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Adalbert Stifter – Wikipedia

Adalbert Stifter

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Adalbert Stifter

Adalbert Stifter (* 23. Oktober 1805 in Oberplan, Böhmen, als Albert Stifter; † 28. JĂ€nner 1868 in Linz) war ein österreichischer Schriftsteller, Maler und PĂ€dagoge. Er zĂ€hlt zu den bedeutendsten Autoren des Biedermeiers.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Stifters Geburtshaus in Oberplan

Adalbert Stifter trug anfĂ€nglich den Namen Albert und wurde am 23. Oktober 1805 als Ă€ltester Sohn des zunĂ€chst als Leinweber und spĂ€ter als GarnhĂ€ndler tĂ€tigen Johann Stifter und dessen Frau Magdalena in Oberplan an der Moldau (Böhmerwald) (heute HornĂ­ PlanĂĄ/Tschechien) geboren. Der Vater starb, als er 1817 unter einen umstĂŒrzenden Flachswagen geriet. Bis der Großvater mĂŒtterlicherseits, Franz Friepes, Adalbert 1818 gegen einigen Widerstand auf die Lateinschule schickte, arbeitete der bei der Mutter aufwachsende Stifter vor allem in der Landwirtschaft des vĂ€terlichen Großvaters Augustin Stifter, um die kargen LebensverhĂ€ltnisse der Familie zu bessern. 1820 heiratete die Mutter den BĂ€ckermeister Ferdinand Mayer. 1825 erkrankte Stifter an den als „echte Blattern“ bezeichneten Pocken.

Arbeit des LateinschĂŒlers Adalbert Stifter (Stift KremsmĂŒnster um 1823/25)
Der „Mathematische Turm“

In den Jahren 1818 – 1826 besuchte Stifter das Benediktiner Stiftsgymnasium in KremsmĂŒnster. Nach dem sechsjĂ€hrigen Bildungsweg in den „Grammatikalklassen“ und anschließenden „HumanitĂ€tsklassen“ bereitete er sich in den zweijĂ€hrigen „philosophischen Klassen“ auf das UniversitĂ€tsstudium vor. RĂŒckblickend auf diese Zeit, die er spĂ€ter als die schönste Zeit seines Lebens beschrieb, Ă€ußerte sich der 59-jĂ€hrige Stifter: „[
]Dort hatte ich ĂŒber eine außerordentlich schöne Landschaft hin tĂ€glich den Blick auf die blauen Alpen und ihre Prachtgestalten, dort lernte ich zeichnen, genoß die Aufmerksamkeit trefflicher Lehrer, lernte alte und neue Dichter kennen und hörte zum ersten Male den Satz: das Schöne sei nichts anderes als das Göttliche im Kleide des Reizes dargestellt, das Göttliche aber sei in dem Herrn des Himmels ohne Schranken, im Menschen beschrĂ€nkt; aber es sei sein eigentlichstes Wesen, und strebe ĂŒberall und unbedingt nach beglĂŒckender Entfaltung, als Gutes, Wahres, Schönes, in Religion, Wissenschaft, Kunst, Lebenswandel. Dieser Spruch, so ungefĂ€hr oder anders ausgedrĂŒckt, traf den Kern meines Wesens mit Gewalt [
]“.[1] Die traditionsreiche Bildungswelt des Stifts vermittelte den SchĂŒlern die christlichen Glaubenswahrheiten, orientiert an den Ideen der AufklĂ€rungsphilosophie von Leibniz, Wolff und Kant. Diese Schul-und Wissenschaftstradition des Stifts verkörperte sich im barocken Gesamtkunstwerk des Wissenschaftsturms mit seinen auf sieben Ebenen nach der Hierarchie des physiko-theologischen Weltbildes geordneten Sammlungen: Naturalia, Scientifica, Mechanica, Artificialia, bekrönt von Sternwarte und Kapelle:„[Es] fand sich in der Verbindung von Religion, Philosophie, Kunst und Naturwissenschaft jene harmonische Weltschau eindrucksvoll gestaltet, die Stifter in seinem Werk immer wieder beschwört und so zwanghaft wie vergeblich wiederherzustellen versucht“. [2]

