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Adolf (Manga) – Wikipedia

Adolf (Manga)

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
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Adolf (jap. ă‚ąăƒ‰ăƒ«ăƒ•ă«ć‘Šă, Adorufu ni Tsugu, ĂŒbersetzt „Mitteilung an Adolf“) ist eine Manga-Serie des bekannten Zeichners Osamu Tezuka. Die Krimiserie erschien von 1983 bis 1985 in etwa 1.250 Seiten und wurde fĂŒr eine erwachsene Leserschaft gezeichnet. Tezuka verbindet in dem Werk fiktive Figuren und HandlungsstrĂ€nge mit historischen Begebenheiten um Adolf Hitler im Zweiten Weltkrieg.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

Das Corpus Delicti von Adolf ist ein geheimes Dokument, das die jĂŒdische Abstammung Adolf Hitlers belegen soll. Es taucht wĂ€hrend der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin auf und findet spĂ€ter den Weg nach Japan. Die Hauptpersonen Sohei Toge (japanischer Sportreporter), Adolf Kamil (deutscher Jude im japanischen Exil) und Adolf Kaufmann (Deutsch-Japaner) werden im Laufe der Geschichte in eine gefĂ€hrliche Jagd nach diesem Dokument verwickelt.

1936 kommt der japanische Sportjournalist Sohei Toge zur Berichterstattung zu den Olympischen Spielen nach Berlin. Als er wegen einer wichtigen Nachricht zu seinem Bruder Isao geht, findet er dessen Wohnung in Unordnung und seinen Bruder tot auf einem Baum an der Straße. Seine Leiche verschwindet bei der Polizei und niemand will Isao je in Deutschland gesehen haben. Als Sohei Nachforschungen anstellt, wird er selbst von der Gestapo verhaftet, verhört und gefoltert. Man will von ihm wissen, welche Informationen er von seinem Bruder erhalten hat. Nachdem er in Ohnmacht gefallen ist, wacht er im Zimmer der jungen Renate auf. Gemeinsam mit dieser begibt er sich erneut auf die Suche nach Hinweisen, auch nach dem Gestapo-Offizier, der ihn gefoltert hat. Sucht er ihn auf dem Reichsparteitag in NĂŒrnberg noch vergeblich, kann Sohei ihn in seinem Hotel zufĂ€llig finden. Er erfĂ€hrt, dass Renate eigentlich Rosa Lampe heißt, die Tochter des Gestapo-Offiziers ist und ihm bestimmte Dokumente abnehmen sollte. Daraufhin fragt er sie aus, kann aber nur erfahren, dass Isao fĂŒr Hitler gefĂ€hrliche Dokumente hatte. Rosa stĂŒrzt sich nach einer Nacht mit Sohei vom Hotelfenster in den Tod.

Zur gleichen Zeit freunden sich in Kobe in Japan der jĂŒdische BĂ€ckersohn deutscher Abstammung Adolf Kamil und der jĂŒngere Deutsch-Japaner Adolf Kaufmann an. Kaufmann kann nicht verstehen, dass sein Vater, der beim deutschen Konsulat arbeitet, ihm den Umgang mit Kamil verbietet. Am selben Tag wird Herr Kaufmann von einem Ermittler der PolizeiprĂ€fektur Hyƍgo ĂŒber den Mord an einer Geisha befragt. Sie wurde ein halbes Jahr zuvor stranguliert in einem WĂ€ldchen gefunden. Herr Kaufmann streitet jede Verbindung zu dem Vorfall ab, ist jedoch in Wirklichkeit der TĂ€ter. Auch seine Frau Yukie verdĂ€chtigt ihn.

