dass auch Frauen kÀmpften.

[Bearbeiten] Was bleibt von den Alanen

[Bearbeiten] Name

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Die Vornamen Alan, Alain, Alanus, Alanis, der Nachname FitzAlan und unzÀhlige Ortsnamen wie zum Beispiel Allainville oder Allaincourt weisen (möglicherweise) noch heute auf die PrÀsenz der Alanen in Europa hin, speziell in England und Frankreich, und im Namen der spanischen Region Katalonien (umstr.) haben sie sich nach der Völkerwanderung zusammen mit den Goten verewigt. Auch deutsche Korporationen benutzten den Namen Alania im Zuge der Romantisierung von VölkerwanderungsstÀmmen im 19. Jahrhundert.

Im Kaukasus gibt es den Darielpass, dessen Name dem neupersischen Namen dar-i Alan (deutsch Pforte der Alanen) entlehnt wurde. Er war das Einfallstor der Alanen bei ihren EroberungszĂŒgen im sĂŒdlichen Kaukasus.

Der Name der berĂŒhmten polnischen leichten Kavallerie, der Ulanen, kommt wahrscheinlich auch von den Alanen, die einst im ganzen frĂŒhmittelalterlichen Europa fĂŒr ihre Lanzenreiter berĂŒhmt waren und als Söldner angeworben wurden. Der Alaunt war eine im Mittelalter verbreitete, heute fast ausgestorbene Jagdhundrasse, die von alanischen Hirten- bzw. Kriegshunden abstammte.

[Bearbeiten] Teilstamm der Ruchs-as

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Laut einigen deutschen, russischen und britischen Sprachwissenschaftlern und Historikern könnte die Bezeichnung Rus, der alte Name Russlands und der Russen, auf den alanischen Teilstamm der Ruchs-as oder auf die sarmatischen Roxolanen zurĂŒckgehen. In beiden Stammesnamen verbirgt sich – wie etwa in den iranischen und russischen Vornamen Rustam und Ruslan – altnordiranisch Raochschna ‚weiß‘, ‚Licht‘; Rus als Volksname wĂŒrde demnach ‚die Hellen‘, ‚Strahlenden‘ bedeuten. Die Anwesenheit von nicht-assimilierten Alanen in den Siedlungen und StĂ€dten der frĂŒhen Kiewer Rus ist archĂ€ologisch belegt. Allerdings wird die Rukhs-as-Theorie von den meisten Wissenschaftlern zurĂŒckgewiesen, man identifiziert das Wort „Rus“ als Bezeichnung der Skandinavier in Russland.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • AgustĂ­ Alemany: Sources on the Alans: Critical Compilation. Brill Academic Publishers, Leiden-Boston-Köln 2000, ISBN 90-04-11442-4.
  • Iaroslav Lebedynsky: Les peuples nomades de la steppe des origines aux invasions mongoles IXe siĂšcle av. J.-C. – XIIIe siĂšcle apr. J.-C. Errance, Paris 2003.

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Alanen â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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