1826 nahm er ein Studium der Rechte in Wien auf und erzielte bei den ersten PrĂŒfungen gute Ergebnisse. Sein Studium finanzierte er durch Privatunterricht als Hauslehrer, nachdem er bereits wĂ€hrend seiner Schulzeit in KremsmĂŒnster Nachhilfestunden gegeben hatte. In die Zeit seines Studiums fallen auch erste dichterische Versuche (1827), die von Goethe, Herder und Jean Paul beeinflusst sind. Gleichzeitig verliebte er sich unglĂŒcklich in Fanny Greipl und verfiel in zunehmende Selbstzweifel, die er mit Alkohol zu verdrĂ€ngen versuchte. Die unglĂŒckliche Beziehung zu Fanny belastete auch seine Leistungen an der UniversitĂ€t, sodass er 1830 sein Studium ohne Abschluss abbrechen musste.[3]

Amalia Mohaupt

Um 1829/30 entstand Stifters erste Prosaarbeit Julius, eine unvollendete ErzĂ€hlung, in der noch immer das Vorbild Jean Pauls spĂŒrbar ist. 1832 und 1833 bemĂŒhte sich Stifter erfolglos um amtliche Lehrstellen. Im Februar 1833 brach Fanny die sporadische Beziehung ab. Kurz darauf lernte Stifter die Putzmacherin Amalia Mohaupt (1811–1883) kennen, die von seiner Umgebung als ihm intellektuell unterlegen geschildert wird. Nachdem er sich mit ihr verlobt hatte, schrieb er am 20. August 1835 einen letzten Reuebrief an Fanny, in dem er erklĂ€rt, nur aus Eifersucht so gehandelt zu haben ("so suchte ich, wie es in derlei FĂ€llen immer zu gehen pflegt, in neuer Verbindung das GlĂŒck, das die alte erste versagte"). Um 1834/35 dĂŒrfte auch Der Condor entstanden sein, der aber erst 1840 zur Veröffentlichung gelangte.

1836 heiratete Fanny den Finanzbeamten Fleischanderl, am 15. November 1837 heiratete Stifter Amalia und versuchte offenbar auf diese Weise, die innere Ordnung seines Lebens wiederherzustellen. Die materiellen Sorgen aber wurden desto augenfĂ€lliger und verließen den Dichter auch in der Ehe mit der fast verschwendungssĂŒchtigen Amalie nicht mehr, wie PfĂ€ndungen 1837 und 1841 belegen. Um 1836/37 entstanden die Feldblumen, die 1841 veröffentlicht wurden.

Noch vor der Eheschließung hatte sich Stifter 1837 um eine Anstellung an der Forstlehranstalt Mariabrunn beworben. 1839 entstanden die ersten wichtigeren GemĂ€lde Blick auf Wiener VorstadthĂ€user sowie Blick in die Beatrixgasse und Ruine Wittinghausen. Im selben Jahr verstarb auch Fanny. 1840 erschien Der Condor in der Wiener Zeitschrift fĂŒr Kunst, Literatur, Theater und Mode und wurde wohlwollend aufgenommen. Im Jahr 1841 folgte die ErzĂ€hlung Feldblumen im Almanach Iris nach.

Nach 1841 nahm Stifter wieder die TÀtigkeit als Hauslehrer auf und unterrichtete u. a. von 1843 bis 1846 Richard von Metternich, den Sohn des österreichischen Staatskanzlers. Der Pester Verleger Gustav Heckenast, der schon den Condor herausgegeben hatte, begann nun, Stifter zu fördern: Er wurde Herausgeber des Sammelbandes Wien und die Wiener und veröffentlichte 1842 die ErzÀhlung Der Hochwald in der Iris.