Als Kamil eines Tages ein Treffen seines Vaters mit anderen Juden belauscht, erfĂ€hrt er von einem Dokument, das beweist, dass Adolf Hitler jĂŒdischer Abstammung ist. Da er es niemandem erzĂ€hlen darf, aber seine Unruhe deswegen besĂ€nftigen will, schreibt er es auf einen Zettel, den er in einem Baum versteckt. Zu dieser Zeit erfĂ€hrt Kaufmann, dass er in Deutschland auf die Adolf-Hitler-Schule (AHS) gehen soll. Er jedoch weigert sich und will lieber in Japan bleiben. Herr Kaufmann wird von der Gestapo informiert, dass die Dokumente, die in einer von fĂŒnf Wagner-BĂŒsten enthalten sind und wegen derer er die Geisha ermordete, wahrscheinlich in den HĂ€nden der Juden in Kobe sind. Er macht sich auf die Suche nach den Dokumenten, wird aber in einem Unwetter mit Überschwemmungen schwer krank. WĂ€hrend des gleichen Unwetters erfĂ€hrt Kaufmann durch den Zettel im Baum, den er zufĂ€llig findet, von dem Geheimnis der Abstammung Hitlers. Als er es seinem Vater sagt, will dieser, dass Adolf ihm erzĂ€hlt, wer den Zettel geschrieben hat, stirbt aber kurz darauf. Er gibt vor seinem Tod noch seinem Mitstreiter Gerhard Mische Bescheid, doch auch dieser kann nicht erfahren, wer den Zettel geschrieben hat, und schickt Adolf Kaufmann nach Deutschland auf die AHS.

WĂ€hrenddessen kommen die Dokumente von Isao per Post an eine Gruppe japanischer Oppositioneller, zu denen auch Isaos ehemalige Lehrerin Frau Ogi gehört. Bei einer Razzia muss sie mit den Dokumenten flĂŒchten und trifft Sohei in ihrer Wohnung. Er liest die Dokumente und erkennt ihre Brisanz. Sie werden ihm ĂŒberlassen, doch wird er nun von der japanischen Geheimpolizei verfolgt, die glaubt er habe Informationen ĂŒber die Opposition erhalten. Auf der Flucht trifft er Frau Kaufmann und leiht sich von ihr Geld fĂŒr die Zugfahrt. Nach dem er ihr das Geld wiedergegeben hat wird er von der Geheimpolizei verhaftet und von Kommissar Akabane gefoltert. Jedoch kommt er frei, weil Oberst Honda auf DrĂ€ngen von Frau Kaufmann fĂŒr ihn gebĂŒrgt hat. Nun wird er jedoch von mehreren auslĂ€ndischen Agenten bedrĂ€ngt, ihnen die Dokumente zu ĂŒbergeben. Zudem verliert er seine Stelle bei Nachrichtenagentur kyogo und findet kaum Arbeit, sodass er auf der Straße leben muss. Als er Kommissar Akabane wieder trifft kommt es zum Kampf, bei dem es Akabane gelingt die Dokumente an sich zu reißen. Jedoch stĂŒrzt er auf einen Nagel, der sich in seinen Kopf bohrt und fĂ€llt in einen von ihm selbst angezĂŒndeten MĂŒllhaufen. Toge wird wegen Brandstiftung verhaftet.

Zu dieser Zeit lebt sich Adolf Kaufmann auf der Adolf Hitler Schule ein. Er ist ein so guter SchĂŒler, dass er bei einem Besuch Hitlers von diesem eine Medaille verliehen bekommt.

In Japan glaubt ein Kommissar bei der Polizei den Aussagen Toges und will ihm helfen, die Dokumente zu finden und lĂ€sst ihn bei sich und seiner Tochter Mieko wohnen. Die Suche nach Akabane fĂŒhrt sie zuerst zur Wohnung von Frau Ogi und dann zu ihrem Heimatort. Doch kommt auch Lampe von der Gestapo nach Japan, um die Dokumente persönlich zu suchen. Er besucht Frau Kaufmann, die gesteht Toge zu lieben, aber sonst nichts mit ihm zu tun zu haben. Auf einer Insel im Meer, wohin der Bruder von Frau Ogi sie und Kommissar Akabane verschleppt hat, treffen sie nun auch auf Lampe. WĂ€hrend des Kampfes gehen die Papiere scheinbar verloren und alle außer Toge sterben.