Arbeitszimmer von Adalbert Stifter im Stifterhaus in Linz mit PortrÀts des Dichters und von Amalia Mohaupt

Es folgten zunÀchst einige publizistische Arbeiten, bis dann mit Abdias 1842 der literarische Durchbruch gelang, der Stifter auch materiell zunehmende UnabhÀngigkeit brachte. Es folgten bis 1844 Brigitta und Das alte Siegel, dann Der Hagestolz und Der Waldsteig. 1843 arbeitete er seine ersten ErzÀhlungen um, und schon 1844 konnte der nunmehr vorwiegend schriftstellerisch tÀtige Stifter seine gesammelten ErzÀhlungen in den ersten BÀnden der Studien vorlegen. WÀhrend diese ersten BÀnde schnell Anerkennung fanden, hatte Stifter mit den 1850 erschienenen letzten zwei BÀnden der Studien keinen Erfolg mehr. Auch der Dichter Friedrich Hebbel kritisierte die Werke des Neulings nun scharf.

Totenmaske von Adalbert Stifter, abgenommen von Josef Rint

Die Unruhen des Revolutionsjahres 1848 veranlassten Stifter, der als ein AnhĂ€nger der revolutionĂ€ren Bewegung und als der „fortgeschrittenste Liberale“ galt und auch als Wahlmann fĂŒr die Nationalversammlung fungierte, Wien zu verlassen und nach Linz ĂŒberzusiedeln. Hier veröffentlichte er 1849 die ErzĂ€hlung Die Landschule, die die Arbeit der Landschullehrer positiv hervorhob. 1850 wurde er selbst, nun wieder zunehmend von finanziellen Sorgen geplagt, zunĂ€chst provisorisch und 1853 endgĂŒltig zum Schulrat ernannt.

Die Ehe mit Amalia hat Stifter selbst als glĂŒcklich beschrieben, obwohl sie wenig gebildet war. Amalia hat Stifter ein Leben lang gepflegt, umsorgt und behĂŒtet. Doch scheint die Kinderlosigkeit das Paar belastet zu haben. Die Stifters nahmen Juliane, eine Nichte Amalias, als Ziehtochter auf. Diese riss aber mehrmals von zu Hause aus; nachdem sie auch im Winter 1859 mehrere Tage verschwunden war, fand man ihre Leiche in der Donau. Ob der Tod durch einen Unfall verursacht wurde oder sich das MĂ€dchen umgebracht hat, blieb ungeklĂ€rt. Dieser Schicksalsschlag hat die Stifters schwer getroffen.

Stifters Gesundheitszustand verschlechterte sich Ende der 1850er Jahre zunehmend. Mehrmals begab er sich zu Kuraufenthalten fĂŒr ein „Nervenleiden“; die Arbeit an seinem historischen Roman „Witiko“ verzögerte sich – zum Leidwesen seines Verlegers Gustav Heckenast – ĂŒber mehrere Jahre hinweg. Schließlich konnte er sein Amt nicht mehr ausfĂŒllen. Durch die Intervention eines Gönners wurde er mit dem Titel eines Hofrates pensioniert. Von den zunehmenden Beschwerden einer Leberzirrhose geplagt, öffnete sich Stifter am 26. Januar 1868 auf dem Krankenbett mit einem Rasiermesser die Halsschlagader und starb zwei Tage darauf. Das selbst herbeigefĂŒhrte Ende seines Leidens wurde in der Todesurkunde diskret verschwiegen. Auf dem St.-Barbara-Friedhof in Linz fand Adalbert Stifter seine letzte RuhestĂ€tte.

[Bearbeiten] Kritik

Das StifterHaus in Linz, ein ehemaliges Wohnhaus Adalbert Stifters, beherbergt heute das Adalbert-Stifter-Institut (eine ForschungsstĂ€tte fĂŒr Literatur- und Sprachwissenschaft) sowie das Oberösterreichische Literaturhaus

Manche seiner Kritiker warfen Stifter vor, seine Figuren seien eigentlich gar keine, sein Werk erschöpfe sich im Darstellen von Natur und Landschaft. Sie empfanden auch seine unausgesprochen das Werk durchwirkende Sittlichkeit als restaurativ. Kritisiert wird außerdem sein weitschweifiger und langatmiger Stil. „Was wird hier nicht alles betrachtet und geschildert“, beschwerte sich schon Hebbel ĂŒber den Nachsommer, „es fehlt nur noch die Betrachtung der Wörter, womit man schildert, und die Schilderung der Hand, womit man diese Betrachtung niederschreibt...“ [4] Von Ă€hnlichen Kritiken, die den Mangel an „Leidenschaft und Tatkraft“ beklagten und das „Dargestellte altvĂ€terisch und beschrĂ€nkt“ nannten, berichtet auch Hugo von Hofmannsthal in einem Nachwort zu dem Roman.