In der folgenden Zeit wird Toge von der Besitzerin einer Bar an der KĂŒste gesund gepflegt. Doch bald taucht Lampe wieder auf, der die Ereignisse auf der Insel ebenso ĂŒberlebt hat und nun Toge töten will. Als er nach einem Kampf mit ihm verhaftet und als Zeuge zur Polizei gefĂŒhrt wird, trifft er auch Frau Ogi wieder, die die Dokumente hatte retten können. In der folgenden Zeit wohnt Sohei Toge bei Mieko, der Tochter des gestorbenen Kommissars.

WĂ€hrenddessen gibt Frau Ogi die Dokumente an Adolf Kamil weiter, da dieser als Deutscher nicht ĂŒberwacht wird. Er will sie daraufhin seinem Vater zeigen, doch dieser reist noch am selben Tag nach Litauen ab, um dort Juden zur Flucht nach Kobe zu helfen. In Litauen aber wird sein Ausweis gestohlen, sodass er verhaftet wird und nach Deutschland deportiert. Adolf Kaufmann verliebt sich zu dieser Zeit in ein jĂŒdischen MĂ€dchen, Elisa, und muss daraufhin als Beweis seiner LoyalitĂ€t zu den Nazis zwei Juden aus dem Konzentrationslager, darunter Adolf Kamils Vater, erschießen. Bald darauf verhilft er dennoch dem MĂ€dchen zur Flucht nach Kobe. Nachdem Adolf Kamil spĂ€ter wĂ€hrend einer Zugfahrt einen chinesischen Spion fasst, wird er von Hitler ausgezeichnet und soll nun als sein persönlicher SekretĂ€r im Berghof ausgebildet werden. Dadurch ist er viel in der Umgebung von Hitler und erfĂ€hrt eines Tages, dass Hitler jĂŒdischer Abstammung ist.

Zu dieser Zeit kommt Elisa in Kobe an und wohnt bei den Kamils. Bald darauf wird deren Wohnung von Deutschen nach den Dokumenten durchsucht, woraufhin Adolf Kamil und Frau Ogi beschließen, diese dem kommunistischen Widerstand zu ĂŒberlassen. Jedoch finden sie ihren Kontaktmann erhĂ€ngt und der einzige weitere Hinweis weist auf die 1936 ermordete Geisha Kinuko.

Nachforschungen fĂŒhren die beiden dann zu dem jungen Yoshio Honda, der Mitglied des Spionageringes um Richard Sorge ist und Sohn eines japanischen Oberst. Nach einem Streit und dem Angriff eines betrunkenen Soldaten auf Adolf bringt Yoshio ihn zu sich nach Hause. Auch dort streitet Yoshio jede Verbindung zum Untergrund ab.

In Kobe wird Adolf Kamil Mitglied des BĂ€ckereiverbandes und fĂŒr die Rettung bei Luftangriffen im Viertel zustĂ€ndig. Trotz der Rationalisierung lĂ€uft die BĂ€ckerei gut und Adolf und Elisa wollen bald heiraten. Plötzlich taucht Yoshio Honda auf und gibt seine Verbindung zum Untergrund zu, sodass ihm Adolf die Dokumente zur Veröffentlichung ĂŒberlĂ€sst. Bei einem Treffen mit Toge stimmt auch dieser der Übergabe der Dokumente an die Kommunisten zu. Zur Sicherheit vergrĂ€bt Yoshio diese vorerst im Garten.

Bald darauf jedoch wird Richard Sorge verhaftet und der Spionagering fliegt auf. Daraufhin wird Yoshio von seinem Vater erschossen und der Mord als Selbstmord dargestellt, da die Ehre der Familie gewahrt bleiben soll. Bei der Beerdigung von Yoshio treffen Isao Toge und Frau Kaufmann wieder und beschließen gemeinsam ein deutsches Restaurant zu betreiben. WĂ€hrenddessen kommen sie sich auch persönlich immer nĂ€her. Doch haben sie Probleme mit den Behörden, da im Krieg der Luxus verpönt wird.

Zur selben Zeit hat Adolf Kaufmann in Deutschland Karriere gemacht und ist bereits mit 20 Oberleutnant der SD. Nun will ihn Lampe nach Japan schicken, um die Dokumente zu besorgen. Dann wird er jedoch verdĂ€chtigt, an der Verschwörung um Stauffenberg beteiligt gewesen zu sein. Nachdem Lampe ihm geholfen hat den VerdĂ€chtigungen zu entkommen, ist er an der Jagd nach den Verschwörern beteiligt. Nachdem er sich aber weigerte, Generalfeldmarschall Rommel wegen Beteiligung an der Verschwörung zu erschießen, wird er zum Transport der Juden nach Warschau versetzt. Dort erlebt er die grausame Behandlung der Deportierten und erfĂ€hrt vom Tod Rommels. Als Lampe ihm nun erneut das Angebot macht, nach Japan zu reisen und dort Sohei Toge die Dokumente abzunehmen, stimmt er zu und reist in einem U-Boot ĂŒber die Arktis nach Japan.

Dort angekommen wird er mit dem Verlobung seiner Mutter und Toge sowie von Adolf Kamil und Elisa konfrontiert. Es gelingt ihm nicht Toge die Dokumente mit Gewalt abzunehmen. SpĂ€ter vergewaltigt er Elisa, da er glaubt, so Adolf Kamil von einer Heirat abzubringen. In einem darauf folgenden Streit zwischen beiden Adolfs spricht Kamil auch von dem Dokument, beide prĂŒgeln sich. Als Frau Kaufmann dazwischen geht kommt es dazu, dass sich Adolf Kaufmann von seiner Mutter lossagt und fortgeht.

Bald darauf jedoch entfĂŒhrt Kaufmann Frau Ogi und Kamil, sowie Sohei Toge, um von ihnen den Aufenthaltsort der Dokumente zu erpressen. WĂ€hrend der Folter erzĂ€hlt Kamil, dass er die Dokumente an den Sohn von Oberst Honda weitergegeben hat. Kurz nachdem Kaufmann das Haus verlĂ€sst, schlĂ€gt dort eine Bombe ein und Toge, Kamil und Frau Ogi können fliehen. Bei dem Bombardement kommt auch Kamils Mutter um, Sohei wird taub.

Als eines Tages auch das Haus von Sohei und Frau Kaufmann bombardiert wird, wird diese im Bunker schwer verletzt. Toge bringt sie schnell ins Krankenhaus, zumal sie schwanger ist. Als er Oberst Honda um Hilfe bitten will, damit Frau Kaufmann eine bessere Pflege bekommen kann, trifft er vor dessen Haus Adolf Kaufmann. Nach der Untersuchung des GrundstĂŒcks der Hondas werden die Dokumente gefunden, doch wird Adolf im Moment darauf die Nachricht der Kapitulation Deutschlands ĂŒberbracht. Nach diesem Vorfall kann Toge Frau Kaufmann in ein MilitĂ€rkrankenhaus bringen lassen. Dort hĂ€lt sie die Schwangerschaft durch und bringt das Kind zur Welt, doch stirbt sie nach der Geburt.

Jahre spĂ€ter irrt Adolf Kaufmann in PalĂ€stina umher. Dort schließt er sich PalĂ€stinensern an, die gegen Israel kĂ€mpfen. Zehn Jahre spĂ€ter ist er mit einer PalĂ€stinenserin verheiratet und hat ein Kind. Doch diese werden bei einem Angriff der israelischen Armee getötet, der unter Befehl von Adolf Kamil stand. Bald treffen sich die beiden Adolfs erneut und in einem Zweikampf tötet Kamil Adolf Kaufmann.

[Bearbeiten] Entstehung

Osamu Tezuka kam die Idee, einen Manga ĂŒber Hitlers mögliche jĂŒdische Abstammung zu verfassen, als er eine Zeitungsnotiz ĂŒber diese Theorie gelesen hatte. Ebenso inspirierte ihn die Biografie Richard Sorges, eines sowjetischen Spions in Japan im Zweiten Weltkrieg.[1] Im Manga gibt es eine Szene, in der Sorge die geheimen Dokumente nach Moskau bringen soll; die Spionage Sorges wird jedoch vorher durch die japanische Geheimpolizei aufgedeckt.