Zu Stifters Bewunderern zÀhlt dagegen Friedrich Nietzsche, der den Nachsommer (sowie Kellers Leute von Seldwyla, den ersten Teil der Jung-Stillingschen Lebensgeschichte, und Lichtenbergs Aphorismen) neben Goethe, vor allem dessen GesprÀche mit Eckermann, stellt. [5]
Auch Karl Kraus, der die Zeitgenossen, sofern sie noch „ein QuĂ€ntchen MenschenwĂŒrde und EhrgefĂŒhl“ besĂ€ĂŸen, auffordert, „vor das Grab Adalbert Stifters [zu] ziehen, [
] um Verzeihung [zu] bitten und hierauf einen solidarischen leiblichen Selbstmord auf dem angezĂŒndeten Stoß ihrer schmutzigen Papiere und Federstiele [zu] unternehmen.“ [6]

Kritik und Lob machen sich vor allem an zwei Aspekten fest: der Sittlichkeit und der Natur in Stifters Werk. Stifter selbst „gibt nicht das Bild des Idyllikers der Biedermeierzeit“ (Weiss 1924, 108), steht dem Zweifeln und Leiden und Suchen im Abdias nĂ€her, lotet Grenzen aus, vermeidet Pathos, vor allem jenes der Revolution. Die Seelenlandschaft des Menschen wird von ihm in der Parallelwelt der Natur gespiegelt. „So verschwindet zu unserer tiefsten Befreiung und Befriedigung die Grenze zwischen dem Menschen in der Landschaft und der Landschaft im Menschen.“ (Weiss 1924, 110). Und dennoch ist Leidenschaft nicht getilgt, sondern im UrsprĂŒnglichen sublimiert. Thomas Mann behauptet zwar, „dass hinter der stillen, innigen Genauigkeit gerade seiner Naturbetrachtung eine Neigung zum Exzessiven, Elementar-Katastrophalen, Pathologischen wirksam ist“ (Die Entstehung des Doktor Faustus, 1949). Eine eifernde Leidenschaft, dem „Blitz, welcher HĂ€user spaltet“ (3/8) gleich, lehnt Stifter jedoch entschieden ab, sodass Joseph von Eichendorff mit Recht von ihm sagen kann, er habe „nicht eine Spur von moderner Zerrissenheit, von selbstgefĂ€lliger FrivolitĂ€t, von moralisch experimentierender SelbstquĂ€lerei“ [7]
„Eine Reinterpretation Stifters wird zunĂ€chst von den ebenso irritierenden wie unumgĂ€nglichen Sinnkonstruktionen erschwert, die dieser Autor seinen ins Hermetische tendierenden Texten mit naiver Insistenz aufgesetzt hat. AuffĂ€llig dabei ist allerdings, daß die positiven Konstruktionen Stifters, also etwa seine vielzitierte christliche Demut, sein weltfrommer Pantheismus, die Behauptung der sanften GesetzmĂ€ĂŸigkeit des natĂŒrlichen Lebens sowie der rigide Moralismus der von ihm erzĂ€hlten Geschichten, nirgends in seinem Werk entwickelt oder reflektiert werden.“ W. G. Sebald [8]
Neben den Genannten wirkte Stifter u. a. auch auf Rosegger und Ganghofer, auf Heyse, Freytag und Wildenbruch, auf Storm und Fontane, spĂ€ter auf Hesse, J. Urzidil, W. G. Sebald, Hermann Lenz, Arnold Stadler und schließlich Max Goldt.

[Bearbeiten] Werke im Überblick

[Bearbeiten] Dichtungen

Frontispiz des zweiten Bandes der Bunten Steine mit einer Illustration Ludwig Richters (Erstausgabe)
Der Nachsommer, Erstdruck; Original-Verlagseinband, Titelvignette mit dem Freiherrn von Risach
  • Der Nachsommer (1857) (Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3 – Digitalisat und elektronischer Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Die Mappe meines Urgroßvaters (in drei Fassungen erschienen: 1841/1842; 1847 und 1972)
  • Nachkommenschaften (1864)
  • Witiko (3 BĂ€nde – 1865–1867)
  • Der Kuß von Sentze (1866)
  • ErzĂ€hlungen (1869)

[Bearbeiten] Essays und andere Schriften

[Bearbeiten] GemÀlde

  • Ruine Wittinghausen (Wien Museum, Schubert-Geburtshaus), um 1833–35
  • Der Königssee mit dem Watzmann (Wien, Österreichische Galerie), 1837, Öl auf Leinwand, 36 x 45 cm
  • Blick ĂŒber Wiener VorstadthĂ€user - Beatrixgasse (Wien, Österreichische Galerie), 1839, Öl auf Holz
  • Blick in die Beatrixgasse (Wien Museum, Schubert-Geburtshaus), 1839
  • Mondlandschaft mit bewölktem Himmel (Wien Museum, Schubert-Geburtshaus), um 1850

[Bearbeiten] WĂŒrdigung

Stifter-Denkmal in Oberplan von Karl Wilfert
Adalbert-Stifter-Gedenktafel in Friedberg (Frymburk)
Die fĂŒnfte BĂŒstengruppe (Nr. 90 bis 110) mit der BĂŒste Stifters, untere Reihe am linken Rand neben Eichendorff
Gedenktafel in Triest- Hotel de la Ville
Briefmarke (1955) zum 150. Geburtstag

Stifters Leben und Wirken im Grenzbereich zwischen deutsch- und tschechischsprachiger Kultur ließ Adalbert Stifter zum Namenspatron einiger verbindender Projekte werden:

  • So hat sein Heimatort 2003 ein „Adalbert-Stifter-Zentrum“ eröffnet. In diesem Begegnungs- und Studienzentrum soll die kulturelle Bindung zwischen Österreich, Tschechien und Deutschland vertieft werden.
  • 1903 wurden in Oberplan im Hinblick auf das Gedenkjahr 1905 bei dem Wiener Bildhauer Johann (Hans) Rathausky (siehe: Promenade Linz) Vorarbeiten fĂŒr ein Denkmal in Auftrag gegeben.[9] – Dem Wiener Unterrichtsministerium hat jedoch der Denkmalentwurf nicht sonderlich gefallen. So erhielt der akademische Bildhauer Karl Wilfert der JĂŒngere aus Eger einen neuen Auftrag, und das von ihm geschaffene Denkmal wurde am 26. August 1906 unter Anteilnahme von rund 6000 FestgĂ€sten, darunter ĂŒber 100 Vereinen, feierlich enthĂŒllt.[10]
  • Seit 1947 engagiert sich der Adalbert-Stifter-Verein in MĂŒnchen, das Erbe der deutschsprachigen Kunst und Kultur in Böhmen zu erhalten. Seit 2001 ist hier auch das offizielle deutsch-tschechische Kulturinstitut angesiedelt, das den kulturellen Austausch zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien fördert und unterstĂŒtzt.
  • Am 7. Juli 1865 schrieb Stifter an seinen Verleger Gustav Heckenast: „Wir fuhren am Donnerstag nach Regensburg. Die Walhalla mochte ich dieses Mal gar nicht besehen; ihr Besuch hat mir vor Jahren TrĂ€nen gekostet, jetzt hĂ€tte ich Ingrimm gefĂŒhlt. Dieses Vergöttern der Toten die man im Leben gekreuzigt hat und noch immer kreuzigt, ist zu empörend und ekelhaft.“ Am 26. September 1954 wurde auf Antrag der sudetendeutschen Ackermann-Gemeinde und durch bayerischen Ministerialbeschluss die BĂŒste des Dichters in die Walhalla aufgenommen. Sie stammt von Otto Herbert Hajek und erfuhr neben Anerkennung heftige Kritik und Polemik. In Erwartung schlichter und biederer ZĂŒge verstörte die glatte Form durch „streng minimalistisch gehaltene, Emotionen und Altersspuren eliminierende“ Formgebung.[11] Ein Beitrag im Jahrbuch 1996 des Adalbert Stifter Institutes Linz betont, Hajek sei den Normierungen der Walhalla-BĂŒsten gefolgt: „Er stilisierte Stifter in die monumentale GlĂ€tte bis zur geometrischen Unkenntlichkeit“.[12]
  • Mehrere Schulen wurden nach Stifter benannt, so z. B. in Bozen (SĂŒdtirol), Grundschulen in Erlangen, Forchheim, FĂŒrth, Heusenstamm und WĂŒrzburg, Realschulen in Heidenheim, MĂŒnchen und SchwĂ€bisch GmĂŒnd sowie Gymnasien in Castrop-Rauxel, Linz und Passau.
  • Das Adalbert-Stifter-Denkmal am Plöckenstein befindet sich bei einem Aussichtspunkt ĂŒber dem Plöckensteinsee.
  • In Linz gibt es ein StifterHaus, das ehemalige Wohnhaus des Dichters, welches das Oberösterreichische Literaturmuseum und seit 1956 das Adalbert Stifter Institut des Landes Oberösterreich beherbergt. Es ist Veranstaltungsort fĂŒr diverse Literaturausstellungen. Im Mai 2005 wurde das Literaturmuseum im StifterHaus zum Museum des Monats ernannt. Daneben heißt auch der Große Kulturpreis des Landes Oberösterreich Adalbert-Stifter-Preis.
  • Die wohl Ă€lteste deutsche Adalbert-Stifter-Straße befindet sich im MĂŒnchner Stadtteil Bogenhausen, im Herzogpark. Thomas Mann erzĂ€hlt in seinem Werk „Herr und Hund“, wie er mit seinem Hund Bauschan spazieren geht: „Da ist eine Gellert-, eine Opitz-, eine Fleming-, eine BĂŒrger-Straße, und sogar eine Adalbert-Stifter-Straße ist da, auf der ich mich mit besonders sympathischer Andacht in meinen Nagelschuhen ergehe.“[13] Die Straßenbenennungen galten fĂŒr die Adalbert-Stifter-Gesellschaft Wien als gleich bedeutsam wie DenkmalsenthĂŒllungen oder Erinnerungstafeln an einstigen Stifter-WohnstĂ€tten, waren jedoch bis 1945 zunĂ€chst eher selten. Der erste Adalbert-Stifter-Almanach (1937) erwĂ€hnt lediglich eine Straßenbenennung in Linz (1869) sowie eine weitere in Wien (1899). Erst mit der Neuansiedlung der Vertriebenen in Österreich und vor allem in Bayern wuchs die Zahl in „mehrfach belegten Kombinationen mit Sudeten-und Joseph von Eichendorff-Straßen“. Dabei sei es weniger um eine literarische WĂŒrdigung gegangen: „Die Patrone der verlorenen Heimat sollten das Einleben in den Neubaugebieten der Zufluchtsorte erleichtern.“ [14] Ähnliches gilt fĂŒr Wohnanlagen und deren Platzgestaltung. In Gersthofen zum Beispiel gibt es die Adalbert-Stifter-Siedlung mit dem Stifter-Platz, auf dem ein Denkmal zu Ehren Adalbert Stifters errichtet ist.
  • Im Rosenbergergut in LackenhĂ€user, Gemeinde Neureichenau, wo Stifter seit 1855 im sogenannten Ladenstöckl hĂ€ufig gastierte, befinden sich zwei GedenkrĂ€ume.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] AusgewÀhlte Literatur