[Bearbeiten] Veröffentlichungen

Der Manga erschien in Japan vom 6. Januar 1983 bis zum 30. Mai 1985 als Serie in der Wochenzeitschrift ShĆ«kan Bunshun. Tezuka hatte zu dieser Zeit gesundheitliche Probleme und konnte die in ShĆ«kan Bunshun veröffentlichten je zehnseitigen[2] Episoden oft zeichnerisch nicht so fertigstellen, wie er es eigentlich gewollt hatte. Er verbesserte sie spĂ€ter fĂŒr eine Buchveröffentlichung.[3] Der Verlag Bungei ShunjĆ« brachte die in der Zeitschrift veröffentlichten Episoden auch in Form von vier Hardcover-BĂ€nden heraus. SpĂ€ter erschien die Serie auch in Taschenbuch- und Bunkoban-Format. In diesen Neuauflagen teilte man die Episoden nicht auf vier, sondern auf fĂŒnf BĂ€nde auf.

Adolf wurde in mehrere Sprachen ĂŒbersetzt. Von 1995 bis 1997 kam eine fĂŒnfbĂ€ndige, englische Übersetzung in Nordamerika bei Viz heraus; 1998 eine vierbĂ€ndige Fassung in Frankreich bei Tonkam. Es folgten Veröffentlichungen in Taiwan, Italien, Spanien, Brasilien und Deutschland.

Letztere erschien zwischen November 2005 und MĂ€rz 2007 in fĂŒnf BĂ€nden im Carlsen Verlag. Um den Manga nach westlichen Gewohnheiten von links nach rechts lesen zu können, wurden die Seiten in der deutschen Ausgabe gespiegelt. Um jedoch historische Genauigkeiten, wie den Hitlergruß mit rechter Hand oder Armbinden, korrekt wiederzugeben, wurden einzelne Bilder nicht gespiegelt. Ähnlich wurde auch schon bei Barfuß durch Hiroshima von Keiji Nakazawa, das ebenfalls bei Carlsen erschienen ist, vorgegangen. Die Anpassung der Leserichtung war nach Aussage des Verlags ratsam, da auch viele Ă€ltere Leser, die mit der japanischen Leserichtung nicht vertraut seien, fĂŒr das Werk gewonnen werden sollten. Dagegen erscheinen die meisten Mangas bei Carlsen heute in japanischer Leserichtung.

[Bearbeiten] Stil

Osamu Tezuka beschĂ€ftigte sich in den 1980er Jahren viel mit Biografien und Dokumentationen ĂŒber historische Persönlichkeiten und VorfĂ€lle.[4] So zeichnete er unter anderem eine Biografie Ludwig van Beethovens in Comicform. Mit Adolf griff er den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg auf und stellte fiktive Figuren in diesen historischen Rahmen. Das Werk ist im Vergleich zu Tezukas restlichem Werk ernsthafter, weniger karikaturistisch gehalten und realistischer gezeichnet. Dies geschah auf Anraten des Chefredakteurs der Zeitschrift ShĆ«kan Bunshun, in der Adolf erschien.[3]

Bei seinem Werk Hi no Tori beispielsweise experimentierte Tezuka stark mit der Aufteilung der Panels, hier verzichtete er darauf. Da der Manga in nur zehnseitigen Episoden veröffentlicht wurde, entschied der Zeichner sich fĂŒr eine konventionelle Seitenaufteilung. Diese Aufteilung mache das Lesen fĂŒr einen Nicht-Japaner einfacher, so Frederik L. Schodt.[2]

[Bearbeiten] Darstellung Hitlers und des Nationalsozialismus

Tezuka stellte in Adolf die Person Hitlers nicht das erste Mal dar. In frĂŒhen Werken wie Astro Boy zeichnete er oft Figuren, die eine vor allem wegen ihres Bartes offensichtliche Ähnlichkeit zu Adolf Hitler aufweisen. Diese Figuren waren AnfĂŒhrer von Bösewichten.[5] Auch ließ Tezuka in Comics wie etwa Big X Menschen, die ein Hakenkreuz-Abzeichen tragen, auftreten. Das Hakenkreuz stand hier nicht fĂŒr eine politische Überzeugung, sondern, so Susanne Phillipps, „fĂŒr das Böse schlechthin.“[5]