  • Hendrik Achenbach: Natur versus Kultur? 'Wilde MĂ€dchen' im ErzĂ€hlwerk Adalbert Stifters Magisterarbeit, Siegen 1998 (HTML, PDF)
  • Hannah Arendt: Great Friend of Reality: A. S. (engl.) In: Reflections on Literature and Culture. SUP Stanford, Calif. 2007, ISBN 978-0-8047-4499-7, 4S. online lesen bei google-books
  • Franz Baumer: Adalbert Stifter MĂŒnchen 1989
  • dsb.: Das sanfte Gesetz. Roman ĂŒber A.Stifter, Passau 1978, Rezension
  • Peter Becher: Adalbert Stifter. Sehnsucht nach Harmonie. Eine Biografie. Friedrich Pustet, Regensburg 2005 ISBN 3-7917-1950-5 (Der Autor ist GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Adalbert Stifter Vereins in MĂŒnchen)
  • Jochen Berendes: Ironie - Komik - Skepsis: Studien zum Werk Adalbert Stifters, TĂŒbingen 2009, 400S. online lesen bei google-books
  • Joseph Berlinger: „Das Meer muß ich sehen.“ Eine Reise mit Adalbert Stifter ISBN 3-86512-005-9, Inhalt, Rezesion, ua.
  • Frauke Berndt: Nichts als die Wahrheit: zur grammatologischen Metaphysik in Adalbert Stifters "Mein Leben", Aufsatz 2005, 32S.PDF
  • MichĂšle Godau: Wirkliche Wirklichkeit: Mythos und Ritual bei Adalbert Stifter und Hans H.Jahnn, WĂŒrzburg 2005, 210S. online lesen bei google-books
  • Bruno Hillebrand: A.Stifter, heute noch erreichbar?, Essay zum 100.Todesjahr, 1968 Digitalisat, 10S.
  • Johannes Kersten: Eichendorff und Stifter : vom offenen zum geschlossenen Raum, Paderborn 1996: Digitalisat, 200S.
  • Michael Klein, Wolfgang WiesmĂŒller: Adalbert Stifter. Der 200. Geburtstag im Spiegel der Literaturkritik. LIT-Verlag, Wien/Berlin 2009. (= Innsbrucker Studien zur Alltagsrezeption 7/2008, ISBN 978-3-8258-1814-2, online lesen bei google-books
  • Erik Lunding: Adalbert Stifter. Mit einem Anhang ĂŒber Kierkegaard und die existentielle Literaturwissenschaft. (Studien zur Kunst und Existenz B. I) Nyt Nordisk Forlag - Arnold Busck, Kopenhagen 1946
  • Wolfgang Matz: Adalbert Stifter oder: Diese fĂŒrchterliche Wendung der Dinge. Biographie Hanser, MĂŒnchen 1995 ISBN 3-446-18317-5, wieder dtv, 2005 ISBN 3-423-34220-X
  • dsb.: Gewalt des Gewordenen. Zum Werk Adalbert Stifters Graz 2005 ISBN 3-85420-691-7
  • dsb.: 1857: Flaubert, Baudelaire, Stifter S. Fischer, Frankfurt 2007 ISBN 978-3-10-048920-3
  • Mathias Mayer: Adalbert Stifter. ErzĂ€hlen als Erkennen. Reclam, Stuttgart 2001, 274S. (kurze und durchaus differenzierte Darstellung aller ErzĂ€hlungen Stifters)
  • Karl Pörnbacher: Literaturwissen Adalbert Stifter Ditzingen 1998
  • Urban Roedl: Adalbert Stifter in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten Rowohlt TB, Reinbek
  • Arnold Stadler: Mein Stifter. PortrĂ€t eines Selbstmörders in spe und fĂŒnf Photographien. DuMont, Köln 2005, ISBN 3-8321-7909-7
  • Berta Vorbach: Adalbert Stifter und die Frau 1936, 206S. Digitalisat
  • Michael Wild: Wiederholung und Variation im Werk Adalbert Stifters, WĂŒrzburg 2001, online lesen bei google-books
Periodika und SammelbÀnde
  • Internationale Dokumentationen der Stifter-Forschung im Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich Linz
    • von 1952 bis 1993: Vierteljahresschrift des Adalbert-Stifter-Institutes des Landes Oberösterreich (= VASILO)
    • seit 1994: Jahrbuch des Adalbert-Stifter-Institutes des Landes Oberösterreich
  • Oberösterreichische HeimatblĂ€tter 1947–2000 als PDF, 36 Funde zu A.Stifter
  • Jattie Enklaar & Hans Ester (Hrsg.): Geborgenheit und GefĂ€hrdung in der epischen und malerischen Welt Adalbert Stifters. („Deutsche Chronik“ 55) Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2006 ISBN 3-8260-3286-1; 19 Essays, online lesen bei google-books
  • Hartmut LaufhĂŒtte und Karl Mösenender (Hrsg.): Adalbert Stifter. Dichter und Maler, Denkmalpfleger und Schulmann. Neue ZugĂ€nge zu seinem Werk. Max Niemeyer Verlag, TĂŒbingen 1996. ISBN 3-484-10719-7; Inhalt: Rec.1-29 der MLA Bibliography
  • Walter Hettche, Johannes John und Sibylle von Steinsdorff (Hrsg.): Stifter-Studien. Ein Festgeschenk fĂŒr Wolfgang FrĂŒhwald zum 65. Geburtstag. Max Niemeyer Verlag, TĂŒbingen 2000. ISBN 3-484-10828-2; Inhalt; Auszug daraus: Ulrike Landfester: Der Autor als Stifter oder Die Mappe meines Urgroßvaters, Digitalisat
Werkausgaben
  • Stifters Werke, Auswahl in 6 BĂ€nden, Bong, Berlin 1900, mit EinfĂŒhrungen, Lebensbild (70S. Bd.1), ErklĂ€rungen (110S. Bd.6): online bei archive.org
  • SĂ€mtliche ErzĂ€hlungen nach den Erstdrucken. Zwei BĂ€nde. Herausgegeben von Wolfgang Matz (2005).
  • Werke und Briefe. Historisch-kritische Gesamtausgabe. Im Auftrag der Kommission fĂŒr Neuere deutsche Literatur der Bayerischen Akademie der Wissenschaften hrsg. von Alfred Doppler, Wolfgang FrĂŒhwald und seit 2001 Hartmut LaufhĂŒtte, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1978 ff. Dazu: Entstehung, Editionsrichtlinien und editorische Problemstellungen in: Sichtungen 3 (2000)
  • Liste weiterer Editionen
HörbĂŒcher

[Bearbeiten] Filme

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ Brief an G. C. F. Richter vom 21.Juni 1866 online bei archive.org
  2. ↑ Edda Ziegler: Im Zirkelodem der Sterne. ‚Über die Sonnenfinsternis am 8. July 1847 in Wien‘. In: Walter Hettche, Johannes John und Sibylle von Steinsdorff (Hrsg.): Stifter-Studien. Ein Festgeschenk fĂŒr Wolfgang FrĂŒhwald zum 65. Geburtstag. Max Niemeyer Verlag, TĂŒbingen 2000, S. 4 – 19, hier S. 10 – 11.
  3. ↑ Moriz Enzinger: Adalbert Stifters Studienjahre (1818-1830). Innsbruck 1950.
  4. ↑ zit. in Enklaar, Ester: Geborgenheit und GefĂ€hrdung... S.60 online bei googlebooks
  5. ↑ Nietzsche, Der Schatz der deutschen Prosa
  6. ↑ Die Fackel, April 1916 S.56-58
  7. ↑ Eichendorff: Ueber die ethische und religiöse Bedeutung der neueren romantischen Poesie ...S.290f online bei google-books
  8. ↑ zit. in Enklaar, Ester: Geborgenheit und GefĂ€hrdung... S.7 online bei googlebooks
  9. ↑ Das Stifter-Denkmal in Oberplan.. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, 2. Mai 1903, S. 9 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  10. ↑ JubilĂ€umsfeier am Gutwasserberg. 100 Jahre Adalbert-Stifter-Denkmal in Oberplan. www.adalbertstifter.at
  11. ↑ Peter Becher: Adalbert Stifter. Sehnsucht nach Harmonie, S. 234
  12. ↑ Rolf Selbmann: SpĂ€te bunte Steine. Die DenkmĂ€ler fĂŒr Adalbert Stifter. In: Jahrbuch des Adalbert Stifter Institutes des Landes Oberösterreich, Band 3, 1996, S. 110 – 128, hier S.112
  13. ↑ zitiert nach Ulrich Dittmann (Hrsg.): Stifter-Kontexte. Zum Gebrauchswert eines Klassikers. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung. Adalbert Stifter Verein, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-9808097-6-5, Kapitel Stifter-Straßen, S. 31.
  14. ↑ Ulrich Dittmann: Stifterkontexte, S. 32-33

[Bearbeiten] Weblinks

 Wikisource: Adalbert Stifter â€“ Quellen und Volltexte
 Commons: Adalbert Stifter â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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