Hitler, der in dem Comic eine Nebenfigur ist, wird sowohl als öffentliche Person als auch als launische Privatperson gezeigt. Seine öffentlichen Auftritte, die sich an die Propaganda zur Zeit des Nationalsozialismus und an die Filme von Leni Riefenstahl halten, dienen dazu, um die Figur Hitlers zu karikieren, angelehnt an Charlie Chaplins Der große Diktator (1940). Susanne Phillipps fĂŒhrt dazu aus: „Wie sich die Figur hynkel im Film zuckend und unkontrolliert bewegt, hĂ€lt Tezuka Hitler parodistisch ĂŒberzeichnet in zunĂ€chst ausladenden Gesten, dann in verzerrten Körperproportionen fest.“[6] Oft wird Hitler aus der Sicht Adolf Kaufmanns gezeichnet. Kaufmann respektiert ihn, ist von seiner Macht fasziniert und so von der Propaganda beeinflusst, dass er ihn anhimmelt. SpĂ€ter Ă€ngstigt sich Kaufmann vor Hitlers schnell schwankenden Launen und bezweifelt einige seiner Ansichten und Entscheidungen. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 sieht er Hitler als paranoid an.[7]

Die nationalsozialistische Denkweise stellt der Zeichner negativ dar. Susanne Phillipps dazu: „Tezuka zeichnet die NS-Ideologie – generell alle Ideologien – als fĂŒr Kinder unverstĂ€ndlich und unterstreicht so, daß ihnen jede logisch begrĂŒndbare Basis fehlt.“[8]

[Bearbeiten] Rezeption

Adolf wurde in Japan von der zeitgenössischen Kritik im Vergleich zu anderen Werken Tezukas (wie etwa Hi no Tori) weniger geschĂ€tzt und wurde kein herausragender Erfolg.[9] Allerdings war der Manga einer der ersten Comics, die in vielen Buchhandlungen Japans nicht in der Comic-, sondern in der Belletristik-Abteilung verkauft wurden.[10][11] Zudem gewann Tezuka fĂŒr dieses Werk 1986 den Kƍdansha-Manga-Preis in der Kategorie „Allgemeines“.

Viele europĂ€ische Kritiker hoben den Manga positiv hervor. So sprach Jens Balzer in der Berliner Zeitung von Tezukas ehrgeizigstem und bestem Werk. Es sei „eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von enttĂ€uschter Liebe und verlorener Freundschaft, und ein sorgfĂ€ltig recherchierter Historien-Comic, in dem die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs zugleich aus japanischer und aus deutscher Perspektive erscheint.“[12] In der Netzeitung schrieb man, Adolf sei ein â€žĂŒberaus spannende[r] Spionagethriller“.[13]

Christian Gasser meinte in der Neuen ZĂŒrcher Zeitung dagegen, das „pazifistische Manga-Epos“ ĂŒberzeuge nicht durchwegs. Wegen der großen Anzahl an Figuren seien vor allem die negativ gezeichneten Personen klischeehaft dargestellt und das Schicksal der Dokumente um Hitlers Abstammung sei auf die Dauer nicht glaubwĂŒrdig. Außerdem wirke „die VerknĂŒpfung der verschiedenen HandlungsstrĂ€nge [...] bisweilen erzwungen und von zu grossen ZufĂ€llen abhĂ€ngig“.[14] Ähnlich kritisierte Susanne Phillipps das Werk. Es sei „sehr unausgewogen“ und gleite „an manchen Stellen – besonders bei Szenen der Jagd nach Geheimdokumenten – auf das Niveau einer einfachen AbenteuererzĂ€hlung ab.“[15]

Phillipps bemĂ€ngelte auch, dass Tezuka nicht komplett auf witzige EinschĂŒbe verzichte. Diese erschienen in seinen anderen geschichtlichen Werken zwar passend, aber seien „bei dem schwierigen und komplexen Thema Nationalsozialismus in ihrer unbedarften Art [...] unangebracht.“[15] Frederik L. Schodt griff den Kritikpunkt auch auf und meinte, dass der gelegentliche Einsatz von Gags zwar manche Leser verwirren könne, aber: „Wenn jedoch die Geschichte in ihrer GĂ€nze gelesen wird, wird klar, dass Tezuka nur das Manga-Medium benutzt hat, um einen komplexen dostojewskischen Roman mit einer wahrhaft globalen Sichtweise zu schaffen.“[16]

WĂ€hrend der Manga in Japan oft fĂŒr seine geschichtliche Genauigkeit gelobt wurde[11], nahmen einige europĂ€ische Kritiker vor allem am historischen Hintergrund der ErzĂ€hlung Anstoß. Gasser merkt dazu an: „Dass es unmöglich war, die wahre Abstammung Hitlers in Japan publik zu machen, ist nachvollziehbar - dass es bis zum Ende Hitlers aber keine Möglichkeit gegeben haben soll, die Papiere einem auslĂ€ndischen Reporter oder Diplomaten zu ĂŒbergeben, ist fraglich.“[14] Jan-Frederik Bandel kritisierte im Zuender, einem Netzmagazin der Zeit, generell die Theorie ĂŒber Hitlers jĂŒdische Abstammung. „Auf den Gedanken, hier nach historischer PlausibilitĂ€t zu fragen, oder irgendeine Form literarisch-politischer AufklĂ€rungsabsicht zu vermuten, wird man schwerlich kommen.“[17]

[Bearbeiten] Radio-Hörspiel

Eine Radiostation des Fernsehsenders Tokyo Broadcasting System ĂŒbertrug im FrĂŒhjahr 1993 eine dramatisierte, drei Stunden dauernde Hörspiel-Version der Geschichte.[16]

[Bearbeiten] Literatur

  • Frederik L. Schodt: Dreamland Japan. Writings On Modern Manga. 3. Auflage. Stone Bridge Press, Berkeley 2002, ISBN 1-880656-23-X, S. 248–252.
  • Susanne Phillipps: Osamu Tezuka. Figuren, Themen und ErzĂ€hlstrukturen im Manga-Gesamtwerk. iudicum, MĂŒnchen 2000, ISBN 3-89129-810-2.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ Susanne Phillipps, S. 369.
  2. ↑ a b Frederik L. Schodt, S. 249.
  3. ↑ a b Adolf bei der offiziellen Website von Tezuka Productions
  4. ↑ Susanne Phillipps, S. 366.
  5. ↑ a b Susanne Phillipps, S. 286.
  6. ↑ Susanne Phillipps, S. 296.
  7. ↑ Susanne Phillipps, S. 297.
  8. ↑ Susanne Phillipps, S. 291.
  9. ↑ Bettina Gildenhard: Hitler als Comicfigur. In: STRAPAZIN, Ausgabe 81
  10. ↑ Osamu Tezuka: Adolf. Band 1. Carlsen Verlag, 2005, S. 265.
  11. ↑ a b Susanne Phillipps, S. 288.
  12. ↑ Jens Balzer: Drei Mal Adolf. In: Berliner Zeitung, 30. November 2005 (aufgerufen am 8. Juni 2007)
  13. ↑ Artikel bei Netzeitung.de (aufgerufen am 8. Juni 2007)
  14. ↑ a b Christian Gasser: Deutsch-japanische Verstrickungen. In: Neue ZĂŒrcher Zeitung, 22. Juni 2006 (aufgerufen am 8. Juni 2007)
  15. ↑ a b Susanne Phillipps, S. 292.
  16. ↑ a b Frederik L. Schodt, S. 252.
  17. ↑ Jan-Frederik Bandel: FĂŒnf Mal Adolf. In: Zuender, 18/2007 (aufgerufen am 24. Juni 2007)

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